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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Sir Bloet und seine Familie kamen von Courcy zur Messe, und all ihre Diener«, sagte er, »und Theodulf Freeman von Henefelde. Der Schneefall hörte gestern abend auf, und der Himmel zeigte sich klar für die Nacht von Christi heiliger Geburt«, fuhr er in dem gleichen sachlichen Ton fort, in dem sie in das Aufnahmegerät sprach. Die Anwesenheitsliste für die Christmette und der Wetterbericht.

Allmählich begann Licht durch die bunten Glasfenster zu sickern, und sie sah ihn deutlicher durch das geschnitzte Chorgitter, das fadenscheinige und um den Saum schmutzige Gewand, das derbe und grausam aussehende Gesicht — jedenfalls verglichen mit dem aristokratischen Gesandten und dem schmalgesichtigen Sekretär.

»In dieser gesegneten Nacht, als die Messe endete, kam ein Bote vom Bischof, und mit ihm kamen zwei Priester, alle drei von großer Gelehrsamkeit und Güte«, betete Pater Roche.

Laß dich nicht von dem Gold und den feinen Kleidern täuschen, dachte Kivrin. Du bist mehr wert als zehn von ihnen. »Der Gesandte des Bischofs wird die Weihnachtsmesse lesen«, hatte Imeyne gesagt, und es schien sie keineswegs zu stören, daß er weder gefastet noch die Mühe auf sich genommen hatte, zur Kirche zu kommen und die Festtagsmesse selbst vorzubereiten. Du bist mehr wert als fünfzig von ihnen, dachte Kivrin. Hundert.

»Aus Oxenford gibt es Nachricht von Krankheit. Dem Häusler Tord geht es besser, aber ich sagte ihm, er solle nicht so weit zur Messe kommen. Uctreda war zu schwach, um zur Christmette zu kommen. Ich brachte ihr Suppe, aber sie aß sie nicht. Walthef fiel und erbrach sich nach dem Tanz, weil er zuviel Bier getrunken hatte. Gytha brannte sich die Hand am Julfeuer, als sie einen Feuerbrand herausnehmen wollte. Ich werde mich nicht fürchten, obwohl die letzten Tage kommen, die Tage des Zorns und des Jüngsten Gerichts, denn Du hast viel Hilfe gesandt.«

Viel Hilfe. Er würde überhaupt keine Hilfe haben, wenn sie noch länger hier stand und ihn belauschte. Die Sonne war aufgegangen, und im waagerecht einströmenden rosigen und goldenen Licht konnte sie auf dem Altar die Talgkerzen mit den anhängenden erstarrten Tropfen, die dunkel angelaufenen Leuchter und einen großen Talgfleck auf dem Altartuch erkennen. Der Tag des Zorns und des Gerichts wäre die passende Beschreibung dessen, was geschehen würde, wenn die Kirche noch so aussehen würde, wenn Imeyne zur Messe käme.

»Pater Roche«, sagte sie.

Er wandte sich sofort um, dann versuchte er aufzustehen, aber seine Beine waren offensichtlich steif vor Kälte. Er sah erschrocken, sogar ängstlich aus, und Kivrin sagte schnelclass="underline" »Ich bin es, Katherine«, und trat vorwärts in das Licht von einem der Fenster, daß er sie sehen könne.

Er bekreuzigte sich, noch immer furchtsam, und sie fragte sich, ob er seine Gebete im Halbschlaf verrichtet habe und noch nicht ganz wach sei.

»Frau Imeyne schickte mich mit Kerzen«, sagte sie und trat zögernd durch die Öffnung im Chorgitter. »Sie gab mir den Auftrag, Euch zu sagen, daß sie zu beiden Seiten des Altars in die silbernen Leuchter gesteckt werden sollen. Sie gab mir Auftrag, Euch zu sagen…« Sie brach ab, schämte sich, Imeynes Anweisungen weiterzugeben. »Ich bin gekommen, Euch bei der Vorbereitung der Kirche für die Messe zu helfen. Was wünscht Ihr, daß ich tun soll? Soll ich die Kerzenleuchter putzen?« Sie hielt ihm das Bündel Kerzen hin.

Er nahm es nicht und sagte auch nichts, und sie überlegte ratlos, ob sie in ihrem Eifer, ihn vor Imeynes Zorn zu bewahren, irgendeine Regel durchbrochen habe. Frauen war es nicht gestattet, die Gegenstände oder Gefäße der Messe zu berühren. Vielleicht durften sie auch nicht die Leuchter anfassen.

»Ist es mir nicht erlaubt, zu helfen?« fragte sie. »Hätte ich nicht in den Altarraum kommen sollen?«

Pater Roche schien plötzlich zu sich zu kommen. »Es gibt keinen Ort, den Gottes Diener nicht betreten dürften«, sagte er. Er nahm ihr die Kerzen ab und legte sie auf den Altar. »Aber jemand wie Ihr sollte nicht solch niedrige Arbeit tun.«

»Es ist gottgefällige Arbeit«, sagte sie munter. Sie trat zum Altar und zog die halb abgebrannten Talgkerzen aus den schweren Leuchtern. Der Talg war an den Seiten herabgeronnen und fest geworden. »Wir werden Sand brauchen«, sagte sie. »Und ein Messer, um den Talg abzukratzen.«

Er ging sofort die genannten Dinge holen, und während er fort war, nahm sie hastig die Wachskerzen von der Chorschranke und ersetzte sie durch Talgkerzen.

