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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Die Orks tauchten scheinbar überall auf, schlugen grölend zu und verschwanden. Die Vierbeiner traten um sich, trafen Freund und Feind, wieherten und schnaubten, bis sie ihren angeborenen Instinkten gehorchten und sich zur Flucht wandten. Den besten Reitern gelang es nicht, sie aufzuhalten, der Herdentrieb der Pferde war stärker als Reitsporn und Zügel.

Mallen und Tilogorn brauchten lange, bis sie ihre Einheiten geordnet hatten und auf den Platz zurückkehrten. Die eigenen Fußtruppen schlossen zu ihnen auf und begleiteten sie, um den Weg vor dem Palasttor freizuräumen.

Von den Orks fehlte plötzlich jede Spur, nur die Toten und Verwundeten verrieten, dass sich vor kurzem eine brutale Schlacht ereignet hatte. König und Prinz verzichteten darauf, lange über den Verbleib der Gegner nachzudenken, sondern ließen die Portale aufbrechen.

Dreitausend Reiter preschten in den Vorhof der Anlage. Mallen und Tilogorn teilten ihre Abteilungen auf und begannen damit, den Palast eilends nach Nôd’onn zu durchsuchen. Die Stufen waren so breit und flach gebaut, dass die Pferde mühelos durch die Säle und Hallen gelangten; auf Verteidiger oder die Orks warteten die Angreifer dabei vergebens.

»Ihr bleibt hier unten und sucht.« Der König von Idoslân nahm sich den höchsten der Türme vor, weil er den Magus dort vermutete. »Ich gehe hinauf.« Zusammen mit dreihundert Soldaten saß er ab und erklomm die steiler und enger werdenden Stufen. Dabei öffnete er sein Visier, um besser atmen zu können.

Im ersten Zimmer fiel sein Blick durch die breiten Fenster nach draußen auf den südlichen Teil Poristas, durch den sich weitere Soldaten einen Weg zum Palast bahnten. Im Wind flatterten die Fahnen Urgons und ihrer anderen Verbündeten.

»Seht, Prinz Mallen!«, machte er seinen Begleiter erleichtert auf seine Entdeckung aufmerksam. »König Lothaire hat es doch noch geschafft, das Tor einzunehmen. Jetzt wird dem Zauberer nichts mehr helfen können.«

Der blonde Ido war überrascht. »Ich habe selbst gesehen, wie...« Er schwieg und folgte dem König. Mit frischem Mut und neuer Kraft in den Beinen liefen sie voran, bis sie an eine gewaltige Tür gelangten, die sie mit Gewalt aufbrachen.

Ihr Mut wurde belohnt. Zwanzig Schritt entfernt stand eine feiste, hohe Gestalt in einer malachitfarbenen Robe mit dem Rücken zu ihnen und beobachtete die Geschehnisse am Fuße des Turmes und rund um den Palast. Der Magus hielt es nicht einmal für notwendig, sich umzudrehen.

Tilogorn musste nichts sagen. Seine Soldaten fächerten auseinander, die Bogenschützen feuerten ohne Vorwarnung auf den Zauberer, aber die Pfeile erreichten das unverfehlbare Ziel nicht. Je näher sie dem Rücken kamen, desto poröser wurden sie; das Metall der Spitzen korrodierte, der Schaft zersetzte sich und zog eine Spur aus Holzmehl hinter sich her. Schließlich lösten sie sich einfach in nichts auf. Kleine Eisenspäne fielen klimpernd auf die Steinplatten.

»Willkommen.« Der Magus regte sich noch immer nicht. »Willkommen in Lios Nôd’onn, König Tilogorn. Was ist Euer Begehr?«

»Das Wohl des Geborgenen Landes«, entgegnete Tilogorn mit fester Stimme, zog seine Waffe und hielt sich bereit, gegen den Zauberer zu kämpfen. »Ihr steht dem im Weg.«

»Ihr seid in mein Reich einmarschiert, habt meine Stadt angegriffen und wollt mich töten. Wäre es da nicht an mir, Sorgen um das Wohl meines Land zu haben?«

»Ihr seid zum Verräter und mehrfachen Mörder geworden, wie wir erfahren mussten.«

»Zum Mörder, ja. Aber aus gutem Grund, denn ich möchte das Land schützen - genau wie Ihr. Eine Gefahr zieht herauf, vor der nur ich und mein Freund das Geborgene Land erretten können, und dazu benötige ich die Gewalt über alle Reiche. Die Herrscher der Menschen, Zwerge, Elben, die Zauberer, sie alle müssen gehorchen oder wegen des Wohls aller vergehen.« Endlich wandte er sich um, und seine schleierverhangenen grünen Augen schauten traurig. »Einige sind schon vergangen, und es schmerzt mich sehr. Wollt wenigstens Ihr Euch mir anschließen?« Er machte einen Schritt nach vorn und hielt dem König die ausgestreckte Hand hin.

