Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er berührte sie, rauhe Haut und glatte, und zog seine Finger über ihre Lippen, ihren breiten Mund. Er hatte immer noch ihren Geschmack auf den Lippen, saubere Haut und Zahnpasta – und ihre süße, weiche Zunge.
»Besser«, flüsterte er. »Ich möchte, dass es besser ist … beim ersten Mal.«
Sie knieten da und starrten einander an, und die Luft zwischen ihnen war mit Unausgesprochenem geladen. Die Lunte brannte immer noch, doch langsamer. Roger fühlte sich wie angewachsen – vielleicht war sie doch eine Gorgo.
Der Geruch nach angebrannter Milch stieg die Treppe hinauf, und sie sprangen beide gleichzeitig auf.
»Irgendwas brennt an!«, sagte Brianna und schoss zur Treppe, das Handtuch wieder notdürftig um sich gewickelt.
Er hielt sie am Arm fest, als sie an ihm vorbeiwollte. Sie fühlte sich kalt an, der zugige Flur hatte sie abgekühlt.
»Ich mach’s schon«, sagte er. »Geh du dich nur anziehen.«
Sie warf ihm einen schnellen Blick zu, drehte sich um und verschwand im Gästezimmer. Die Tür schloss sich mit einem Klicken hinter ihr, und er eilte über den Flur, polterte die Treppe hinunter dem Katastrophengeruch entgegen, und seine Handfläche brannte an der Stelle, wo er sie berührt hatte.
Unten kümmerte sich Roger um die übergekochte, angebrannte Suppe und machte sich Vorwürfe. Was dachte er sich nur dabei, sich auf sie zu stürzen wie ein liebestoller Lachs auf dem Weg in die Laichgründe? Ihr das Handtuch vom Leib zu reißen und sie zu Boden zu ringen – Himmel, sie musste ihn ja fast für einen Vergewaltiger halten.
Gleichzeitig war das heiße Gefühl, das seine Brust durchströmte, weder auf Schamgefühl noch auf den Gasherd zurückzuführen. Es war die latente Hitze ihrer Haut, die ihn immer noch wärmte. »Ich möchte es«, hatte sie gesagt, und sie hatte es ernst gemeint.
Die Sprache des Körpers war ihm vertraut genug, dass er Verlangen und Hingabe erkannte, wenn er sie berührte. Doch das, was er in jenem Moment empfunden hatte, als ihr Körper für den seinen erwachte, ging noch viel weiter. Mit einem leisen, entscheidenden Klicken hatte sich das Universum verschoben; er spürte das Echo immer noch in den Knochen.
Er wollte sie. Er wollte sie ganz; nicht nur im Bett, nicht nur ihren Körper. Alles, für immer. Plötzlich kam ihm das Bibelzitat »Ein Fleisch« sehr greifbar und sehr wirklich vor. Genau das wären sie fast gewesen, oben auf dem Flurboden, und einfach so aufzuhören, gab ihm ein merkwürdiges Gefühl der Verwundbarkeit – er war kein ganzer Mensch mehr, sondern nur noch die Hälfte von etwas, das es noch nicht gab.
Er goss die Reste der Suppe ins Spülbecken. Egal, sie würden essen gehen. Besser, aus dem Haus zu gehen, der Versuchung aus dem Weg zu gehen.
Abendessen, eine beiläufige Unterhaltung und vielleicht ein Spaziergang am Fluss. Sie hatte die Christmette besuchen wollen. Danach …
Danach würde er sie fragen, es offiziell machen. Sie würde ja sagen, das wusste er. Und dann …
Tja, dann würden sie nach Hause gehen, in ein dunkles Haus, das nur für sie da war. In dem sie allein sein würden, in einer Nacht der Sakramente und der Geheimnisse, in der die Liebe neu in die Welt gekommen war. Und er würde sie in seine Arme nehmen und sie nach oben tragen, in einer Nacht, in der das Opfer der Jungfräulichkeit nicht den Verlust der Reinheit bedeutete, sondern die Geburt immerwährender Freude.
Roger schaltete das Licht aus und ging aus der Küche. Hinter ihm brannte die vergessene Gasflamme blau und gelb in der Dunkelheit, glühend und beständig wie das Feuer der Liebe.
Kapitel 18
Unziemliche Lust
Reverend Wakefield war ein Mann der Offenheit und der Ökumene gewesen; er hatte religiöse Meinungen aller Schattierungen toleriert und war bereit gewesen, sich mit Lehren zu befassen, die seine Herde empörend, wenn nicht sogar schlichtweg gotteslästerlich gefunden hätte.
Doch nachdem er im strengen Klima des schottischen Presbyterianismus und dem damit verbundenen Misstrauen gegenüber allem »Papistischen« aufgewachsen war, verspürte Roger einen Hauch Beklommenheit, wenn er eine katholische Kirche betrat – als könnte er am Eingang ergriffen und von seltsam gekleideten Anhängern des wahren Kreuzes zwangsgetauft werden.
