Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
»Das sagen Sie.« Er hielt einen Computerausdruck hoch. »Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ergibt unter Berücksichtigung aller Faktoren, daß in 0,08 Prozent aller Fälle mit der Möglichkeit einer Übertragung von Mikroorganismen durch das Netz gerechnet werden muß. Und daß bei der Öffnung des Netzes die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins aktiver Myxoviren im kritischen Bereich 22,1 Prozent betrug.«
»Woher, in Gottes Namen, haben Sie diese Zahlen?« fragte Dunworthy. »Aus dem Hut gezaubert? Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung«, sagte er mit ironischer Betonung des Wortes, »lag die Möglichkeit, daß jemand anwesend sein würde, wenn Kivrin durchginge, bei nur 0,4 Prozent, eine Wahrscheinlichkeit, die Sie für statistisch bedeutungslos erklärten.«
»Viren sind außerordentlich widerstandsfähige Organismen«, sagte Gilchrist. »Es ist bekannt, daß sie lange Zeiträume im Ruhezustand überdauern können, Zeiträume, in denen sie extremen Temperaturen, Trockenheit und Feuchtigkeit ausgesetzt sind, und trotzdem lebensfähig bleiben. Unter bestimmten Bedingungen bilden sie Kristalle, die ihre Struktur sogar unbegrenzte Zeit erhalten. Werden sie dann wieder in eine Lösung überführt, erweist sich ihre Virulenz als ungebrochen. Lebensfähige Kristalle des Tabakmosaikvirus sind entdeckt worden, die aus dem 16. Jahrhundert datieren.
Es besteht offensichtlich ein nicht zu unterschätzendes Risiko, daß Viren übertragen werden, wenn das Netz geöffnet wird, und unter den Umständen kann ich eine Öffnung des Netzes unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht gestatten.«
»Das Virus kann nicht durch das Netz gekommen sein«, sagte Dunworthy.
»Warum sind Sie dann so begierig, die Fixierung lesen zu lassen?«
»Weil…« Dunworthy brach ab, um seine Beherrschung zu wahren. »Weil die Ablesung uns verraten wird, ob die Absetzoperation wie geplant verlief oder ob etwas schiefging.«
»Ach, Sie geben also zu, daß die Möglichkeit eines Irrtums besteht?« sagte Gilchrist. »Warum dann nicht ein Irrtum, der das Eindringen von Viren durch das Netz erlauben würde? Solange diese Möglichkeit besteht, wird das Laboratorium gesperrt bleiben. Ich bin ganz sicher, daß Mr. Basingame meine Vorgehensweise billigen wird.«
Basingame, dachte Dunworthy. Darum allein ging es ihm. Es hatte nichts mit dem Virus oder den Demonstranten oder »Krankheiten der Brust« im Jahre 1318 zu tun. Alles war nur darauf abgestellt, sein Handeln vor Basingame zu rechtfertigen.
Gilchrist war in Basingames Abwesenheit amtierender Dekan. In dieser Eigenschaft hatte er die Einstufung geändert und die Absetzoperation überstürzt, offensichtlich mit der Absicht, Basingame vor ein brillantes fait accompli zu stellen. Aber das war nun in Gefahr, denn eine Epidemie war dazwischengekommen, die Stadt stand unter Quarantäne, Leute demonstrierten vor dem College, und nun kam es ihm vor allem darauf an, sein Handeln zu rechtfertigen und sich unbeschadet aus der Affäre zu ziehen.
»Was ist mit Kivrin? Billigt sie Ihre Handlungsweise?« sagte er.
»Miss Engle war sich der Risiken vollauf bewußt, als sie sich freiwillig meldete, in das Jahr 1320 zu gehen.«
»War ihr bewußt, daß Sie sie unter Umständen aufgeben würden?«
Gilchrist stand auf. »Dieses Gespräch ist beendet, Mr. Dunworthy. Ich werde das Laboratorium öffnen, sobald die Herkunft des Virus’ geklärt und zu meiner Zufriedenheit erwiesen ist, daß er keinesfalls durch das Netz gekommen ist.«
Er führte Dunworthy zur Tür. Draußen wartete der Portier.
»Ich habe nicht die Absicht, zuzulassen, daß Sie Kivrin aufgeben«, sagte Dunworthy.
»Und ich habe nicht die Absicht, zuzulassen, daß Sie die Gesundheit dieser Gemeinde gefährden!« Er wandte sich zum Pförtner. »Geleiten Sie Mr. Dunworthy zum Tor! Sollte er versuchen, wieder das Brasenose College zu betreten, rufen Sie die Polizei!« Er schlug die Tür zu.