»Niemals!« Ein Dutzend Soldaten stürmten auf Tilogorns Geheiß vor, um ihn zu ergreifen.

Doch ihre Rüstungen, ihre Waffen, ihre Kleider und schließlich sie selbst endeten wie die Pfeile. Die unsichtbaren Kräfte wirkten so schnell, dass ihnen nicht einmal mehr Zeit blieb, sich aus dem Wirkungskreis des Magus’ zurückzuziehen. Zu Staub zerfallen lagen ihre Überreste vier Schritt von Nôd’onn entfernt. Der Herbstwind wirbelte die pulvrige Substanz davon. Nun wichen die übrigen Krieger eingeschüchtert zurück.

»Ihr habt meine Macht sträflich unterschätzt, König Tilogorn«, sagte Nôd’onn schleppend. »Die Hand, die ich Euch entgegenstreckte, schlugt Ihr aus. Nun bezahlen Eure Männer den Preis für Eure Überheblichkeit.«

Die kühle Brise trug neuerlichen Gefechtslärm mit sich und brachte Tilogorn zum Aufhorchen.

»Ihr dachtet, die Schlacht sei geschlagen?« Der Magus deutete auf das Fenster. »Seht, was aus dem Heer Lothaires und dem König selbst wurde.«

Tilogorn ließ die Augen nicht von Nôd’onn, sondern schickte stattdessen einen Soldaten, um in die Tiefe zu schauen und zu berichten.

»Sie kämpfen gegen unsere Leute, mein König«, meldete er bestürzt. »Ich sehe ganz deutlich die Banner Urgons, die Soldaten... Sie stehen den Orks bei!« Der Mann hielt inne. »Bei Palandiell! Sie stehen wieder auf... auch wenn sie tödlich niedergestreckt wurden, stehen sie wieder auf!«

Nôd’onn lachte. »Ihr befindet Euch seit längerer Zeit schon auf Erde, die dem Toten Land gehört. Meine Zauberkräfte haben Euch etwas anderes vorgegaukelt, damit Ihr mir auch wirklich das Heer brachtet, das ich dringend benötige...«

Er wollte noch etwas sagen, aber ein Hustenkrampf schüttelte ihn. Blut sickerte aus der Nase und dem Mundwinkel, keuchend brach er auf die Knie, und noch mehr Blut rann in dicken Fäden zwischen den Lippen hervor und besudelte die makellos weißen Bodenplatten.

»Jetzt oder niemals mehr!«, schrie Tilogorn und rannte los. »Für das Geborgene Land!« Seine Krieger folgten ihm.

Die Mehrheit der Mutigen zerfiel zu Staub, doch an manchen Stellen wurde die Wirkung des Zaubers durch Nôd’onns Schwäche gemildert. Dreißig Kriegern gelang es, darunter auch dem König, die Sperre zu durchbrechen und nahe an den Magus heranzukommen. Ein Bogenschütze jagte drei, vier Pfeile in den aufgedunsenen Körper, dann waren die Soldaten heran und hackten auf den ermatteten Magus ein. Plötzlich war auch Prinz Mallen an seiner Seite.

Die Angst, im letzten Moment doch noch Opfer eines Zaubers zu werden, verlieh den Männern berserkerhafte Kräfte. Die Klingen stachen und schlugen immer schneller, immer fester zu. Der Stein färbte sich rot vom Blut, das in Strömen aus dem zerstückelten Leib rann. Es stank bestialisch.

Tilogorn meinte, eine Bewegung in den klaffenden Wunden gesehen zu haben. Etwas lebt in ihm, durchzuckte es ihn voller Abscheu. Voller Härte drosch er zu. »Stirb endlich!«

»Nein!«, schrie Nôd’onn. Ein Windstoß trieb die Angreifer zurück und hob sie von den Beinen. »Ich muss das Geborgene Land schützen!« Der Onyx seines Zauberstabs spie ein Geflecht aus schwarzen Blitzen. Etliche Männer vergingen in den Energien samt ihren Rüstungen zu Asche.

»Gebt nicht auf!« Der König sprang nach vorn und holte mit seinem Schwert aus. »Wir müssen das Unmögliche schaffen«, rief er atemlos und reckte seine Rechte gegen den Magus. »Ich...«

Ein Blitz sirrte heran und wühlte sich durch das Leder bis zu seinem Herzen vor. Stöhnend sank Tilogorn nieder, die Finger lösten sich vom Griff des Schwertes, es verschwand im Gewirr aus Beinen und Schuhen. Versagt...

»Meinen Glückwunsch, Prinz Mallen«, sagte Nôd’onn höhnisch. »Ihr wurdet soeben ein König und seid der neue Herrscher über Idoslân.« Wieder reckte er die Hand. »Ich frage Euch: Wollt Ihr mir folgen oder Tilogorn und Eure Herrschaft so schnell verlieren, wie Ihr sie erhalten habt?«

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