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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Sie unterliegt einem Eid«, sagte er zu Arch, und ich begriff dumpf, dass er immer noch Gälisch sprach, obwohl ich ihn deutlich verstand. »Sie darf nicht töten, es sei denn aus Gnade oder Notwehr. Ich bin es, der für sie tötet.«

»Und ich«, sagte eine hochgewachsene Gestalt hinter ihm leise. Ian.

Arch deutete kopfnickend an, dass er verstand, obwohl sein Gesicht im Dunkeln war. Es war noch jemand neben ihm – Fergus. Ich erkannte ihn sofort, wenn ich mich auch einen Moment anstrengen musste, um dem beschmierten, bleichen Gesicht und der drahtigen Gestalt einen Namen zuzuordnen.

»Madame«, sagte er, und der Schock ließ seine Stimme leise klingen. »Milady.«

Dann sah mich Jamie an, und auch sein Gesicht veränderte sich, als das Bewusstsein in seinen Blick zurückkehrte. Ich sah, wie sich seine Nasenlöcher blähten, als er den Geruch von Schweiß und Samen in meinen Kleidern wahrnahm.

»Welcher von ihnen?«, sagte er. »Wie viele?« Er sprach jetzt Englisch, und seine Stimme war bemerkenswert sachlich, als erkundigte er sich danach, wie viele Gäste wir zum Abendessen erwarteten. Ich fand ihren schlichten Tonfall beruhigend.

»Ich weiß es nicht«, sagte ich. »Sie – es war dunkel.«

Er nickte, drückte mir die Hand und wandte sich ab.

»Tötet sie alle«, sagte er zu Fergus, und seine Stimme war immer noch ruhig. Fergus’ Augen waren riesig und dunkel, brennend in ihren Höhlen versunken. Er nickte nur und ergriff die Axt an seinem Gürtel. Die Vorderseite seines Hemdes war bespritzt, und das Ende seines Hakens sah dunkel und klebrig aus.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich etwas sagen sollte. Doch ich tat es nicht. Ich richtete mich kerzengerade auf, den Baum in meinem Rücken, und sagte kein einziges Wort.

Jamie betrachtete den Dolch in seiner Hand, als wollte er sich versichern, dass er einsatzbereit war – er war es nicht; er wischte die Klinge an seinem Oberschenkel ab, ohne das trocknende Blut zu beachten, das den Holzgriff verklebte –, und ging auf die Lichtung zurück.

Ich stand weiter völlig reglos da. Es folgten noch mehr Geräusche, doch ich schenkte ihnen nicht mehr Beachtung als dem Rauschen des Windes über mir in den Nadeln; es war eine Balsamfichte, und ihr Geruch war rein und frisch und fiel über mich wie eine Spülung aus duftendem Harz, so kräftig, dass mein Gaumen ihn schmecken konnte, obwohl kaum etwas die verklebten Membranen meiner Nase durchdrang. Unter dem sanften Schleier des Baumaromas schmeckte ich Blut und nassen Stoff und den Gestank meiner erschöpften Haut.

Die Dämmerung war angebrochen. Vögel sangen fern im Wald, und das Licht lag sanft wie Holzasche auf dem Boden.

Ich stand völlig reglos da, und mein einziger Gedanke war, wie angenehm es sein müsste, bis zum Hals in heißem Wasser zu stehen und mir die Haut von den Muskeln zu schrubben, das Blut rot und sauber an meinen Beinen herunterlaufen zu lassen, bis es sich in sanften Wolken verteilte, die mich verbargen.

Kapitel 29

Gut, wirklich

Dann waren sie davongeritten. Hatten sie liegen gelassen, ohne Begräbnis oder ein Wort des Gebets. Auf eine Art war das schockierender gewesen als das Morden. Roger hatte den Reverend früher öfter zu Menschen auf dem Totenbett oder zu Unfallorten begleitet, ihm geholfen, die Hinterbliebenen zu trösten, dabeigestanden, wenn der Geist entwich und der Reverend die Worte der Gnade sprach. Das tat man nun einmal, wenn jemand starb; man wandte sich Gott zu und beugte sich den Tatsachen.

Und doch … wie konnte man vor der Leiche eines Menschen stehen, den man selbst umgebracht hatte, und Gott ins Gesicht sehen?

Er konnte nicht stillsitzen. Die Müdigkeit füllte ihn aus wie nasser Sand, doch er konnte nicht stillsitzen.

