Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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In seiner Schmugglerzeit hatte Davos oft gescherzt, er kenne das Ufer von Königsmund besser als die Rückseite seiner Hand, da er nicht ständig in seine Hand hinein- und herausgeschlüpft sei. Die beiden gedrungenen Türme aus rauem neuem Stein, die einander an der Mündung gegenüberstanden, mochten für Ser Imry Florent nichts bedeuten, für ihn jedoch waren sie wie zwei zusätzliche Finger, die aus den Knöcheln seiner Hand gewachsen waren.
Er beschattete die Augen und blickte nach Westen, um diese Türme genauer zu betrachten. Sie waren zu klein, um darin viele Soldaten unterzubringen. Der am Nordufer war an die Steilküste gebaut, und über ihm ragte der Rote Bergfried auf; sein Gegenstück im Süden stand im Wasser. Sie haben einen Graben durch das Ufer gezogen, fiel ihm sofort auf. Dadurch würde der Turm nur schwer einzunehmen sein; die Angreifer würden durch das Wasser waten oder eine Brücke über den kleinen Kanal bauen müssen. Stannis hatte am Fuß des Turms Bogenschützen postiert, die auf jeden Verteidiger schossen, der es wagte, den Kopf hervorzustrecken. Das war aber auch alles.
Dort, wo das dunkle Wasser den Turm umspülte, blitzte etwas. Sonnenlicht glänzte auf Stahl und verriet Davos Seewert alles, was er wissen wollte. Eine Sperrkette … aber sie haben den Fluss noch offen gelassen. Warum?
Er hätte auch darüber Vermutungen anstellen können, doch ihm blieb jetzt keine Zeit mehr dazu. Ein Ruf ertönte auf einem der Schiffe vor ihm, und daraufhin wurden die Schlachthörner erneut geblasen: Der Feind befand sich vor ihnen.
Zwischen den Rudern der Zepter und der Treue hindurch sah Davos eine lockere Reihe von Galeeren, die sich quer über den Fluss erstreckte; die Sonne leuchtete auf der Goldfarbe ihrer Rümpfe. Er kannte diese Schiffe so gut wie sein eigenes. Als er noch Schmuggler gewesen war, hatte er sich stets wohler gefühlt, wenn er wusste, ob ein bestimmtes Segel am Horizont ein schnelles oder ein langsames Schiff verhieß, und ob der Kapitän ein junger Mann war, der dem Ruhm nachjagte, oder ein alter Kämpe, der nur das Ende seiner Dienstzeit erwartete.
Ahuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu, riefen die Schlachthörner. »Angriffsgeschwindigkeit«, brüllte Davos. Backbord und steuerbord hörte er die gleichen Befehle von Dael und Allard. Die Trommeln schlugen wild, die Ruder hoben und senkten sich, und die Schwarze Betha schoss vorwärts. Als Davos einen Blick zur Gespenst warf, salutierte Dael ihm. Die Schwertfisch hinkte wieder hinterher und schaukelte im Kielwasser der kleineren Schiffe; ansonsten stand die Reihe wie ein Schildwall.
Der Fluss war aus der Ferne so schmal erschienen, doch jetzt war er breit wie ein See, und auch die Stadt war riesig geworden. Der Rote Bergfried blickte finster von Aegons Hohem Hügel herab. Seine eisengekrönten Wehrgänge, die massiven Türme und die dicken roten Mauern ließen ihn wie ein wütendes Tier erscheinen, das über Fluss und Straßen hockte. Das hohe Ufer, auf dem er stand, war felsig und steil und mit Flechten und knorrigen, dornigen Bäumen bewachsen. Die Flotte würde unterhalb der Burg vorbeifahren müssen, um den Hafen und die Stadt dahinter zu erreichen.
