Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Aber Ihr wart die Königin der Sieben Königslande«, sagte Sansa.
»Wenn es um Schwerter geht, ist die Königin doch nur eine Frau unter vielen anderen.« Cerseis Weinkelch war leer. Der Page trat herbei und wollte ihn erneut füllen, doch sie drehte ihn um und schüttelte den Kopf. »Keinen Wein mehr. Ich muss bei klarem Verstand bleiben.«
Der letzte Gang bestand aus Ziegenkäse, der mit gebackenen Äpfeln serviert wurde. Der Geruch von Zimt füllte den Saal, als Osney Schwarzkessel erneut hereinkam und abermals zwischen ihnen auf die Knie ging. »Euer Gnaden«, murmelte er, »Stannis’ Männer sind auf dem Turnierplatz gelandet, und weitere setzen über. Das Schlammtor wird angegriffen, und sie haben einen Rammbock am Königstor in Stellung gebracht. Der Gnom ist hinausgeritten, um sie zu vertreiben.«
»Da werden sie es aber mit der Angst zu tun bekommen«, sagte die Königin trocken. »Er hat doch hoffentlich Joff nicht mitgenommen?«
»Nein, Euer Gnaden, der König ist mit meinem Bruder bei den Huren und schleudert Geweihmänner in den Fluss.«
»Während das Schlammtor angegriffen wird? Was für eine Torheit! Sagt Ser Osmund, der König soll dort sofort fortgebracht werden, es ist zu gefährlich. Holt ihn zurück in die Burg.«
»Der Gnom hat es gesagt …«
»Nur was ich sage, hat Euch zu kümmern.« Cersei kniff die Augen zusammen. »Euer Bruder wird tun, was ihm befohlen wird, sonst sorge ich dafür, dass er den nächsten Ausfall persönlich anführt, und Ihr werdet ihn begleiten.«
Nachdem das Essen abgetragen worden war, baten viele der Gäste um die Erlaubnis, die Septe aufzusuchen. Dankbar gewährte ihnen Cersei diesen Wunsch. Lady Tanda und ihre Töchter gehörten auch zu denen, die aus dem Saal flohen. Für die anderen wurde ein Sänger geholt, der den Saal mit der süßen Musik seiner Harfe füllte. Er sang von Jonquil und Florian, von Prinz Aemon dem Drachenritter und seiner Liebe zur Königin seines Bruders, von Nymerias zehntausend Schiffen. Es waren wunderschöne Lieder, doch schrecklich traurig. Einige der Frauen begannen zu weinen, und Sansa spürte ebenfalls, wie ihre Augen feucht wurden.
»Sehr gut, meine Teure.« Die Königin beugte sich zu ihr herüber. »Den Gebrauch von Tränen solltest du üben. Du wirst sie für König Stannis benötigen.«
Sansa rutschte unbehaglich hin und her. »Euer Gnaden?«
»Oh, verschone mich mit deiner leeren Höflichkeit. Die Dinge dort draußen müssen sehr verzweifelt stehen, wenn sie schon den Zwerg losschicken, damit er einen Ausfall anführt, also darfst du ruhig deine Maske ablegen. Ich weiß Bescheid über deinen kleinen Verrat im Götterhain.«
»Im Götterhain?« Schau nicht zu Ser Dontos hin, nein, nein, ermahnte sich Sansa. Sie weiß es nicht, niemand weiß es. Dontos hat es mir versprochen, und mein Florian würde mich niemals enttäuschen. »Ich habe keinen Verrat begangen. Im Götterhain war ich nur, um zu beten.«
»Für Stannis. Oder für deinen Bruder, das ist einerlei. Warum sonst solltest du die Götter deines Vaters aufsuchen? Du hast für unsere Niederlage gebetet. Und wie würdest du das nennen, wenn nicht Verrat?«
»Ich habe für Joffrey gebetet«, beharrte sie nervös.
»Warum? Weil er dich so liebevoll behandelt?« Die Königin nahm einer vorübergehenden Dienerin eine Karaffe mit süßem Pflaumenwein ab und füllte Sansas Kelch. »Trink«, befahl sie kalt. »Vielleicht findest du dann ja den Mut, dich zur Abwechslung einmal mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. «
Sansa brachte den Kelch an die Lippen und nippte daran. Der Wein war ungemein süß, jedoch sehr stark.
»Das kannst du doch wohl besser«, sagte Cersei. »Trink aus, Sansa. Die Königin befiehlt es dir.«
Fast hätte sie würgen müssen, doch Sansa leerte den Kelch und schluckte den dicken süßen Wein, bis sich ihr der Kopf drehte.
»Noch mehr?«, fragte Cersei.
