Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Sonea gähnte und blickte zu der Lücke zwischen den beiden Gipfeln empor. Nach dem Erscheinen des Ichani am Morgen hatten sie ihr Plätzchen hinter dem Wasserfall verlassen und waren, so weit sie es wagten, die Schlucht hinaufgegangen. Irgendwann hatten sie sich in einer kleinen Nische zwischen einigen Steinbrocken und der Felswand versteckt, um zu schlafen. Obwohl die Stelle nicht so abgelegen war wie der Felsvorsprung hinter dem Wasserfall, gab es keinen Grund, warum der Ichani oder seine Sklaven sich dorthin verirren sollten.
Jetzt jedoch, da die Schlucht enger wurde und das Licht schwand, wurde der Weg beständig schwieriger. Der kleine Fluss füllte den größten Teil der Schlucht aus, und die Ufer waren übersät mit riesigen Steinbrocken. Nach etwa einer Stunde machte Akkarin Halt und zeigte auf die Gipfel. Sonea konnte lediglich erkennen, dass nur ein steiler Felshang bis zum oberen Ende des Tals führte. Erst als sie die steinernen Stufen entdeckte, die in den Fels gehauen waren, zog sie überrascht die Augenbrauen hoch.
»Von hier aus verläuft die Straße parallel zur Schlucht«, murmelte Akkarin.
Er ging auf die Treppe zu, und sie machten sich an den Aufstieg. Oben angekommen, umhüllte sie die Dunkelheit wie dichter Rauch, und Akkarin war nur noch ein warmer Schatten innerhalb der Finsternis.
»Sei so leise wie möglich«, flüsterte er ihr ins Ohr. »Taste dich an der Felswand entlang. Wenn du sprechen willst, greif nach meiner Hand, so dass wir die Gedankenrede benutzen können, ohne von den Ichani belauscht zu werden.«
Jetzt, da sie den Schutz der Schlucht verlassen hatten, zerrte ein beharrlicher Wind an ihren Kleidern. Akkarin ging voran und gab ein zügiges Tempo vor. Sonea ließ die rechte Hand über die Felswand gleiten und versuchte, sich möglichst lautlos zu bewegen. Gelegentlich traten sie oder Akkarin einen Stein los, aber der Wind trug das Geräusch jedes Mal davon.
Nach einem langen Marsch konnte Sonea mehrere hundert Schritte zu ihrer Linken eine weitere Felswand erkennen. Sie hatte sich so sehr an die Dunkelheit gewöhnt, dass sie stutzte. Dann blickte sie auf und sah, dass schwaches Mondlicht, das durch die Wolken brach, die Gipfel sanft leuchten ließ.
Sie hatten die Schlucht inzwischen hinter sich, und die Straße führte durch ein enges Tal. Während die Stunden verstrichen, kam die Felswand auf der linken Seite langsam näher, bis sie sich ihrem Blick schließlich wieder entzog. Wo sie erneut in Sicht kam, trat die rechte Begrenzung des Tals etwas zurück. Der Mond stieg am Firmament immer höher, bis er schließlich langsam seinen Abstieg in Richtung der Berggipfel begann.
Lange Zeit später wurde die Straße immer gewundener und führte in Serpentinen einen steinübersäten Hang hinauf. Je höher sie kamen, desto steiler wurde der Hang, und schon bald hatten sie eine blanke Felswand auf der einen und einen steilen Abgrund auf der anderen Seite. Aber sie gingen weiter.
Dann ertönte vor ihnen ein leises Geräusch, und Akkarin blieb stehen. Das Geräusch wiederholte sich.
Ein Niesen.
Vorsichtig bewegten sie sich auf die nächste Straßenbiegung zu. Kurz darauf griff Akkarin nach Soneas Hand.
— Das muss Riko sein, sandte Akkarin.
Im schwachen Mondlicht entdeckte Sonea die dunkle Gestalt eines Mannes, der neben einem Felsen an der Straße saß. Sie konnte hören, wie er schauderte. Als er sich die Arme rieb, glitzerte etwas an seinem Finger. Ein Blutring, vermutete sie.
— Parika hat ihm wahrscheinlich seinen Mantel weggenommen, damit er wach bleibt, fügte Akkarin hinzu.
— Das kompliziert die Dinge, erwiderte Sonea. Wie sollen wir sowohl an dem Sklaven als auch an seinem Herrn vorbeikommen? Sollen wir beide überlisten?
— Ja und nein. Der Sklave kann unser Köder sein. Bist du bereit?
— Ja.
