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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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»Kannst du aufstehen?«

»Wo denkst du hin? Ich kann kaum meine Finger rühren, geschweige denn mein linkes Bein. Vielleicht habe ich mir sämtliche Rippen und das Rückgrat gebrochen. Ich kriege kaum noch Luft, so sehr schmerzt mein Brustkorb. Verdammte Scheiße!«

»Ich werde Hilfe rufen!«

»Wen denn? Ich denke, Bashtiri und Konsorten sollen nicht wissen, dass es diesen Bunker gibt.«

»Lass das meine Sorge sein«, rief Viktoria tapfer. »Ich bin bald zurück.«

»Viktoria«, brüllte Theisen, als sie die Tür ins Schloss fallen ließ.

»Es geht nun mal nicht anders«, flüsterte sie vor sich hin.

Leonid hatte sich Einsamkeit ausbedungen, als er den Weg zurück zu seiner Hütte antrat. Nur Ajaci durfte ihn begleiten. Egal, wohin die Reise auch gehen sollte, auf seinen Hund würde er niemals verzichten.

Taichin erklärte sich bereit, Vera Leonardowna nach Hause zu bringen, obwohl sie sich widerspenstig gab und eigentlich nie wieder mit ihrem Bruder sprechen wollte - allein schon, weil er Leonid jahrelang ohne ihr Wissen und gegen ihren und den erklärten Willen ihres Mannes zum Schamanen ausgebildet hatte. Auch Leonid hatte sein Fett weg bekommen, wenn auch nicht ganz so heftig wie Taichin.

In Gedanken flog er zu Viktoria, die er aller Wahrscheinlichkeit nie wiedersehen würde. Falls sie überhaupt zu dem Bunker zurückkehrte, um ihn zu befreien, würde sie feststellen, dass er allein entkommen war. Genauer betrachtet war es auch besser so. Was sollte sie mit einem geächteten und mittellosen Schamanenlehrling anfangen, der nicht einmal selbst wusste, wie es um seine Zukunft stand? Außerdem würde sie nur weitere Fragen stellen, die er nun nicht mehr wahrheitsgemäß beantworten durfte.

Seine Großeltern würden ihr auch nicht weiterhelfen und jedem, der es hören wollte, zu Protokoll geben, dass er verstorben sei und sie jede andere Vermutung als pietätlos und ehrverletzend empfinden würden.

Es hatte zu regnen begonnen, von Osten zog ein mächtiges Gewitter auf. Leonid stellte sich die Frage, ob dies ein weiteres Zeichen der Geister war, wie sein Großonkel immer gerne behauptete, um ihn an seine neuen Verpflichtungen zu erinnern.

Leonid kümmerte es nicht, dass er und sein Hund in kürzester Zeit aussahen, als wären sie unter eine Dusche geraten.

In Gedanken ging er durch, was er an Habseligkeiten mitnehmen wollte, bevor er sich auf den Weg nach Jakutsk machte. Wenn er jetzt ging, dann tat er es seiner Großmutter zuliebe. Sie und seinen Großvater in Gefahr zu bringen war so ziemlich das Schlimmste, was er sich vorstellen konnte.

Fünfzig Meter vor Leonids Hütte begann Ajaci leise zu knurren. Gleichzeitig stellte sich das lange Fell in seinem Nacken auf. Leonid blieb abrupt stehen und zog sich mit seinem Hund hinter einen Busch zurück. Lauernd, einen Arm um Ajacis Körper geschlungen, beobachtete er den Eingang seines Hauses. Die Tür stand offen. Nach allem, was er in den letzten Tagen gesehen und gehört hatte, war es gut möglich, dass sich Lebenovs Männer endlich den Kimchu hinaufgewagt hatten, um nach ihm zu suchen. Vielleicht war es sogar Viktoria selbst gewesen, die aus lauter Verzweiflung seine Existenz preisgegeben hatte, nur um ihn aus dem Bunker zu befreien.

