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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Kapitän, Ser!« Matthos berührte ihn an der Schulter.

Es ging um die Schwertfisch, deren Ruder sich hoben und senkten. Die Segel hatten sie gar nicht erst eingeholt, und brennendes Pech hatte die Takelage getroffen. Die Flammen breiteten sich aus, während Davos noch zusah, und krochen über Taue und Segel voran. Ihre schwere Eisenramme, die dem Kopf des Fisches ähnelte, nach dem sie benannt war, teilte das Wasser vor ihr. Direkt voraus trieb eines der Lennister-Wracks auf sie zu. Es lag niedrig im Wasser und drehte sich langsam um sich selbst, ein schwerfälliges, einfaches Ziel. Langsam leckte grünes Blut zwischen seinen Planken hervor.

Als er das sah, blieb Davos Seewert das Herz stehen.

»Nein«, sagte er, »nein, NEIIIN!« Im Toben und Krachen der Schlacht hörte ihn niemand außer Matthos. Bestimmt hörte der Kapitän der Schwertfisch ihn nicht, der mit seinem großen, ungeschlachten Schwert endlich etwas aufspießen wollte. Die Schwertfisch beschleunigte auf Gefechtsgeschwindigkeit. Davos hob die verstümmelte Hand und umklammerte den Lederbeutel mit seinen Fingerknochen.

Mit einem knirschenden, splitternden, reißenden Krachen spaltete die Schwertfisch den verrotteten Schiffsrumpf. Er zerplatzte wie eine überreife Frucht, doch keine Frucht hatte je dieses Kreischen von brechendem Holz von sich gegeben. Und Davos sah, wie in ihrem Bauch tausend Gefäße barsten und sich grüne Flüssigkeit ins Wasser ergoss, Gift aus den Eingeweiden einer sterbenden Bestie, das sich glänzend und glitzernd auf dem ganzen Fluss verteilte …

»Zurück«, brüllte er. »Weg hier. Bringt uns hier weg, zurück, zurück!« Die Enterleinen wurden gekappt und Davos spürte, wie sich das Deck unter seinen Füßen bewegte, während sich die Schwarze Betha von der Weißer Hirsch befreite. Ihre Ruder glitten ins Wasser.

Dann hörte er ein scharfes Zischen, als hätte ihm jemand ins Ohr gepustet. Einen halben Augenblick später folgte der Knall. Das Deck verschwand unter ihm, schwarzes Wasser schlug ihm ins Gesicht und füllte ihm Mund und Nase. Er würgte, ging unter. Ohne zu wissen, wo oben und unten war, kämpfte Davos in blinder Panik gegen den Fluss, bis er plötzlich wieder an der Oberfläche war. Er spuckte Wasser, saugte Luft in sich hinein, packte die nächste Planke, die er sah, und hielt sich daran fest.

Die Schwertfisch und das Wrack waren verschwunden, neben ihm trieben verkohlte Leichen flussabwärts, und nach Luft schnappende Männer klammerten sich an rauchende Holzstücke. Zwanzig Meter entfernt tanzte ein Dämon aus grünem Feuer auf dem Wasser. Er hatte ein Dutzend Hände und in jeder eine Peitsche, und was immer er berührte, ging in Flammen auf. Davos sah die Schwarze Betha brennen, und die Weißer Hirsch und die Treuer Mann auf der anderen Seite ebenfalls. Die Fromme, die Katze, die Mut, die Zepter, die Roter Rabe, die Schreckschraube, die Treue, die Zorn, sie alle standen in Flammen, die Königsländer und die Göttergnade ebenso, denn der Dämon fraß auch seine eigenen Kinder. Lord Velaryons glänzende Stolz von Driftmark versuchte zu wenden, doch der Dämon streckte träge einen grünen Finger nach ihr aus, und die silbernen Ruder flammten auf wie Kienspäne. Einen Augenblick lang schien sie mit langen, leuchtenden Fackeln zu rudern.

Inzwischen hatte ihn die Strömung gepackt, drehte ihn herum und wieder herum. Er trat Wasser, um nicht in einen Teppich aus Seefeuer zu geraten. Meine Söhne, dachte Davos, doch es gab keine Möglichkeit, in diesem Chaos nach ihnen zu suchen. Ein zweites mit Seefeuer beladenes Wrack explodierte hinter ihm. Der Schwarzwasser schien in seinem Bett zu sieden, und brennende Spieren und brennende Männer und Teile zerbrochener Schiffe flogen durch die Luft.

