Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Keuchend und schwitzend, mit zerbröseltem Laub bestreut und in zerrissenen Strümpfen rollte ich mich unter einer großen Hainbuche zusammen und vergrub mich wieder unter der Decke. So versteckt, unternahm ich den Versuch, die Knoten meiner Handfesseln mit den Zähnen zu lösen. Doch Hodgepile hatte sie gebunden und es mit militärischer Gründlichkeit getan. Wenn ich die Seile nicht wie ein Nagetier durchkaute, hatte ich keine Chance.
Militär. Es war dieser Gedanke, der mich schlagartig darauf brachte, wer er war und wo ich ihn schon einmal gesehen hatte. Arvin Hodgepile! Er war Schreiber im königlichen Lagerhaus von Cross Creek gewesen. Ich war ihm vor zwei Jahren kurz begegnet, als Jamie und ich die Leiche eines ermordeten Mädchens zum Sergeanten der dortigen Garnison brachten.
Sergeant Murchison war tot – und ich hatte gedacht, dass Hodgepile es auch war, umgekommen in der Feuersbrunst, die das Lagerhaus und seinen Inhalt zerstört hatte. Ein Deserteur also. Entweder hatte er genug Zeit gehabt, aus dem Lagerhaus zu fliehen, bevor es in Flammen aufging, oder er war gar nicht dort gewesen. Jedenfalls war er so schlau gewesen zu begreifen, dass er diese Gelegenheit nutzen konnte, um sich aus der Armee Seiner Majestät abzusetzen. Schließlich ging alle Welt davon aus, dass er tot war.
Was er seitdem getan hatte, war ebenfalls klar. Er war durch das Land gezogen, um zu stehlen, zu rauben und zu morden – und unterwegs eine Schar gleichgesinnter Gefährten um sich zu sammeln.
Nicht, dass sie sich im Moment einig zu sein schienen. Hodgepile mochte zwar der selbst erklärte Anführer der Bande sein, doch es war deutlich zu sehen, dass er diesen Posten noch nicht lange innehatte. Er war es nicht gewohnt, Befehle zu erteilen; wusste nicht, wie man Männer führte, außer mit Drohungen. Ich hatte in meinem Leben schon viele militärische Befehlshaber gesehen, gute und schlechte, und ich kannte den Unterschied.
Selbst jetzt konnte ich Hodgepile noch in der Ferne hören, wo er die Stimme im Streit erhoben hatte. Ich hatte seine Sorte schon öfter erlebt, brutale Kerle, die die Menschen in ihrer Umgebung durch unvorhersehbare Gewaltausbrüche vorübergehend einschüchtern konnten. Sie hielten selten lange durch – und ich bezweifelte, dass Hodgepile seinen Posten noch sehr viel länger innehaben würde.
Jedenfalls nicht länger, als Jamie brauchte, um uns zu finden. Dieser Gedanke beruhigte mich wie ein Schluck guten Whiskys. Inzwischen suchte Jamie mit Sicherheit nach mir.
Ich kuschelte mich dichter unter meine Decke, und ein Schauer überlief mich. Jamie würde Licht brauchen, um bei Nacht einer Spur zu folgen – Fackeln. Das würde ihn und seine Begleiter sichtbar – und verwundbar – machen, wenn sie in Sichtweite des Lagers kamen. Das Lager selbst würde nicht zu sehen sein; es brannte kein Feuer, und die Pferde und Männer waren im Wald verstreut. Ich wusste, dass Wachen aufgestellt worden waren; ich konnte sie dann und wann durch den Wald gehen oder leise reden hören.
Doch Jamie war kein Dummkopf, sagte ich mir und versuchte, die Visionen von Hinterhalten und Massakern zu vertreiben. Er würde es an der Frische des Pferdedungs erkennen, wenn er sich uns näherte, und er würde ganz bestimmt nicht mit flammenden Fackeln direkt zum Lager marschieren. Wenn er unsere Spur bis hierher verfolgt hatte, würde er –
Das Geräusch leiser Schritte ließ mich erstarren. Sie kamen aus der Richtung meines ursprünglichen Schlafplatzes, und ich kauerte unter meiner Decke wie eine Feldmaus, die ein Wiesel erspäht.
Die Schritte schlurften langsam hin und her, als stocherte jemand auf der Suche nach mir in den trockenen Blättern und Tannennadeln umher. Ich hielt die Luft an, obwohl das mit Sicherheit niemand hören konnte, da der Nachtwind hoch oben in den Ästen seufzte.
