Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Wieso das?«
»Gewiss doch: Sie hätten mich von Ledigen festnehmen lassen müssen.«
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Der Herzog von Enghien (2)
Wir erwähnten Fouchés Interesse am Tod des Herzogs von Enghien, um auf diese Weise Bonaparte für alle Zeiten mit dem Hause Bourbon und darüber hinaus mit allen Königshäusern Europas zu verfeinden.
Und nun bestätigten Georges, Moreau und Pichegru in ihren Verhören mehr oder weniger, was Fouché sich zusammengereimt hatte, indem sie einer nach dem anderen bestätigten, was zuvor nur Gerücht gewesen war: Ein Prinz aus dem Hause Bourbon werde nach Paris kommen und sich an die Spitze der Verschwörung setzen.
Wir erinnern uns, dass Bonaparte befürchtete, sich von Fouchés Hass auf eine falsche Fährte führen zu lassen, und deshalb einen Gendarmen beauftragt hatte, die Sachverhalte zu überprüfen, die der interimistische Polizeiminister, der ohne Portefeuille dennoch der eigentliche Minister war, vorgebracht hatte. Oberrichter Régnier und Staatsrat Réal waren dabei seine passiven und ahnungslosen Werkzeuge.
Der Gendarm brach auf.
Sobald die unsichtbare und unbekannte Macht festgesetzt hat, dass ein glückliches oder schicksalträchtiges Ereignis zu geschehen hat, kommt alles diesem Willen zu Hilfe, der die Menschen im Verfolgen seiner Ziele nach Belieben dirigiert. Kennzeichnend für die großen Ereignisse der modernen Zeit ist die schier ausnahmslose Machtlosigkeit des Individuums. Selbst Männer im Ruf größter Stärke oder Gewandtheit hatten die Geschicke nicht in ihrer Hand, sondern wurden von den Ereignissen mitgerissen. Mächtig waren sie, solange sie der Bewegung dienten, machtlos, sobald sie sich ihr entgegenstellen wollten; und das macht Bonapartes wahren Glücksstern aus, denn das Geschick wahrte ihm die Treue, solange er die Interessen des Volkes vertrat, und kündigte sie ihm auf, als er den aberwitzigen Kometen von 1811 für seinen Stern nahm. Indem er sich den römischen Cäsaren gleichsetzte, wollte er die Sache der Revolution der Sache der alten Monarchien gleichsetzen – ein unmögliches Unterfangen. Der Philosoph kann mit demütigem Staunen die Kraft beobachten, die über den Gesellschaften schwebt und aus sich selbst heraus wirkt: Denn weder in überragendem Geist noch im Adel darf man suchen, was es zum Regieren braucht. Die Ergebnisse darf man sich zunutze machen, doch Verdienst daran darf man sich keines anmaßen.
Der Zufall nun wollte, dass besagter Gendarm, der unter anderen Umständen nur als Echo fungiert hätte, seine eigene Meinung besaß. Er hatte Paris in der Überzeugung verlassen, der Herzog von Enghien sei der Prinz, den Georges erwartete; er hielt sich selbst für denjenigen, der dazu ausersehen war, dieses große Komplott aufzuklären, und von Stund an sah er die Dinge nur noch durch die Brille seiner Ansichten.
Zuerst schrieb er nach Paris, es bestehe kein Zweifel daran, dass der Herzog von Enghien in Ettenheim Tag und Nacht Intrigen spinne und dass seine Abwesenheiten von sieben oder acht Tagen nur vorgeblich der Jagd dienten, in Wahrheit aber der Konspiration.
