Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Als mein Gesicht erneut aus dem Wasser fuhr, griff etwas nach meiner ausgestreckten Hand. Etwas Festes, Warmes und beruhigend Kräftiges. Eine andere Hand.
Hustend und spuckend tastete ich mit der freien Hand blindlings um mich, zu glücklich über die Rettung, um die Unterbrechung meines Fluchtversuchs zu bedauern. Zumindest so lange glücklich, bis ich mir das Haar aus den Augen strich und in das nervöse, teigige Lancashiregesicht des jungen Korporals Hawkins blickte.
Kapitel 21
Un Mauvais Quart d’Heure nach der anderen
Ich zupfte mir geziert eine feuchte Wasserpflanze vom Ärmel und legte sie mitten auf das Löschpapier. Dann sah ich das Tintenfass danebenstehen, griff noch einmal nach der Ranke und tauchte sie hinein, um damit eine Reihe interessanter Muster auf das dicke Löschpapier zu zeichnen. Zunehmend inspiriert, vollendete ich mein Meisterwerk mit einem Schimpfwort, bestreute es sorgfältig mit Sand und tupfte es trocken, um es dann an die Schubfächer zu lehnen.
Ich trat einen Schritt zurück, um es zu bewundern, dann sah ich mich nach anderen Möglichkeiten um, mich von Hauptmann Randalls nahender Ankunft abzulenken.
Nicht schlecht für das private Schreibzimmer eines Hauptmanns, dachte ich angesichts der Gemälde an der Wand, der Silberbeschläge des Schreibtischs und des dicken Teppichs auf dem Boden. Ich stellte mich wieder auf den Teppich, um wirkungsvoller abtropfen zu können. Während des Ritts nach Fort William waren zwar meine Überkleider hinreichend getrocknet, aber die Unterröcke waren immer noch zum Auswringen nass.
Ich öffnete einen kleinen Schrank hinter dem Schreibtisch und entdeckte die Zweitperücke des Hauptmanns, die ordentlich auf einem von zwei schmiedeeisernen Ständern ruhte. Ein Ensemble aus einem silbergefassten Spiegel, dazu passenden Bürsten und einem Schildpattkamm lag mit militärischer Ordnung davor aufgereiht. Ich trug den Ständer mit der Perücke zum Schreibtisch und schüttete den restlichen Löschsand darüber, um ihn dann wieder in den Schrank zu stellen.
Ich saß hinter dem Schreibtisch, den Kamm in der Hand, und betrachtete mein Spiegelbild, als der Hauptmann eintrat. Er warf mir einen Blick zu, der meine wilde Erscheinung, den geplünderten Schrank und das entstellte Löschpapier lediglich ungerührt zur Kenntnis nahm.
Ohne mit der Wimper zu zucken, holte er sich einen Stuhl, setzte sich mir gegenüber und legte seinen Stiefel auf das Knie des anderen Beins. An seiner eleganten Aristokratenhand baumelte eine Reitgerte. Ich beobachtete ihre schwarz-rot geflochtene Spitze, die langsam über dem Teppich auf und ab schwang.
»Keine schlechte Idee«, gab er kopfnickend zu, während er zusah, wie meine Augen den Bewegungen der Peitsche folgten. »Aber mir fällt gewiss noch etwas Besseres ein, sobald ich mich einige Augenblicke gesammelt habe.«
»Das kann ich mir vorstellen«, entgegnete ich und schob mir eine Haarsträhne aus den Augen. »Aber Ihr dürft doch keine Frauen auspeitschen, oder?«
»Nur unter gewissen Umständen«, antwortete er höflich. »Welche auf Eure Situation nicht zutreffen – noch nicht. Aber das ist so öffentlich. Ich hatte gedacht, wir machen uns erst einmal unter vier Augen miteinander vertraut.« Er griff hinter sich, wo eine Karaffe auf der Anrichte stand.
Wortlos nippten wir Rotwein und betrachteten einander über unsere Gläser hinweg.
»Ich habe ganz vergessen, Euch zu Eurer Hochzeit zu gratulieren«, sagte er plötzlich. »Verzeiht mir meine schlechten Manieren.«
»Oh, keine Ursache«, erwiderte ich großzügig. »Ich bin mir sicher, dass Euch die Familie meines Mannes äußerst dankbar dafür sein wird, dass Ihr mir Eure Gastfreundschaft anbietet.«
»Oh, das möchte ich bezweifeln«, sagte er mit einem gewinnenden Lächeln. »Allerdings hatte ich auch gar nicht vor, sie davon in Kenntnis zu setzen.«
»Wie kommt Ihr denn darauf, dass sie es nicht wissen?«, fragte ich. Allmählich wurde mir doch ziemlich mulmig zumute, obwohl ich ja eigentlich beschlossen hatte, die Überlegene zu spielen. Ich warf einen raschen Blick zum offen stehenden Fenster, doch es befand sich auf der falschen Seite des Gebäudes. Ohne die Sonne sehen zu können, schätzte ich, dass es später Nachmittag war. Wie lange noch, bis Jamie mein zurückgelassenes Pferd fand? Und wie lange, bis er dann meine Spur zu dem Bach verfolgte – und sie prompt verlor? Spurlos zu verschwinden hatte auch seine Nachteile. Solange Randall nicht beschloss, Dougal von meinem Aufenthaltsort zu unterrichten, war es den Schotten tatsächlich unmöglich, herauszufinden, wo ich war.