Ich spähte angestrengt in die Dunkelheit, konnte aber nichts weiter ausmachen als einen schwachen, verschwommenen Fleck, der sich etwa zehn Meter weiter zwischen den Bäumen bewegte. Mir kam ein plötzlicher Gedanke – konnte das Jamie sein? Wenn er uns so nahe gekommen war, dass er das Lager lokalisierte, würde er sich wahrscheinlich zu Fuß hineinstehlen, um nach mir zu suchen.
Bei diesem Gedanken holte ich Luft und zerrte an meinen Fesseln. Ich hätte für mein Leben gern gerufen, wagte es aber nicht. Wenn es Jamie war, würde mein Ausruf den Banditen seine Gegenwart verraten. Wenn ich die Wachen hören konnte, konnten sie mich mit Sicherheit ebenfalls hören.
Doch wenn es nicht Jamie war, sondern einer der Banditen, der mich im Stillen umbringen wollte …
Ich atmete ganz langsam aus, und jeder Muskel in meinem Körper zitterte vor Anspannung. Eigentlich war es kühl, doch ich war in Schweiß gebadet; ich konnte meinen eigenen Körper riechen, Angstgeruch, der sich unter die kühleren Gerüche von Erde und Vegetation mischte.
Der Fleck war verschwunden, die Schritte verstummt, und mein Herz hämmerte wie eine Pauke. Die Tränen, die ich stundenlang unterdrückt hatte, quollen hervor, liefen heiß über mein Gesicht, und ich weinte lautlos zitternd.
Die Nacht ringsum war immens, die Dunkelheit voller Bedrohungen. Über mir hingen die Sterne leuchtend und wachsam am Himmel, und irgendwann schlief ich ein.
Kapitel 28
Verwünschungen
Ich erwachte kurz vor der Dämmerung in Schweiß gebadet und mit dröhnenden Kopfschmerzen. Die Männer waren schon auf den Beinen und beschwerten sich murrend darüber, dass es weder Kaffee noch Frühstück gab.
Hodgepile blieb neben mir stehen und funkelte mit zusammengekniffenen Augen zu mir herunter. Er blickte nach links zu dem Baum, unter dem er mich am Abend zuvor zurückgelassen hatte, und auf die tiefe Furche im Laub, die ich bei meiner Kriechtour zu meinem gegenwärtigen Platz hinterlassen hatte. Seine Lippen waren so schmal, dass man sie kaum sah, doch sein Kinn verkrampfte sich vor Ärger.
Er zog das Messer aus seinem Gürtel, und ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Doch er kniete sich nur hin und durchtrennte meine Fesseln, anstatt mir zum Ausdruck seiner Gefühle einen Finger abzuschneiden.
»Wir brechen in fünf Minuten auf«, sagte er und stampfte davon. Ich zitterte, mir war übel vor Angst, und ich war so steif, dass ich kaum stehen konnte. Doch ich schaffte es aufzustehen und stolperte das kurze Stück bis zu einem kleinen Bach.
Die Luft war feucht, und ich fror in meinem schweißdurchtränkten Hemd, doch das kalte Wasser, das ich mir auf Hände und Gesicht spritzte, schien mir gutzutun und das Dröhnen hinter meinem rechten Auge zu lindern. Ich hatte gerade genug Zeit für eine hastige Morgentoilette, zog mir die zerfetzten Strümpfe aus und fuhr mir mit feuchten Fingern durch das Haar, bevor Hodgepile wieder auftauchte, um mich vor sich herzuschubsen.
Diesmal wurde ich auf ein Pferd gesetzt, aber Gott sei Dank nicht gefesselt. Die Zügel durfte ich allerdings nicht festhalten; mein Pferd hatte einen Führstrick, den einer der Banditen festhielt.
Es war meine erste Gelegenheit, mir meine Entführer genauer anzusehen, als sie jetzt aus dem Wald kamen und sich zurechtschüttelten. Sie husteten, spuckten und urinierten gegen die Bäume, ohne Rücksicht auf meine Anwesenheit zu nehmen. Außer Hodgepile zählte ich noch zwölf weitere Männer – eine richtige Wilde Dreizehn.
Der Mann namens Tebbe war leicht auszumachen; abgesehen von seiner Größe, war er Mulatte. Es gab noch einen weiteren gemischtrassigen Mann – schwarz und indianisch, dachte ich –, doch er war klein und kräftig. Tebbe blickte nicht in meine Richtung, sondern erledigte mit gesenktem Kopf und finsterer Miene seine Aufgaben.
Das war eine Enttäuschung; ich hatte keine Ahnung, was im Lauf der Nacht zwischen den Männern vorgefallen war, doch offenbar war Tebbes Forderung, mich freizulassen, jetzt ihres Nachdrucks beraubt. Er hatte ein rostfleckiges Taschentuch um sein Handgelenk gebunden; möglicherweise hatte das ja etwas damit zu tun.