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Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
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Sie sah mir ins Gesicht und lachte in einer ganz eigentümlichen Weise. Dann schien sie nachdenklich zu werden, als ob sie alle Erinnerungen noch einmal an ihrer Seele vorüberziehen ließe. Lange saß sie so, mit einem Lächeln auf den Lippen, da und dachte an die Vergangenheit.

»Es war mir die größte Freude, ihm zu verzeihen, Wanja«, fuhr sie fort. »Weißt du was: Wenn er mich dann allein gelassen hatte, ging ich oft im Zimmer auf und ab und grämte mich und weinte; aber ich dachte manchmaclass="underline" ›Je schuldiger er vor mir dasteht, um so besser...‹, ja! Und weißt du: ich hatte immer die Vorstellung, als ob er ein kleiner Junge wäre und ich dasäße und er mir seinen Kopf auf die Knie legte, einschliefe und ich ihm sachte über den Kopf striche und ihn liebkoste... So stellte ich ihn mir immer vor, wenn er nicht bei mir war... Höre, Wanja«, fügte sie auf einmal hinzu, »was für ein reizendes Wesen ist Katja!«

Es schien mir, als reiße sie selbst absichtlich ihre Wunde auf, als fühle sie eine Art von Bedürfnis danach, ein Bedürfnis, zu leiden und zu verzweifeln... Das kommt bei Herzen, die viel verloren haben, so oft vor!

»Katja kann ihn, wie mir scheint, glücklich machen«, fuhr sie fort. »Sie besitzt Charakter und spricht aus fester, innerer Überzeugung und verkehrt mit ihm so ernst und selbstbewußt; immer redet sie von verständigen Dingen wie eine Erwachsene. Und dabei ist sie selbst noch das reine Kind! Ein liebes, liebes Geschöpf! Oh, mögen sie glücklich werden! Das ist mein heißer Wunsch!«

Die Tränen strömten ihr aus den Augen; ein Schluchzen drang aus ihrem Herzen. Eine halbe Stunde lang konnte sie nicht zu sich kommen und sich auch nur einigermaßen beruhigen.

Welch ein lieber Engel war Natascha! Trotz ihres eigenen Leides vermochte sie es noch an diesem selben Abend, auch an meinen Sorgen Anteil zu nehmen; denn als ich sah, daß sie sich ein wenig beruhigt hatte oder, richtiger gesagt, müde geworden war, erzählte ich, um sie zu zerstreuen, ihr von Nelly... Wir trennten uns an diesem Abend erst spät; ich wartete, bis sie eingeschlafen war, und bat beim Fortgehen Mawra, die ganze Nacht über nicht von der Seite ihrer kranken Herrin zu weichen.

»Oh«, rief ich auf dem Heimweg aus, »wenn doch diese Qualen recht bald, recht bald ein Ende nehmen möchten! Mag das Ende sein, wie es will, aber nur schnell, nur schnell!«

Am anderen Morgen war ich Punkt neun Uhr schon wieder bei ihr. Gleichzeitig mit mir kam auch Aljoscha, um Abschied zu nehmen. Ich mag an diese Szene nicht zurückdenken und werde sie nicht schildern. Natascha hatte sich offenbar vorgenommen, sich stark und fest zu machen und heiter und gleichmütig zu erscheinen, vermochte es aber nicht durchzuführen. Sie umarmte Aljoscha krampfhaft, mit festem Druck. Sie sprach nur wenig mit ihm, sah ihn aber lange und unverwandt mit dem Blick einer Märtyrerin, ja einer Geisteskranken an. Gierig hörte sie auf jedes Wort von ihm, verstand aber nichts von dem, was er zu ihr sagte. Ich erinnere mich, daß er sie bat, ihm zu verzeihen, ihm diese Liebe zu verzeihen und alles, womit er sie während dieser Zeit gekränkt habe, die Fälle von Untreue, seine Liebe zu Katja, seine Abreise... Er sprach in abgerissenen Sätzen; Tränen erstickten seine Stimme. Manchmal versuchte er sie zu trösten, indem er sagte, er reise nur auf einen Monat oder höchstens auf fünf Wochen weg, er werde im Sommer wiederkommen, dann werde ihre Hochzeit sein, und sein Vater werde seine Einwilligung geben; und endlich, was die Hauptsache sei, er werde übermorgen aus Moskau zurückkommen, und dann würden sie noch vier volle Tage zusammen verleben, und somit dauere ihre jetzige Trennung nur einen Tag...

