Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Colin brachte die Listen der Kontaktpersonen. Sie waren eine Katastrophe. Kein Versuch war unternommen worden, die darin enthaltenen Informationen außer auf mögliche amerikanische Verbindungen aufeinander zu beziehen, und es gab zu viele Kontaktpersonen. Die Hälfte der Primärkontakte war bei der Tanzveranstaltung in Headington gewesen, zwei Drittel von ihnen hatten Weihnachtseinkäufe gemacht, alle bis auf zwei waren mit der U-Bahn gefahren. Es war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Er verbrachte die halbe Nacht mit der Überprüfung von Religionszugehörigkeiten und möglichen Querverbindungen. Zweiundvierzig gehörten der Anglikanischen Kirche an, neun der Heiligen Reformierten, siebzehn waren in keiner Glaubensgemeinschaft. Acht waren Studenten am Shrewsbury College, elf waren bei Debenham gewesen, um den Weihnachtsmann zu sehen, neun hatten an Montoyas Ausgrabungsstätte gearbeitet, dreißig waren in Blackwell’s einkaufen gewesen.
Einundzwanzig hatten Kontakte mit mindestens zwei Sekundärpersonen gehabt, und der Weihnachtsmann von Debenham hatte mit zweiunddreißig Kontakt gehabt (mit allen bis auf elf in einer Wirtschaft nach Arbeitsschluß), aber keiner von ihnen konnte mit anderen Primärinfektionen außer Badri in Verbindung gebracht werden.
Am Morgen brachte Mary die Fälle, die im Krankenhaus nicht mehr untergebracht werden konnten. Sie trug Schutzkleidung, aber keine Maske. »Sind die Betten fertig?« fragte sie.
»Ja. Wir haben zwei Räume mit je zehn Betten.«
»Gut. Ich werde alle brauchen.«
Sie halfen den Pflegern bei der Unterbringung der Patienten in den behelfsmäßigen Krankenzimmern und übergaben sie der Obhut von Williams Lehrschwester. »Die bettlägerigen Patienten werden herübergebracht, sobald wir einen Krankenwagen frei haben«, sagte Mary, als sie mit Dunworthy über den Hof hinausging.
Der Boden begann abzutrocknen, und der Himmel war heller, als wollte es endlich aufklaren.
»Wann kann mit der Synthetisierung gerechnet werden?« fragte er.
Sie hob die Schultern. »Einige Tage wird es bestimmt noch dauern.«
Als sie das Tor erreichten, lehnte sie sich an den gemauerten Pfeiler und fuhr sich über das graue Haar. »Wenn das alles vorbei ist, werde ich durch das Netz gehen«, sagte sie. »In ein Jahrhundert, wo es keine Epidemien gibt, wo es kein Warten und hilfloses Dabeistehen gibt. Ein Jahrhundert, das keine Zehner-Einstufung hat.« Sie lächelte. »Bloß gibt es keins, nicht?«
Er schüttelte den Kopf.
»Habe ich Ihnen schon vom Tal der Könige erzählt?« sagte sie.
»Sie sagten, Sie seien während der Pandemie dort gewesen.«
Sie nickte. »Über Kairo war die Quarantäne verhängt worden, also flogen wir nach Luxor und nahmen ein Taxi zum Tal der Könige, um Tut-ench-Amuns Grab zu sehen«, erzählte sie. »Es war ziemlich töricht von uns, denn die Pandemie hatte Luxor bereits erreicht, und wir entgingen nur um Haaresbreite der Quarantäne. Außerdem wurden wir zweimal beschossen.« Sie schüttelte den Kopf. »Wir hätten ums Leben kommen können. Meine Schwester weigerte sich, den Wagen zu verlassen, aber ich ging die Treppe hinunter und bis zur Grabkammer und dachte mir: Genauso war es, als Carter das Grab entdeckte.«
Sie blickte versonnen ins Leere. »Als sie die Grabkammer fanden, war sie verschlossen, und sie hätten warten müssen, bis die zuständigen Behörden sie öffneten. Carter bohrte ein Loch durch die Tür und schaute durch. Carnavon sagte: ›Können Sie was sehen?‹ und Carter sagte: ›Ja. Wundervolle Dinge.‹«
Sie schloß die Augen. »Ich habe den Augenblick nie vergessen, wie ich dort vor der geschlossenen Tür stand. Ich sehe es noch jetzt ganz klar vor mir.« Sie öffnete die Augen. »Das werde ich vielleicht tun, wenn dies vorbei ist. Zur Öffnung von Tut-ench-Amuns Grab.«
Sie beugte sich zum Tor hinaus. »Ach du liebe Zeit, anscheinend gibt es wieder Regen. Ich muß zurück.« Sie musterte ihn mit scharfem Blick. »Warum tragen Sie Ihre Schutzmaske nicht?«
»Wenn ich sie trage, beschlägt meine Brille. Warum tragen Sie Ihre nicht?«
»Wir haben bald keine mehr. Sie haben Ihre T-Zellen-Verstärkung bekommen?«
Er schüttelte den Kopf. »Ich hatte keine Zeit.«
»Nehmen Sie sich die Zeit«, sagte sie. »Und tragen Sie Ihre Maske. Sie werden Kivrin nicht helfen können, wenn Sie krank werden.«
Ich kann ihr auch jetzt nicht helfen, dachte er, als er zurück zu seinen Räumen ging. Ich kann nicht ins Laboratorium, ich finde keinen Techniker, der nach Oxford kommt, ich kann Basingame nicht finden. Er überlegte, wen er sonst noch fragen sollte. Er hatte alle Reiseveranstalter überprüft, die Angelurlaub in Schottland im Programm hatten, hatte alle Bootsvermieter in Schottland angerufen. Der Mann schien spurlos verschwunden. Vielleicht hatte Montoya recht, und er war überhaupt nicht in Schottland, sondern mit einer Frau irgendwo in den Tropen.
