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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Die Zwerge erkundeten die Halle, in der sie auf ähnliche Flaschenzüge und Dampfkessel wie im Reich der Zweiten stießen.

»Hier wurden die Karren sicherlich umgestellt«, überlegte Boëndal laut, schulterte seinen Krähenschnabel und ließ den Blick umherschweifen, damit sie von nichts, was unter der Erde lebte und kein Zwerg war, überrascht werden konnten.

»Ho, Schimmerbart!«, rief Boїndil plötzlich. »Was machst du da?«

Der Zwerg zuckte ertappt zusammen und wich von der Tafel zurück. Sie war so hoch und breit wie ein Gnom, aus hellem Granit gehauen und mit langen, inzwischen verrosteten Eisenstiften an der Wand befestigt. »Ich wollte... sie vom Staub befreien«, sagte er trotzig. »Um zu erkennen, was darauf geschrieben steht.«

»Es scheint ein Plan zu sein«, schätzte Tungdil, als er näher kam und einen Blick darauf werfen konnte. »Gut gemacht, Goїmgar! Du hast wache Augen.«

Tungdil hatte ihn absichtlich gelobt, obwohl er beobachtet hatte, dass Goїmgar die feinen Linien im Fels mit seinem Dolch hatte zerstören wollen, um sie unkenntlich zu machen und Gandogar einen Vorteil zu verschaffen. Da er dem Diamantschleifer aber nichts nachweisen konnte, behielt er seinen Verdacht für sich und zeichnete den Plan ab. Ich werde von nun an misstrauischer sein.

»Wir sind richtig«, meinte Bavragor freudig. »Ich sehe es ganz deutlich.«

»Sagt der Einäugige«, meinte Goїmgar abfällig und eine Spur zu laut, damit Hammerfaust es auch hörte.

Schnaubend fuhr der Steinmetz herum; seine breite Rechte zuckte nach vorn und packte den Vierten am krausen Bart, um ihn dicht an sich heranzuziehen.

»Komm nur her, du halber Zwerg, damit ich dir etwas erzähle«, grollte er. Die andere Hand hob die Augenklappe. Darunter verbarg sich ein vertrocknetes Überbleibsel des Auges, in dem deutlich erkennbar ein Steinsplitter steckte. »Eines Tages forderte der Fels, den ich bearbeitete, seinen Tribut. Als ich einen Brocken zu etwas Besonderem formte, sprang das nadeldünne Stück Granit ab und raubte mir das Augenlicht. Aber Vraccas segnete das andere und schenkte mir für den Verlust die zehnfache Sehschärfe auf dieser Seite. Die Zehnfache, hörst du?!« Er gab den schmächtigen Zwerg mit einem dunklen Lachen frei. »Ich erkenne die kleinste Unebenheit im Gestein, ich sehe die Poren deiner Haut, und ich erblicke die Furcht in deinen Augen, Schimmerbart. Was sagst du nun?«

Goїmgar wich hastig vor den prankengleichen Händen zurück und rieb sich das Kinn. Er hatte die Lippen vor Schreck fest aufeinander gepresst, doch jetzt löste sich die Wut, unwürdig behandelt worden zu sein, in einer Drohung. »Das wirst du noch bereuen, Hammerfaust! Wenn Gandogar erst Großkönig ist, denke ich mir etwas ganz Besonderes für dich aus.«

»So? Bist du zu deinem zarten Gemüt auch noch feige?«, höhnte Bavragor.

»Schluss! Ihr habt euch beide genug beleidigt«, rief Tungdil sie zur Ordnung. »Keiner von euch hat sich sonderlich freundlich verhalten, also lasst es gut sein. Keiner schuldet dem anderen etwas.« Die Worte Goїmgars zeigten ihm deutlich, welche Einstellung er gegenüber der Expedition hatte. »Es geht weiter.«

Er kehrte zur Lore zurück, und die anderen vier Zwerge folgten ihm schweigend. Die Spannung zwischen ihnen lag deutlich in der Luft, schlechter hätte die Ausgangslage für eine erfolgreiche Mission kaum sein können.

Ich hoffe, sie hören weiterhin auf mich, sonst mündet das Ganze noch in einer Katastrophe. Mit Schrecken erinnerte er sich, dass Bavragor und Ingrimmsch sich ebenso wenig mochten, wie Goїmgar den Steinmetz leiden konnte; nur der ruhige und besonnene Boëndal verstand sich mit allen gut. Noch, dachte Tungdil bedrückt. Vraccas, gib mir genügend Stärke. Ich bin es nicht gewohnt, ein Anführer zu sein.

