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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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»Ja?«

»Danke, dass du mit mir gekommen bist.«

Sie hielt den Atem an, dann breitete sich tiefe Freude in ihr aus. Er schwieg einen Moment und holte dann geräuschvoll Luft.

»Ich bedaure, dass ich dich von Rothen getrennt habe. Ich weiß, dass er für dich eher ein Vater als ein Lehrer war.«

Sonea betrachtete sein in der Dunkelheit verborgenes Gesicht und suchte nach seinen Augen.

»Es war notwendig«, fügte er sanft hinzu.

»Ich weiß«, flüsterte sie. »Ich verstehe.«

»Aber damals hast du es nicht verstanden«, sagte er trocken. »Du hast mich gehasst.«

Sie kicherte. »Das ist wahr. Aber ich hasse Euch nicht mehr.«

Nach kurzem Schweigen erhob er sich, ging zu dem Felsüberhang und legte sich auf das Bett aus Gras. Lange Zeit saß Sonea in der Dunkelheit. Schließlich wurde der Himmel langsam heller, und die Sterne verblassten und verschwanden. Sie hatte keine Mühe, gegen die Müdigkeit anzukämpfen, und sie wusste, dass nicht allein ihre heilende Energie dafür verantwortlich war. Akkarins plötzlicher Dank und seine Entschuldigung hatten in ihr Hoffnungen und Wünsche wachgerufen, die sie seit Tagen auszulöschen versuchte.

Kleine Närrin, schalt sie sich. Er will einfach nur nett sein. Nur weil er endlich deine Hilfe angenommen hat und bedauert, was er dir angetan hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er in dir mehr sieht als eine nützliche, wenn auch unerwünschte Gefährtin. Ansonsten interessiert er sich nicht für dich, also hör auf, dich zu quälen.

Aber wie sehr sie auch dagegen ankämpfte, wann immer er sie berührte oder auch nur ansah, durchlief sie ein seltsames Kribbeln. Und die Tatsache, dass sie ihn immer wieder dabei ertappte, dass er sie beobachtete, machte die Sache auch nicht besser.

Sie schlang die Arme um die Knie und trommelte mit den Fingern auf die Waden. Als sie noch in den Hüttenvierteln gelebt hatte, hatte sie geglaubt, alles zu wissen, was sie über Männer und Frauen wissen musste. Später hatten ihr die Lektionen in Heilkunst gezeigt, wie wenig sie wirklich begriffen hatte. Jetzt stellte sie fest, dass nicht einmal die Heiler ihr irgendetwas Nützliches beigebracht hatten.

Aber vielleicht hatten sie ihr deshalb nicht erzählt, wie man solche Gefühle ausschalten konnte, weil das nicht möglich war. Vielleicht …

Ein leises Geräusch – eine Art Knurren – hallte durch das Tal. Sonea erstarrte, ihr Geist wurde plötzlich vollkommen still, und sie starrte in die Düsternis hinaus. Das Geräusch erklang abermals, von hinten, und mit einer fließenden Bewegung stand sie auf und wirbelte herum. Als ihr klar wurde, dass das Geräusch von irgendwo in Akkarins Nähe kam, stieg jähe Furcht in ihr auf. War da irgendein nächtliches Geschöpf, das um ihn herumschlich? Sie lief zu ihm hinüber.

Am Felsüberhang angekommen, spähte sie in die Düsternis, konnte jedoch kein Tier entdecken, das sich zum Angriff bereitmachte. Akkarins Kopf rollte hin und her. Als Sonea näher kam, stöhnte er.

Sie blieb stehen und betrachtete ihn. Er hatte wieder einen Albtraum. Erleichterung und Sorge stiegen in ihr auf. Sie überlegte, ob sie ihn wecken sollte, aber wenn sie das tat, hatte seine Miene stets klar gemacht, dass es ihm nicht gefiel, wenn sie ihn in diesen Augenblicken der Schwäche sah.

Was das betrifft, dachte sie, mir gefällt es auch nicht.

Er stöhnte abermals. Sonea zuckte zusammen, als das Geräusch ein lautes Echo im Tal fand. Geräusche trugen weit in den Bergen, und Sonea mochte sich nicht vorstellen, wer da vielleicht lauschte. Es spielte keine Rolle, ob er es mochte oder nicht, sie musste ihn aufwecken, bevor er unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich lenkte.

»Akkarin«, wisperte sie heiser. Er wurde wieder ruhig, und sie dachte, sie hätte ihn geweckt, aber dann war er plötzlich von Kopf bis Fuß angespannt.

»Nein!«

Erschrocken kam Sonea näher. Seine Augäpfel bewegten sich wild unter den Lidern. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Sie streckte die Hand nach ihm aus, weil sie ihn wachrütteln wollte.

