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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Ratlos standen die Krieger mit gezückten Waffen umher. Er hoffte noch auf eine Eingebung, als die Stimme des Zauberers von oben auf sie herabschallte.

»Seid Ihr gekommen, um mir ein Heer zu bringen, König Lothaire?«

»Erfreut Euch Eurer blutigen Genugtuung, Nôd’onn«, rief er wütend zurück, »sie wird nicht lange währen.«

Der Magus, gekleidet in eine dunkelgrüne Robe, trat an eine Schießscharte; Lothaire erkannte sein feistes Gesicht als breites, weißes Oval. »Ihr habt Euch vortäuschen lassen, auf eine wehrlose Stadt zu treffen. Es war nicht das Einzige, auf das Ihr hereingefallen seid. Das menschliche Auge ist leicht zu übertölpeln.« Seine Hände beschrieben eine seltsam anmutende Bewegung. »Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Eurem letzten Kampf, Prinz. Seid versichert, dass Ihr nicht gegen Trugbilder, sondern gegen echte Gegner fechten werdet.« Mit diesen Worten trat er in den Schatten der Zinne und verschwand.

Lothaire blickte sich um, und das Entsetzen lähmte ihn. Das grüne Gras zwischen seinen Fingern verfärbte sich zu grauen Halmen, die eben noch farbenprächtigen Bäume verloren ihre Schönheit und senkten die Äste, deren Blätter schon längst am Boden lagen. Der Magus hatte das Heer auf das Gebiet des Toten Landes gelockt und eine Illusion der heilen Welt gewoben, um sie in Sicherheit zu wiegen.

Lothaire verstand, was das für ihn und das Schicksal der fünfzehnhundert Männer bedeutete.

Was darauf stirbt, ist nicht tot, erinnerte er sich an die Erzählungen über die unheimliche Macht aus dem Norden, und Furcht vor dem Kommenden überwältigte ihn. Lothaire schloss die Augen und betete inbrünstig zu Palandiell und allen guten Göttern, auf dass sie ihnen zu Hilfe eilten.

Seine frommen, verzweifelten Gedanken wurden von leisem, aber hundertfachem Aufstöhnen gestört, das überall auf dem Schlachtfeld erklang. Die Toten erhoben sich ungelenk, stemmten sich aus den Kratern, welche die großen Brocken hinterließen, und schoben sich unter Holztrümmern hervor. Je nach der Schwere ihrer Verletzungen krochen, hinkten und taumelten sie auf die Überlebenden zu; andere bewegten sich dagegen wie gewöhnliche Menschen und wären von ihnen nicht zu unterscheiden gewesen, wenn die tödlichen Wunden sie nicht verunstaltet hätten. Aus den ersten hundert, die sich ihnen mit Schwertern, Lanzen und anderen Waffen näherten, wurden rasch mehr.

»Wie ist das möglich? Was sollen wir tun, König Lothaire?«, rief einer der Offiziere voller Furcht.

»Wir versuchen einen Ausfall nach Süden«, entschied er. »Weg von hier, oder wir enden wie diese einst braven Soldaten und werden zu Sklaven des Toten Landes!« Seine beiden Helfer standen bereit, hakten ihn unter, ein Dutzend Krieger bildeten die Leibwache für den verletzten Herrscher. »Schnell! Palandiell sei mit uns.«

Der Ausbruchsversuch aus dem Ring der Untoten, mit denen sie vorhin noch Seite an Seite gekämpft hatten, nahm seinen Anfang.

*

Die Reiterei hetzte durch die menschenleeren Straßen Poristas und nahm dabei weder Rücksicht auf sich noch die Pferde. Etliche der Tiere rutschten in den Kurven auf den glatten Pflastersteinen aus und prallten gegen die Hauswände. Nachfolgende setzten über sie hinweg und galoppierten weiter.

Das Ziel lag unübersehbar vor ihnen: Die Palastanlage, in welcher der Rat der Magi zu tagen pflegte, reckte sich weit in den Himmel und wies ihnen den Weg.

Tilogorn war darüber froh, dass sich die Einwohner den Angreifern nicht entgegenstellten. Die wenigen Verteidiger an ihrem Tor hatten sie ohne Schwierigkeiten überwältigt. Nun galt ihre Attacke Nôd’onn selbst.

Der König konnte sich nicht vorstellen, dass es einen Zauber gäbe, der gegen eine solche Menge von Angreifern wirkte, und darauf vertraute er vollkommen. Jeder andere Gedanke hätte die Truppe verunsichert, und Zweifel begünstigten stets den Sieg des Gegners.