»Wenn sie es wüssten«, sagte der Hauptmann und zog eine seiner elegant geformten Augenbrauen hoch, »wären sie vermutlich schon hier. Angesichts des Vokabulars, das Dougal MacKenzie bei unserem letzten Zusammentreffen auf mich angewandt hat, glaube ich nicht, dass er mich für den geeigneten Gastgeber seiner Verwandten hält. Und sein Clan scheint Euch ja für so wertvoll zu halten, dass er Euch lieber adoptiert, als Euch in meine Hände fallen zu lassen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie Euch hier auf die Geduldsprobe stellen würden.«
Er betrachtete mich missbilligend bis ins letzte Detail meiner durchnässten Aufmachung, meines ungekämmten Haars und meiner allgemein wilden Erscheinung.
»Hol mich der Teufel, wenn ich weiß, warum sie Euch wollen«, merkte er an. »Oder warum in aller Welt sie Euch allein in der Gegend umherwandern lassen, wenn Ihr ihnen so wichtig seid. Ich dachte, selbst Barbaren geben besser auf ihre Frauen acht.« Ein plötzlicher Glanz stahl sich in seine Augen. »Oder habt Ihr beschlossen, Euch wieder von ihnen zu trennen?« Er lehnte sich zurück, fasziniert von dieser neuen Idee.
»Die Hochzeitsnacht hat Euch also mehr abverlangt, als Ihr erwartet hattet?«, fragte er. »Ich muss gestehen, ich war gekränkt, dass Ihr lieber mit einem dieser haarigen, halb nackten Barbaren ins Bett steigt, als weiter mit mir zu diskutieren. Das zeugt von extremem Pflichtgefühl, Madam, und ich muss Euren Auftraggeber – wer auch immer es ist – dazu beglückwünschen, dass er Euch so inspirieren kann. Dennoch«, sagte er und lehnte sich noch ein Stück weiter zurück, während er den Rotwein auf seinem Knie balancierte. »Ich fürchte, ich muss trotzdem darauf bestehen, den Namen Eures Brotherrn zu erfahren. Wenn Ihr Euch tatsächlich von den MacKenzies getrennt habt, ist die wahrscheinlichste Annahme die, dass Ihr eine französische Agentin seid. Doch in wessen Auftrag?«
Er fixierte mich gebannt wie eine Schlange, die einen Vogel zu hypnotisieren versucht. Doch inzwischen hatte ich genug Rotwein getrunken, um einen Teil des mulmigen Gefühls zu betäuben, und ich erwiderte seinen Blick gelassen.
»Oh«, sagte ich ausgesprochen höflich. »Ich bin Teil dieser Unterhaltung? Ich fand, Ihr macht das alleine ganz gut. Fahrt doch bitte fort.«
Sein fein geschnittener Mund verspannte sich ein wenig, und die Falte in seinem Mundwinkel vertiefte sich, doch er sagte nichts. Stattdessen stellte er sein Glas beiseite, erhob sich, setzte seine Perücke ab und ging zum Schrank. Ich sah, wie er einen Moment innehielt, als er die dunklen Sandkörnchen bemerkte, die seine andere Perücke zierten, doch seine Miene änderte sich kaum.
Sein eigenes Haar war dunkel, dicht, fein und glänzend. Außerdem sah es bestürzend vertraut aus, obwohl es schulterlang war und von einem blauen Seidenband zusammengehalten wurde. Dieses löste er jetzt, nahm sich den Kamm vom Schreibtisch und ordnete sich das von der Perücke zerdrückte Haar. Ich hielt ihm hilfsbereit den Spiegel hin, damit er das Ergebnis begutachten konnte. Er nahm ihn mir mit einem markanten Blick aus der Hand, legte ihn an seinen Platz zurück und schloss geräuschvoll die Schranktür.
Ich konnte nicht sagen, ob diese Verzögerungstaktik dazu diente, mich nervös zu machen – in welchem Fall sie funktionierte –, oder ob er sich einfach nicht entscheiden konnte, was er als Nächstes tun sollte.
Die Atmosphäre entspannte sich ein wenig, weil ein Bediensteter mit einem Teetablett ins Zimmer trat. Immer noch schweigend schenkte Randall zwei Tassen voll und bot mir eine davon an. Wir nippten erneut stumm vor uns hin.