Doch außer dem Plätschern des Baches waren allein der Regen zu hören und das ferne Grollen des Donners. Vielleicht war es nur ein Bär, der nach Nahrung suchte. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ein solches Tier vor seiner Haustür auftauchte. Obwohl es zu dieser Jahreszeit genug in den Wäldern und Flüssen zu fressen gab, wurden Bären manchmal durch die Fische angelockt, die Leonid zum Räuchern aufhängte.

Langsam stand er auf und legte dabei eine Hand an sein Jagdmesser. Die Klinge war stets geschärft und so lang wie sein halber Unterarm.

Vorsichtig, einen Fuß vor den anderen setzend, näherte er sich dem Eingang. Ajaci folgte ihm zögernd, die Ohren immer noch angelegt und die Zähne gebleckt.

Leonid hielt das Messer fest in der Hand, während er sich mit dem Rücken zur Wand zum Eingang vorarbeitete. Mit der Linken strich er sich eine feuchte Strähne aus dem Gesicht, bevor er vorsichtig um die

Ecke spähte. Plötzlich vernahm er ein merkwürdiges Geräusch - ein leises, abgehacktes Wimmern. Mit einem Ruck wirbelte er herum und warf einen raschen Blick in das einzige Zimmer.

Viktoria saß auf seinem Bett und hielt den Kopf in beide Hände gestützt. Ihr brünettes Haar fiel über ihr Gesicht, und ihre Schultern zuckten. Sie war völlig durchnässt und schien ihn überhaupt nicht zu bemerken.

»Viktoria? Was machst du hier?«

Sie hob den Kopf und sah ihn überrascht an. Ihr Gesicht war voller Tränen und verriet ihre Erschöpfung.

»Das Gleiche könnte ich dich fragen«, stieß sie anklagend hervor. »Wie kommt es, dass du hier bist und nicht da unten, wo ich dich zurückgelassen habe?«

Ajaci knurrte leise, als Leonid sich neben sie setzte und fest an sich drückte.

»Es tut mir leid.« Er küsste sie auf die Stirn. »Sag bloß, du bist ganz allein zurückgekommen, um mich zu befreien?«

»Nicht ganz«, murmelte sie, abgelenkt von seinen Küssen, mit denen er ihre Wangen bedeckte.

»Hast du etwa deinen russischen Begleiter mitgebracht?« Leonid hielt inne und schaute alarmiert auf.

»Kolja?« Viktoria schüttelte den Kopf. »Wo denkst du hin? Theisen meint, er arbeitet für den FSB. Allerdings wissen anscheinend noch nicht einmal Lebenov und Bashtiri etwas davon. Trotzdem kann ich nicht einschätzen, auf wessen Seite er steht. Das war auch der Grund, warum ich ihm nichts von dir erzählen wollte und warum er das Erdloch so sorgfältig verschlossen hat.«

Leonid nickte und wirkte für einen Moment abwesend, als ob er Viktorias Aussage erst einmal für sich durchdenken musste. Dann schaute er sie unvermittelt an und lächelte.

»Mein Onkel hat mich gefunden«, flüsterte er, »nachdem Ajaci ihn zum Bunkereingang geleitet hatte.«

»Ich bin froh, dass es dir gutgeht. Aber wir können uns hier nicht aufhalten«, bemerkte sie mit einem leicht gehetzten Blick. »Es gibt da ein Problem. Ich musste meinen deutschen Kollegen, Sven Theisen, um Hilfe bitten, weil ich sichergehen wollte, dass ich dich ohne Pro-bleme dort unten herausholen konnte, dabei ist er im Innern des Bunkers verunglückt. Wegen der ganzen Ungereimtheiten konnte ich nicht einfach zum Lager zurückgehen und Hilfe holen. Außerdem lag deine Hütte viel näher, und ich hatte gehofft, hier wenigstens irgendjeman-den zu finden, der uns hilft. Sven liegt in einem uralten Treppenschacht. Allein kann ich ihn nicht bergen.«

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