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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Vorhin, in der anderen Halle«, erinnerte er ihn. »Du wolltest den Plan beschädigen, damit er uns nichts mehr nützt. Warum hast du das versucht?«

Der schmächtige Zwerg funkelte ihn trotzig an. »Ich wollte den Staub abwischen.«

»Mit deinem Dolch?« Tungdil betrachtete sein Gesicht, suchte seinen Blick. »Ich möchte, dass du verstehst, dass ich nicht dein Feind bin.«

»Mein Feind? Nein, du bist nicht mein Feind. Du bist nichts, nicht einmal ein Vierter«, entgegnete er unfreundlich. »Vraccas mag wissen, woher du kommst, aber unserem Stamm gehörst du nicht an. Ein Dahergelaufener möchte sich den Thron aneignen, der ihm nicht gebührt. Aber es wird dir nicht gelingen. Auch wenn mein König mir befohlen hat, all deine Anweisungen zu befolgen, so werde ich einen Weg finden, deinen Aufstieg zu verhindern und Gandogar zu seinem Recht zu verhelfen.«

»War das der Grund, warum du nicht mitkommen wolltest?«

»Vielleicht. Aber vielleicht hasse ich es einfach auch nur zu reisen, zu kämpfen, Dinge zu erleben, die ich nicht erleben will. Die Reise zu den Zweiten war schon nicht nach meinem Geschmack. Und jetzt setze ich mein wertvolles Leben für einen Betrüger aufs Spiel!«

»Es geht mir nicht um den Titel des Großkönigs, Goїmgar«, sagte Tungdil beschwichtigend. »Um ehrlich zu sein, er ist mir herzlich gleichgültig.«

Der Zwerg sah ihn überrascht an. »Was ist dann der Grund für den Wettstreit?«

»Ich möchte, dass wir die Feuerklinge erschaffen, um Nôd’onn damit zu bekämpfen und zu besiegen«, erklärte er eindringlich. »Wenn es für das Geborgene Land schlecht läuft, sind wir Zwerge die Einzigen, die den wahnsinnigen Magus aufhalten können. Darum geht es mir, nicht um den Thron.«

»Wäre ich an deiner Stelle, würde ich den Marmor von der Decke lügen, um mein Ziel zu erlangen. Woher weiß ich, dass du die Wahrheit sprichst? Und was geschieht, wenn wir zuerst ins Blaue Gebirge zurückkehren? Wärst du dann nicht König, obwohl du es angeblich nicht wolltest? Beeilen wir uns deshalb so?«

Tungdil sah ein, dass er ihn an diesem Abend nicht von seinen ehrlichen Absichten überzeugen konnte, dafür war das Misstrauen ihm gegenüber viel zu stark.

Außerdem trafen ihn die Worte über seine Abstammung, die für ihn nach wie vor im Dunkeln lag. Er musste sich verstellen, beharrlich den Schein wahren, doch im Grunde seines Herzens fühlte er sich unsicher, einsam. Allein das Schicksal Lot-Ionans und seiner lieben Freundin Frala gab ihm die Kraft, das Schauspiel aufrecht zu erhalten, um die Gruppe in das verlorene Reich der Fünften zu führen. Er würde alles daran setzen, dem verräterischen Magus die Macht und das Leben zu rauben.

»Lass es gut sein«, beendete er die Unterredung bedrückt. »Ruh dich aus, ich halte Wache.«

Tungdil legte die Decke um seine Schultern, um sich gegen die Kühle des Stollens zu schützen. Da ertönte ein Geräusch. Es klang wie ein einzelner Hammerschlag gegen einen Felsen.

Goїmgar, der es sich eben bequem machte, erstarrte in der Bewegung. »Die Oger?«, raunte er ängstlich. »Oder die Geister der Zwerge, die beim Bau der Gänge starben?«

Es kann alles Mögliche sein. Tungdil antwortete ihm nicht, sondern nahm seine Axt und lauschte in die Finsternis. Das Pochen wiederholte sich nicht mehr. »Ein Stein«, sagte er langsam und entspannte sich. »Ein Stein wird von der Decke gefallen sein und einen anderen Brocken getroffen haben. Kein Grund zur Beunruhigung.«

»Sollten wir die Zwillinge nicht wecken? Sie haben gewiss mehr Erfahrung als du.«

»Nein. Es war nichts«, beharrte er. »Schlaf und vergiss das Geräusch.«

Der Edelsteinschleifer zog die Decke bis zum Bart hoch, legte den Schild vor seinen Oberkörper, und Tungdil hörte, wie er das Kurzschwert zog. Erst dann schlossen sich seine Lider.

Was mag das gewesen sein? Er stand leise auf, ging nach rechts, dann nach links, um in die Röhren zu lauschen, ob er Schritte oder andere Laute vernahm.

