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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Dann soll es sein«, nickte Tilogorn und langte nach seinem Helm. »Befreien wir das Geborgene Land von dem ersten Übel, danach sind die Orks und Albae an der Reihe. Palandiell sei mit uns.«

»Sie wird es sein, daran gibt es keinen Zweifel.« Sie reichten sich die Hände, verließen die Unterkunft, saßen auf und ritten zu ihren Einheiten, die drei Meilen vor den Zugängen nach Porista Stellung bezogen hatten.

Auf ein Fanfarensignal hin erhob sich ein Fahnenmeer. Lothaires Abteilungen führten wie vereinbart die erste Attacke gegen das Südtor. Sie verbargen sich bei ihrem Sturm hinter dicken Holzwänden, die sie auf Räder montiert hatten, um eine fahrbare Schützung zu erhalten.

Als sie jedoch auf Schussweite heran waren, zeigte ihnen die Hauptstadt Lios Nudins die Krallen. Pfeilschwärme verdunkelten den Himmel, Geschosse sirrten durch die Luft und gingen auf die Truppen nieder.

Eilig kauerten sich die Infanteristen hinter die starken Bretter. Die Pfeile forderten nur geringe Opfer unter den Angreifern. Die eigenen Schützen erwiderten den Beschuss, und im Schutz der rollenden Wände ging es weiter vorwärts. Am Fuß der Mauern und vor dem Stadttor angelangt, wurden die Wände nach oben geklappt und mit Pfosten abgestützt, um den Männern an den Rammböcken als waagrechtes Dach gegen Steine und andere Geschosse von oben zu dienen; Sturmleitern wurden herangeschafft und angelegt.

Das war der Augenblick, in dem ihnen Nôd’onn eine erste Kostprobe seiner Macht gab.

*

Tilogorn saß ein Stück vom Kampfgeschehen entfernt auf seinem Pferd und beobachtete, wie sich die Fußtruppen an den Nordzugang heranpirschten. Die Gegenwehr auf ihrer Seite war schlicht zu vernachlässigen, man hatte Porista erfolgreich Glauben gemacht, dass der Hauptansturm aus der anderen Richtung erfolgte. Bis sich der zweite Angriff zu den Verteidigern im Süden herumspräche, wären die Portale längst geöffnet.

»Es wird nicht mehr lange dauern«, gab er eine leise Vorhersage ab, »dann liegt es in unserer Hand.« Mit einem Heer gegen Magie. Die Vorstellung behagte ihm nicht. Aber welchen Ausweg haben wir?

Er hatte sich selbst dazu bestimmt, die fünftausend Streiter umfassende Reiterei durch die Gassen der Stadt zu lenken und den Palast des Zauberers anzugreifen und im Handstreich zu erobern. Schnelligkeit und Überraschung zählten, wenn man lebend gegen diesen Magus vom Feld ziehen wollte.

Zwei einzelne Reiter näherten sich über Umwegen ihrem Standort, reckten die Fahnen und gaben das verabredete Signal.

»Möge uns Palandiell beistehen.« Tilogorn prüfte den Sitz seiner Waffen und probierte, ob er an Dolch und Kurzschwert schnell genug herankommen konnte; dann wies er die Fanfarenträger an, zum Angriff gegen das Tor zu blasen. Wie ein Ameisenheer stürmte die erste Welle aus achttausend Mann gegen den Zugang an, die Strategie war die gleiche, wie sie Lothaire keine zwei Meilen von ihnen entfernt einsetzte.

Den Angreifern schlug nur wenig Widerstand entgegen. Vereinzelt kamen die Pfeile hinter den Zinnen hervorgeschossen, und so hatten sie kaum Opfer zu beklagen.

In Windeseile lagen die Leitern an den Mauern. Kurz darauf standen die ersten Krieger auf den Wällen und befanden sich im Nahkampf mit der Hand voll Tapferer, die zur Verteidigung des nördlichen Zugangs abgestellt worden waren.

Er schaute zur Mauerkrone, auf der soeben die Flagge Idoslâns emporgezogen wurde, und setzte den Helm auf. Kraftvoll klappte er das Visier herab. »Für das Geborgene Land!«, rief er und preschte zusammen mit den fünftausend Berittenen auf das sich öffnende Stadttor zu.

*

Der oberste Stein der Zinne löste sich wie von selbst aus dem Mörtelbett und schoss wie von einem Katapult abgefeuert auf die Angreifer nieder. Der Quader mit der Kantenlänge eines Unterarms traf den Brustkorb eines Soldaten und quetschte ihn zusammen, als wäre er nachgiebig wie ein Bienennest.