Er stand auf, ergriff das Schüreisen, blieb damit vor seinem Kamin stehen und starrte in das fast erloschene Feuer. Es war perfekt, satinschwarze Kohlen mit Asche überzogen, die rotglühende Hitze dicht unter die Oberfläche verbannt. Es zu berühren, würde die Kohlen aufbrechen lassen, die Flamme aufschießen lassen – nur um ohne Brennstoff sofort wieder zu ersterben. Es würde Verschwendung sein, so spät in der Nacht noch mehr Holz aufzulegen.

Er legte das Schüreisen beiseite und wanderte von Wand zu Wand, eine erschöpfte Biene in einer Flasche, die immer noch summte, obwohl ihr die nutzlosen Flügel in Fetzen am Körper hingen.

Fraser hatte es nicht das Geringste ausgemacht. Doch Fraser hatte sowieso keinen Gedanken mehr an die Banditen verschwendet, als sie erst tot waren; all seine Gedanken hatten Claire gegolten, und das war schließlich verständlich.

Er hatte sie im Morgenlicht über die Lichtung getragen, ein blutgetränkter Adam, eine geschundene Eva, und sie hatten um Gut und Böse gewusst. Und dann hatte er sie in sein Plaid gewickelt, sie aufgehoben und war zu seinem Pferd gegangen.

Die Männer waren schweigend gefolgt und hatten die fremden Pferde hinter ihren eigenen hergeführt. Als ihnen die Sonne eine Stunde später warm im Rücken stand, hatte Fraser sein Pferd bergab gewandt und sie zu einem Bach geführt. Er war abgestiegen, hatte Claire vom Pferd geholfen und war mit ihr zwischen den Bäumen verschwunden.

Die Männer hatten sich erstaunt angesehen, doch niemand sagte etwas. Dann hatte sich der alte Arch Bug von seinem Maultier geschwungen. »Nun, sie will sich doch bestimmt waschen, oder?«, hatte er im selbstverständlichsten Ton gesagt.

Ein verständnisvolles Seufzen war durch die Gruppe gegangen, und die Spannung ließ auf der Stelle nach, um dann in den vertrauten Aufgaben zu verebben: absteigen, die Pferde anbinden, das Sattelzeug überprüfen, pinkeln. Langsam suchten sie die Nähe der anderen, tasteten nach Worten, suchten in Allgemeinplätzen Erleichterung.

Er fing Ians Blick auf, doch ihr Umgang miteinander war noch zu steif für eine Situation wie diese; Ian wandte sich ab, legte Fergus den Arm um die Schulter und drückte ihn, dann stieß er ihn mit einem kurzen, groben Witz über seinen Gestank von sich. Der Franzose lächelte ihn flüchtig an und hob salutierend den dunkel verfärbten Haken.

Kenny Lindsay und Arch Bug teilten Tabak aus und stopften – allem Anschein nach seelenruhig – ihre Pfeifen. Tom Christie spazierte zu ihnen hinüber, bleich wie ein Gespenst, doch mit der Pfeife in der Hand. Nicht zum ersten Mal wurden Roger die Vorteile des Rauchens in Gesellschaft klar.

Doch Arch hatte gesehen, wie er ziellos bei seinem Pferd stand, und war zu ihm gekommen, um mit ihm zu reden. Die Stimme des alten Mannes war ruhig und flößte Vertrauen ein. Er wusste nicht mehr genau, was Arch gesagt hatte, ganz zu schweigen davon, was er geantwortet hatte; das Gespräch an sich schien ihm das Atmen wieder leichter zu machen und den Schauder zu glätten, der ihn wieder und wieder überlief wie eine brechende Welle.

Plötzlich hielt der alte Mann mitten im Satz inne und wies kopfnickend auf etwas, das sich hinter Roger befand.

»Geh jetzt, Junge. Er braucht dich.«

Als Roger sich umdrehte, sah er Jamie am anderen Ende der Lichtung stehen, halb abgewandt an einen Baum gelehnt, den Kopf in Gedanken gesenkt. Hatte er Arch ein Zeichen gegeben? Dann sah sich Jamie um und traf Rogers Blick. Ja, er suchte ihn, und Roger fand sich an Frasers Seite wieder, ohne sich eigentlich daran erinnern zu können, wie er den Abstand zwischen ihnen überquert hatte.

Jamie streckte die Hand nach der seinen aus und drückte sie. Er hielt sie fest und erwiderte den Druck.

»Ein Wort, a cliamhuinn«, sagte Jamie und ließ los. »Eigentlich ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür, aber vielleicht bekommen wir keine andere Gelegenheit, und ich kann nicht lange warten.« Auch er klang ruhig, doch ganz anders als Arch. Seine Stimme war voller Scherben; Roger spürte bei ihrem Klang den haarigen Biss des Stricks und räusperte sich.

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