Sie musste sich dazu zwingen, die nächsten Schritte zu tun, wohlwissend, dass der Mann sie sehen würde. Riko war allerdings so sehr mit seinem Elend beschäftigt, dass er sie zuerst nicht bemerkte. Dann blickte er auf, sprang auf die Füße und rannte davon.
Akkarin blieb laut fluchend stehen, dann riss er Sonea zurück.
»Ein Sklave!«, sagte er so laut, dass Riko ihn hören musste. »Es muss jemand auf dem Pass sein. Komm.«
Sie liefen in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Schließlich wurde Akkarin langsamer, blickte zu den Felswänden zu beiden Seiten hinauf und hielt Sonea fest. Sie spürte, dass der Boden unter ihnen sich verlagerte, dann schwebten sie auch schon empor.
Das Kliff flog an ihnen vorbei, bis Sonea wieder auf festem Grund stand. Der Felsvorsprung, auf dem Akkarin sie abgesetzt hatte, war kaum breit genug für ihre Stiefel. Mit hämmerndem Herzen lehnte sie sich an den Felsen.
Lange Zeit blieb es still, und nur ihr Atem war zu hören. Dann wurde unter ihnen eine Gestalt sichtbar, ein Mann, der vorsichtig um die Biegung der Straße kam. Als er stehen blieb, griff Akkarin nach Soneas Hand.
— Er braucht eine kleine Ermutigung, bemerkte Akkarin.
Kurz darauf rollte ein Stein über die Straße. Der Mann machte einen Schritt nach vorn, dann flackerte ein Licht auf, das seine Umgebung erhellte. Sonea stockte der Atem. Der Mann trug einen eleganten Mantel, und an seinen Händen leuchteten Edelsteine und kostbare Metalle.
— Wunderbar, erwiderte sie. Jetzt braucht er nur nach oben zu schauen, und er wird uns sehen.
— Das wird er nicht.
Hinter dem Ichani kam jetzt ein dünner, gebeugter Mann herbeigeschlurft.
»Ich habe gesehen -«
»Ich weiß, was du gesehen hast. Kehr um und bleib bei -«
Plötzlich verfiel der Ichani in Laufschritt. Sonea bemerkte ein Licht einige hundert Meter hinter der nächsten Biegung der Straße. Es wurde langsam blasser, als entferne es sich. Sie sah Akkarin an, denn sie vermutete, dass er hinter diesem Licht steckte. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck tiefer Konzentration.
Der Ichani eilte weiter und verschwand hinter der Biegung. Auch der Sklave war nicht mehr zu sehen. Akkarin holte tief Luft.
— Wir haben nicht viel Zeit. Lass uns hoffen, dass Riko seinem Herrn unverzüglich gehorcht.
Sie stiegen zur Straße hinunter und liefen dann auf den Pass zu. Sonea rechnete bei jedem Schritt damit, dass sie den Sklaven einholen würden, aber sie hatten bereits einige hundert Meter zurückgelegt, als der Mann vor ihnen auftauchte.
Kurz darauf sahen sie in der Ferne ein flackerndes Licht. Ein Feuer, wie Sonea mit einiger Erleichterung feststellte. Sie hatte befürchtet, dass sie auf einen weiteren Ichani treffen würden. Riko erreichte das Feuer und setzte sich neben eine jüngere Frau.
Akkarin und Sonea bewegten sich im Schutz der Dunkelheit auf das Feuer zu, das die steilen Felswände zu beiden Seiten der Straße beleuchtete.
— Wir kommen nicht an ihnen vorbei, ohne dass sie uns bemerken, sandte Akkarin. Bist du bereit, loszurennen?
Sonea nickte.
— So bereit, wie ich nur sein kann.
Akkarin bewegte sich jedoch nicht. Sie blickte zu ihm hinüber und sah, dass er die Stirn runzelte.
— Was ist los?
— Ich sollte die Gelegenheit nutzen, Parika seiner Sklaven zu berauben. Er würde sie später nur gegen uns benutzen.
Sonea gefror das Blut in den Adern, als sie begriff, was er vorhatte.
— Aber wir haben keine Zeit…
— Dann sollte ich mich wohl beeilen.
Er ließ ihre Hand los und ging auf das Feuer zu.
Sonea unterdrückte einen Protest. Es war durchaus vernünftig, die Sklaven zu töten. Man würde ihre Stärke gegen Kyralier einsetzen. Trotzdem erschien es ihr grausam, Menschen zu töten, die ihr Leben lang Opfer gewesen waren. Sie hatten sich nicht aus freien Stücken dafür entschieden, zu Werkzeugen der Ichani gemacht zu werden.