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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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»Madame Iritosky!« sprudelte Mrs. Mering. »Welch freudige Überraschung! Count de Vecchio! Baine, holen Sie sofort den Colonel und sagen Sie ihm, daß wir Gäste haben! Wie wird er sich freuen! Sie kennen ja Miss Brown.« Sie wies auf Verity. »Und dies ist Mr. Henry.«

Wir waren Mrs. Mering zum Haus gefolgt, wobei Verity murmelte: »Was will sie hier? Ich dachte, sie verließe niemals ihr Haus.«

»Ischt mirr ein Verrrgnügen«, sagte Count de Vecchio mit einer Verbeugung in meine Richtung.

»Warum haben Sie uns Ihr Kommen nicht angekündigt?« wollte Mrs. Mering wissen. »Baine hätte Sie doch am Bahnhof abgeholt.«

»Ich wußte es selbst nicht«, erwiderte Madame Iritosky, »bis ich vergangene Nacht eine Botschaft von der Anderen Seite erhielt. Eine solche Aufforderung der Geister darf man nicht ignorieren.«

Sie sah anders aus, als ich erwartet hatte, dicklich und untersetzt, mit einer Knopfnase, wirrem grauem Haar, in einem ziemlich fadenscheinigen braunen Kleid. Der Hut, den sie trug, war ebenfalls schäbig, und die Federn darauf sahen aus, als seien sie einem Hahn ausgerupft worden. Ich hätte angenommen, daß Mrs. Mering über eine solche Frau nur die Nase rümpfen würde, tatsächlich aber schmolz sie fast dahin.

»Eine Botschaft von den Geistern!« Sie klatschte in die Hände. »Wie aufregend! Was sagten sie?«

»›Geh!‹« Madame Iritoskys Stimme war dramatisch.

»Avanti!« fiel Count de Vecchio ein und nickte bekräftigend. »Sie klopften eeess auf den Tiiisch. ›Geh!‹«

»›Geh wohin?‹, fragte ich sie«, fuhr Madame Iritosky fort, »und wartete, daß es weiter klopfte. Aber es blieb alles still.«

»Silencio«, sagte de Vecchio unterstützend.

»›Geh wohin?‹, fragte ich noch einmal. Und plötzlich, dort auf dem Tisch vor mir, erschien ein weißes Licht, das heller und heller wurde, bis ich…« Sie machte eine dramatische Pause, »Ihren Brief erkannte.«

»Meinen Brief!« Mrs. Mering rang nach Atem, und ich eilte an ihre Seite, voller Angst, wir müßten uns gleich mit einem neuerlichen Ohnmachtsanfall befassen, aber sie fing sich nach ein paar Sekunden wieder. »Ich schrieb ihr, erzählte von den Geistern, die ich gesehen hatte«, erklärte sie mir. »Und nun haben diese Sie mir geschickt!«

»Sie wollen mir etwas sagen«, sagte Madame Iritosky und starrte zur Decke hoch. »Ich fühle ihre Anwesenheit. Sie sind hier mitten unter uns.«

Ebenso wie Tossie, Terence und Baine, die allesamt gerade erschienen waren. Und Colonel Mering, der außerordentlich verärgert dreinblickte. Er trug Anglerstiefel und in der Hand einen Käscher. »Was ist los?« polterte er ungehalten. »Hoffe, was Wichtiges. Diskutierte gerade mit Peddick die Schlacht von Monmouth.«

»Miss Mering, amor mia«, sagte Count de Vecchio und wandte sich sofort an Tossie. »Wie freue isch misch, Sie wiederrrzusehen.« Er beugte sich über Tossies Hand, als wollte er sie küssen.

»Guten Tag«, sagte Terence, schob sich vor Tossie und streckte steif die Hand aus. »Terence St. Trewes. Miss Merings Verlobter.«

Count de Vecchio und Madame Iritosky tauschten einen kurzen Blick.

»Mesiel, du wirst es nicht glauben, wer gekommen ist!« sagte Mrs. Mering. »Madame Iritosky, darf ich Ihnen meinen Gatten, Colonel Mering, vorstellen?«

»Colonel Mering, danke, daß Sie uns in Ihrem Haus willkommen heißen«, sagte Madame Iritosky und neigte ihm leicht ihren Kopf mit den Hahnenfedern zu.

»Harumph«, brummte der Colonel durch seinen Schnauzbart.

