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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Das Raumschiff der Phaetonen blieb sehr lange an ein und derselben Stelle der Venus liegen. Das konnte man an den Gesichtern der Besatzung erkennen, die immer älter wurden. Die Phaetonen bereisten den Planeten mit ihren merkwürdigen Fahrzeugen, die halb wie ein Auto, halb wie ein Flugzeug aussahen.

Melnikow und Wtorow erlebten mit, wie das erste Mitglied der fremden Besatzung starb, und wohnten seiner Bestattung bei. Und wieder enthüllte sich ihnen ein Geheimnis. Der Körper des Toten wurde in eine steinerne Schale gelegt, eine Flamme loderte auf und verzehrte den Leichnam restlos. Die Leichen der anderen wurden später auf die gleiche Weise bestattet.

Die Zahl der Phaetonen nahm ab. Nach jeder Bestattungszeremonie erlosch die Flamme in der Schale wieder. Sie wurde gelöscht, aber wie, zeigte man den beiden Menschen nicht. Nun war auch klar, weshalb die Flamme im Raumschiff immer noch brannte. Es war schließlich niemand mehr dagewesen, sie zu loschen. Der letzte Phaetone hatte sich selbst verbrannt.

Seine Grabesflamme hatte sie an der Schwelle des Raumschiffes als Ewiges Licht begrüßt — Symbol ewig lebendigen Geistes!

Der größere Teil des „Films“ war der Venus gewidmet. Eines ihrer Rätsel nach dem anderen wurde gelöst.

Die Phaetonen lehrten die Venusbewohner, schwach leuchtende Bäume anzupflanzen, deren Heimat offensichtlich der Phaeton war. Sie bauten an diesem und anderen Flüssen Staudämme und brachten den Venusianern das Flößen bei. Sie versahen sie mit vielen Werkzeugen, darunter auch mit Linealen, die als einzige bei den Venusbewohnern bis heute in Gebrauch geblieben waren. Alles andere hatten sie offensichtlich im Laufe der Zeit vergessen oder verloren. Die Phaetonen halfen ihnen, in einer Höhle eine Stadt zu bauen. Sie lehrten sie, die „Schildkröten“ zu fangen und abzurichten, sie zu Haustieren für schwere Arbeiten zu machen. Auch wurde deutlich, daß sich die Phaetonen mit den Venusianern in deren Sprache verständigt hatten, wofür sie besondere Apparate mit einer Art von Kopfhörern verwendeten.

Nur verschwindend wenig von dem, womit die Phaetonen sie ausgerüstet hatten, war den Venusianern erhalten geblieben — armselige Spuren der ungeheuren, geduldigen Arbeit jener, die von einem anderen Planeten zugewandert waren. Aber hätte es denn anders sein können? Zu kurz war der Auf enthalt der Phaetonen auf der Venus gewesen. Ihre Saat war nur unvollständig aufgegangen.

Am Ende des „Films“ wurde klar und einfach gezeigt, wie die Türen im Raumschiff zu öffnen waren. Melnikows Vermutung, sie reagierten auf Gesten, bestätigte sich nicht. Es existierten Knöpfe, und der „Film“ zeigte, wo sie zu finden waren.

Daß sich die fünfeckigen Öffnungen vor ihnen wie von selbst aufgetan hatten, gehörte zu den Vorbereitungen der Phaetonen auf die Ankunft der Menschen. Man hatte sie auf einem vorher festgelegten Weg durch das Schiff „geführt“.

Nachdem der „Film“ abgelaufen war, begann er wieder von vorn. Anscheinend hatten die Herren des Raumschiffes angenommen, die ihnen unbekannten Zuschauer könnten bei einer einzigen Vorführung nicht alles erfassen und sich merken.

Doch Wtorow und Melnikow sahen sich den „Film“, obschon sie es gern getan hätten, nicht noch ein zweites Mal an. Sie hatten es eilig, zum eigenen Raumschiff zurückzukehren, um dort zu berichten, was sie gesehen hatten.

Die erhaltenen Hinweise befolgend, kehrten sie auf demselben Wege wie zuvor ins Zentrum zurück, wo nach wie vor die hellblaue Flamme brannte und die spitzwinkeligen Facetten der Wände, sich gegenseitig spiegelnd, vielfarbig schimmerten.

Wie auf Verabredung verneigten sich beide vor der steinernen Schale und dem darin brennenden Feuer, dem Grab des letzten Menschen vom untergegangenen Phaeton und älteren Bruders des Erdenmenschen.

Melnikow nahm sein Notizbuch wieder vom unsichtbaren Sockel herunter. Hätte er gewußt, was diese Schale vorstellte, hätte er es niemals dorthin gelegt.

