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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Die Räuber waren noch nicht lange fort, und ich fand mit Leichtigkeit ihre Fährte und ritt ihnen nach.«

Sir Bloets Neffe hatte Blackie bei den Vorderpfoten und ließ ihn baumeln, und der junge Hund winselte mitleiderregend.

»Kivrin!« schrie Agnes und sprang auf sie zu. Sir Bloets Neffe übergab ihr sofort den jungen Hund und zog sich zurück, und die übrigen Kinder liefen auseinander.

»Du hast Blackie gerettet!« sagte Agnes und streckte die Arme nach ihm aus.

Kivrin schüttelte den Kopf. »Es ist Zeit, schlafen zu gehen.«

»Ich bin nicht müde!« widersprach Agnes in einem weinerlichen Ton, der kaum überzeugend war. Sie rieb sich die Augen.

»Blackie ist müde«, sagte Kivrin und kauerte neben Agnes nieder, »und er wird nicht schlafen gehen, wenn du dich nicht mit ihm niederlegst.«

Dieses Argument schien sie zu interessieren, und bevor sie einen Makel daran finden konnte, gab Kivrin ihr Blackie zurück, legte ihn wie ein Säugling in ihre Arme, und hob sie beide auf. »Blackie möchte, daß du ihm eine Geschichte erzählst«, sagte Kivrin und ging zum Ausgang.

»Bald sah ich mich in einer Gegend, die mir unbekannt war«, sagte Gawyn, »mitten im finsteren Wald.«

Kivrin trug ihre Schützlinge hinaus und über den Hof. »Blackie mag Geschichten über Katzen«, sagte Agnes. Sie wiegte den Welpen sanft in den Armen.

»Dann mußt du ihm eine Geschichte über eine Katze erzählen«, sagte Kivrin. Sie nahm den Hund, während Agnes die Leiter zum Heuboden hinaufkletterte. Der Welpe schlief schon, erschöpft von all der Unruhe und dem Gezerre. Kivrin legte ihn neben Agnes’ Lager ins Stroh.

»Über eine böse Katze«, sagte Agnes und zog ihn wieder an sich. »Ich werde nicht schlafen. Ich lege mich nur mit Blackie hin, also brauche ich meine Kleider nicht auszuziehen.«

»Nein, das brauchst du nicht«, sagte Kivrin und deckte die beiden mit einem schweren Pelz zu. In der Scheune war es zu kalt, um sich auszuziehen.

»Blackie würde gern meine Glocke tragen«, sagte sie und versuchte sogleich, ihm das Band über den Kopf zu ziehen.

»Nein, er mag sie nicht, weil er schlafen möchte«, sagte Kivrin. Sie beschlagnahmte die Glocke, kroch neben der Kleinen unter den Pelz und zog einen zweiten über sich. Agnes schmiegte ihren kleinen Körper an sie.

»Es war einmal eine böse Katze«, sagte Agnes, von Gähnen unterbrochen. »Ihr Vater sagte ihr, sie solle nicht in den Wald gehen, aber sie hörte nicht auf ihn.«

Sie wehrte sich tapfer gegen das Einschlafen, rieb sich die Augen und erfand Abenteuer für die böse Katze, aber die Dunkelheit und die Wärme unter dem Pelz überwältigten sie bald.

Kivrin blieb liegen, bis sie merkte, daß Agnes’ Atem leicht und gleichmäßig ging, dann nahm sie ihr Blackie aus den Armen und legte ihn ins Stroh. Agnes tastete im Schlaf nach ihm, und Kivrin legte einen Arm um sie. Sie sollte aufstehen und zusehen, daß sie Gawyn irgendwo abfangen konnte. Der Rückholtermin war in weniger als einer Woche.

Agnes regte sich und kuschelte sich enger an sie, das Haar an Kivrins Wange.

Und wie soll ich dich verlassen? dachte Kivrin. Und Rosemund? Und Pater Roche? Und sie schlief ein.

Als sie erwachte, dämmerte schon der Morgen, und Rosemund war neben Agnes unter die Decken gekrochen. Kivrin ließ sie schlafen, stieg von der Tenne hinunter und ging über den grauen Hof, in Sorge, daß sie die Glocke zum Kirchgang verschlafen haben könnte, aber Gawyn saß noch immer beim Herdfeuer und erzählte, und der Gesandte des Bischofs saß im Lehnstuhl des Hausherrn und hörte schläfrig Frau Imeynes Redefluß zu.

Der Mönch saß in einem Winkel und hatte den Arm um Maisry gelegt, aber der Sekretär war nirgends zu sehen. Wahrscheinlich war er im Vollrausch eingeschlafen und zu Bett gebracht worden.

Auch die Kinder mußten schlafen, und einige der Frauen hatten sich gleichfalls zurückgezogen. Sir Bloets Schwester und die Schwägerin aus Dorset waren nicht mehr in der Diele.

