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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Doch jetzt war es Zeit, zum Ende zu kommen.

Mit dem Gefühl, eine ernste Zeremonie durchzuführen, zog er die Nadeln aus den Ecken des vergilbten Blattes und nahm es von der Korktapete ab. Es war sein Stammbaum, eine Ahnentafel, die der Reverend in seiner ordentlichen, rundlichen Handschrift ausgeführt hatte.

MacKenzies über MacKenzies, ganze Generationen. Er hatte in letzter Zeit daran gedacht, den Namen wieder für immer anzunehmen, nicht nur für seine Auftritte. Schließlich hatte er jetzt, wo Papa tot war, nicht mehr vor, oft nach Inverness zurückzukommen, wo ihn die Leute als Wakefield kannten. Das war schließlich der Sinn der ganzen Ahnenkunde gewesen: dass Roger nicht vergaß, wer er war.

Papa hatte ein paar persönliche Geschichten gekannt, doch von den meisten Menschen auf der Tafel kannte er nur den Namen. Und bei der wichtigsten Person nicht einmal den – bei der Frau, deren grüne Augen Roger jeden Morgen im Spiegel sah. Sie tauchte nirgendwo auf dieser Tafel auf, und das aus gutem Grund.

Rogers Finger kam fast ganz oben auf der Tafel zum Halten. Da war er, der Wechselbalg – William Buccleigh MacKenzie. In die Obhut von Pflegeeltern gegeben, der illegitime Nachwuchs des Kriegsoberhaupts des MacKenzie-Clans und einer Hexe, die zum Verbrennen verurteilt war. Von Dougal MacKenzie und der Hexe Geillis Duncan.

Natürlich war sie gar keine Hexe, dafür aber etwas, was mindestens genauso gefährlich war. Er hatte ihre Augen – das sagte Claire jedenfalls. Hatte er noch mehr von ihr geerbt? War die furchterregende Fähigkeit, durch die Steine zu reisen, unauffällig über Generationen braver Schiffsbauer und Viehhüter hinweg vererbt worden?

Jedes Mal, wenn er die Tafel sah, dachte er jetzt daran – und versuchte aus diesem Grund, nicht hinzusehen. Er verstand Briannas Gefühl des Hin- und Hergerissenseins; er wusste nur zu gut, wie nah Furcht und Neugier beieinanderlagen, wusste, wie das Bedürfnis nach Wissen mit der Furcht vor den Tatsachen rang.

Nun, er konnte Brianna helfen, es herauszufinden. Und was ihn selbst anging …

Roger ließ die Ahnentafel in einen Ordner gleiten und legte ihn in den Karton. Er schloss den Deckel des Kartons und klebte außerdem ein »X« aus Packband darüber.

»Das war’s dann also«, sagte er laut und verließ das leere Zimmer.

Völlig überrumpelt blieb er auf der oberen Treppenstufe stehen.

Brianna hatte gebadet, dem uralten Durchlauferhitzer mit dem angeschlagenen Email und der lärmenden Flamme getrotzt. Jetzt trat sie in den Flur und trug nur ein Handtuch.

Sie sah ihn nicht und wandte sich zum Gehen. Roger stand ganz still, lauschte dem Pochen seines Herzens und spürte seine Hand feucht auf dem Geländer.

Ihre Blöße war bedeckt; er hatte mehr von ihr gesehen, als sie im Sommer Trägerhemdchen und Shorts getragen hatte. Es war die Instabilität ihrer Körperbedeckung, die ihn erregte; das Wissen, dass er nur einmal schnell zu ziehen brauchte, um sie zu entkleiden. Das und das Wissen, dass sie ganz allein im Haus waren.

Dynamit.

Er ging einen Schritt auf sie zu und blieb stehen. Sie hatte ihn gehört; sie blieb ebenfalls stehen, doch es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich umdrehte. Ihre Füße waren nackt, mit hohem Spann und langen Zehen; die schmalen Bögen ihrer feuchten Fußabdrücke zeichneten sich dunkel auf dem abgewetzten Läufer ab, der auf dem Boden des Flures lag.

Sie sagte nichts, sah ihn nur direkt an mit ihren dunklen, schrägen Augen. Sie stand im Gegenlicht des großen Fensters am Ende des Flures. Ihr eingemummter Körper zeichnete sich schwarz vor dem blassgrauen Licht des Regentages ab.

Er wusste, wie sie sich anfühlen würde, wenn er sie anfasste. Ihre Haut würde immer noch heiß sein vom Baden, feucht in der Leiste, in den Knie- und Ellbogenbeugen. Er konnte sie riechen, Shampoo, vermischt mit Seife und Puder, der Geruch ihrer Haut von einem blumigen Hauch überdeckt.

