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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Darauf knieten alle zum Agnus dei nieder. »Agnus dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis«, sang er. »Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser.«

Kivrin lächelte auf Agnes nieder. Sie schlief fest, lag wie ein totes Gewicht an Kivrins Seite und hatte den Mund offen, aber ihre Faust war noch immer um die kleine Glocke geschlossen. Mein Lamm, dachte Kivrin.

Als sie in St. Mary auf dem steinernen Boden gekniet hatte, hatte sie sich die Kerzen und die Kälte vorgestellt, aber nicht Frau Imeyne, die Pater Roche belauerte, daß er einen Fehler mache, nicht Eliwys oder Gawyn oder Rosemund. Und auch nicht Pater Roche mit seinem Halsabschneidergesicht und den abgenutzten, gestopften Strümpfen.

Nicht in hundert Jahren, nicht in siebenhundertvierunddreißig Jahren hätte sie sich Agnes vorgestellt, mit ihrem jungen Hund und ihren Eigenwilligkeiten und ihrem infizierten Knie. Ich bin froh, daß ich gekommen bin, dachte sie. Trotz allem.

Pater Roche machte das Kreuzeszeichen mit dem Kelch und trank daraus. »Dominus vobiscum«, sagte er, und hinter Kivrin entstand eine allgemeine Unruhe. Der Hauptteil der Messe war vorüber, und einzelne Teilnehmer gingen schon jetzt, um dem Gedränge am Ausgang zu entgehen. Anscheinend gab es kein Vorrecht der Grundherrschaft, wenn es um das Verlassen der Kirche ging. Viele warteten nicht einmal, bis sie draußen waren, bevor sie miteinander zu sprechen begannen. Sie konnten kaum die Entlassung hören.

»Ite, missa est«, sagte Pater Roche in die allgemeine Unruhe, und ein vielstimmiger Chor antwortete: »Deo gratias.«

Schon im Aufbruch begriffen, harrten die meisten Gläubigen noch aus, um den Segen zu empfangen. Pater Roche küßte nach stillem Gebet den Altar, erhob die Hände, verneigte sich vor dem Altarkreuz und wandte sich dem Volk zu.

»Benedicat vos omnipotens Deus, Pater, et Filius et Spiritus Sanctus.«

Mit dem »Amen« hob ein allgemeines Drängen zur Kirchentür an, und Frau Imeyne war, das »Amen« auf den Lippen, schon im Mittelgang, bevor der Pfarrer die zum Segen erhobene Hand sinken ließ. Sie sah aus, als ob sie entschlossen wäre, augenblicklich nach Bath und zum Bischof abzureisen.

»Hast du die Talgkerzen am Altar gesehen?« sagte sie zu Yvolde. »Ich befahl ihm, die Bienenwachskerzen zu nehmen, die ich ihm gab.«

Frau Yvolde schüttelte den Kopf und blickte unheilverheißend zu Pater Roche, und die beiden wandten sich zum Gehen, auf den Fuß gefolgt von Rosemund, die anscheinend vermeiden wollte, mit Sir Bloet zum Herrenhaus zurückzugehen. Schon einen Augenblick später verschwanden die drei im Strom der Dorfbewohner, die schwatzend und lachend hinter ihnen aufschlossen. Bis Sir Bloet prustend und schnaufend auf die Füße käme, würden sie schon unterwegs zum Herrenhaus sein.

Kivrin hatte selbst Mühe mit dem Aufstehen. Ein Fuß war ihr eingeschlafen, und Agnes wußte nichts mehr von der Welt. »Agnes«, sagte sie und richtete die Kleine auf. »Du mußt aufwachen. Es ist Zeit zum Heimgehen.«

Sir Bloet hatte sich mit der Unterstützung eines Dieners erhoben, purpurrot vor Anstrengung, und kam herüber, Eliwys den Arm zu bieten. »Eure Tochter ist eingeschlafen«, bemerkte er.

Eliwys blickte zu Agnes. »Ja.« Sie legte die Hand in seinen Arm, und sie schlossen sich den anderen an.

»Euer Gemahl ist nicht gekommen, wie er versprochen hatte.«

»Nein«, hörte Kivrin Eliwys sagen.

Draußen begannen die Glocken in nah und fern wieder zu läuten, ein ungestümes, unregelmäßiges Läuten. Es klang herrlich. »Agnes!« Kivrin schüttelte sie. »Jetzt ist es Zeit, deine Glocke zu läuten.«

Sie regte sich nicht einmal. Kivrin hob das schlafende Kind auf die Schulter. Agnes’ Arme hingen schlaff hinten herunter, und die Glocke bimmelte.