Merkwürdig: er selbst war fest davon überzeugt, daß er die Wahrheit sprach und unfehlbar übermorgen aus Moskau zurückkehren werde − aber warum weinte er dann so und verging fast vor Schmerz? Endlich schlug es elf. Ich konnte ihn nur mit Mühe zum Aufbruch überreden. Der Zug nach Moskau ging Punkt zwölf ab. Es blieb ihm nur noch eine Stunde Zeit. Natascha hat mir selbst nachher gesagt, sie könne sich nicht daran erinnern, wie sie ihn zum letzten Male angesehen habe. Ich erinnere mich, daß sie ihn bekreuzte und küßte und dann, das Gesicht in den Händen verbergend, in das Zimmer zurückstürzte. Ich aber mußte Aljoscha ganz bis zu seiner Equipage bringen; sonst wäre er bestimmt wieder umgekehrt und nie die Treppe hinuntergekommen.

»Meine ganze Hoffnung beruht auf Ihnen«, sagte er zu mir beim Hinuntersteigen. »Mein Freund Wanja! Ich habe mich gegen dich nicht so benommen, wie ich es hätte tun sollen, und bin deiner Liebe niemals wert gewesen; aber sei mir bis zum Ende ein Bruder: liebe sie, verlaß sie nicht, schreib mir alles, möglichst ausführlich und eingehend, schreib möglichst eingehend, damit recht viel darin steht! Übermorgen bin ich wieder hier, bestimmt, ganz bestimmt! Aber dann, wenn ich weg sein werde, dann schreib!«

Ich half ihm beim Einsteigen in den Wagen. »Auf übermorgen!« rief er mir, schon im Fahren, zu. »Bestimmt!«

Mit stockendem Herzschlag kehrte ich nach oben zu Natascha zurück. Sie stand mit verschränkten Armen mitten im Zimmer und blickte mich ganz fremd an, als ob sie mich nicht erkenne. Ihr Haar hatte sich unordentlich verschoben; ihr Blick war trüb und unstet. Mawra stand ganz fassungslos in der Tür und sah sie voller Angst an. Auf einmal funkelten Nataschas Augen auf. »Ah, du bist es! Du!« schrie sie mich an. »Du bist jetzt der einzige, der hiergeblieben ist. Du hast ihn gehaßt! Du hast es ihm nie verzeihen können, daß ich ihn liebte. Jetzt stellst du dich wieder bei mir ein! Was willst du? Bist du gekommen, um mich wieder zu trösten, um mich zu überreden, ich möchte zu meinem Vater gehen, der sich von mir losgesagt und mich verflucht hat? Das wußte ich schon gestern, schon seit zwei Monaten! Aber ich will nicht, ich will nicht! Ich selbst verfluche sie!... Geh weg, geh weg, ich mag dich nicht sehen! Weg, weg!«

Ich sah, daß ich eine Rasende vor mir hatte und daß mein Anblick sie in sinnlose Wut versetzte; ich sagte mir, daß es nicht anders hatte kommen können, und hielt es für das beste, hinauszugehen. Ich setzte mich auf die Treppe, auf die oberste Stufe, und wartete. Manchmal stand ich auf, öffnete die Tür, rief Mawra zu mir und befragte sie; Mawra weinte.

So vergingen anderthalb Stunden. Ich kann nicht schildern, welche Qualen ich in dieser Zeit durchmachte. Mein Herz war von grenzenlosem Schmerz zerrissen und wollte fast sterben. Auf einmal öffnete sich die Tür, und Natascha kam auf die Treppe herausgelaufen, in Hut und Mantel. Sie war wie von Sinnen und sagte mir später selbst, daß sie sich kaum daran erinnere und nicht wisse, wohin sie habe laufen wollen und was sie vorgehabt habe.

Ich hatte nicht Zeit gehabt, von meinem Platz aufzuspringen und mich irgendwo vor ihr zu verstecken, als sie mich plötzlich erblickte und überrascht vor mir regungslos stehenblieb. »Es kam mir plötzlich zum Bewußtsein«, erzählte sie mir später, »daß ich Wahnsinnige, ich Grausame dich hatte von mir wegtreiben können, dich, meinen Freund, meinen Bruder, meinen Retter! Und als ich sah, daß du Armer, den ich so gekränkt hatte, auf meiner Treppe saßest und nicht fortgingst und wartetest, bis ich dich wieder rufen würde − o Gott, wenn du wüßtest, Wanja, wie mir da ward! Es war mir, als stieße mir jemand ein Messer ins Herz...«

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