Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Gilchrist würde eine spontane Mutation als Ursprung des Erregers niemals akzeptieren. Er war zu sehr auf die Theorie fixiert, daß irgendein Virus des 14. Jahrhunderts durch das Netz gekommen sei. Und zu sehr fixiert auf seine Autorität als amtierender Dekan der Historischen Fakultät, um nachzugeben, selbst wenn Dunworthy in den Pfützen des Friedhofs schwimmende Enten gefunden hätte.
»Ich muß mich mit Mr. Basingame in Verbindung setzen«, sagte er. »Wo ist er?«
Sie betrachtete stirnrunzelnd den Knochen. »Basingame? Keine Ahnung.«
»Aber… ich dachte, Sie hätten ihn gefunden! Als Sie am Weihnachtstag anriefen, sagten Sie, Sie müßten ihn ausfindig machen, um Ihre Sondergenehmigung vom Gesundheitsamt zu erwirken.«
»Ich weiß. Zwei volle Tage verbrachte ich damit, sämtliche Fischereivereine und Hotels in Schottland anzurufen, bis ich entschied, daß ich nicht länger warten konnte. Wenn Sie mich fragen, ist er überall, nur nicht in Schottland.« Sie zog ein Taschenmesser aus ihren Jeans und begann an der rauhen Kante des Knochens zu schaben. »Da wir schon vom Gesundheitsamt sprechen, würden Sie etwas für mich tun? Ständig rufe ich dort an, aber es ist immer belegt. Würden Sie hingehen und sagen, daß ich mehr Hilfe brauche? Sagen Sie Ihnen, daß die Ausgrabung von unersetzlichem historischem Wert ist und daß es ein unwiederbringlicher Verlust wäre, wenn die Ausgrabung im Regen absaufen würde. Ich brauche eine Sondergenehmigung für wenigstens fünf Hilfskräfte. Und eine Pumpe.« Das Messer verhakte sich. Sie setzte es wieder an und schabte weiter.
»Wie konnten Sie Basingames Unterschrift bekommen, wenn Sie nicht wußten, wo er ist? Ich dachte, Sie sagten, daß der Antrag auf eine Sondergenehmigung seiner Unterschrift bedürfe.«
»So ist es«, sagte sie. Ein Knochensplitter löste sich plötzlich und flog davon. Sie untersuchte den Knochen und ließ ihn wieder in den Kasten fallen. »Ich fälschte sie.«
Sie kauerte wieder beim Sarkophag nieder und suchte nach weiteren Knochenresten. Er fragte sich, ob sie sich überhaupt erinnerte, daß Kivrin in eben der Vergangenheit war, die sie hier ausgrub, oder ob sie sie vergessen hatte, wie sie die Epidemie vergessen zu haben schien.
Er legte auf und ging zur Klinik, um Mary zu erläutern, was er herausgefunden hatte, und um auf der Suche nach dem Ursprung des Virus noch einmal die Sekundärinfektionen zu befragen. Es regnete wieder heftiger. Aus den Wasserspeiern ergossen sich wahre Kaskaden und spülten Dinge von unersetzlichem historischem Wert fort.
Die Schellenläuter und Finch mußten noch immer in der Kirche von Osney am Werk sein, denn das Geläute ließ alle Variationen des Glockenspiels in festgelegter Reihenfolge ertönen. Er stellte sich vor, wie sie an den Glockenseilen hingen und abwechselnd die Knie beugten, genauso selbstvergessen in ihr Tun vertieft wie Montoya. Die Glocken dröhnten bleiern und dumpf durch den rauschenden Regen, wie Hilferufe.
Heiligabend 1320 (alte Zeitrechnung). Ich habe nicht soviel Zeit, wie ich dachte. Als ich gerade von der Küche hereinkam, sagte mir Rosemund, daß Frau Imeyne nach mir gefragt habe. Die alte Frau war in ein ernstes Gespräch mit dem Gesandten des Bischofs vertieft, und ihre Miene ließ vermuten, daß sie wieder Pater Roches Sünden und Versäumnisse aufzählte, doch als ich mit Rosemund zu ihnen kam, zeigte sie auf mich und sagte: »Das ist die Frau, von der ich sprach.«
Frau, nicht Fräulein, und ihr Ton war kritisch, beinahe anklagend. Ich überlegte, ob sie den Gesandten womöglich erzählt habe, ich sei eine französische Spionin.
»Sie sagt, sie erinnere sich an nichts«, sagte Imeyne. »Dennoch kann sie sprechen und lesen.« Sie richtete den Blick auf Rosemund. »Wo ist deine Brosche?«
»An meinem Umhang. Ich legte ihn oben in meine Truhe.«
Imeyne schickte sie, die Brosche zu holen, und sobald Rosemund widerstrebend gegangen war, sagte Imeyne: »Sir Bloet brachte meiner Enkelin als Verlobungsgeschenk eine Brosche mit Worten in lateinischer Sprache.« Sie warf mir einen triumphierenden Blick zu. »Diese Frau erklärte ihre Bedeutung, und heute abend sprach sie in’ der Christmette die Worte der Messe, bevor der Priester sie gesagt hatte.«
»Wer lehrte Euch die Buchstaben?« fragte der Gesandte des Bischofs mit vom Wein lallender Stimme.