Der Pförtner geleitete Dunworthy über den Hof. Er beobachtete ihn wachsam aus den Augenwinkeln, als rechne er damit, daß er plötzlich gewalttätig werden könnte.
Ich wäre dazu imstande, dachte Dunworthy. »Ich möchte telefonieren«, sagte er, als sie das Tor erreichten. »Dienstlich.«
Der Pförtner machte ein mißtrauisches Gesicht, stellte ihm aber ein Telefon in das Schalterfenster des Pförtnerhauses und sah zu, wie Dunworthy die Nummer vom Balliol College drückte. Als Finch sich meldete, sagte er: »Wir müssen Basingame ausfindig machen. Es ist ein Notfall. Rufen Sie bei der Schottischen Regionalverwaltung das Amt für die Vergabe von Anglerlizenzen an. Und lassen Sie sich vom Fremdenverkehrsverband über Fax eine Liste sämtlicher Hotels und Gaststätten durchgeben. Haben Sie noch Polly Wilsons Nummer?«
Er schrieb die Nummer auf, bedankte sich und legte auf. Nachdem er angefangen hatte, Polly Wilsons Nummer zu wählen, besann er sich eines Besseren und rief Mary an.
»Ich möchte helfen, den Ursprung des Virus’ festzustellen«, sagte er.
»Gilchrist wollte Ihnen das Netz nicht öffnen?«
»Nein. Was kann ich tun, um den Ursprung des Erregers zu ermitteln?«
»Was Sie vorher mit den Primärinfektionen getan haben. Gehen Sie den Kontakten nach, erkundigen Sie sich nach den Dingen, die ich Ihnen sagte: Röntgenbestrahlung, Nähe zu Vögeln oder Vieh, Religionszugehörigkeit, die eine Anwendung von antiviralen Mitteln ausschließt. Dazu werden Sie die Listen der Kontaktpersonen brauchen.«
»Ich werde Colin schicken, daß er sie holt«, sagte er.
»Und ich werde sie zusammenstellen lassen. Sie sollten Badris Kontakte über vier bis sechs Tage zurückverfolgen, falls der Erreger in ihm entstand. Die Inkubationszeit von einem Reservoir kann länger sein als die Inkubationszeit bei einer Infektion von Person zu Person.«
»Damit werde ich William beauftragen«, sagte er. Er schob das Telefon dem Pförtner zu, der sofort herauskam und mit ihm bis vor das Tor ging. Dunworthy wunderte sich, daß er ihm nicht bis zum Balliol College folgte.
Sobald er dort anlangte, rief er Polly Wilson an. »Gibt es eine Möglichkeit, Zugang zur Netzkonsole zu finden, ohne in das Laboratorium zu kommen?« fragte er sie. »Können Sie durch die EDV-Anlage der Universität direkt hineingehen?«
»Ich weiß es nicht«, antwortete sie. »Die EDV-Anlage der Universität ist abgeschirmt und gesichert. Ich könnte vielleicht eine Überrumpelung versuchen, oder mich vom Balliol-Datenanschluß hineinschlängeln. Es müßte zuerst geklärt werden, wie die Sicherungen aussehen. Haben Sie einen Techniker, der die Fixierung lesen kann, wenn ich eine Verbindung zustande bringe?«
»Ich besorge einen«, sagte er.
Colin kam eine frische Rolle Klebeband holen. »Wußten Sie, daß die genetische Sequenz entschlüsselt ist und daß es sich bei dem Virus um eine Mutation handelt?«
»Ja«, sagte Dunworthy. »Ich möchte, daß du zur Klinik gehst und dir von deiner Großtante die Listen der Kontaktpersonen geben läßt.«
Colin legte seine Ladung Plakate ab. Das oberste trug die Überschrift »Vermeiden Sie einen Rückfall.«
»Die Leute sagen, es sei eine Art biologischer Kampfstoff«, sagte Colin. »Eine Züchtung, die aus einem Geheimlaboratorium freigesetzt worden sei.«
Jedenfalls nicht aus Gilchrists, dachte er bitter. »Weißt du, wo William Gaddson ist?«
Colin machte ein Gesicht. »Wahrscheinlich schmust er irgendwo in einem Treppenhaus herum.«
Tatsächlich war Gaddson in der Kantine, wo er an einer freiwilligen Helferin herumfummelte. Dunworthy beauftragte ihn mit Nachforschungen über Badris Aufenthalte und Aktivitäten von Donnerstag bis Sonntagmorgen und ging zurück in seine Räume, um Techniker anzurufen.
Einer war in Moskau bei einer Absetzoperation ins neunzehnte Jahrhundert, und zwei machten Skiurlaub. Die anderen waren nicht zu Hause oder vielleicht waren sie von Andrews gewarnt und meldeten sich nicht.