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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Im Okular des Refraktors und auf den Fotografien sah das „Rätsel“ wie ein glänzender Punkt aus. So glänzend, daß zu vermuten war, es sei aus Metall. Doch dadurch wurde die Frage nicht beantwortet, sondern nur noch erschwert.

Subbotin hatte sich vorgenommen, in dieser Nacht oder vielmehr gegen Morgen, denn das „Rätsel“ war nur vor Sonnenaufgang und kurz danach zu beobachten (dann verlor es sich in den Strahlen der Sonne), um jeden Preis die Form des geheimnisvollen Körpers festzustellen. Auf das Ergebnis dieser Bemühungen wartete Kasarin mit solcher Ungeduld.

„Darf ich?“ In Gedanken vertieft, antwortete der Professor nicht sofort.

„Ja, natürlich“, sagte er dann. „Kommen Sie rein, Alexej Petrowitsch. Ich warte schon auf Sie.“ Subbotin trat an den Schreibtisch. Er war ein junger Mann von etwa fünfundzwanzig Jahren, hochaufgeschossen und hager, aber offensichtlich kerngesund. Obwohl er eine schlaflose Nacht hinter sich hatte, war ihm nicht das geringste anzumerken.

Nachdem er dem Direktor die Hand gegeben hatte, nahm er in einem Sessel Platz.

„Eine Scheibe“, sagte er, „eine ideal runde, flache Scheibe mit irgendwelchen Aussparungen in der Mitte.“

„Ihre Abmessungen?“

„Zirka zweihundertfünfzig Meter im Durchmesser, vielleicht auch dreihundert Ganz genau laßt sich das nicht bestimmen.“

„Welche Richtung verfolgt sie jetzt?“

„Sie bewegte sich von der Sonne weg auf die Erde zu, aber plötzlich, vor meinen Augen, ist sie zur Venus abgebogen. Und zwar ganz abrupt. Wenigstens kam es mir so vor.“

„Wo ist sie jetzt?“

„Zirka fünfzehn Millionen Kilometer hinter der Venus. Sie bewegt sich sehr schnell.“

„Wie schnell?“

„Fünfzig Kilometer in der Sekunde.“

„Das bedeutet“, sagte Kasarin, „in etwa dreihundert Stunden wird das ›Rätsel‹ auf die Venus stürzen.“

„Wenn es nicht wieder seinen Kurs ändert. Es hat ihn schon sechsmal geändert. Und das allein im Zeitraum der Beobachtungen, und der ist, wie Sie wissen, jeweils nur von kurzer Dauer.

Man kann mit Sicherheit behaupten, daß sich das ›Rätsel‹ auch dann, wenn wir es nicht sehen, in den verschiedensten Richtungen bewegt. Es besteht deshalb kein Grund anzunehmen, daß es auf die Venus stürzen wird. Das hätte schon mehrmals passieren können.“

„Es stürzt weder auf die Venus noch auf die Sonne“, sinnierte Kasarin. „Es bewegt sich, wohin es will. Meinen Sie nicht doch, Alexej Petrowitsch, daß dieses Biest Triebwerke besitzt?“ Subbotin zuckte mit den Achseln. „Himmelskörper“, antwortete er, „haben keine Triebwerke.

Sie bewegen sich nach den Gesetzen der Physik.“

„Und nach welchen Gesetzen bewegt sich dies Ding?“

„Nach gar keinen, das ist wahr. Aber Triebwerke… Das bedeutete Vernunft…“

„Heute nacht“, sagte Kasarin, unwillkürlich die Stimme dämpfend, „ist mir der Gedanke gekommen, es könnte Belopolskis Raumschiff sein. Aber da Sie behaupten, es habe die Form einer Scheibe, entfällt…“

„Aber erlauben Sie mal“, unterbrach ihn Subbotin. „Nehmen wir an, Sie hätten recht, und das ›Rätsel‹ sei die ›SSSR-KS 3‹.

Aus welchem Grunde sollte sie statt am siebenundzwanzigsten September schon am achten August von der Venus gestartet sein? Und nehmen wir an, ich hätte mich bei der Form geirrt.

Wie erklären Sie sich dann das Verhalten des Raumschiffs?

Warum bewegt es sich in verschiedene Richtungen?“ Kasarin stand auf und ging im Arbeitszimmer auf und ab.