»Nein. Bitte nicht.«
Die Königin schien unzufrieden zu sein. »Als du vorhin wegen Ser Ilyn gefragt hast, habe ich dich belogen. Möchtest du die Wahrheit hören, Sansa? Möchtest du wissen, warum er in Wirklichkeit hier ist?«
Sie wagte nicht zu antworten, doch das spielte keine Rolle. Die Königin hob die Hand und winkte, ohne auf ihre Erwiderung zu warten. Sansa hatte nicht einmal bemerkt, dass Ser Ilyn in den Saal zurückgekehrt war, doch plötzlich schlich er leise wie eine Katze aus dem Schatten zum Podest. Er hatte Eis aus der Scheide gezogen. Ihr Vater hatte die Klinge immer im Götterhain gesäubert, nachdem er einem Mann den Kopf abgeschlagen hatte, erinnerte sich Sansa, Ser Ilyn hingegen war nicht so sorgfältig. Auf dem blanken Stahl trocknete Blut, dessen Rot sich langsam in Braun verwandelte. »Erzählt Lady Sansa, weshalb ich Euch bei uns haben möchte«, sagte Cersei.
Ser Ilyn öffnete den Mund und stieß ein rasselndes Röcheln aus. Sein pockennarbiges Gesicht zeigte keine Regung.
»Er ist unseretwegen hier«, sagte die Königin. »Stannis mag diese Stadt und diesen Thron erobern, aber ich werde es nicht erdulden, mich von ihm richten zu lassen. Ich beabsichtige nicht, dass er uns lebendig in die Hände bekommt.«
»Uns?«
»Du hast mich sehr wohl verstanden. Vielleicht solltest du am besten wieder beten, Sansa, und zwar für einen anderen Ausgang der Schlacht. Die Starks werden am Fall des Hauses Lennister keine Freude haben, das verspreche ich dir.« Sie streckte die Hand aus, streichelte Sansas Haar und schob es ein wenig vom Nacken fort.
TYRION
Der Sehschlitz in seinem Helm beschränkte Tyrions Sicht auf das, was sich direkt vor ihm befand, doch als er den Kopf drehte, sah er drei Galeeren, die auf den Strand am Turnierplatz aufgelaufen waren, und eine vierte, größere, die draußen auf dem Fluss lag und Fässer mit brennendem Pech von einem Katapult abschoss.
»Keilformation!«, befahl Tyrion, nachdem seine Männer durch das Ausfalltor herausgekommen waren. Sie formierten sich wie eine Speerspitze, mit ihm selbst in der vordersten Position. Ser Mandon Moor nahm den Platz rechts von ihm ein. Der Feuerschein glänzte auf seiner weiß emaillierten Rüstung, seine toten Augen blickten leidenschaftslos durch sein Visier. Er ritt ein kohlrabenschwarzes Pferd mit einer weißen Schabracke, und am Arm trug er den reinweißen Schild der Königsgarde. Zu seiner Linken entdeckte Tyrion überraschenderweise Podrick Payn mit einem Schwert in der Hand. »Du bist zu jung«, sagte er sofort. »Geh zurück.«
»Ich bin Euer Knappe, Mylord.«
Tyrion hatte jetzt keine Zeit, sich deswegen zu streiten. »Dann bleib in meiner Nähe.« Er gab seinem Pferd die Sporen.
Seite an Seite ritten sie an der neben ihnen aufragenden Mauer entlang. Joffreys Banner wehte scharlachrot und golden an Ser Mandons Lanze, Hirsch und Löwe tanzten Huf an Pranke. Sie wechselten vom Schritt in den Trab und schlugen einen weiten Bogen um den Turm herum. Pfeile von den Stadtmauern flogen über sie hinweg, Steine wirbelten und polterten über ihren Köpfen und krachten blindlings auf Erde und Wasser, Stahl und Fleisch. Vor ihnen ragte das Königstor in die Höhe, und eine ansehnliche Schar feindlicher Soldaten betätigte den riesigen Rammbock, einen schwarzen Eichenstamm mit Eisenspitze. Bogenschützen von den Schiffen hatten einen Kreis um sie herum gebildet und schossen auf alle Verteidiger, die sich auf der Mauer des Torhauses zeigten. »Lanzen einlegen!«, befahl Tyrion. Er trieb sein Pferd zum Galopp an.
Der Boden war nass und schlüpfrig von Schlamm und Blut zu gleichen Teilen. Tyrions Hengst stolperte über einen Gefallenen, die Hufe des Tieres rutschten und rissen die Erde auf, und einen Augenblick lang fürchtete der Zwerg, sein Angriff könne damit enden, dass er aus dem Sattel flog, bevor er noch den Feind erreicht hatte, doch irgendwie fanden er und sein Pferd das Gleichgewicht wieder. Vor dem Tor drehten sich Männer um und versuchten eiligst, sich gegen den Ansturm der herandonnernden Reiter zu wappnen. Tyrion riss die Axt hoch und schrie: »Königsmund!« Andere Stimmen griffen seinen Ruf auf, und die Speerspitze flog wie ein lang gezogener Schrei aus Stahl und Seide aus stampfenden Hufen und scharfen, vom Feuer geküssten Klingen dahin.