Ich dachte daran, zu sagen, daß Sir Bloet mir die Bedeutung der Worte erklärt habe, fürchtete aber, daß er es bereits geleugnet hatte. »Ich weiß nicht«, sagte ich. »Seit ich im Wald von Räubern überfallen und auf den Kopf geschlagen wurde, habe ich keine Erinnerung an mein Leben.«
»Als sie zuerst erwachte, sprach sie in einer Zunge, die niemand verstehen konnte«, sagte Imeyne, als ob es ein weiterer Beweis wäre, aber ich hatte keine Ahnung, wessen sie mich zu überführen suchte oder was der Gesandte des Bischofs damit zu tun hatte.
»Ehrwürdiger Vater, geht Ihr nach Oxenford, wenn Ihr uns verlaßt?« fragte sie ihn.
Er bejahte, aber es klang wachsam. »Wir können nur einige Tage hierbleiben.«
»Ich würde Euch bitten, sie mit Euch zu nehmen und zu den gottesfürchtigen Schwestern nach Godstow zu bringen.«
»Wir gehen nicht nach Godstow«, sagte er, was offensichtlich ein Vorwand war. Das Nonnenkloster war nicht einmal fünf Meilen von Oxford entfernt. »Aber ich werde nach meiner Rückkehr den Bischof fragen, ob Nachricht über die Frau gekommen ist, und Euch davon Mitteilung machen.«
»Ich bin überzeugt, daß sie eine Nonne ist, weil sie Lateinisch spricht und die Worte der Messe auswendig weiß«, sagte Imeyne. »Ich möchte Euch bitten, sie in ein Kloster zu bringen, daß man dort unter den Nonnenklöstern Umfrage halten kann, wer sie ist und woher sie kommt.«
Der Gesandte des Bischofs zeigte deutliches Unbehagen, stimmte aber zu. Also bleibt mir noch Zeit bis zu ihrer Abreise. Ein paar Tage, wie der Gesandte des Bischofs sagte, und mit etwas Glück bedeutet dies, daß sie erst nach dem Fest der Unschuldigen Kinder abreisen werden. Aber ich habe vor, so bald wie möglich mit Gawyn zu sprechen.
22
Es ging gegen Morgen, als es Kivrin endlich gelang, Agnes zu Bett zu bringen. Die Ankunft der »drei Könige«, wie sie sie nannte, hatte ihre Müdigkeit verscheucht, und aus Sorge, sie könnte etwas versäumen, weigerte sie sich standhaft, schlafen zu gehen. Obwohl sie offensichtlich erschöpft war.
Als Kivrin sich nützlich zu machen suchte und Eliwys half, das Essen für das Festmahl aufzutragen, hängte Agnes sich an ihre Röcke und jammerte, daß sie hungrig sei, um dann, als die Tische endlich gedeckt waren und die Mahlzeit begann, jede Speise zu verweigern.
Kivrin hatte keine Zeit, sich mit ihr abzugeben. Es war ein Gang nach dem anderen von der Küche über den Hof zu bringen, Tranchierbretter voll Wildbret und Schweinebraten, Gänsebraten und Fasan, und eine enorme Fleischpastete. Nach dem Priester der Traditionalisten galt das Fastengebot zwischen der Christmette und dem Hochamt am ersten Weihnachtstag, aber alle, auch der Gesandte des Bischofs, aßen nach Herzenslust Schweinebraten und Gans und Fasan in Safransoße und tranken dazu Unmengen Bier und Wein. Besonders die »drei Könige« riefen ständig nach mehr Wein.
Sie hatten bereits mehr als genug getrunken. Der Mönch verfolgte Maisry mit lüsternen Blicken, und der Sekretär, schon bei der Ankunft angetrunken, sank beinahe unter den Tisch. Der Gesandte des Bischofs trank noch mehr als die beiden, konnte anscheinend aber eine Menge vertragen; er ließ sich ständig nachschenken, doch wurden auch seine Gesten immer ausholender, seine Stimme lauter und lallender.
Um so besser, dachte Kivrin. Vielleicht betrank er sich so sehr, daß er sein Versprechen, sie ins Nonnenkloster nach Godstow zu bringen, vergessen würde. Soweit ihre Pflichten es zuließen, behielt sie Gawyn unauffällig im Auge, bereit, jede Gelegenheit zu einem Wort unter vier Augen wahrzunehmen, aber er saß zusammen mit Sir Bloets Gefolgsleuten, zechte und lachte und rief nach mehr Fleisch und Bier. Als Kivrin sich wieder um Agnes kümmern konnte, war die Kleine eingeschlafen, den Kopf auf den Armen. Kivrin hob sie vorsichtig auf und trug sie hinauf in Rosemunds Kammer.