Er kam mit dem Sand, einer Handvoll schmutziger Lappen und einem armseligen Messer, das gerade noch taugte, den Talg von den Leuchtern zu kratzen. Kivrin nahm sich zuerst das Altartuch vor und versuchte den Talgfleck abzuschaben, besorgt, daß die Zeit nicht reichen würde. Der Gesandte des Bischofs hatte es nicht eilig gehabt, sich aus dem Lehnstuhl zu erheben und für die Messe bereitzumachen, aber es war schwer zu sagen, wie lange er sich gegen Imeynes Eifer würde behaupten können.

Ich habe auch nicht mehr viel Zeit, dachte sie, als sie mit dem Reinigen der Leuchter begann. Sie hatte sich gesagt, es sei noch reichlich Zeit, aber nun wurde sie unruhig. Die ganze Nacht hatte sie mit Versuchen zugebracht, Gawyn in einem unbeobachteten Moment abzufangen, und sie war nicht einmal in seine Nähe gekommen. Und morgen mochte er auf die Idee kommen, zur Jagd auszureiten oder schöne Jungfrauen zu retten oder der Gesandte des Bischofs und seine Begleiter mochten allen Wein austrinken, auf der Suche nach mehr anderswohin aufbrechen und sie mitschleppen.

Pater Roche hatte gemeint, es gebe keinen Ort, wohin die Diener Gottes nicht gehen dürften.

Sie rieb die Leuchter energisch mit nassem Sand ab, dann löste sie mit dem alten Messer hartgewordene Talgreste vom oberen Rand, dabei flog ein Stück davon und traf Pater Roche, der die Kerzen schabte. »Verzeiht«, sagte sie. »Frau Imeyne…«

Sie brach ab. Es hatte keinen Sinn, ihm zu erzählen, daß sie fortgeschickt wurde. Wenn er versuchte, sich bei Frau Imeyne für sie einzusetzen, würde es die Sache nur noch schlimmer machen. Und sie wollte vermeiden, daß er für den Versuch, ihr zu helfen, in ein Kloster oder Schlimmeres verbannt würde.

Er wartete, daß sie ihren Satz beende. »Frau Imeyne beauftragte mich, Euch zu sagen, daß der Gesandte des Bischofs die Weihnachtsmesse lesen wird«, sagte sie.

»Es wird ein Segen sein, am Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus solche Heiligkeit zu hören«, erwiderte er und beugte den Kopf.

Der Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus. Sie versuchte sich vorzustellen, wie es an diesem Morgen in St. Mary aussehen würde, die Musik und die Wärme, die Laserkerzen, die in den Leuchtern aus Edelstahl glitzerten, aber es war wie etwas, das sie sich nur eingebildet hatte, trübe und unwirklich.

Sie stellte die vier Leuchter in gleichmäßigen Abständen auf den Altar. Sie schimmerten matt im farbigen Licht der Fenster. Sie steckte Imeynes Kerzen auf und rückte sie zurecht, bis die Abstände gleichmäßig waren. Es gab nichts, was sie an Pater Roches Priestergewand ausrichten konnte, welches, wie Imeyne recht gut wußte, sein einziges war. Er hatte nassen Sand am Ärmel, den sie ihm mit der Hand abwischte.

»Ich muß gehen und Agnes und Rosemund für die Messe wecken«, sagte sie, dann fuhr sie fort, fast ohne es zu wollen: »Frau Imeyne hat den Gesandten des Bischofs ersucht, mich zum Nonnenkloster nach Godstow zu bringen, wenn sie ihre Reise fortsetzen.«

»Gott hat Euch zu diesem Ort gesandt, uns zu helfen«, sagte er. »Er wird nicht zulassen, daß Ihr von ihm fortgenommen werdet.«

Ich wünschte, ich könnte dir glauben, dachte Kivrin, als sie über den Dorfanger zurückging. Noch immer lag das Dorf menschenleer, aber aus einigen Dächern drang Rauch, und die Kuh war herausgelassen worden. Sie weidete das spärliche Gras im Umkreis des Julfeuers, wo der Schnee geschmolzen war. Vielleicht schliefen im Herrenhaus noch alle, und sie konnte Gawyn wecken und nach dem Absetzort fragen, doch als sie in den Hof kam, sah sie Rosemund und Agnes vor der Scheune stehen. Beide sahen ziemlich mitgenommen aus. Rosemunds laubgrünes Samtkleid war zerdrückt und mit Strohhalmen und Heustaub behaftet, und Agnes hatte obendrein noch die Haare voll davon. Sobald sie Kivrin sah, ließ sie Rosemund stehen und rannte zu ihr.

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