Nichts. Die Stollen blieben ruhig.

Doch sein mulmiges Gefühl wollte nicht verschwinden. Es ist nicht abwegig, dass sich andere Geschöpfe nach so langer Zeit ohne Zwerge als Herren der Röhren betrachten. Die herausfordernden Worte Boїndils konnten mehr geweckt haben, als ihnen lieb war.

*

Als die Gruppe ihre Reise fortsetzte, erzählte Tungdil den anderen von dem Geräusch, das er und Goїmgar gehört hatten. Ingrimmsch freute sich auf die bevorstehenden Scherereien und ärgerte sich gleichzeitig darüber, dass sie ihn nicht geweckt hatten, also spielte er den Beleidigten und sprach eine ganze Weile kein Wort mit ihnen.

Die Lore sauste wie der Wind die Trasse entlang, mal schnell, mal langsam, mal bergauf, mal bergab. Der Schwung reichte zweimal nicht aus, um sie bis zur nächsten Gefällestrecke rollen zu lassen, und die fünf Zwerge mussten den Karren wohl oder übel schieben.

Bei der Gelegenheit stimmte Bavragor natürlich ein Lied an, das sie bei ihrer Schufterei antreiben sollte, und als er schließlich ein Liebeslied sang, brachte er Boїndil damit zur Weißglut.

Er provoziert ihn aus voller Absicht. Tungdil hatte zudem den Eindruck, dass sich der starke Einäugige nicht mit seiner gesamten Kraft an der Schinderei beteiligte, um mehr Gewicht für Ingrimmsch zu lassen. Bei einer Rast nahm er den Steinmetzen zur Seite und stellte ihn zur Rede.

»Sicher mache ich das mit Absicht«, gestand er unverhohlen. »Ich werde ihn die ganze Reise über leiden lassen.«

»So geht das nicht«, meinte Tungdil vorwurfsvoll.

Bavragor zuckte gleichgültig mit den Achseln.

»Ist deine Schwester der Grund dafür?«

Er blickte hinüber zu den Zwillingen, wo Boëndal seinem schweißnassen, ermüdeten Bruder den Wasserschlauch reichte. »Ja«, antwortete er gedehnt, während er seinen eigenen Trinkbehälter nahm und entkorkte. Augenblicklich roch es nach scharfem Branntwein. Er nahm einen Schluck und wischte sich einige Tropfen aus dem schwarzen Bart. »Ja«, flüsterte er dann ein weiteres Mal abwesend und senkte den Blick.

»Was geschah zwischen ihr und Boїndil?«, hakte Tungdil behutsam nach.

Bavragor reckte den Kopf. Seine Kiefer mahlten, und eine einzelne Träne sickerte unter der Augenklappe hervor. Sprechen konnte er nicht, stattdessen hob er den Schlauch erneut an die Lippen.

»Willst du dich wegen ihr zu Tode trinken?«

Er setzte ab. »Nein. Ich trinke, damit ich vergesse, wie gut ich einmal gewesen bin«, antwortete er traurig. »Aber es gelingt mir nicht. Meine Werke hängen in jeder Ecke des Zweiten Reichs, schauen auf mich herab und verhöhnen meine untauglich gewordenen Hände.« Er lehnte sich an die Felswand und betrachtete die Halle, in der sie sich befanden. »Weißt du, warum ich auf diese Expedition mitgekommen bin?«, fragte er unvermittelt, und Tungdil schüttelte den Kopf. »Um nicht zurückzukehren«, erklärte er heiser und mit der Ernsthaftigkeit eines Betrunkenen. »Ich ertrage die mitleidigen Blicke der Zwerge nicht länger. Ich möchte als Bavragor Hammerfaust in Erinnerung bleiben, als ungeschlagener Meister des Steins, der die Feuerklinge zum Leben erweckt hat und sein Leben für die Zwergen gab - und nicht als der Säufer Hammerfaust, dem der Meißel in der Hand so zittert, dass er Felsen graviert, ohne es zu wollen.« Er schaute Tungdil an und lächelte schwach. »Ich werde meinen Beitrag leisten, um das Geborgene Land und unser Volk zu schützen, aber ich bleibe im Reich der Fünften.« Zur Bekräftigung trank er einen weiteren Schluck Branntwein und schwieg dann.

Seine Worte machten Tungdil betroffen. Er hatte ihn anders eingeschätzt, als lauten, gelegentlich unflätigen, aber gutmütigen Zwerg, den nichts so leicht aus der Bahn warf. »Nein. Du wirst sicher mit uns zurückkehren«, erwiderte er und fand seine Äußerung nach dem ehrlichen Geständnis armselig. »Wir brauchen deine harten Fäuste gegen die Truppen Nôd’onns!«

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