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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Im Jahr 1791 kehrte Bonparte für ein Semester zu seiner Familie zurück, um dort die Ereignisse abzuwarten. Im Jahr 1791 schiffte Chateaubriand sich in Saint-Malo ein, um den Seeweg nach Indien im Nordwesten Amerikas zu entdecken: Folgen wir dem Dichter.  

Chateaubriand verlässt Saint-Malo am 6. Mai um sechs Uhr morgens. Er geht auf den Azoren an Land, wie er es später seine Figur Chactas tun lassen wird, dann treiben die Winde ihn an das Ufer Neufundlands, er quert die Meerenge und landet an der Insel Saint Pierre, auf der er zwei Wochen verbringt; verloren in den Nebeln, die sie unaufhörlich bedecken, unter Wolken und Windstößen, begleitet vom Tosen eines unsichtbaren Meeres, irrt er auf einer dürren, abgestorbenen Heide umher, am Rand eines rötlichen Gießbachs zwischen den Felsen.

Nach den zwei Wochen Aufenthalt verlässt der Reisende Saint Pierre und erreicht die Breiten der Küste von Maryland, wo ihn Windstille aufhält; doch was schert das den Dichter? Die Nächte sind prachtvoll, die Sonnenaufgänge herrlich, die Sonnenuntergänge zauberhaft; vom Oberdeck des Schiffs folgt er mit dem Blick der Sonnenscheibe, die, im Begriff, sich in die Wogen zu tauchen, durch das Tauwerk des Schiffes scheint, in den schrankenlosen Räumen des Ozeans.

Eines Tages schließlich erblickte man oberhalb der Wogen einige Baumwipfel, die man für das Grün etwas dunklerer Wellen hätte halten können, wären sie nicht unbewegt gewesen. Das war Amerika!

Ein großer Gegenstand für die Gedanken des zweiundzwanzigjährigen Dichters – diese Welt mit ihren wilden Schicksalen und mit ihrer ungewissen Zukunft, von Seneca erahnt, von Kolumbus entdeckt, von Vespucci getauft, die ihres Historikers aber noch harrt.

Es war die rechte Stunde, um Amerika zu besuchen! Ein Amerika, das über den Ozean hinweg Frankreich die Revolution zurücksandte, die es vollbracht hatte, die Freiheit, die es sich mithilfe französischer Schwerter erobert hatte.

Wie merkwürdig, die Erbauung einer blühenden Stadt dort mitzuerleben, wo hundert Jahre zuvor William Penn einigen nomadischen Indianern ein Stück Land abgekauft hatte! Und was für ein letzten Endes erhebender Anblick, eine Nation aus einem Schlachtfeld wachsen zu sehen, als hätte ein neuer Kadmos in die Furchen der Gewehr- oder Kanonenkugeln seine Drachenzähne gesät, denen Menschen entsprangen.

Chateaubriand machte in Philadelphia halt; er wollte nicht die Stadt besichtigen, sondern Washington besuchen. Washington zeigt ihm einen Schlüssel der Bastille, den ihm die Sieger aus Paris geschickt haben. Chateaubriand konnte ihm seinerseits noch nichts zeigen; nach seiner Rückkehr hätte er ihm den Geist des Christentums zeigen können.

Sein Leben lang sollte der Dichter sich an diesen Besuch bei dem amerikanischen Staatenlenker erinnern. Am Abend des ersten Tages hatte Washington ihn zweifellos bereits vergessen. Washington befand sich auf dem Gipfel seines Ruhmes, er war der Präsident des Volkes, dem er als General und als Begründer einer Nation gedient hatte. Chateaubriand war ein Niemand, jung und unbekannt, und der Glanz seines späteren Ruhms hatte noch keine ersten Strahlen ausgesandt. Washington starb, ohne denjenigen erkannt zu haben, der später von ihm und von Napoleon sagen sollte: »Diejenigen, welche wie ich den Eroberer Europas und den Gesetzgeber Amerikas gesehen haben, wenden heute ihre Blicke von der Schaubühne der Welt hinweg, denn ein paar Possenreißer, die lachen oder weinen machen, sind nicht der Mühe wert, gesehen zu werden.«

Washington war die einzige Sehenswürdigkeit in den Städten Amerikas, nach der es Chateaubriand verlangte. Zudem hatte unser Reisender keineswegs den Atlantik überquert und die Neue Welt betreten, um Menschen zu sehen, die allerorten mehr oder weniger die gleichen sind. Es war ihm darum zu tun gewesen, in der Tiefe der Urwälder, am Ufer der Seen, die so groß waren wie Meere, und inmitten der Prärien, die so unendlich waren wie Wüsten, die Stimme zu suchen, die in der Einsamkeit zu uns spricht.

Hören wir, was der Reisende uns von seinen Eindrücken erzählt. Vergessen wir nicht, dass dieses Land, das Cooper so unnachahmlich geschildert und poetisch gemalt hat, damals fast gänzlich unbekannt war. Gabriel Ferry, der sich auf Coopers Spuren verirrte, hatte weder Der Waldläufer noch Der Indianer veröffentlicht, und Gustave Aimard hatte noch nicht den Legendenschatz, den er ins Leben rief, aus den Tiefen der amerikanischen Wälder heraufbeschworen: Nein, alles war noch jungfräulich im Wald und auf der Prärie, so jungfräulich wie Wald und Prärie selbst, und derjenige, der als Erster deren Schleier heben sollte, fand sie so keusch und rein vor wie am ersten Tag der Schöpfung.  

