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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Der junge Magier schwieg einige Zeit. »Ihr tragt diesen Ring nicht mehr«, bemerkte er plötzlich.

Lorlen blickte auf. »Nein. Ich bin seiner müde geworden.« Ein Stich der Furcht durchzuckte ihn. Hatte Osen genug über Blutsteine gehört, um zu ahnen, was es mit dem Ring auf sich hatte? Wenn ja, und wenn er sich daran erinnerte, dass Lorlen den Ring anderthalb Jahre lang getragen hatte, dann würde Osen begreifen, dass Lorlen viel länger von Akkarins Geheimnis wusste, als er zugegeben hatte.

Osen griff nach den zwei Briefstapeln und lächelte schief. »Ihr habt schon genug Sorgen, auch ohne dass ich über die Vergangenheit lamentiere. Ich sollte mich wohl am besten ein wenig nützlich machen und Kuriere für diese Briefe suchen.«

»Ja. Vielen Dank.«

»Ich komme zurück, sobald ich damit fertig bin.«

Lorlen sah seinem Assistenten nach, und als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, betrachtete er noch einmal seine ringlose Hand. Wie lange er sich gewünscht hatte, diesen Ring loswerden zu können! Jetzt wünschte er verzweifelt, er könnte ihn zurückbekommen. Der Ring lag sicher verschlossen in der Magierbibliothek. Er konnte ihn jederzeit von dort holen …

Aber konnte er das wirklich? Er wusste, was Balkan dazu sagen würde. Es war zu gefährlich. Und die anderen höheren Magier würden ihm Recht geben.

Mussten Balkan oder die anderen überhaupt davon erfahren?

Natürlich müssen sie es wissen. Und sie haben Recht: Es ist zu gefährlich. Ich wünschte nur, ich wüsste, was da vorgeht.

Seufzend richtete Lorlen seine Aufmerksamkeit wieder auf die Bittgesuche und Briefe auf seinem Schreibtisch.

26

Der Südpass

Als sie sich einem der Ausgänge aus Cerys Räumen näherten, blieb Gol stehen und drehte sich um.

»Meinst du, du solltest den anderen Dieben von diesen Magiern erzählen?«

Cery seufzte. »Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir glauben würden.«

»Vielleicht später, wenn du Beweise hast.«

»Vielleicht.«

Der hochgewachsene Mann stieg eine Leiter zu einer Luke hinauf. Er schob den Riegel zurück, dann drückte er die Luke vorsichtig auf. Stimmengewirr drang an Cerys Ohren. Gol stieg durch die Luke, dann bedeutete er Cery, dass er ihm ohne Gefahr folgen konnte.

Sie traten in einen kleinen Raum, in dem Bol gelagert wurde. Zwei Männer saßen an einem Tisch und spielten. Sie nickten Cery und Gol höflich zu. Obwohl sie wussten, dass es ihre Aufgabe war, einen der Eingänge zur Straße der Diebe zu bewachen, hatten sie keine Ahnung, dass man auf diesem Weg ziemlich direkt zum Unterschlupf eines wichtigen Anführers gelangte.

Der folgende Marsch war kurz, aber Cery machte unterwegs bei einem Bäcker und einigen anderen Zünftlern Halt. Die Besitzer ahnten von der Identität ihres Kunden ebenso wenig wie die Wachen. Cery erkundigte sich sehr unauffällig danach, ob sie zufrieden seien mit ihren Übereinkünften mit »dem Dieb«, und alle bis auf einen gaben ihm die Antwort, die er hören wollte.

»Wenn wir hier fertig sind, sieh zu, dass jemand überprüft, was mit dem Mattenflechter los ist«, sagte Cery zu Gol, als sie wieder in den unterirdischen Tunneln waren. »Irgendetwas macht ihm zu schaffen.«

Gol nickte. Als sie ihr Ziel erreichten, trat er vor, um eine schwere Metalltür aufzuziehen, was ihn einige Kraft kostete. In dem kurzen Gang dahinter saß ein dünner Mann.

»Ren. Wie geht es unserem Gast?«, fragte Cery.

Der Mann erhob sich. »Er ist die ganze Zeit auf und ab gelaufen. Ich glaube, er ist beunruhigt.«

Cery runzelte die Stirn. »Dann öffne die Tür.«

Ren bückte sich und griff nach einer Kette auf dem Fußboden. Er zog daran, und eine Vibration lief durch den Boden. Die Wand gegenüber glitt zur Seite und gab den Blick auf ein luxuriöses Zimmer frei.

Takan stand einige Schritt entfernt; die Geräusche hatten ihn auf ihre Ankunft aufmerksam gemacht. Er wirkte angespannt und tatendurstig. Cery wartete, bis die Tür sich hinter Gol wieder geschlossen hatte, bevor er das Wort an Takan richtete.