Ich werde hinaus in die Bucht getrieben. Das wäre nicht einmal das Schlechteste; von dort aus müsste er das Ufer erreichen können, denn er war ein guter Schwimmer. Salladhor Saans Galeeren waren auch dort draußen in der Bucht, Ser Imry hatte ihnen befohlen, sich in einiger Entfernung zu halten …

Dann erfasste ihn die Strömung abermals und drehte ihn, und Davos sah, was ihn stromabwärts erwartete.

Die Kette. Die Götter mögen uns retten, sie haben die Kette hochgezogen.

Wo der Fluss zur Schwarzwasser-Bucht hin breiter wurde, war der Schlagbaum nun straff gespannt, vielleicht zwei oder drei Fuß über dem Wasser. Ein Dutzend Galeeren waren bereits dagegengefahren, und die Strömung schob weitere in sie hinein. Fast alle brannten, der Rest würde ebenfalls bald in Flammen stehen. Davos konnte die gestreiften Rümpfe von Salladhor Saans Schiffen dahinter erkennen, doch er wusste, er würde sie niemals erreichen. Eine Mauer aus rot glühendem Stahl, brennendem Holz und wirbelnden grünen Flammen erstreckte sich vor ihm. Die Mündung des Schwarzwassers hatte sich in den Schlund der Hölle verwandelt.

TYRION

Reglos wie ein Wasserspeier lehnte Tyrion Lennister mit einem Knie auf einer Zinne. Unterhalb des Schlammtors und des verwüsteten Areals, das früher der Fischmarkt gewesen war, schien der Fluss selbst Feuer gefangen zu haben. Stannis’ halbe Flotte brannte, allerdings auch die meisten von Joffreys Schiffen. Der Kuss des Seefeuers verwandelte stolze Galeeren in Scheiterhaufen und Männer in lebende Fackeln. Die Luft war von Rauch und Schreien erfüllt.

Flussabwärts erblickten gemeine wie adlige Seeleute den heißen grünen Tod, der, getragen von der Strömung des Schwarzwassers, auf ihre Flöße und Schiffe und Fähren zutrieb. Die langen weißen Ruder der myrischen Galeeren blitzten auf wie die Beine von aufgeregten Tausendfüßlern, während sie zu wenden versuchten, doch solche Manöver hatten keinen Zweck. Die Tausendfüßler hatten keinen Ort, an den sie fliehen konnten.

Ein Dutzend große Brände wüteten vor den Mauern der Stadt, wo Fässer mit Pech explodiert waren, angesichts des Seefeuers wirkten sie jedoch wie Kerzen in einem lodernden Haus, und ihre blutroten Wimpel erhoben sich kaum bemerkt vor dem jadefarbenen Inferno. Die niedrig stehenden Wolken nahmen die Farbe des brennenden Flusses an und glitten über den Himmel wie Schatten aus tanzendem Grün. Es war ein seltsam schöner Anblick. Eine schreckliche Schönheit. Wie Drachenfeuer. Tyrion fragte sich, ob Aegon der Eroberer sich so gefühlt hatte, als er über sein Feld des Feuers geflogen war.

Der Wind, der durch diesen Glutofen entstand, hob seinen scharlachroten Mantel und schlug ihn ihm ins ungeschützte Gesicht, und dennoch konnte sich Tyrion nicht abwenden. Den Jubel der Goldröcke bekam er nur wie aus weiter Ferne mit. Er hatte keine Stimme, um mit einzufallen. Dies war ein halber Sieg. Es wird nicht genügen.

Wieder sah er, wie ein Wrack, das er mit König Aerys’ launischen Früchten hatte vollstopfen lassen, von hungrigen Flammen eingehüllt wurde. Eine Fontäne brennender Jade erhob sich aus dem Fluss, und die Explosion war so grell, dass er seine Augen dagegen schützen musste. Feuerblumen tanzten zehn, fünfzehn Meter hoch auf dem Wasser, knisterten und zischten. Ein paar Augenblicke lang übertönten sie die Schreie. Hunderte Männer schwammen im Wasser und ertranken oder verbrannten oder taten beides.

Hörst du sie schreien, Stannis? Siehst du sie brennen? Dies ist ebenso dein Werk wie meins. Irgendwo aus der Menschenmenge südlich des Schwarzwassers schaute Stannis zu, das wusste Tyrion. Er hatte nie das gleiche Verlangen danach gehabt, an einer Schlacht teilzunehmen, wie sein Bruder Robert. Stattdessen würde er hinter den Schlachtreihen Befehle erteilen, von der Nachhut oder aus der Reserve heraus. So war es auch Lord Tywin Lennister gewohnt. Vermutlich saß Stannis gerade auf einem Streitross, war in eine glänzende Rüstung gehüllt und trug seine Krone auf dem Kopf. Eine Krone aus rotem Gold, sagt Varys, deren Zacken in Form von Flammen gestaltet sind.

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