Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Ja.«
»Auch mit Trompeten? Was meinen Sie? Meine Schwester Sharon, die Dienstmädchen in London ist, also die Herrin von ihr machte eine Seance, und da schwebte eine Trompete direkt über dem Tisch und spielte: ›Wie senken sich die Schatten der Nacht‹.«
»Ich weiß nicht, ob Trompeten dabei sein werden«, sagte ich. »Baine hat soviel mit Count de Vecchios Gepäck zu tun, deshalb will ich ihn nicht stören. Ich brauche zwei Drähte, ungefähr… so lang.«
»Sie können ein Stück Zwirn kriegen«, sagte sie. »Reicht das?«
»Nein«, entgegnete ich. Warum hatte ich nicht Baine gebeten, einfach etwas Draht aus Madame Iritoskys Koffer zu entwenden? »Es muß Draht sein.«
Jane öffnete eine Schublade und wühlte darin. »Ich hab’ nämlich das zweite Gesicht, Sorrr. Wie meine Mutter auch.«
»Mmh«, sagte ich. In der Schublade sah ich eine Unmenge unbekannter Gegenstände, aber keinen Draht.
»Als Sean sich damals das Schlüsselbein brach, sah ich das alles in einem Traum vorher, Sorrr. Wenn etwas Schlimmes bevorsteht, krieg’ ich immer so ein komisches Gefühl im Magen.«
Etwas Schlimmes wie diese Seance? dachte ich.
»Vergangene Nacht, Sorrr, träumte ich von einem großen Schiff. Passen Sie auf, hab ich zur Köchin gesagt, jemand im Haus macht demnächst eine Reise. Und heut’ mittag kommt diese Madame hier an und auch noch mit dem Zug! Meinen Sie, es gibt eine Erscheinung heut’ abend?«
Hoffentlich nicht, dachte ich, obwohl man sich bei Verity nicht sicher sein konnte. »Was haben Sie denn jetzt genau vor?« fragte ich sie, als sie kurz vor dem Abendessen zurückkam. »Sie werden sich doch nicht etwa in Schleier hüllen oder irgendsowas?«
»Nein«, flüsterte sie mit Bedauern in der Stimme. Wir standen vor den Verandatüren, die zum Salon führten, und warteten darauf, daß zum Abendessen gerufen wurde. Drinnen saß Mrs. Mering auf dem Sofa und wärmte mit Tossie zusammen noch einmal den akustischen Eindruck von Cyrils nächtlicher Schnarchorgie auf — »Der Schrei einer aufs Blut gequälten Kreatur!« —, während sich Professor Peddick und der Colonel Mering am Kamin mit Angelgeschichten beschäftigten. Wir mußten uns also leise unterhalten. Von Madame Iritosky und Count de Vecchio war noch nichts zu sehen. Wahrscheinlich »ruhten« sie noch. Ich hoffte, sie hatten Baine nicht beim Aus- und Einpacken erwischt.
»Ich denke, wir sollten so simpel wie möglich vorgehen«, sagte Verity. »Haben Sie die Drähte?«
»Ja.« Ich zog sie aus der Jackentasche. »Nachdem ich mir anderthalb Stunden Janes Erfahrungen mit dem zweiten Gesicht angehört habe. Wozu sollen die gut sein?«
»Zum Tischerücken natürlich«, sagte Verity und stellte sich so, daß wir von drinnen nicht gesehen werden konnten. »Machen Sie in jeden Draht eine Schlinge und stecken Sie sich, bevor die Seance beginnt, einen Draht in jeden Ärmel. Wenn die Lichter aus sind, ziehen Sie die Drähte bis über das Handgelenk heraus und verhaken sie unter der Tischkante. Auf diese Weise können Sie den Tisch anheben und gleichzeitig die Hände Ihrer Nachbarn halten.«
»Den Tisch anheben?« Ich steckte die Drähte wieder in meine Jacke. »Welchen Tisch? Diesen massiven Rosenholztisch im Wohnzimmer? Kein Draht der Welt kann dieses Ding hochheben.«
»Doch«, sagte Verity. »Es beruht auf dem Prinzip der Hebelwirkung.«
»Woher wissen Sie das?«
»Aus einem Detektivroman.«
Das hätte ich mir denken können. »Und wenn mich jemand dabei ertappt?«
»Es wird Sie keiner ertappen. Es ist dunkel.«
»Und wenn jemand verlangt, man solle das Licht anmachen?«
»Licht hält die Geister davon ab, sich zu materialisieren.«
»Wie passend«, sagte ich.