Der Kavalleriestrom flutete wie schimmerndes Wasser durch die Straßen, welche die Vorwärtsbewegung kanalisierten und geradenwegs auf die Mauer zuführten, welche die Residenz umschloss. Die Reiter trafen von drei Seiten auf dem Marktplatz vor dem Zugang zum Palast ein.

Tilogorns Truppen sahen sich einer Menschenmenge gegenüber, die sich schützend vor dem Durchgang versammelte. Der Kleidung nach handelte es sich um einfache Bewohner von Porista - Frauen und Kinder, die sie friedlich und ohne Waffen empfingen.

Einer von ihnen löste sich aus dem Pulk von etwa dreihundert Personen und näherte sich ihnen mit erhobenen Armen. »Lasst ab von unserem Herrn, ihr Männer aus dem Osten«, rief er ihnen entgegen. »Er tat euch nichts und will euch nichts Böses.«

Prinz Mallen, der seine Ido-Rüstung trug, drängte sein Pferd nach vorn, um neben Tilogorn zu gelangen, und lehnte sich zu ihm. »Sie stehen unter dem Einfluss von Nôd’onn«, raunte er. »Wir müssen sie auseinander treiben, sonst ist der Vorteil unseres schnellen Angriffs dahin.« Nervös schaute er zu den Turmfenstern des Palasts. »Wir bieten ihm ein stehendes Ziel.«

»Prinz Mallen? Solltet Ihr nicht Lothaire...«

»Der Angriff im Süden ist fehlgeschlagen. Ihr und Eure Männer seid die letzte Hoffnung für das Geborgene Land.«

Ich ahnte es. Verdammte Magie! Tilogorn richtete sich im Sattel auf. »Geht beiseite, ihr Leute! Wir wollen euch nichts tun. Uns geht es nur um den Magus.«

»Wir weichen nicht«, erwiderte der Sprecher der Bürger. »Ihr müsst uns niedermetzeln, wenn ihr durch das Tor wollt.« Er wandte ihnen den Rücken zu, ging zurück und reihte sich in den Menge ein, die noch enger zusammenrückte, damit sich die Pferde nicht so einfach zwischen sie schieben konnten.

Tilogorn befahl dreihundert Reitern, in einer Linie parallel zum Tor zu reiten und die Menschen vor sich her zu schieben. Die gepanzerten Tierleiber wirkten wie eine Mauer, drückten die ersten Bewohner Poristas zur Seite, während eine zweite Abteilung dafür sorgte, dass sie sich nicht mehr vor den Eingang des Palastes begaben.

Unvermittelt schrie einer der Berittenen auf, hielt sich das Bein und stürzte aus dem Sattel, in den sich augenblicklich einer der Einwohner schwang. Seine nagelgespickte Keule traf den überrumpelten Soldaten zu seiner Linken mitten ins Gesicht, eher er von dem Idoslâner zu seiner Rechten mit einem Schwerthieb getötet wurde. Im Fallen wandelten sich seine einfachen Kleider zu einer Rüstung, und aus dem Mann wurde ein Ork, der grunzend auf der Erde aufschlug und starb.

Der Zauber fiel, aus den Bürgern wurden gerüstete Orks. Wer noch immer einen Beweis benötigt hätte, dass Nôd’onn sich mit den Kreaturen Tions und damit mit dem Bösen eingelassen hatte, erhielt ihn jetzt.

»Macht sie nieder!«, befahl Tilogorn augenblicklich. »Macht alles nieder! Traut euren Augen nicht mehr!«

Die scheinbar unbewaffneten Menschen Poristas droschen unvermittelt mit Keulen, Äxten und klobigen Schwertern auf die Reiterei ein, und die Überraschung kostete Dutzenden Soldaten das Leben.

Die Kavallerie erholte sich von ihrem ersten Schrecken und versuchte, sich aus dem Nahkampf zu lösen, weil das Gedränge den Kriegern nicht erlaubte, einen gezielten Schlag gegen einen der grünhäutigen Feinde zu führen.

Aber die Orks setzten nach, schlugen den Pferden in die Hinterläufe und Flanken, hängten sich wie wütende Hunde an sie und brachten sie dazu, vor Schreck und Schmerz durchzugehen.

Blind vor Angst rannten die Tiere gegen die wartenden Abteilungen und sorgten für noch größere Verwirrung.

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