»Als ich den Mohawk überquert hatte, gelangte ich in Wälder, die noch nie eine Axt berührt hatte. Eine Art Unabhängigkeitstaumel ergriff mich. Ich ging von rechts nach links und von Baum zu Baum und sagte mir immer wieder: ›Hier gibt es keine Wege mehr, keine Städte, keine Monarchie und keine Republik, weder Präsidenten noch Könige, noch überhaupt Menschen.‹ Und um zu erproben, ob ich wirklich wieder in meine angestammten Rechte eingesetzt sei, überließ ich mich einer völligen Willkür, was meinen Führer, der mich ohnehin insgeheim für verrückt hielt, in Zorn versetzte.«

Und bald sagte der Reisende der Zivilisation Adieu: kein Dach über dem Kopf mehr als eine Ajupa, kein Bett mehr als den Erdboden, kein Kopfkissen mehr als den Sattel, keine Decke mehr als die Mäntel, keinen Betthimmel mehr als den Himmel selbst.

Die Pferde liefen frei umher, mit einem Glöckchen am Hals, und ein bewundernswerter Selbsterhaltungstrieb machte, dass sie nie das von ihren Herren entzündete Feuer aus dem Auge verloren, das die Insekten vertrieb und die Schlangen fernhielt.

Und dann beginnt eine Reise im Geiste Sternes: Doch statt die Zivilisation zu beackern, durchpflügt unser Reisender die Einsamkeit. Ab und zu bietet sich ein Indianerdorf unversehens seinem Blick dar, oder ein Nomadenstamm kommt ihm vor die Augen. Dann macht der Mann der Zivilisation dem Mann der Einöde eines jener Zeichen universeller Brüderlichkeit, die auf der ganzen Erdoberfläche verstanden werden, und seine künftigen Gastgeber stimmen den Gesang an, mit dem sie Fremde willkommen heißen: »Seht den Fremden, seht den Gesandten des großen Geistes!«

Nach Beendigung des Gesangs trat ein Kind auf den Fremden zu, nahm ihn an der Hand und führte ihn zu einer Hütte, an deren Schwelle es sagte: »Siehe den Fremden«, worauf der Herr der Hütte antwortete: »Kind, führe den Mann in meine Hütte!« Der Fremde trat an der Hand des Kindes ein und setzte sich, wie bei den Griechen, an das Feuer. Man reichte ihm die Friedenspfeife, er rauchte dreimal, und die Weiber sangen den Gesang des Trostes: »Der Fremde hat wieder eine Mutter und ein Weib gefunden: Die Sonne wird wieder für ihn auf- und untergehen wie ehedem.« Man füllte eine geheiligte Schale mit Ahornsaft; der Fremde trank die Hälfte, bot dann die Schale seinem Wirt, und dieser trank sie vollends aus.

Wollen Sie statt dieser pittoresken Bilder aus dem Leben der Wilden lieber Nacht, Schweigen, Besinnlichkeit, Melancholie?

Der Reisende malt all dies; sehen Sie nur:

»Von meinen Gedanken erhitzt, erhob ich mich und setzte mich in einiger Entfernung auf eine Baumwurzel, die über einen Bach ragte. Es war eine jener amerikanischen Nächte, die kein von Menschenhand geführter Pinsel jemals wiedergeben kann und deren Erinnerung mir immer köstlich war.

Der Mond hatte seinen höchsten Stand am Himmel erreicht; hie und da sah man in großen Abständen Tausende Sterne funkeln. Bald ruhte der Mond auf zusammengeballten Wolken wie auf schneegekrönten Berggipfeln, bald zerstreuten sich die Wolken und zerflossen zu durchsichtigen, wogenden, weißseidenen Schleiern oder verwandelten sich in leichte Schaumflöckchen, unendlich viele Schäfchen, die sich in den blauen Weiten des Firmaments verloren. Ein andermal war das Himmelsgewölbe wie in einen Meeresstrand verwandelt, dessen horizontale Schichten deutlich sichtbar waren, parallel verlaufende Streifen, wie sie Ebbe und Flut in den Sand graben; dann zerriss ein Windstoß den Wolkenschleier, und am ganzen Himmel ballten sich dichte Massen strahlend weißer Watte, so bauschig, dass man ihre Weichheit und Geschmeidigkeit fast zu spüren vermeinte. Der Anblick der irdischen Landschaft war kaum weniger bezaubernd; das blaue, samtige Mondlicht hing still über den Baumwipfeln, drang zwischen die Bäume und sandte Lichtgarben bis in die tiefste Finsternis. Der schmale Bach zu meinen Füßen verschwand immer wieder in Dickichten aus Eichen, Weiden und Magnolien, um auf der nächsten Lichtung wieder zum Vorschein zu kommen, und im Schimmer der nächtlichen Sternbilder glich er einem Band aus Moiré und Lapislazuli, mit Diamantensplittern übersät und schräg mit schwarzen Bändern besetzt. Jenseits des Flusses ruhte das Mondlicht reglos über dem Gras einer weiten Prärie wie eine straff gespannte Leinwand. Vereinzelte Birken auf der Savanne verschmolzen mit dem Boden, wenn der Wind blasse Sandschleier um sie wob, oder hoben sich von dem kreidigen Hintergrund ab, indem sie sich in Dunkelheit hüllten wie Inseln schwebender Schatten in einem unbeweglichen Meer des Lichts. In der Nähe war nichts zu hören als das Fallen einzelner Blätter, ein plötzlicher Windstoß, der seltene und unregelmäßige Ruf des Waldkauzes; in der Ferne jedoch war von Zeit zu Zeit das dumpfe Rauschen des Niagarafalls zu vernehmen, das in der nächtlichen Stille von Einöde zu Einöde getragen wurde, bis es sich in den Weiten der Wälder verlor.

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