»Sogar sehr passend. Sie erscheinen auch nicht, wenn ein Zweifler anwesend ist. Oder wenn irgend jemand das Medium oder eine andere Person im Kreis stört. Also wird Sie niemand ertappen, wenn Sie den Tisch anheben.«
»Falls ich ihn anheben kann. Dieser Tisch wiegt eine Tonne.«
»Miss Climpson schaffte es. In Tödliches Gift. Sie mußte es. Lord Peter wurde die Zeit knapp. Uns geht’s genauso.«
»Haben Sie mit Finch gesprochen?«
»Ja. Ich habe ihn schließlich doch noch erwischt. Ich mußte den ganzen Weg zur Bakerfarm laufen, wo er gerade Spargel einkaufte. Was hat er bloß vor?«
»Und die Zahl ist eindeutig eine Fünf?«
»Es war keine Zahl. Es war ausgeschrieben. Und es gibt keine andere Zahl mit zwei F’s und einem Ü. Es war eindeutig der fünfzehnte Juni.«
»Der fünfzehnte Juni«, sagte Professor Peddick vom Herd her. »Der Abend der Schlacht von Quatre Bas und der verhängnisvollen Fehler, die zum Desaster von Waterloo führten. Es war der Tag, an dem Napoleon den Fehler beging, General Ney die Einnahme von Quatre Bas zu übertragen. Ein schicksalhafter Tag.«
»Für uns auch, wenn es uns nicht gelingt, Tossie nach Coventry zu bringen«, murmelte Verity. »Also, wir gehen so vor: Sie bewegen den Tisch ein- oder zweimal, worauf Madame Iritosky fragen wird, ob ein Geist anwesend ist, und ich klopfe einmal für Ja. Dann wird sie mich fragen, ob ich für jemanden eine Nachricht habe, und ich werde sie buchstabieren.«
»Buchstabieren?«
»Durch Klopfen. Das Medium sagt das Alphabet, und der Geist klopft bei dem entsprechenden Buchstaben.«
»Hört sich ziemlich zeitaufwendig an«, sagte ich. »Ich dachte, auf der Anderen Seite seien sie allwissend. Da könnte man doch annehmen, sie besäßen ein effizienteres System, Botschaften zu übermitteln.«
»Haben sie auch, nämlich das Ouijabrett. Das wurde aber erst 1891 eingeführt. Wir müssen uns eben so behelfen.«
»Wie bringen Sie es fertig, zu klopfen?«
»Ich habe die Hälften der Veilchenschachtel an je ein Strumpfband von mir genäht. Wenn ich die Knie zusammenschlage, ergibt es ein hübsches hohles Klopfen. Ich habe es in meinem Zimmer ausprobiert.«
»Wie verhindern Sie, daß Sie unwillkürlich klopfen?« fragte ich und schaute auf ihren Rock. »Zum Beispiel während des Abendessens?«
»Ganz einfach. Das eine Strumpfband sitzt höher als das andere. Ich ziehe beide auf gleiche Höhe, wenn wir uns an den Seance-Tisch setzen. Sie müssen dafür sorgen, daß Madame Iritosky nicht klopfen kann.«
»Hat sie auch eine Veilchenschachtel?«
»Nein. Sie macht es mit den Füßen. Sie knackt mit den Zehen wie die Schwestern Fox. Wenn Sie Ihr Bein gegen das ihre pressen, spüren Sie jede Bewegung. Ich glaube, sie wird es gar nicht versuchen, zumindest nicht, bis ich nicht ›GEHT NACH COVENTRY‹ geklopft habe.«
»Sind Sie sicher, daß das klappt?«
»Bei Miss Climpson hat es geklappt«, sagte sie. »Außerdem muß es klappen. Sie haben gehört, was Finch gesagt hat. In Tossies Tagebuch steht, sie ging am fünfzehnten nach Coventry, also muß sie gehen. Und wir müssen sie dazu bringen. Also muß die Seance erfolgreich sein.«
»Das ergibt keinen Sinn«, sagte ich.
»Wir sind hier im victorianischen Zeitalter«, sagte Verity. »Hier wird von Frauen nicht erwartet, Sinnvolles zu sagen.« Sie hakte ihren Arm unter meinen. »Da kommen Madame Iritosky und Count de Vecchio. Wollen wir hineingehen?«
Wir gingen zum Abendessen, das aus gegrillter Seezunge, Lammbraten und Meinungen, wie Napoleon es hätte besser machen können, bestand.
»Hätte niemals die Nacht in Fleurus verbringen dürfen«, sagte Colonel Mering. »Wäre er nach Quatre Bas gezogen, hätte die Schlacht vierundzwanzig Stunden früher begonnen und Wellington und Blüchers Armeen hätten sich nicht vereinen können.«
»Papperlapapp!« entgegnete Professor Peddick. »Er hätte warten sollen, bis der Boden nach dem Regen wieder getrocknet war. Er hätte seine Armee niemals durch den Schlamm jagen sollen.«