Die erste Schlachtreihe war inzwischen in den Fluss eingefahren, doch die Galeeren des Feindes wichen zurück. Sie wollen uns hineinlocken, damit wir hier dicht gedrängt festsitzen und nicht um ihre Flanken herum können … und diese Sperre hinter uns haben. Er schritt auf Deck hin und her und reckte den Hals, um einen besseren Blick auf Joffreys Flotte zu bekommen. Zu den Spielzeugen des Knaben gehörten die schwerfällige Göttergnade, die langsame alte Prinz Aemon, die Lady Seide und ihr Schwesterschiff Lady Schande, die Wildwind, Königsländer, Weißer Hirsch, Lanze und Seeblume. Wo war die Löwenstern? Und wo die wunderschöne Lady Lyanna, die König Robert zu Ehren der Jungfrau benannt hatte, die er geliebt und verloren hatte? Und wo war die König Roberts Hammer? Sie war die größte Galeere der königlichen Flotte, vierhundert Ruder, das einzige Kriegsschiff des Knabenkönigs, das es mit der Zorn aufnehmen konnte. Eigentlich hätte sie den Mittelpunkt der Verteidigungslinie bilden müssen.
Davos ahnte eine Falle, doch er konnte kein Anzeichen dafür entdecken, dass der Feind hinter ihnen lauerte, nur Stannis Baratheons große Flotte in ordentlichen Reihen, die sich über den gesamten Horizont erstreckte. Werden sie die Kette hochziehen und unsere Flotte in zwei Teile spalten? Er hatte keine Ahnung, welchem Zweck das dienen sollte. Die Schiffe draußen in der Bucht könnten trotzdem Männer übersetzen, die dann im Norden der Stadt anlanden würden; das ginge zwar langsamer, wäre gleichzeitig jedoch auch sicherer.
Ein Schwarm grell orangefarbener Vögel stieg von der Burg in die Luft, zwanzig oder dreißig; Töpfe mit brennendem Pech, die in hohen Bogen auf den Fluss zuflogen und einen flammenden Schwanz hinter sich herzogen. Das Wasser verschluckte die meisten von ihnen, doch einige landeten auf den Decks der Galeeren in der ersten Schlachtreihe und versprühten Feuer, als sie zerplatzten. Auf der Königin Alysanne liefen die Männer aufgeregt umher, und er konnte Rauch an drei verschiedenen Stellen der Drachentod sehen, die dem Ufer am nächsten war. Inzwischen war ein zweiter Schwarm unterwegs, und auch Pfeile hagelten herab, zischten aus den Schießscharten in den Türmen über ihnen. Ein Soldat fiel über die Reling der Katze, krachte auf die Ruder und versank. Der erste Mann, der heute stirbt, dachte Davos, aber er wird nicht der Letzte sein.
Auf den Wehrgängen des Roten Bergfrieds wehten die Banner des Knabenkönigs: der gekrönte Hirsch der Baratheons in seinem goldenen Feld, der Löwe der Lennisters auf scharlachrotem Grund. Weitere Gefäße mit Pech wurden abgefeuert. Davos hörte Männer schreien, als sich Flammen auf der Mut ausbreiteten. Die Ruderer unten wurden von den halben Decks über ihnen geschützt, doch die Soldaten hatten weniger Glück. Die Steuerbordflanke musste den ganzen Beschuss auf sich nehmen, genau wie er befürchtet hatte. Bald sind wir dran, erkannte er mit Unbehagen. Die Schwarze Betha befand sich durchaus in Reichweite der Geschosse, da sie das sechste Schiff vom Nordufer aus war. Steuerbord kamen nur noch Allards Lady Marya, die unbeholfene Schwertfisch – die so weit zurücklag, dass sie der dritten Reihe näher war als der zweiten – und die Fromme, die Betende und die Geweihte, die allen göttlichen Segen gebrauchen konnten, so ausgeliefert, wie sie den Angriffen des Feindes in ihrer Position waren.
Während die zweite Reihe an den Zwillingstürmen vorbeifuhr, nahm Davos sie näher in Augenschein. Drei Glieder der riesigen Kette hingen aus einem Loch, das nicht größer war als der Kopf eines Mannes, dann verschwand sie unter Wasser. Die Türme hatten jeweils nur eine einzige Tür, die sich gute sieben Meter über dem Boden befand. Bogenschützen auf dem Dach des nördlichen Turmes schossen auf die Betende und die Geweihte. Die Schützen der Geweihten erwiderten das Feuer, und Davos hörte einen Mann schreien, den ein Pfeil getroffen hatte.