Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
Tossie kicherte und Madame Iritosky begann zu husten. Sie ließ meine Hand los. Ich nutzte die Gelegenheit, um die Drähte aus dem Ärmel zu ziehen und unter der Tischplatte zu verhaken.
»Entschuldigen Sie bitte. Mein Hals…« sagte Madame Iritosky und schob ihre Hand wieder in meine. Und wenn Baine die Lampen wieder hochgedreht hätte, wäre es in der Tat schlimm ausgegangen. Ich hätte meinen Kopf verwetten können, daß man dann plötzlich Count de Vecchios Hand in meiner entdeckt hätte. Ganz zu schweigen von meiner Gaunerei.
Rechts von mir raschelte es leise. Es war Verity, die ihr Strumpfband in Position brachte.
»Ich war noch nie bei einer Seance«, sagte ich laut, um es zu übertönen. »Wir werden doch keine schlechten Nachrichten erhalten, oder?«
»Die Geister sprechen, wie sie wollen«, erwiderte Madame Iritosky.
»Ist das nicht aufregend?« Das war Mrs. Merings Stimme.
»Ruhe«, befahl Madame Iritosky im Grabeston. »Geister auf der Anderen Seite, wir rufen euch. Kommt zu uns und erzählt uns unser Schicksal.«
Die Kerze ging aus.
Mrs. Mering stieß einen Schrei aus.
»Ruhe«, befahl Madame Iritosky. »Sie kommen.«
Eine lange Pause entstand, während der einige der Anwesenden husteten, und dann trat mir Verity gegen das Schienbein. Ich ließ ihre Hand los, griff nach unten und nahm den Deckel vom Korb.
»Ich spüre etwas«, sagte Verity, was nicht stimmte, denn Prinzessin Arjumand strich um meine Beine herum.
»Ich auch«, sagte Reverend Arbitage nach einem Moment. »Es ist wie ein kalter Wind.«
»Oh!« rief Tossie. »Ich habe es auch gespürt.«
»Ist ein Geist anwesend?« fragte Madame Iritosky, und ich beugte mich vor und hob meine Handgelenke.
Erstaunlicherweise bewegte sich der Tisch. Nur ein bißchen zwar, aber genug, um Tossie und Mrs. Mering zu einem ihrer kleinen Schreichen zu veranlassen und Terence zu einem: »Na, aber…!«
»Geist, wenn du da bist«, sagte Madame Iritosky mit irritierter Stimme, »sprich zu uns. Klopfe einmal für Ja, zweimal für Nein. Bist du uns freundlich gesonnen?«
Ich hielt den Atem an.
Klick, machte die Veilchenschachtel und gab mir den Glauben an Detektivromane zurück.
»Bist du Gitcheewatha?« fragte Madame Iritosky.
»Das ist ihr Führer«, erklärte Mrs. Mering. »Es ist ein Indianerhäuptling.«
Klick, klick.
»Bist du der Geist, den ich letzte Nacht sah?« fragte Mrs. Mering.
Klick.
»Wer bist du?« Madame Iritoskys Stimme war eisig.
Schweigen. »Sie möchte, daß wir das Alphabet aufsagen«, sagte Verity, und sogar im Dunkeln konnte ich den mörderischen Blick spüren, den Madame Iritosky ihr zuwarf.
»Geist, willst du, daß wir durch das Alphabet mit dir in Verbindung treten?« fragte Mrs. Mering aufgeregt.
Klick. Und dann ein anderes Geräusch, das klang, als ließe jemand die Finger knacken.
»Du willst nicht durch das Alphabet mit uns kommunizieren?« fragte Mrs. Mering verwirrt.
Klick. Dann ein harter Tritt gegen das Schienbein.
»Sie will«, sagte ich rasch. »A, B, C…«
Klick.
»C«, sagte Tossie.
»Und?« fragte Mrs. Mering. »Buchstabieren Sie weiter, Mr. Henry.«
Nicht, solange im Zimmer ein bestimmter Fuß tun und lassen konnte, was er wollte. Ich rutschte etwas im Stuhl vor, streckte mein linkes Bein aus, bis ich damit Madame Iritoskys Rock berührte und preßte meinen Fuß eng an ihren. »ABCDEFGHIJK«, ratterte ich, den Fuß an ihrem. »LMNO…«
Klick.
Sie zog ihr Bein zurück, und ich überlegte, was passieren würde, wenn ich mit der Hand ihr Knie umklammerte.
Es war zu spät. »ABCD…« sagte Mrs. Mering, und das knackende Geräusch ertönte wieder.
»C-O-D?« fragte Mrs. Mering.