Das leichte Brennen eines Schilds traf auf ihren Finger. Sie sah, wie Akkarin die Augen aufriss, dann spürte sie einen Kraftschlag, der sie hoch in die Luft schleuderte. Sie stieß mit dem Rücken gegen etwas Hartes und fiel wieder zu Boden. Schmerz schoss durch ihre Arme und Beine.

»Sonea!«

Im nächsten Moment wurde sie auf den Rücken gedreht. Akkarin blickte auf sie hinab.

»Bist du verletzt?«

Sie untersuchte sich schnell. »Nein, ich denke, es sind nur ein paar Prellungen.«

»Warum hast du mich geweckt?«

Sie betrachtete seine Hände. Selbst im schwachen Licht der Dämmerung konnte sie sehen, dass sie zitterten. »Ihr habt geträumt. Ein Albtraum…«

»Ich bin an diese Träume gewöhnt, Sonea«, sagte er leise, und seine Stimme klang beherrscht und ruhig. »Es gibt keinen Grund, mich zu wecken.«

»Ihr habt eine Menge Lärm gemacht.«

Er stutzte kurz, dann richtete er sich auf.

»Schlaf jetzt, Sonea«, murmelte er. »Ich werde Wache halten.«

»Nein«, entgegnete sie gereizt. »Ihr habt kaum geschlafen – und ich weiß, dass Ihr mich nicht wecken werdet, wenn ich an der Reihe bin, Wache zu halten.«

»Ich werde dich wecken. Ich gebe dir mein Wort darauf.«

Er beugte sich vor und hielt ihr die Hand hin. Sie ergriff sie und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen. Ein strahlendes Licht blendete sie; die aufgehende Sonne stieg soeben über die Felswand und sandte ihre Strahlen bis in den Grund des Tals.

Akkarin stand plötzlich vollkommen reglos da. Sonea spürte, dass irgendetwas seine Aufmerksamkeit erregt hatte, und sie betrachtete ihn mit zusammengekniffenen Augen, aber er war nur ein dunkler Schemen vor dem hellen Licht. Instinktiv suchte sie stattdessen mit ihrem Geist nach ihm. Sofort flammte ein Bild auf.

Ein Gesicht, das von im Morgenlicht leuchtendem Haar umrahmt war.

Diese dunklen Augen… und die helle, makellose Haut…

Es war ihr eigenes Gesicht, aber es war ganz anders als die Bilder, die sie in einem Spiegel gesehen hatte. In ihren Augen lag ein rätselhafter Glanz, ihr Haar umspielte ihren Kopf, als bewege es sich in einer leichten Brise, und ihre Lippen waren gewiss nicht so einladend geschwungen…

Er entriss ihr seine Hand und machte einen Schritt zurück.

So sieht er mich also, dachte sie plötzlich. An dem Verlangen, das sie wahrgenommen hatte, gab es keinen Zweifel. Ihr Herz begann zu rasen. All diese Zeit habe ich mich dagegen aufgelehnt, weil ich dachte, ich sei allein mit meinen Gefühlen, dachte sie. Und er hat das Gleiche getan.

Sie machte einen Schritt auf ihn zu, dann noch einen. Er beobachtete sie eindringlich. Sie streckte ihren Willen nach ihm aus, um ihn in ihre eigenen Gedanken blicken zu lassen, um ihn wissen zu lassen, dass sie ihm gehörte. Als sie unmittelbar vor ihm stand, weiteten sich seine Augen vor Überraschung. Seine Hände glitten über ihre Arme, und als sie sich auf die Zehenspitzen stellte und ihn küsste, verstärkte sich sein Griff.

Plötzlich stand er sehr reglos da. Sonea, die sich an ihn lehnte, konnte das schnelle Schlagen seines Herzens hören. Er schloss die Augen und löste sich von ihr.

»Hör auf. Hör sofort auf«, flüsterte er. Dann öffnete er die Augen wieder und sah sie durchdringend an.

Trotz seiner Worte hielt er ihre Arme noch immer fest, als widerstrebe es ihm, sie loszulassen. Sonea blickte ihm forschend ins Gesicht. Hatte sie sich geirrt, was seine Gefühle betraf? Nein, sie wusste genau, was sie bei ihm gespürt hatte.

»Warum?«

Er runzelte die Stirn. »Es ist falsch.«

»Falsch?«, hörte sie sich fragen. »Inwiefern? Wir beide empfinden… empfinden…«

»Ja«, sagte er leise. Er wandte den Blick ab. »Aber es gibt noch andere Dinge zu bedenken.«

»Was zum Beispiel?«

Akkarin ließ ihre Arme los und machte einen Schritt zurück. »Es wäre nicht anständig – dir gegenüber.«

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