»Was ist los?«

Der Sachakaner stieß einen kurzen Atemzug aus. »Akkarin hat mit mir gesprochen. Er hat mich gebeten, dir einige Dinge zu erklären.«

Cery blinzelte überrascht, dann deutete er auf die Stühle. »Wir sollten uns besser setzen. Ich habe etwas zu essen und Wein mitgebracht.«

Takan hockte sich auf die Kante eines Stuhls im Empfangsraum. Cery nahm ihm gegenüber Platz, während Gol in der Küche verschwand, um Teller und Gläser zu holen.

»Du weißt, dass die Mörder, nach denen du in Akkarins Auftrag gesucht hast, sachakanische Magier waren«, begann Takan. »Und du weißt, dass man Akkarin und Sonea ins Exil geschickt hat, weil sie schwarze Magie benutzt haben.«

Cery nickte.

»Die Mörder waren ehemalige Sklaven«, erklärte Takan, »von ihren Herren ausgeschickt, um Kyralia und die Gilde auszuspionieren – und Akkarin zu töten, falls sie eine Gelegenheit dazu fänden. Ihre Herren sind mächtige Magier und unter dem Namen Ichani bekannt. Sie benutzen schwarze Magie, um von ihren Sklaven – oder ihren Opfern – magische Stärke zu beziehen. Die Menschen in meinem Land nennen das höhere Magie und haben kein Gesetz dagegen.«

»Diese Magie macht sie stärker?«, fragte Cery. Obwohl er all das von Savara wusste, musste er so tun, als seien diese Dinge neu für ihn.

»Ja. Akkarin hat in meinem Land schwarze Magie erlernt. Ich bin mit ihm nach Kyralia zurückgekehrt, und er hat Stärke von mir genommen, um gegen die Spione kämpfen zu können.«

»Du warst ein Sklave?«

Takan nickte.

»Du sagst, diese Mörder – die Spione – seien ehemalige Sklaven. Und doch haben auch sie schwarze Magie benutzt.«

»Man hat sie in das Geheimnis der höheren Magie eingeweiht, damit sie lange genug überlebten, um Informationen über die Verteidigungsstrategien Kyralias zusammenzutragen.«

Cery runzelte die Stirn. »Wenn sie frei waren, warum haben sie dann weiterhin getan, was ihre Herren wollten?«

Takan blickte zu Boden. »Wenn man einmal Sklave war, ist es sehr schwer, sich wieder an die Freiheit zu gewöhnen, vor allem, wenn man schon als Sklave geboren wurde«, erwiderte er leise. »Und die Spione haben die Gilde genauso gefürchtet, wie sie die Ichani gefürchtet haben. Sie haben nur zwei Möglichkeiten gesehen: sich im Land des Feindes zu verstecken oder nach Sachaka zurückzukehren. Bevor Akkarin und Sonea öffentlich in die Verbannung geschickt wurden, glaubten die meisten Sachakaner, dass die Gilde noch immer höhere Magie praktiziere. Alle früheren Spione waren getötet worden. Sachaka schien ein wenig sicherer zu sein. Die Gefahren dort sind zumindest vertraut. Aber die Spione wussten, dass die Ichani sie töten würden, wenn sie zurückkehrten, ohne ihre Mission erfüllt zu haben.«

Gol kam mit Wein, Gläsern und einem Teller gefüllter Brötchen zurück. Der stämmige Mann bot Takan ein Glas Wein an, aber der Diener schüttelte den Kopf.

»Jetzt wissen die Ichani, dass die Gilde keine höhere Magie benutzt«, fuhr Takan fort. »Sie wissen, dass sie stärker sind als die kyralischen Magier. Ihr Anführer, ein Mann namens Kariko, hat schon seit Jahren versucht, sie zu einen. Jetzt hat er Erfolg gehabt. Akkarin hat sich heute Morgen mit mir in Verbindung gesetzt und mich gebeten dir Folgendes mitzuteilen: Die Ichani haben die Absicht, während der nächsten Tage nach Kyralia einzudringen. Du musst die Gilde warnen.«

»Und man wird mir glauben?«, fragte Cery zweifelnd.

»Die Nachricht muss anonym überbracht werden, aber ihr Empfänger wird aufgrund des Inhalts wissen, von wem sie kommt. Akkarin hat mir erklärt, wie dieses Schreiben aussehen soll.«

Cery nickte, dann lehnte er sich auf seinem Stuhl zurück und trank einen Schluck Wein.

»Wie viel weiß die Gilde?«

»Alles, bis auf diese letzte Neuigkeit. Sie glauben zwar nichts davon, aber Akkarin hofft, dass sie trotzdem Vorbereitungen treffen werden, für den Fall, dass es wahr ist.« Takan zögerte. »Die Aussicht, dass deinem Land ein Krieg droht, scheint dich nicht besonders zu erschrecken.«

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