Ihre Fußspuren verliefen vor ihm auf dem Läufer, eine zarte Kette von Schritten, die sie miteinander verband. Er streifte seine Sandalen ab und setzte seinen nackten Fuß auf einen der Abdrücke, die sie hinterlassen hatte. Er war kühl unter seiner Haut.

Auf ihren Schultern waren Wassertropfen, passend zu den Tröpfchen auf der Fensterscheibe hinter ihr, als sei sie dort hindurch aus dem Regen gekommen. Sie hob den Kopf, als er auf sie zuging, und schüttelte ihn, so dass das Handtuch, das sie darum gewickelt hatte, zu Boden fiel.

Die glänzenden Bronzeschlangen ihres Haares lösten sich und streiften seine Wange mit Feuchtigkeit. Nicht die Schönheit einer Gorgo, sondern die eines Wassergeistes, der sich von einem schlangenmähnigen Pferd in eine Zauberfrau verwandelte.

»Kelpie«, flüsterte er an der erröteten Rundung ihrer Wange. »Du siehst aus, als wärst du geradewegs einem Bach der Highlands entstiegen.« Sie legte ihm die Arme um den Hals und ließ das Handtuch los – nur der Druck ihrer Körper hielt es zwischen ihnen.

Ihr Rücken war entblößt. Bei dem kalten Luftzug vom Fenster sträubten sich ihm die Haare auf dem Unterarm, während gleichzeitig ihre Haut seine Handfläche wärmte. Er hätte am liebsten sogleich das Handtuch um sie gezogen, sie eingehüllt, sie vor der Kälte geschützt; gleichzeitig aber auch sich und sie entkleidet, sich ihre Hitze genommen und ihr die seine gegeben, gleich hier im feuchten, zugigen Flur.

»Dampf«, flüsterte er. »Himmel, du dampfst.«

Ihr Mund wölbte sich gegen den seinen.

»Da sind wir dann schon zu zweit, und du hast nicht mal gebadet. Roger –« Ihre Hand lag in seinem Nacken, die Finger kühl. Sie machte den Mund auf, um noch etwas zu sagen, doch er küsste sie, spürte dabei, wie heiße Feuchtigkeit den Stoff seines Hemdes durchdrang.

Ihre Brüste pressten sich gegen ihn, und ihr Mund öffnete sich unter dem seinen. Das flauschige Frotteetuch verbarg ihre Brüste vor seinen Händen, nicht aber vor seiner Phantasie; er konnte sie in Gedanken sehen, rund und glatt und so bezaubernd nachgiebig und fest zugleich.

Seine Hand wanderte weiter nach unten und umfasste die Rundung ihrer nackten Pobacke. Sie scheute zurück, verlor das Gleichgewicht, und sie stolperten beide ungeschickt und rangen miteinander in dem Bemühen, auf den Füßen zu bleiben.

Roger kam mit den Knien auf dem Boden auf und zog sie mit sich nach unten. Sie schwankte, fiel zu Boden und landete lachend auf dem Rücken.

»He!« Sie grabschte nach dem Handtuch, ließ es dann aber los, als er sich auf sie stürzte und sie erneut küsste.

Er hatte recht gehabt, was ihre Brüste anging. Eine davon lag jetzt unter seiner Hand, entblößt, voll und weich, die Brustwarze hart in der Mitte seiner Handfläche.

Dynamit, und die Lunte brannte.

Seine andere Hand lag unter dem Handtuch auf ihrem Oberschenkel, so nah, dass er spüren konnte, wie die feuchten Locken seinen Finger streiften. Gott, welche Farbe hatte es? Kastanie, wie er es sich ausgemalt hatte? Kupfer und Bronze wie das Haar auf ihrem Kopf?

Instinktiv glitt seine Hand weiter und konnte es nicht abwarten, die weiche, schlüpfrige Fülle zu umfassen, die er ahnte, so nah. Mit einer Anstrengung, von der ihm schwindelig wurde, hielt er inne.

»Bitte«, flüsterte sie. »Bitte, ich möchte es.«

Er fühlte sich hohl wie eine Glocke; das Echo seines Herzschlags dröhnte in seinem Kopf, in seiner Brust und schmerzhaft hart zwischen seinen Beinen. Er schloss die Augen, holte Luft und presste die Hand auf das rauhe Gewebe des Teppichs, versuchte, den Gedanken daran zu verdrängen, wie sich ihre Haut anfühlte, um sie nicht erneut anfassen zu müssen.

Sie setzte sich auf und stieg wie eine Meerjungfrau aus dem dunkelblauen Handtuch auf, das in Wellen um ihre Hüften lag. Sie war abgekühlt; ihre Haut war blass wie Marmor in dem grauen Licht und auch so glatt, nur an Armen, Brüsten und Schultern zeigte sich eine Gänsehaut.

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