»Die ganze Nacht hast du gewartet, deine Glocke zu läuten«, sagte Kivrin und erhob sich auf ein Knie. »Wach auf, Lamm!«

Sie hielt Ausschau nach jemandem, der ihr aufhelfen würde, aber der vordere Teil des Kirchenschiffes hatte sich fast geleert. Cob machte die Runde und löschte die Öllampen und Kerzenflammen mit den schrundigen Fingern. Gawyn und Sir Bloets Neffen waren am hinteren Ende des Kirchenschiffes und schnallten ihre Schwerter um. Pater Roche war nirgends zu sehen, also mußte er derjenige sein, der mit solcher Begeisterung die Glocke läutete.

Der eingeschlafene Fuß begann zu prickeln. Sie bewegte die Zehen in dem dünnen Schuh und verlagerte das Gewicht auf ihn. Es fühlte sich schrecklich an, aber sie konnte darauf stehen. Sie schob Agnes weiter über die Schulter und versuchte aufzustehen. Dabei trat sie auf ihren Rocksaum und fiel vornüber.

Gawyn kam zu ihr, als sie, mit einer Hand am Boden abgestützt und mit der anderen die schlafende Agnes auf der Schulter haltend, vergebens hochzukommen suchte.

»Fräulein Katherine, meine Herrin Eliwys befahl mir, Euch zu helfen«, sagte er. Er nahm ihr Agnes ab und auf seine Schulter, zog Kivrin in die Höhe und schritt hinaus. Kivrin hinkte eilig neben ihm her.

»Ich danke Euch«, sagte sie, als sie das Gedränge auf dem Kirchhof hinter sich ließen. »Meine Arme fühlten sich an, als wollten sie abfallen.«

»Sie ist ein kräftiges Kind«, sagte er.

Agnes’ Glocke glitt ihr vom Handgelenk und fiel in den Schnee. Kivrin hob sie auf. Der Knoten war so klein, daß er kaum zu sehen war, und die abstehenden Enden des Bandes waren zu dünnen Fäden zerfranst, doch nachdem sie im Gehen eine Weile mit den Fingernägeln daran gezupft und genestelt hatte, ging der Knoten auf, und sie band die Glocke mit einer kleinen Schleife wieder um Agnes’ baumelndes Handgelenk.

»Ich freue mich, einer Dame in Bedrängnis behilflich zu sein«, sagte er, aber sie hörte ihn nicht.

Sie waren ganz allein auf dem Dorfanger. Der Rest der Familie hatte die Einfahrt zum Gutshof fast erreicht. Der Verwalter hielt die Laterne für Imeyne und Yvolde, und Sir Bloets Diener hatten ihre Pechfackeln wieder angezündet. Viele Leute standen noch in Gruppen auf dem Friedhof beisammen, und jemand hatte neben der Straße ein Feuer angezündet. Dort standen ein paar Dorfbewohner beisammen, wärmten sich die Hände und ließen eine hölzerne Schale mit etwas die Runde machen, aber hier, mitten auf dem Dorfanger, waren sie ganz allein. Die Gelegenheit, an die sie schon nicht mehr geglaubt hatte, war gekommen.

»Ich wollte Euch danken, daß Ihr versucht habt, diese Räuber zu finden, und daß Ihr mich im Wald gerettet und hierher gebracht habt«, sagte sie. »Als Ihr mich fandet, wie weit von hier war das? Könntet Ihr mich zu dem Ort hinführen?«

Er blieb stehen und schaute sie an. »Haben sie es Euch nicht gesagt? All Eure Sachen, die gefunden wurden, brachte ich zum Gutshof. Die Räuber nahmen alles mit, was in den Kisten und Körben war, und obwohl ich ihnen nachritt, fand ich leider nichts.« Er setzte sich wieder in Bewegung.

»Ich weiß, daß Ihr meine Kisten und den Wagen hierher brachtet. Ich danke Euch dafür. Aber das war nicht der Grund, warum ich die Stelle sehen wollte, wo Ihr mich fandet«, sagte Kivrin. Sie sprach schnell, in Sorge, sie würden die anderen einholen, bevor sie ihr Anliegen vorgebracht hätte.

Frau Imeyne war stehengeblieben und blickte zu ihnen zurück. Sie mußte die Sache regeln, bevor Imeyne den Verwalter zurückschickte, um zu sehen, was sie aufhielt.

»Ich verlor mein Gedächtnis, als ich bei dem Überfall verletzt wurde«, sagte sie. »Ich dachte, ich könnte die Erinnerung wiederfinden, wenn ich den Ort sehen würde, wo Ihr mich fandet.«

Er war wieder stehengeblieben und blickte hinüber zur Straße oberhalb der Kirche. Dort näherten sich rasch die schwankenden Lichter von Pechfackeln.

»Ihr seid der einzige, der weiß, wo die Stelle ist«, sagte Kivrin, »sonst würde ich Euch nicht bemühen, aber wenn Ihr mir nur sagen könntet, wo es ist, würde ich…«

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