Dann streckte er die Hand nach dem unauffälligen Knopf aus, um die Außentür zu öffnen, doch sie verschwand ganz von selbst. Im ersten Augenblick glaubten sie, das sei eine liebenswürdige Abschiedsgeste der Herren des Raumschiffs, aber dann erblickten sie auf der anderen Seite der fünfeckigen Öffnung Paitschadse und Korzewski. Über das lange Schweigen der Kundschafter beunruhigt, wollten sie ihnen gerade zu Hilfe kommen.

„Was habt ihr gesehen?“ fragten beide wie aus einem Munde.

„Es würde zu lange dauern, das jetzt zu erzählen“, antwortete Melnikow. „Wartet, bis wir an Bord unseres Schiffes sind.“

„Können wir rein?“

„Besser nicht. Wir haben einen unbekannten Geruch wahrgenommen. Da drin ist keine Venusluft. Es wäre unverantwortlich, auch euch der Gefahr auszusetzen.“ Belopolski schloß sich Melnikows Argumenten an und befahl allen, zum Raumschiff zurückzukehren.

Das astronomische Rätsel

Als Professor Kasarin, Observatoriumsdirektor und Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, wie gewöhnlich Punkt halb zehn Uhr morgens sein Arbeitszimmer betrat, war das erste, was er den Sekretär fragte: „Was macht das ›Rätsel‹?“

„Alexej Petrowitsch hat in den letzten zehn Minuten schon zweimal angerufen“, antwortete der Sekretär. „Er wollte wissen, ob Sie schon hier sind.“

„Bitten Sie ihn sofort zu mir. — Natürlich nur, wenn er frei ist“, fügte Kasarin hinzu. „Falls er zu tun hat, möchte er anrufen.“ Der Professor trat an seinen Schreibtisch, nahm den Arbeitsbericht des Observatoriums über die letzten vierundzwanzig Stunden zur Hand und studierte ihn eingehend. Unter dem Namen „Subbotin“ stand: „5.30-7.00 Bewegung des ›Rätsels‹ beobachtet. Großer Refraktor.“

„Soso“, sagte Kasarin. Es war eine Angewohnheit von ihm, laut zu denken. „Drei Nachte beobachtet er schon. Wann kommen endlich die Schlußfolgerungen? Was steckt dahinter, zum Donnerwetter noch mal!“ Das „Rätsel“, für das bisher noch keine Erklärung gefunden war, beunruhigte nicht nur Kasarin. Alle Mitarbeiter des Observatoriums und viele Menschen außerhalb seiner Mauern, die von dem Auftauchen des rätselhaften Körpers am Himmel wußten, zerbrachen sich seinetwegen den Kopf. Die anfängliche Vermutung, es sei ein neuer Komet, erwies sich sehr bald als falsch.

Auch die Ansicht, es handele sich um einen unbekannten Asteroiden, ließ sich nicht aufrechterhalten. Der vor drei Tagen entdeckte Himmelskörper verhielt sich nicht wie ein Komet oder Asteroid. Blieb nur noch die Möglichkeit… Aber das Schlimme war, daß es eine andere Möglichkeit nicht gab. Keine einzige vernünftige Erklärung! Im Sonnensystem war etwas Fremdes und bisher Unerklärliches aufgetaucht.

Phantasiebegabte Gemüter stellten sogar die Hypothese auf, es handle sich um ein Raumschiff aus einem anderen Sonnensystem, doch diese kühne Vermutung stand mit den Beobachtungen nicht in Einklang. Der Himmelskörper Verhielt sich ohneSinn und Verstand. Er raste irgendwo zwischen Venus und Sonne in den verschiedensten Richtungen hin und her. Ein von einem vernünftigen Wesen gesteuertes Raumschiff würde sich unmöglich so verhalten. Aber auch durch physikalische Gesetze ließen sich seine Bewegungen nicht erklären. Der geheimnisvolle Körper schien’den Gesetzen der Himmelsmechanik nicht unterworfen zu sein. Er ignorierte die Anziehungskraft der Sonne und der Venus, neben der er zum erstenmal gesichtet worden war, bewegte sich bald auf die Sonne zu, bald von ihr weg. Es war eine ganz unsinnige Bahn.

„Wenn es ein Raumschiff ist“, bemerkte einer der Mitarbeiter des Observatoriums, „so wird es von Wahnsinnigen gesteuert.“ Dozent Subbotin, der das „Rätsel“ zuerst ausgemacht hatte, unterbrach alle laufenden Arbeiten und beobachtete seine Entdeckung nun schon die dritte Nacht.

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