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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Kapitän Ser.« Sein Sohn Matthos stand neben ihm. »Euer Helm.« Davos nahm ihn mit beiden Händen und setzte ihn auf. Er hasste es, wenn seine Sicht eingeschränkt war, deshalb hatte das gute Stück kein Visier.

Inzwischen gingen die Pechgefäße auch um sie herum nieder. Eins zerplatzte auf dem Deck der Lady Marya, doch Allards Mannschaft schlug das Feuer rasch aus. An Backbord ertönten die Hörner auf der Stolz von Driftmark. Bei jedem Schlag warfen die Ruder spritzend Wasserfontänen auf. Das meterlange Geschoss eines Skorpions landete keinen Meter neben Matthos und bohrte sich krachend ins Holz des Decks. Vor ihnen war die erste Reihe auf Schussweite an die feindlichen Schiffe herangekommen; Pfeilschwärme flogen hin und her und zischten wie wütende Schlangen.

Südlich des Schwarzwassers sah Davos Männer, die grobgezimmerte Flöße zum Wasser zogen, während sich unter tausend flatternden Bannern Reihen und Kolonnen formierten. Das flammende Herz war überall, der schwarze Hirsch, der von ihm eingeschlossen wurde, war jedoch zu klein, um ihn zu erkennen. Wir hätten unter dem gekrönten Hirsch kämpfen sollen. Der Hirsch war König Roberts Wappen, und die Stadt würde sich freuen, ihn zu sehen. Dieses Banner eines Fremden bringt die Männer nur gegen uns auf.

Er konnte das flammende Herz nicht ansehen, ohne an den Schatten zu denken, den Melisandre unter Sturmkap geboren hatte. Zumindest tragen wir diese Schlacht im Licht aus und mit den Waffen ehrbarer Männer. Die Rote Frau und ihre dunklen Kinder hatten keinen Anteil daran. Stannis hatte sie mit seinem unehelichen Neffen Edric Sturm nach Drachenstein zurückgeschickt. Seine Kapitäne und Vasallen hatten darauf bestanden, dass auf dem Schlachtfeld kein Platz für eine Frau war. Nur die Männer der Königin hatten widersprochen, wenn auch nicht sehr laut. Trotzdem hatte der König ihr Ansinnen zurückgewiesen, bis Lord Bryk Caron sagte: »Euer Gnaden, wenn die Zauberin dabei ist, wird man hinterher behaupten, es sei ihr Sieg gewesen und nicht der Eure.

Sie werden sagen, Ihr hättet Eure Krone ihren Zaubersprüchen zu verdanken.« Das hatte den Ausschlag gegeben. Davos selbst hatte sich aus diesem Streit herausgehalten, allerdings war er nicht traurig, sie davonfahren zu sehen. Er hatte wenig für Melisandre und ihren Gott übrig.

An Steuerbord fuhr die Geweihte auf das Ufer zu und ließ die Planke herunter. Bogenschützen sprangen ins flache Wasser und hielten ihre Waffen hoch über die Köpfe, damit die Sehnen trocken blieben. Spritzend stürmten sie auf den schmalen Landstreifen unter der Steilwand. Steine und Speere wurden von oben auf sie abgeworfen, dazu wurden Pfeile abgeschossen, doch der Winkel war sehr steil, und die Geschosse schienen wenig Schaden anzurichten.

Die Betende landete zwei Dutzend Meter weiter flussaufwärts, und die Fromme hielt auf das Ufer zu, als die Verteidiger auf ihren Streitrössern heranstürmten, und die Hufe ihrer Pferde das Wasser am Ufer aufwühlten. Die Ritter fielen über die Bogenschützen her wie Wölfe über Hühner, trieben sie zurück zu den Schiffen und in den Fluss, ehe die meisten überhaupt einen Pfeil auflegen konnten. Soldaten rannten hinzu, um sie mit Speer und Axt zu verteidigen, und nach wenigen Herzschlägen hatte sich die Szene in ein blutiges Gewühl verwandelt. Davos erkannte den hundeköpfigen Helm des Bluthunds. Ein weißer Mantel hing von seinen Schultern und wehte hinter ihm her, während er über die Planke auf das Deck der Betende ritt und jeden niedermetzelte, der in seine Reichweite geriet.