»›Halt, Spitzbube!‹ rief ich«, erzählte Gawyn. »›Denn ich werde dir im ritterlichen Zweikampf das Lebenslicht ausblasen.‹« Kivrin fragte sich, ob dies noch immer die Rettung des Mädchens aus der Hand der Räuber war, oder eines von Ritter Lancelots Abenteuern. Es war schwer zu sagen, und wenn seine Geschichte den Zweck hatte, Eliwys zu beeindrucken, war es vergebliche Liebesmüh, denn sie war nicht in der Diele. Auch seine Zuhörer schienen wenig beeindruckt. Zwei von ihnen gaben sich auf der Bank zwischen ihnen dem Würfelspiel hin, zwei andere waren gegangen, und Sir Bloet schlief, das Doppelkinn auf der breiten Brust.

Kivrin hatte offensichtlich keine Gelegenheit verpaßt, mit Gawyn zu sprechen, und wie es aussah, würde sich vorläufig keine ergeben. Sie hätte genauso gut bei Agnes auf der Tenne bleiben können. Es würde ihr nichts übrig bleiben als eine Gelegenheit zu schaffen — Gawyn auf dem Weg zur Latrine abzufangen oder ihm auf dem Weg zur Messe zuzuflüstern: »Ich erwarte Euch nachher im Stall.«

Die geistlichen Herren sahen nicht so aus, als ob sie abreisen würden, solange noch Wein im Hause war, aber es war riskant, zu lange zu warten. Die Männer mochten den Entschluß fassen, auf die Jagd zu gehen, oder das Wetter konnte umschlagen, und ob der Gesandte des Bischofs und sein Gefolge abreisten oder nicht, bis zum Rückholtermin waren es nur noch fünf Tage. Nein, vier. Der Weihnachtstag war bereits angebrochen.

»Er holte zu einem wilden Schlag aus«, erzählte Gawyn und stand auf, um die Schilderung durch die Gesten zu verdeutlichen, »und wäre es keine Finte gewesen, sondern ein ernsthaft geführter Schlag, hätte er mir den Schädel gespalten.«

»Fräulein Katherine«, sagte Imeyne und winkte ihr. Der Gesandte des Bischofs blickte interessiert herüber, und sie bekam Herzklopfen. Was für eine Bosheit konnten sie jetzt ausgeheckt haben? Bevor Kivrin zu ihnen hinübergehen konnte, stand Imeyne auf und kam ihr mit einem in Leinen gewickelten Bündel entgegen.

»Bitte tragt diese für die Messe zu Pater Roche«, sagte sie und entfaltete das Leinen, so daß Kivrin die Wachskerzen darin sehen konnte. »Sagt ihm, er soll diese auf den Altar stellen, und sagt ihm auch, daß er die Flammen der Kerzen nicht ausdrücken soll, denn dabei brechen die Dochte. Er soll die Kirche so herrichten, daß der Gesandte des Bischofs die Weihnachtsmesse halten kann. Ich möchte, daß die Kirche wie ein Gotteshaus aussieht, nicht wie ein Schweinestall. Und sagt ihm, er soll ein sauberes Gewand anlegen.«

Also sollte sie doch die ihr geziemende Messe bekommen. Kivrin eilte über den Hof und den Fahrweg entlang zum Dorfanger. Imeyne hatte Sorge getragen, daß sie den Gutshof verlassen mußte, nun brauchte sie nur noch Pater Roche loszuwerden, indem sie den Gesandten des Bischofs überredete, ihn seines Amtes zu entheben oder in die Abtei von Bicester zu schicken.

Der Dorfanger lag menschenleer. Das erlöschende Feuer flackerte bleich im grauen Licht des frühen Morgens, und der ringsum geschmolzene Schnee gefror zu eisigen Pfützen. Die Dorfbewohner mußten sich längst schlafengelegt haben, und sie überlegte, ob auch Pater Roche noch schlief. Aber aus seinem Haus stieg kein Rauch, und als sie an die Tür klopfte, regte sich nichts. Sie ging den Pfad entlang und betrat die Kirche durch die Seitentür. Drinnen war es noch dunkel, und kälter als es um Mitternacht gewesen war.

»Pater Roche«, rief Kivrin mit leiser Stimme.

Er antwortete nicht, aber sie konnte das Gemurmel seiner Stimme hören. Als ihre Augen sich der Dunkelheit angepaßt hatten, sah sie ihn hinter dem Chorgitter des Lettners vor dem Altar knien.

»Geleite jene, die diese Nacht weit gereist sind, sicher nach Haus und beschütze sie auf dem Weg vor Gefahr und Krankheit«, sagte er, und seine weiche Stimme erinnerte sie an die Nacht am Krankenbett, als sie diese Stimme so ruhig und tröstend durch die Flammen gehört hatte. Sie wiederholte ihren Ruf nicht, sondern blieb bei der Statue der heiligen Katharina stehen und lauschte in der Dunkelheit seiner Stimme.

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