Diese Abwesenheiten, die der Herzog selbst stets leugnete, wurden allerorten kommentiert, denn aus England schrieb ihm sein Vater, der Prinz von Condé: »Man versichert uns hier, mein lieber Sohn, Sie seien vor sechs Monaten nach Paris gereist, während andere behaupten, Sie seien nur in Straßburg gewesen; Sie werden mir zustimmen, dass Sie Ihr Leben und Ihre Freiheit auf diese Weise unnötig aufs Spiel gesetzt haben, denn was Ihre Grundsätze betrifft, mache ich mir nicht die geringsten Sorgen, da ich sie in Ihrem Herzen so fest verankert weiß wie in dem meinen.«
Worauf der Herzog erwiderte: »Zweifellos, lieber Papa, muss man mich schlecht kennen, wenn man behaupten oder Ihnen einreden wollte, ich könnte einen Fuß auf republikanischen Boden setzen, ohne den Rang oder den Platz einzunehmen, den der Zufall mir von Geburt an bestimmt hat. Ich bin zu stolz, um den Kopf zu beugen. Dem Ersten Konsul mag es gelingen, mich zu vernichten, doch er wird mich nicht dazu bringen, mich selbst zu erniedrigen.«
Schwerwiegender jedoch als alldas war einer jener entsetzlichen Zufälle des Schicksals, der darin bestand, dass der Gendarm sich nach den Namen derer erkundigte, die für gewöhnlich mit dem Herzog verkehrten, und man ihm erwiderte, am häufigsten sehe er zwei Kommissare der englischen Regierung, Sir Francis Drake und Sir Spencer Smith, deren einer in Stuttgart und der andere in München residierte und die trotz der Entfernung häufig nach Ettenheim fuhren; hinzu kämen ein Oberst Schmidt und ein General Thuméry. Aus einem deutschen Mund klang der Name Thuméry wie Dümmerie; von Dümmerie bis zu Dumouriez war es nicht mehr weit, und diesen Schritt ging unser Gendarm sofort. In seiner Depesche trat der Name des Generals Dumouriez an die Stelle des Namens Thuméry und verlieh der Anwesenheit des Herzogs am Rheinufer eine Bedeutung von größter Tragweite. Mit einem Mal war Frankreich Gegenstand einer Verschwörung von allen Seiten: Moreau in Paris bildete ihren Mittelpunkt, Georges und Pichegru verkörperten sie im Westen, Dumouriez war ihr Vertreter im Osten, und Frankreich musste sich nach Leibeskräften wehren, um das Netz des Bürgerkriegs zu zerreißen.
Ein weiterer Umstand kam hinzu. Wie es sich heute verhält, weiß ich nicht, doch damals führten Gendarmerieoffiziere keinen Auftrag aus, wer ihn auch angeordnet haben mochte, ohne eine Zweitschrift ihres Berichts an ihren Vorgesetzten zu senden, und deshalb wurden sie auch nie mit Aufträgen betraut, die höchste Geheimhaltung erforderten.
Die zwei Berichte kamen mit derselben Post: Einer war an General Moncey adressiert, der andere an Monsieur Réal. Monsieur Réal kam zu festgesetzter Stunde, um mit Bonaparte zu arbeiten, General Moncey kam jeden Morgen auf Befehl, und an diesem Morgen hatte er den Bericht seines Gendarmen in der Tasche und las ihn Bonaparte vor. Die Wirkung des Berichts auf Bonaparte war erschreckend: Er sah einen bewaffneten Bourbonen am Stadtrand von Straßburg vor sich, der nur auf die Nachricht von der Ermordung des Ersten Konsuls wartete, um Frankreich zu betreten, und diesen einzigen Prinzen, der den Mut gehabt hatte, das Schwert zu erheben, um für den Thron zu kämpfen, umringte ein ganzer Stab von Emigranten, englischen Ministern und englischen Offizieren, ganz zu schweigen von Dumouriez, der englischer war als die Engländer selbst. Bonaparte schickte Moncey weg, behielt aber den Bericht da und ordnete an, er wolle nicht gestört werden.
Moncey ging mit dem Auftrag, Fouché, den zwei Konsuln und Monsieur Réal durch Ordonnanzen mitteilen zu lassen, sie sollten sich um sieben Uhr im Tuilerienpalast einfinden.
Bonaparte hatte für sieben Uhr eine Audienz mit Chateaubriand vorgesehen. Auf der Stelle ließ er seinen Sekretär Monsieur Méneval dem Verfasser von Der Geist des Christentums einen Brief schreiben, in dem er ihn bat, das Gespräch auf neun Uhr verlegen zu können.
Das Geschick dieser zwei großen Geister war auf seltsame Weise ähnlich verlaufen. Beide waren 1769 geboren, beide zählten mittlerweile fünfunddreißig Jahre. Diese Männer, die in dreihundert Meilen Entfernung voneinander das Licht der Welt erblickt hatten, die sich begegnen, sich in die Haare geraten, sich trennen und sich wieder in die Haare geraten sollten, wuchsen auf, ohne voneinander zu wissen, der eine als Schüler im Schatten der hohen und tristen Mauern des Kollegs, den strengen Vorschriften unterworfen, die Generäle und Staatsmänner herausbilden, der andere müßig an den Gestaden, Gefährte von Wind und Wellen, mit der Natur als einzigem Lehrbuch und Gott als einzigem Lehrer, den zwei großen Lehrmeistern der Träumer und der Dichter.
Und so hatte der eine der beiden immer ein Ziel, das er erreichte, mochte es noch so hochgesteckt sein, während der andere nur Wünsche hegte, die er nie verwirklichte. Der eine wollte den Raum messen, der andere die Unendlichkeit erobern.