Das stellte den Auftakt zu einem grausamen Hagel dar, wie ihn keiner der Kämpfer jemals erlebt hatte und die meisten von ihnen nie mehr erleben würden.

Die Stadtmauer Poristas löste sich Stein für Stein auf. Von oben nach unten schnellten die Quader von ihren Plätzen und krachten mit solcher Wucht in die Reihen der Angreifer, dass sämtliche Schutzvorrichtungen versagten. Die rollenden Wände wurden durchschlagen, umgeworfen oder vollkommen zertrümmert, während die Truppen dahinter im Splitterregen standen und schreckliche Verletzungen erlitten.

Jeder der Steine traf sein Ziel. Das Geräusch der dumpfen Einschläge, das Krachen der Knochen und Scheppern der Rüstungen wollte nicht mehr enden; aus den Schreckensrufen wurden Hilfeschreie und Todesgebrüll. Die wenigen Sturmleitern, die noch standen, kippten, weil es nichts mehr zum Anlehnen gab.

»Zurück!«, befahl Lothaire und wendete sein Pferd. Da traf ein Quader den Kopf des Hengstes, der augenblicklich zusammenbrach und zuckend verendete.

Der Prinz stürzte schwer zu Boden und brauchte lange Zeit, bis er sich unter dem Leib des Tieres hervorgeschoben hatte. Sein Bein fühlte sich gebrochen an, an ein Auftreten war nicht zu denken. Zwei seiner Soldaten erkannten die Lage und eilten ihrem Herrscher zu Hilfe, um ihn in einen Graben neben dem Weg zur Stadt zu legen. Das war der sicherste Ort, so lange die behauenen Felsbrocken umherflogen.

»Verdammter Magus!«, fluchte Lothaire und biss die Zähne zusammen, als eine Schmerzwelle durch sein Bein fuhr. Die gefürchtete Magie war zum Einsatz gekommen und brachte mannigfaltigen Tod über die verbündete Truppe. Er wollte sich lieber nicht ausmalen, aus wie vielen Steinen sich diese Seite der Mauer zusammensetzte und wie viele Geschosse Nôd’onn damit zur Verfügung standen.

Als das Poltern aufhörte, wagte es der König, über den Rand des Grabens zu spähen.

Der flache Platz vor den Stadttoren war übersät mit großen und kleinen Quadern; selbst die Fundamentbrocken, die so lang wie ein ausgewachsener Mann waren, hatten ihren angestammten Platz verlassen und waren von den unsichtbaren Kräften des Magus umhergewirbelt worden. Hier und da schauten Gliedmaßen, geborstene Lanzen, verbogene Schilde und geknickte Speere unter dem Stein hervor und zeigten auf groteske Weise, wo ein Soldat erschlagen worden war.

Lothaire blickte über die Trümmer hinweg auf die ungeschützten Straßen und Häuser Poristas, die ohne Mauer und völlig wehrlos vor dem Herrscher Urgons lagen. Nur die beiden Türme, welche die Tore hielten, befanden sich noch an ihrem Platz.

»Das ist die Gelegenheit«, presste er unter Qualen hervor. »Wir müssen angreifen.« Mithilfe der beiden Krieger verließ er den Graben, um die Truppen zu einer neuerlichen Attacke anzufeuern.

Anstelle der zwanzigtausend Krieger hatten die Steine ihm gerade einmal dreitausend gelassen, die sich größtenteils auf der Flucht vor den unheimlichen Kräften befanden. Ich kann es ihnen nicht einmal verdenken.

Als die Soldaten ihn sahen, schöpften sie neuen Mut. Eine Schar von fünfzehnhundert fand sich zusammen, die sich anschickte, in die Hauptstadt des Magus einzufallen und in den Palast vorzudringen.

Da bewegten sich die Steine erneut. Die großen flogen zuerst einer nach dem anderen empor und gingen an der Stelle nieder, an der sie vor dem Hagel gewesen waren; die kleinen folgten und setzten sich aufeinander, bis sich die Stadtmauer vor den entsetzten Angreifern wieder völlig intakt auftürmte; dieses Mal schimmerte sie jedoch feucht und rot vom Blut der Erschlagenen.

Lothaires Mut und die Zuversicht, etwas gegen Nôd’onn auszurichten, schwanden; er sank ins nasse, vom Lebenssaft seiner Leute getränkte Gras und starrte auf das Bollwerk, das sie niemals überwinden würden. Vereinzelt entdeckte er Metallstücke, Überbleibsel von Waffen und Überreste seiner Soldaten an der Mauer, die wie Trophäen zur Schau gestellt wurden und die Angreifer verhöhnten, um sie zu einem neuerlichen, vergeblichen Versuch herauszufordern. Was soll ich dagegen ausrichten, ihr Götter?

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