Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Die Frau war die Erste, die Akkarin bemerkte. Sie sprang auf und wollte flüchten, als sie von einer unsichtbaren Gewalt getroffen wurde. Sie fiel zu Boden und blieb reglos liegen.
Riko war inzwischen die Straße hinuntergerannt. Als Akkarin zu laufen begann, stürzte Sonea ihm nach. Irgendwo hinter ihnen musste Parika sein, der durch den Blutring der Sklaven zum Zeugen der Ereignisse geworden war. Sonea hielt kurz inne, um auf die Frau hinabzublicken. Ihre Augen starrten blicklos zum Himmel empor.
Zumindest ist es schnell gegangen, dachte Sonea.
Ein Licht flammte über Akkarins Kopf auf, und er beschleunigte seinen Schritt. Die Straße war zwar kurvig, führte jetzt jedoch nach unten. Sonea konnte den Sklaven, der vor ihnen herlief, nicht entdecken. Trotz allem hoffte sie beinahe, dass sie ihn nicht finden würden. Akkarin konnte niemanden töten, den er nicht sehen konnte.
Dann hörten sie einen Schrei. Akkarin erreichte die nächste Biegung kurz vor Sonea. Als sie dort ankam, sah sie, dass der Weg vor ihnen scharf einbog. Akkarin blickte den steilen Felsen hinunter. Sonea blieb neben ihm stehen, konnte jedoch nichts erkennen als Dunkelheit.
»Er ist gestürzt?« »Ich glaube, ja«, stieß Akkarin atemlos hervor. Er schaute auf die Straße unter ihnen, die mehrere hundert Schritte weit um den Berg herumführte, bevor sie außer Sicht geriet. »Er kann sich… nirgends verstecken. Er war nicht… so weit vor mir.« Er drehte sich um, und seine Züge verhärteten sich. »Wir müssen… weitergehen. Wenn Kariko uns folgt… wird er uns deutlich erkennen können.«
Er setzte sich in Bewegung, und sie liefen weiter. Als sie die nächste Biegung hinter sich ließen, verwandelte Soneas Erleichterung sich in Entsetzen: Vor ihnen lag abermals eine zu beiden Seiten hin offene Strecke. Eine Gänsehaut überlief sie, und sie unterdrückte den Drang, sich umzudrehen.
Während sie liefen, verlor sie jedes Zeitgefühl. Die Straße führte stetig bergab. Nach einer Weile verblasste ihre Furcht, und Müdigkeit beherrschte all ihre Gedanken.
Jetzt könnten wir doch sicher stehen bleiben, dachte sie wieder und wieder, während sie ihre Erschöpfung heilte. Parika würde uns doch sicher nicht nach Kyralia folgen, oder?
Aber Akkarin lief weiter.
Wie oft kann ich mich noch heilen? Kann ich meinem Körper Schaden zufügen, wenn ich es zu oft tue?
Als Akkarin endlich das Tempo verlangsamte, stieß Sonea einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus. Er lachte leise auf, dann legte er ihr einen Arm um die Schultern. Sie schaute sich um und stellte fest, dass sie einen Wald erreicht hatten. Der Mond war verschwunden. Akkarin dämpfte seine Lichtkugel zu einem schwachen Schimmern. Noch eine Stunde oder länger gingen sie weiter, bis Akkarin sie von der Straße wegführte.
»Ich glaube, hier können wir Halt machen«, murmelte er.
»Was ist, wenn Parika uns folgt?«
»Das wird er nicht tun. Er wird nicht vor Kariko nach Kyralia gehen.«
Sonea spürte weichen, unebenen Boden unter ihren Füßen. Sie gingen noch einige Minuten, dann blieb Akkarin stehen, setzte sich hin und lehnte sich an einen Baum.
»Was jetzt?«, fragte sie und sah sich ratlos um.
Akkarin zog sie dicht an sich und schlang die Arme um sie. »Schlaf, Sonea«, flüsterte er. »Ich werde Wache halten. Und morgen entscheiden wir, was wir als Nächstes tun.«
27
Ein unerwartetes Wiedersehen
Nein. Es ist zu früh, um aufzuwachen, dachte Sonea. Ich bin noch zu müde.
Aber ein wachsendes Gefühl des Unbehagens machte es ihr unmöglich, wieder einzuschlafen. Sie spürte etwas Warmes in ihrem Rücken, und ihr wurde bewusst, dass sie fast aufrecht dasaß. Akkarin hatte die Arme um sie gelegt. Sie lächelte, dann öffnete sie die Augen.
Vier schlanke, behaarte Beine standen vor ihr. Pferdebeine. Ihr Herz setzte einen Schlag aus.
Vertraute blaue Augen blickten auf sie hinab. Grüne Roben, halb verdeckt von einem schweren, schwarzen Mantel, leuchteten im Licht der späten Morgensonne. Überschäumendes Glück und Erleichterung stiegen in ihr auf.