Doch es kam zu keinerlei derartigen Gewalttätigkeiten, als er Brianna in das kleine Steingebäude folgte. Am anderen Ende des Kirchenschiffes war ein Junge in einem langen, weißen Gewand zu sehen, doch er war friedlich damit beschäftigt, zwei Paar großer, weißer Kerzen anzuzünden, die den Altar schmückten. Ein unbekannter Duft hing schwach in der Luft. Roger atmete ihn ein, darum bemüht, es unauffällig zu tun. Weihrauch?
Brianna blieb neben ihm stehen und kramte in ihrer Handtasche. Sie holte ein kleines, kreisförmiges Etwas aus schwarzer Spitze heraus und steckte es mit einer Haarnadel auf ihrem Kopf fest.
»Was ist das?«, fragte er.
»Ich weiß nicht, wie man es nennt«, sagte sie. »Man trägt es in der Kirche, wenn man keinen Hut oder Schleier tragen will. Man muss es eigentlich nicht mehr tun, aber ich bin damit groß geworden – früher durften katholische Frauen nicht ohne Kopfbedeckung in die Kirche gehen, weißt du?«
»Nein, wusste ich nicht«, sagte er interessiert. »Warum denn nicht?«
»Hat wahrscheinlich mit Paulus zu tun«, sagte sie und zog einen Kamm aus der Handtasche, um sich die Haarspitzen zu glätten. »Er war der Meinung, Frauen sollten ihre Haare immer bedeckt halten, um nicht zu Objekten unziemlicher Lust zu werden. Alter Miesepeter«, fügte sie hinzu und verstaute den Kamm wieder in ihrer Tasche. »Mama hat immer gesagt, er hatte Angst vor Frauen, hielt sie für gefährlich«, sagte sie mit einem breiten Grinsen.
»Sind sie doch auch.« Impulsiv beugte er sich vor und küsste sie, ohne die Blicke der Leute zu beachten.
Sie machte ein überraschtes Gesicht, verlagerte dann aber ihr Gewicht nach vorn auf die Zehen und küsste ihn schnell zurück. Roger hörte irgendwo neben sich ein gedämpftes, missbilligendes »Mmpf«, doch er ignorierte es.
»In der Kirche, und dann auch noch an Weihnachten!«, kam ein heiseres Flüstern von hinten.
»Na ja, es ist nicht wirklich die Kirche, Annie, es ist nur der Vorraum, aye?«
»Und dann ist es auch noch der Pastorsjunge!«
»Na, du kennst doch das Sprichwort von den Schusterjungen, die barfuß gehen. Ein Predigersohn auf Abwegen ist wohl das Gleiche. Komm jetzt rein.«
Unter sprödem Absatzgeklapper, das vom leiseren Geschlurfe eines Mannes begleitet wurde, entfernten sich die Stimmen in die Kirche. Brianna wich etwas zurück und sah zu ihm auf. Ihr Mund zitterte vor Lachen.
»Bist du auf Abwegen?«
Er lächelte zu ihr hinunter und berührte ihr leuchtendes Gesicht. Zur Feier des Weihnachtsfestes trug sie die Halskette ihrer Großmutter, und ihre Haut reflektierte den Glanz der Süßwasserperlen.
»Wenn ich welche finde.«
Bevor sie antworten konnte, wurden sie von einem Schwall nebliger Luft unterbrochen, als sich die Kirchentür öffnete.
»Mr. Wakefield, sind Sie das?« Er drehte sich um und sah zwei Paar heller, neugieriger Augen zu ihm heraufstrahlen. Zwei ältere Frauen, jede ungefähr eins vierzig groß, standen Arm in Arm in ihren Wintermänteln da, und mit ihren grauen Haaren, die unter ihren kleinen Filzhüten hervorquollen, sahen sie aus wie ein Paar Türstopper.
»Mrs. McMurdo, Mrs. Hayes! Fröhliche Weihnachten!« Er nickte ihnen zu und lächelte. Mrs. McMurdo wohnte zwei Häuser vom Pfarrhaus entfernt und ging jeden Sonntag mit ihrer Freundin, Mrs. Hayes, zur Kirche. Roger kannte sie schon sein Leben lang.
»Dann sind Sie also nach Rom übergelaufen, was, Mr. Wakefield?«, fragte Chrissie McMurdo. Jessie Hayes kicherte über die Schlagfertigkeit ihrer Freundin, und die roten Kirschen auf ihrem Hut hüpften auf und ab.
»Vielleicht später einmal«, sagte Roger und lächelte immer noch. »Ich begleite nur eine Freundin in die Messe, aye? Sie kennen doch Miss Randall, oder?« Er stellte ihnen Brianna vor und grinste innerlich, als die beiden kleinen, alten Damen sie mit unverhohlener, lebhafter Neugier begutachteten.