Montoya. Er hatte sie vollständig vergessen. Seit der Christmette hatte er sie nicht gesehen, und auch sie hatte alles mögliche unternommen, um Basingame zu finden, damit er eine Ausnahmegenehmigung für sie erwirkte, und dann hatte sie am Weihnachtstag angerufen und gefragt, ob Basingame auf Forelle oder Lachs angle. Und beim nächsten Anruf nur gesagt, es mache nichts aus. Was bedeuten konnte, daß sie nicht nur herausgebracht hatte, ob er Lachse oder Forellen fing, sondern vielleicht auch, wo er selbst steckte.
Er hielt Ausschau nach einem Telefon, erinnerte sich, daß es im Korridor vor dem Warteraum eins gab, und ging hin. Wenn Montoya den Dekan ausfindig gemacht und ihre Sondergenehmigung erhalten hatte, würde sie sofort zur Ausgrabungsstätte gefahren sein. Sie hätte sich nicht damit aufgehalten, anderen davon zu erzählen. Wahrscheinlich wußte sie nicht einmal, daß auch er Basingame suchte.
Andererseits wäre Basingame sicherlich zurückgekehrt, sobald Montoya ihm von der Quarantäne berichtet hätte, es sei denn, er wäre von schlechtem Wetter oder unpassierbaren Straßen aufgehalten worden. Es war auch denkbar, daß Montoya ihm nichts von der Quarantäne gesagt hatte. Besessen, wie sie von der Ausgrabung war, mochte sie ihm lediglich gesagt haben, daß sie seine Unterschrift benötige.
Mrs. Taylor, ihre vier gesunden Schellenläuter und Finch waren in seinem Wohnzimmer, standen im Kreis und beugten die Knie. Finch hielt mit einer Hand ein Papier und zählte halblaut mit. Als er Dunworthy hereinkommen sah, richtete er sich auf und sagte verlegen: »Ich wollte gerade zur Krankenstation und Pfleger oder Pflegerinnen rekrutieren. Da ist William Gaddsons Bericht.« Er nahm ihn vom Tisch, gab ihn Dunworthy und eilte hinaus.
Mrs. Taylor und ihr Quartett hoben ihre Glockenfutterale auf. »Eine Miss Wilson rief an«, sagte Mrs. Taylor. »Sie bat mich, Ihnen auszurichten, daß es mit einer Überrumpelung nicht gehen wird. Sie würden es über den Datenanschluß vom Balliol versuchen müssen.«
Dunworthy bedankte sich, und sie ging hinaus, im Gänsemarsch gefolgt von ihren vier Schellenläutern.
Er rief die Ausgrabungsstätte an. Keine Antwort. Er versuchte Montoya in ihrer Wohnung zu erreichen, in ihrem Büro im Brasenose College und noch einmal bei der Ausgrabung. Niemand meldete sich. Er versuchte es noch einmal mit ihrer Wohnung und ließ es läuten, während er Williams Bericht überflog. Badri hatte den ganzen Samstag und den Sonntagvormittag bei der Ausgrabung mitgearbeitet. Um das zu erfahren, mußte William mit Montoya gesprochen haben.
Die Ausgrabungsstätte selbst kam ihm in den Sinn. Sie war draußen auf dem Land bei Witney, in der Nähe einer Museumsfarm, die dem Denkmalpflegeamt gehörte. Vielleicht gab es dort Enten und Hühner, oder Schweine, oder alle drei. Und Badri hatte anderthalb Tage dort gearbeitet, in der Erde gegraben, eine perfekte Gelegenheit, um mit einem Reservoir in Berührung zu kommen.
Colin kam mit leeren Händen herein. »Es gibt keine Plakate mehr«, sagte er. »Aus London sollen morgen wieder welche kommen.« Er wühlte in seiner Reisetasche, grub ein Kaubonbon aus und schob es in den Mund. »Wissen Sie, wer draußen auf der Treppe steht?«