»Ich erzählte dir doch, daß ich einen Geist gesehen habe, Mesiel. Madame Iritosky ist gekommen, um für uns mit ihm Kontakt aufzunehmen. Sie sagt, die Geister seien sogar jetzt mitten unter uns.«

»Seh’ keine«, grummelte der Colonel. »Kein Platz für sie in dieser verdammten Halle. Besitzen doch ein Haus, oder? Versteh’ nicht, warum wir dann alle hier mit dem Gepäck rumstehen.«

»Oh, natürlich!« Mrs. Mering schien zum ersten Mal zu bemerken, wie eng es in der Halle geworden war. »Kommen Sie, Madame Iritosky, Count de Vecchio! Gehen wir in die Bibliothek. Baine, sagen Sie Jane, daß sie Tee servieren soll, und bringen Sie das Gepäck unserer Gäste auf ihre Zimmer.«

»Das Kabinett auch, Madame?« fragte Baine.

»Das…« Mrs. Mering stoppte und schaute überrascht auf den Berg Gepäckstücke. »Meine Güte, wieviel Gepäck! Wollen Sie verreisen, Madame Iritosky?«

Madame Iritosky und Count de Vecchio wechselten wieder einen raschen Blick. »Wer kann das wissen?« sagte sie dann. »Wenn die Geister befehlen, gehorche ich.«

»Oh, ja, natürlich«, sagte Mrs. Mering. »Nein, Baine, Madame Iritosky braucht das Kabinett für die Seance. Stellen Sie es ins Wohnzimmer.«

Ich fragte mich, wo, um alles in der Welt, es dort Platz finden sollte, bei all den Ottomanen, Kaminschirmen und Aspidistrapflanzen.

»Und tragen Sie das übrige Gepäck hoch«, fuhr Mrs. Mering fort, »und packen Sie es aus.«

»Nein«, sagte Madame Iritosky scharf. »Ich packe meine Sachen lieber selbst aus. Es ist besser für die seelischen Kraftströme.«

»Natürlich«, erwiderte Mrs. Mering, die wahrscheinlich genauso wenig wie wir anderen begriff, wovon Madame Iritosky eigentlich sprach. »Nach dem Tee würde ich Sie gern zu dem Platz führen, wo ich den Geist zum ersten Mal sah.«

»Nein«, protestierte Madame Iritosky. »Meine Kräfte sind durch die lange Reise ziemlich erschöpft. Eisenbahnen!« Sie schauderte. »Nach dem Tee muß ich mich ausruhen. Morgen dürfen Sie mir gern das ganze Haus und Grundstück zeigen.«

»Natürlich.« Mrs. Merings Stimme klang enttäuscht.

»Wir werden Muchings End genauestens inspizieren«, versicherte Madame Iritosky. »Man merkt hier ganz deutlich die Anwesenheit eines Geistes. Wir werden Verbindung mit ihm aufnehmen.«

»Was für ein Spaß!« sagte Tossie. »Wird er sich zeigen?«

»Möglicherweise.« Madame Iritosky legte erneut ihre Hand an die Stirn.

»Sie müssen sehr erschöpft sein, Madame Iritosky.« Mrs. Mering führte sie und Count de Vecchio in die Bibliothek. »Sie müssen sich unbedingt setzen. Der Tee kommt gleich.«

»Warum hast du mir nichts von diesem Count de Wanzo erzählt?« fragte Terence Tossie verstimmt, als wir folgten.

»De Vecchio«, verbesserte Tossie. »Er sieht umwerfend gut aus, nicht wahr? Iris Chattisbourne meint, alle Italiener sähen gut aus. Bist du auch dieser Meinung?«

»Geister!« Der Colonel schlug mit dem Käscher gegen seine Hüfte. »So ein Humbug! Ausgemachter Blödsinn!« Und damit stapfte er zu der Schlacht von Monmouth zurück.

Baine, der mißfällig das Gepäck betrachtet hatte, verbeugte sich und ging den Korridor hinunter zur Küche.

»Na?« fragte ich Verity, nachdem alle verschwunden waren. »Was machen wir jetzt?«

»Wir bereiten uns auf heute abend vor«, sagte Verity. »Hat dieser Weidenkorb, in dem Prinzessin Arjumand steckte, den Schiffbruch überlebt?«

»Ja. Er steht in meinem Schrank.«

»Gut«, sagte sie. »Holen Sie ihn und stellen Sie ihn ins Wohnzimmer. Ich muß die Veilchenschachtel an mein Strumpfband nähen.« Sie wollte die Treppe hochsteigen.

»Wollen Sie Ihren Plan trotz Madame Iritoskys Anwesenheit durchführen?«

»Morgen ist der fünfzehnte. Haben Sie eine bessere Idee?«

»Könnten wir Tossie nicht einfach einen Ausflug nach Coventry vorschlagen — so wie den zur Kirche von Iffley?«

»Sie wollte nicht die Kirche von Iffley besuchen, sondern Terence wiedersehen. Außerdem haben Sie doch gehört, was sie gesagt hat. Sie ist völlig wild darauf, das Grundstück abzusuchen und Geister zu sehen. Nie im Leben würde sie sich das entgehen lassen.«

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