Boїndil war auf der Suche nach möglichen Gegnern bis zum nächsten Portal gelaufen, öffnete es nun und schaute den Tunnel entlang. »Hier geht es wieder abwärts«, meldete er. »Wir müssen unseren Karren ein bisschen anschieben, den Rest besorgt das Gefälle.«

Mit vereinten Kräften hievten sie ihr Gefährt bis zu dem abfallenden Gleisstück und sprangen bis auf Boëndal, der für den letzten Anstoß sorgte, hinein. Der nächste Abschnitt ihrer Reise wartete auf sie. Das Vehikel trug sie weiter westwärts; quietschend und rumpelnd kamen sie dem Reich der Ersten näher.

Das Geborgene Land, Zauberreich Lios Nudin,

im Spätherbst des 6234sten Sonnenzyklus

Die Späher kehrten von ihrem Erkundungsritt zurück und meldeten, dass die Hauptstadt Porista friedlich dalag, als fürchtete sie sich nicht vor den vierzigtausend Soldaten unter der Führung der besten Menschenkrieger des Geborgenen Landes, die von zwei Seiten auf sie zumarschierten.

Die Herbstsonne beschien die grünen Wiesen und die leuchtend bunten Blätter an den Bäumen und Sträuchern, die vor dem Einzug des Winters noch einmal zeigten, welche Schönheit sie besaßen.

Tilogorn und Lothaire empfingen ihre Aufklärer vor dem Versammlungszelt, das als Schutz gegen den empfindlich kühl gewordenen Wind aufgebaut worden war.

Der Bote, den sie vor etlichen Sonnenumläufen zu Nôd’onn nach Porista zu Verhandlungen geschickt hatten, war mit den unannehmbarsten Forderungen zurückgekehrt, und als er ihnen zudem die Nachricht über den Tod der Zauberer überbrachte, wussten sie, dass sie zuallererst den Magus vernichten mussten. Von ihm ging die größte Bedrohung aus.

Bei einem Becher heißem Tee betrachteten sie die Karte mit den Aufzeichnungen über die Verteidigungsanlagen der Stadt und wunderten sich, wie wenig Widerstand einem möglichen Angreifer geboten wurde. Ein einziger Wall schützte die Stadt vor unliebsamen Eroberern.

Tilogorn, in einen schlichten, aber schweren Panzer gehüllt, freute sich beim Anblick der leicht zu erstürmenden Mauern. Jedes kleine Dorf in Idoslân bot mehr gegen Angreifer auf als die Hauptstadt des Zauberreiches. »Es wird schnell gehen, wenn uns der Magus nicht mit seinen magischen Kräften zu stark zusetzt. Gut, dass wir ein erstes Heer zusammengezogen haben.«

»Es wird ausreichen, den wahnsinnigen Mörder zu vernichten. Er kann nicht an zwei Stellen gleichzeitig sein, eine Seite wird fallen und dann gehört er uns«, schätzte Lothaire und richtete seine leichte Lederrüstung.

Die Art der Rüstung spiegelte die Weise der Kriegsführung in den Reichen wider. Tilogorn stand in Idoslân den gerüsteten und äußerst robusten Orks gegenüber, daher wählte man dort einen guten Schutz gegen die Äxte und Beile, während Lothaire aus dem Land der Berge und Seen stammte. Ein schwerer Panzer bedeutete Unbeweglichkeit, hohes Gewicht und bei Fehltritten auf schmalen Bergpfaden den sicheren Tod.

Noch unterschiedlicher als die Herrscher präsentierte sich das Heer. Alle Königinnen und Könige hatten Kontingente nach Porista gesandt; den Befehl über die bunt zusammengewürfelten Truppen überließ man Tilogorn und Lothaire. Der Nachschub in Gestalt von nochmals vierzigtausend Streitern war auf dem Weg; mit ihm wollten sie in Dsôn Balsur einfallen.

So saßen die leicht gerüsteten und viel zu dünn gekleideten Krieger Umilantes neben den eigentlich für den Seekrieg ausgebildeten Kämpfern Weys IV. und den Waldstreitern Königin Isikas. Keiner der Soldaten hatte jemals eine Stadt stürmen müssen. Die leichte Kavallerie aus Tabaîn sowie die eigenen Kämpfer von Lothaire und Tilogorn bildeten das sichere Rückgrat, an dem sich die anderen orientierten und Halt gewannen.

Ich bin froh, dass wir den Scheusalen Tions noch nicht gegenüberstehen. Die Männer müssen sich erst einspielen. Der blonde Herrscher Urgons deutete auf die Stadttore. »Tilogorn, Ihr übernehmt das nördliche, ich stürme das südliche Tor. Die Leitern sind angefertigt und die Katapulte zusammengesetzt.« Er hob den Kopf. »Ich mache den Anfang, und Ihr haltet Eure zwanzigtausend Mann bereit. Sobald meine Meldeläufer Euch erreichen, rennt Ihr auf der anderen Seite gegen Nôd’onns Zuflucht an.«

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