„Das ist es ja“, sagte er. „Das Verhalten dieses Körpers entbehrt des Sinns. Aber wir wissen nicht, was unsere Genossen auf der Venus erlebt haben.“

„Es ist doch wohl kaum anzunehmen, daß die ganze Besatzung den Verstand verloren hat.“

„Wieso die ganze? Belopolski und Melnikow genügen. Sie allein sind in der Lage, das Raumschiff zu steuern. Aber es könnte auch etwas anderes passiert sein. Nehmen wir an, Belopolski und Melnikow sind umgekommen und Paitschadse oder Balandin steuert das Raumschiff. Meinen Sie nicht auch, daß es sich bei ungeschickter Steuerung gerade so und nicht anders verhalten müßte oder zumindest könnte?“

„Das ist zweifelhaft. Über diese Frage holen wir uns am besten bei Kamow Auskunft. Er kennt sich da am ehesten aus.

Aber ich bin ganz sicher, daß der Körper die Form einer regelmäßigen Scheibe hat. Also kann es nicht die ›KS 3‹ sein. Gleich wird man ihnen die entwickelten Negative meiner Aufnahmen und die Spektrogramme bringen. Dann können Sie selber meine Schlußfolgerungen überprüfen.“

„Ich zweifle nicht an ihrer Richtigkeit“, antwortete Kasarin.

„Ich wollte Ihnen nur meine nächtlichen Gedanken mitteilen.

Jedoch die Form des Körpers läßt keinen Zweifel. Es handelt sich nicht um Belopolskis Raumschiff. Aber was ist es dann?“ Der junge Astronom zuckte mit den Achseln.

„Wir werden weiter beobachten“, sagte er.

Der Sekretär trat ein und überreichte ein Telegramm.

„Von der Krim“, sagte er.

Kasarin überflog es und reichte es schweigend Subbotin.

Das Astrophysikalische Observatorium Bachtschissarai teilte darin mit, seine Mitarbeiter hätten in der vergangenen Nacht die Form des im Sonnensystem aufgetauchten unbekannten Himmelskörpers bestimmt. Sie waren zum gleichen Ergebnis gelangt.

„Jetzt besteht kein Zweifel mehr“, sagte Kasarin, „es ist eine flache Scheibe. Aber was stellt sie dar?“ Wieder war ein stummes Achselzucken die Antwort.

„Beobachten Sie weiter, Alexej Petrowitsch. Wir müssen das Rätsel unbedingt lösen. Jetzt ist es auch an der Zeit, der Presse Mitteilung zu machen.“

„Meiner Meinung nach ist es noch zu früh“, wandte Subbotin ein. „Warten wir noch ein wenig. Die morgigen Beobachtungen werden vielleicht neues Material liefern. Wenn Sie erlauben, fahre ich jetzt nach Hause.“

„Natürlich, Alexej Petrowitsch. Ruhen Sie sich aus. Wenn es irgend möglich ist, leiste ich Ihnen morgen früh Gesellschaft.

Dann beobachten wir zusammen.“ Kaum hatte sich die Tür hinter dem jungen Wissenschaftler geschlossen, klingelte das Telefon. Kasarin nahm den Hörer ab.

„Sind Sie’s, Sergej Wladimirowitsch?“ vernahm er eine bekannte Stimme.

„Ja, Sergej Alexandrowitsch.“

„Was gibt’s Neues?“

„Wir haben die Form dieses Körpers festgestellt. Es ist eine regelmäßige Scheibe. Nach Subbotins Ermittlungen besitzt sie in ihrer Mitte Aussparungen.“

„Also ist es keine Scheibe, sondern ein Ring?“

„Ein Ring oder etwas Ähnliches. Jedenfalls keine geschlossene Scheibe.“

„Und die Abmessungen?“

„Etwa zweihundertfünfzig Meter im Durchmesser. Und das Interessanteste: Sie hat ihre Geschwindigkeit geändert. Anfangs waren es zwanzig Kilometer pro Sekundenquadrat und heute bereits fünfzig. Außerdem bewegt sie sich von der Sonne weg.“

„Was vermuten Sie?“

„Vorläufig noch gar nichts. Wir stehen vor einem Rätsel.“

„Jedenfalls ist es nicht die ›SSSR-KS 3‹.“ Daß Kamow die gleichen Gedanken gehabt hatte wie er, verblüffte Kasarin.

„Ich habe gerade mit Subbotin darüber gesprochen“, sagte er.

„Was meinen Sie, Sergej Alexandrowitsch, wenn statt Belopolski oder Melnikow jemand anders das Raumschiff steuerte, könnte es sich dann in dieser Art bewegen?“

„Das wäre durchaus möglich. Sozusagen Unterricht während des Fluges. Aber Sie haben ja selbst gesagt, daß die Form…“

„Ja, diese Vermutung können wir mit Sicherheit als unbegründet abtun.“

„Wenn es etwas Neues gibt, rufen Sie mich bitte an.“

„Selbstverständlich, Sergej Alexandrowitsch. Umgehend.“ Kasarin legte auf.

Zwanzig Kilometer entfernt tat Kamow, Direktor des Kosmischen Instituts, in seinem Arbeitszimmer das gleiche.

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