Jenseits der Burg erhob sich Königsmund auf seinen Hügeln hinter der Mauer. Das Flussufer war eine schwarze Ödnis; die Lennisters hatten hier alles niedergebrannt und sich hinter das Schlammtor zurückgezogen. Im flachen Wasser hatten sie die verkohlten Wracks verbrannter Schiffe versenkt, sodass man die langen Steinkais nicht erreichen konnte. Dort werden wir nicht anlegen können. Davos sah die Spitzen von drei riesigen Katapulten hinter dem Schlammtor. Oben auf Visenyas Hügel blitzten die sieben Kristalltürme der Großen Septe von Baelor in der Sonne.

Davos konnte zwar nicht sehen, wie die Schlacht auf dem Wasser begann, doch er hörte es; mit unglaublichem Krachen stießen zwei Galeeren zusammen. Er wusste nicht, welche. Augenblicke später krachte es erneut, und dann ein drittes Mal. Durch das Kreischen des splitternden Holzes hörte er das tiefe Dröhnen des Bugkatapults der Zorn. Die Seehirsch spaltete eine von Joffreys Galeeren in zwei Teile, doch die Hundenase brannte, und die Königin Alysanne war zwischen der Lady Seide und der Lady Schande eingeklemmt, und ihre Mannschaft kämpfte an der Reling gegen die Gegner, die sie entern wollten.

Genau vor sich sah Davos, wie sich die feindliche Königsländer zwischen die Treue und die Zepter drängte. Erstere zog die Ruder vor dem Zusammenprall ein, während die Ruder der Zepter wie Kienspäne brachen, als sich die Königsländer an ihrer Seite vorbeischob. »Schießt«, befahl Davos, und seine Bogenschützen schickten einen vernichtenden Pfeilhagel über das Wasser. Davos sah den Kapitän der Königsländer fallen und versuchte, sich den Namen des Mannes in Erinnerung zu rufen.

An Land hoben sich die Arme der großen Katapulte, eins, zwei, drei, und hundert Steine stiegen in den gelben Himmel auf. Jeder war so groß wie der Kopf eines Mannes; wenn sie niedergingen, spritzten riesige Wassermassen auf, wurden Planken aus Eichenholz durchlöchert und lebendige Männer in einen Brei aus Blut und Knochen verwandelt. Quer über den Fluss war die ganze erste Schlachtreihe nun in Gefechte verwickelt. Enterhaken wurden geworfen, eiserne Rammen krachten in hölzerne Rümpfe, Enterer schwärmten aus, Schwärme von Pfeilen flogen durch die dahintreibenden Rauchwolken, und Männer starben … doch bislang war Davos selbst noch nicht daran beteiligt.

Die Schwarze Betha fuhr weiter den Fluss hinauf, und der Trommelschlag des Rudermeisters donnerte ihrem Kapitän im Kopf, während er nach einem Opfer für ihre Ramme Ausschau hielt. Die belagerte Königin Alysanne war zwischen zwei Lennister-Schiffen gefangen, und die drei hingen mit Haken und Leinen aneinander fest.

»Rammgeschwindigkeit!«, brüllte Davos.

Der Trommelschlag verschmolz zu einem langen, fiebrigen Hämmern, und die Schwarze Betha flog dahin, sodass das Wasser unter ihrem Bug weiß wie Milch wurde. Allard hatte die gleiche Chance gesehen; die Lady Marya blieb an ihrer Seite. Die erste Reihe hatte sich im Gewühl der Schlacht aufgelöst, und die Schiffe waren jetzt in Einzelkämpfe verwickelt. Die drei ineinander verkeilten Schiffe drehten sich langsam, auf ihren Decks machte sich rotes Chaos breit, während Männer mit Schwertern und Äxten aufeinander einschlugen. Noch ein bisschen, beschwor Davos Seewert den Krieger, dreh sie nur noch ein bisschen herum. Zeig mir ihre Breitseite.

Der Krieger hatte offensichtlich zugehört. Die Schwarze Betha und die Lady Marya krachten fast im gleichen Augenblick in die Lady Schande, rammten sie an Bug und Heck mit solcher Wucht, dass selbst Männer auf der Lady Seide drei Schiffe entfernt über Bord geworfen wurden. Davos biss sich beinahe die Zunge ab, als seine Zähne zusammenklappten. Er spuckte Blut. Nächstes Mal machst du den Mund vorher zu, du Dummkopf. Vierzig Jahre auf See, und jetzt hatte er zum ersten Mal ein anderes Schiff gerammt. Seine Bogenschützen schossen nach eigenem Gutdünken.

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