»Dorrien!«, rief sie. »Du hast ja keine Ahnung, wie schön es ist, dich zu sehen.«
Seine Miene jedoch war kalt. Das Pferd scharrte mit den Hufen und warf den Kopf zur Seite. Sonea hörte das Schnauben eines anderen Tieres ganz in ihrer Nähe. Als sie sich umdrehte, sah sie, dass einige Schritte entfernt vier weitere Reiter standen, die schlichte Kleidung trugen.
Akkarin bewegte sich leicht, dann holte er tief Luft.
»Was machst du hier?«, fragte Dorrien scharf.
»Ich… wir…« Sonea schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, Dorrien.«
»Wir sind hier, um Euch zu warnen«, erklärte Akkarin. Sie spürte die Vibration seiner Stimme in ihrem Rücken. »Die Ichani haben die Absicht, in den nächsten Tagen in Kyralia einzudringen.«
Er fasste sie an den Schultern und schob sie sanft von sich. Sie stand auf und trat beiseite, während er sich ebenfalls erhob.
»Ihr seid Verbannte«, sagte Dorrien leise. »Ihr dürft nicht in dieses Land zurückkehren.«
Akkarin hob die Augenbrauen. »Wir dürfen nicht?«, fragte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Habt Ihr die Absicht, gegen mich zu kämpfen?« Dorriens Augen funkelten gefährlich.
»Nein«, erwiderte Akkarin. »Ich habe die Absicht, Euch zu helfen.«
»Wir brauchen Eure Hilfe nicht«, fuhr Dorrien ihn an. »Wir wollen nur, dass Ihr Euch fern haltet.«
Sonea starrte Dorrien an. Sie hatte ihn noch nie so gesehen, so kalt und voller Hass. Er klang wie ein Fremder. Ein törichter, wütender Fremder.
Dann erinnerte sie sich wieder daran, wie leidenschaftlich er für die Menschen in seinem Dorf eintrat. Er würde alles riskieren, um sie zu schützen. Und wenn seine Gefühle für sie sich nicht verändert hatten, hatte es seine Stimmung gewiss nicht gehoben, sie in Akkarins Armen schlafen zu sehen…
»Dorrien«, sagte sie. »Wir wären nicht zurückgekehrt, wenn wir nicht wüssten, dass es notwendig ist.«
Dorrien sah sie mit finsterer Miene an. »Ob ihr zurückkehren müsst oder nicht, ist die Sache der Gilde. Ich habe den Befehl, die Straße zu beobachten und euch wegzuschicken, falls ihr zurückzukehren versucht«, sagte er. »Wenn ihr bleiben wollt, werdet ihr mich zuerst töten müssen.«
Soneas Magen krampfte sich zusammen. Das Bild des toten Sklaven blitzte in ihren Gedanken auf. Akkarin würde doch gewiss nicht…
»Ich brauche Euch nicht zu töten«, erwiderte Akkarin.
Dorriens Augen waren so kalt wie Eis. Er öffnete den Mund, um zu sprechen.
»Wir werden Kyralia wieder verlassen«, meldete Sonea sich hastig zu Wort. »Aber lass uns vorher zumindest sagen, was wir zu sagen haben.« Sie legte eine Hand auf Akkarins Arm.
— Er denkt mit dem Herzen. Wenn wir ihm Zeit geben, sich zu besinnen, wird er vielleicht vernünftiger sein.
Akkarin runzelte die Stirn, widersprach jedoch nicht. Sie wandte sich wieder zu Dorrien um, der sie eingehend musterte.
»Also gut«, sagte er mit offenkundigem Widerstreben. »Dann sprecht.«
»Ihr bewacht den Pass, also hat Lorlen Euch zweifellos davon in Kenntnis gesetzt, dass Sachaka uns bedroht. Gestern Morgen sind Sonea und ich nur knapp einem Ichani namens Parika entkommen«, erklärte Akkarin. »Durch sein Gespräch mit seinem Sklaven haben wir erfahren, dass Kariko und seine Verbündeten die Absicht haben, während der nächsten Tage nach Kyralia zu gehen. Sonea und ich hatten ursprünglich die Absicht, in Sachaka zu bleiben, bis die Gilde sich davon überzeugt hätte, dass die Ichani tatsächlich existieren und eine Bedrohung darstellen, aber uns läuft die Zeit davon. Wenn die Gilde will, dass wir zurückkehren und ihr in der kommenden Schlacht beistehen, müssen wir nahe genug sein, um Imardin vor den Ichani zu erreichen.«
Dorrien sah Akkarin leidenschaftslos an. »Ist das alles?«
Sonea öffnete den Mund, um ihm von dem Ichani am Südpass zu erzählen, aber dann malte sie sich aus, wie Dorrien in die Berge ritt, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Der Ichani würde ihn töten. Sonea schluckte die Worte herunter.