»Cod«, sagte Professor Peddick. »Gadus callirias. Die interessanteste Abart davon ist der Waliser Weißfisch.«
»›Beeil dich doch, mach schnelle‹«, zitierte Terence, »›sagt der Weißfisch zur…‹«[61]
»Cod? Code? Cody?« fragte Reverend Arbitage. »Bist du der Geist von Buffalo Bill Cody?«
»Nein«, rief ich, noch ehe irgend jemand eine Antwort klicken oder knacken konnte. »Ich hab’s! Es ist kein C, sondern ein G. G und C sehen fast gleich aus.« Ich hoffte, niemand fiel auf, daß die Buchstaben ja gesprochen und nicht geschrieben worden waren und daß sie im Alphabet gar nicht nebeneinander lagen. »G-O-D. Sie will GODIVA buchstabieren. Bist du der Geist von Lady Godiva?«
Ein ganz entschiedenes Klick, und Verity und ich hatten die Dinge gottseidank wieder im Griff.
»Lady Godiva?« Mrs. Mering klang unsicher.
»Ritt sie nicht auf einem Pferd, ganz ohne…?« fragte Tossie.
»Tocelyn!« unterbrach sie ihre Mutter tadelnd.
»Lady Godiva war eine Heilige«, sagte Verity. »Sie hatte nur das Beste für ihr Volk im Sinn. Ihre Nachricht muß sehr wichtig sein.«
»Ja.« Ich preßte mein Bein fest gegen Madame Iritoskys. »Lady Godiva, was willst du uns sagen?« Ich buchstabierte schnell, fest entschlossen, dieses Mal Madame Iritosky keine Zeit zum Einmischen zu lassen. »ABDCEFGHIJK…«
Ich kam nicht weiter als K. Ein scharfes Geräusch erklang, als knacke ein sehr ärgerlicher Zeh. Auch beim nächsten Durchgang hatte Verity keinen Erfolg. Madame Iritosky stoppte uns bei M.
»M«, sagte Mrs. Mering. »KM.«
»Welches Wort beginnt denn mit KM?« fragte Terence.
»Meint sie vielleicht, KOMM?« überlegte Tossie.
»Ja, natürlich«, stimmte Mrs. Mering zu. »Aber wohin sollen wir kommen? ABC…« Und diesmal schaffte es Verity auf den Punkt genau, aber ich konnte nicht erkennen, wozu das gut sein sollte. Wir würden es nie bis zum O schaffen, geschweige denn zum V.
»A…« fing Mrs. Mering an.
Ich trat heftig auf Madame Iritoskys Fuß, aber es war zu spät. Knack. Diesmal war die Wut hinter dem Geräusch unverkennbar. Es klang, als hätte sie sich einen Zeh gebrochen.
»C-A…« überlegte Mrs. Mering.
Ich wartete nicht, bis jemand darauf antwortete, sondern begann zu buchstabieren, so rasch ich konnte. »ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUV…«
Verity klickte, und Tossie sagte: »C-A-V? Was soll das heißen? Cavalier? Cavallierie? Wir sollen zur Cavallerie gehen?«
»C-U-V?« half ich nach. »C-O-V?«
»Coventry«, sagte Mrs. Mering, und ich hätte sie küssen können. »Geist, willst du, daß wir nach Coventry gehen?«
Ein inbrünstiges Klick.
»Wohin in Coventry?« fragte ich, den Fuß mit meinem ganzen Gewicht auf Madame Iritoskys Schuh gepreßt, während ich durch das Alphabet ratterte.
Verity entschied sich glücklicherweise nicht dafür, »St« buchstabieren zu lassen. Sie klickte bei M, I und C, und ich, unsicher, wie lange ich noch Madame Iritoskys Fuß niederpressen konnte, entschied mich: »Michael? St. Michael? Willst du, daß wir die St. Michaelskirche besuchen?« Als ich Veritys Klicken hörte, zog ich meinen Fuß weg.
»St. Michaelskirche«, sagte Mrs. Mering. »Oh, Madame Iritosky, wir müssen morgen früh sofort aufbrechen…«
»Ruhe«, sagte Madame Iritosky. »Ich spüre die Anwesenheit eines bösen Geistes.« Verzweifelt angelte ich mit meinem Fuß nach ihrem.
»Bist du ein böser Geist?« fragte sie.
Knack.
Ich wartete, daß Verity klickte, damit es zusammen Nein ergäbe, hörte aber nur heftiges Rascheln. Offenbar hatte sie das eine Strumpfband bereits wieder übers Knie hochgezogen.
»Wirst du von einem Ungläubigen kontrolliert?« fragte Madame Iritosky.
Knack.
»Baine, machen Sie das Licht an«, kommandierte sie. »Hier klopft jemand, der kein Geist ist.«
61
Aus: Lewis Caroll, Alice im Wunderland. — Anm. d. Ü.