Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Kaum war sein Blick auf die Zeitung gefallen, als die vier Worte Flight of the King ihn festhielten. Es handelte sich um den Bericht der Flucht Ludwigs XVI. und seiner Festnahme in Varennes. In dieser Zeitung wurde von der Emigration des Adels berichtet und von der Vereinigung der Vornehmen unter den Fahnen der französischen Prinzen. Die Stimme, die bis in die fernste Einsamkeit »Zu den Waffen!« rief, war ihm ein Befehl des Schicksals.
Er kehrte nach Philadelphia zurück, überquerte das Meer, von einem Sturm in achtzehn Tagen an die Küste Frankreichs getrieben, und im Monat Juli des Jahres 1792 betrat er in Le Havre festes Land und rief: »Der König ruft mich, hier bin ich!«
Und im selben Augenblick, als Chateaubriand den Fuß auf ein Schiff setzte, um für seinen König zu kämpfen, lehnte ein junger Artilleriehauptmann müßig an einem Baum auf der Terrasse der Tuilerien neben dem Springbrunnen, betrachtete Ludwig XVI., der sich mit phrygischer Mütze am Fenster zeigte, und murmelte mit verächtlicher Stimme: »Dieser Mann ist des Todes.«
»So brachte das, was mir als Pflicht erschien«, sagt der Dichter, »meine ersten Pläne zum Scheitern und führte die erste jener Schicksalswenden herbei, von denen meine Laufbahn gekennzeichnet ist.
Die Bourbonen waren nicht darauf angewiesen, dass ein bretonischer Edelmann über das Meer zurückkam und ihnen seine bedeutungslose Ergebenheit anbot, so wenig wie sie später, als er aus seinem Schattendasein herausgetreten war, seiner Dienste bedurften. Wenn ich mir mit der Zeitung, die mein Leben änderte, die Pfeife angesteckt und danach meine Reise fortgesetzt hätte, würde niemand meine Abwesenheit bemerkt haben. Mein Leben war damals genauso unbekannt und bedeutungslos wie der Rauch meines Pfeifenkopfes. Ein schlichter Gewissenskonflikt schleuderte mich wieder auf das Welttheater. Es stand ganz in meinem Belieben zu tun, was ich wollte; denn ich war der einzige Zeuge dieses Konflikts; aber unter allen Zeugen gab es keinen, in dessen Augen zu erröten mir peinlicher gewesen wäre.« Chateaubriand brachte Atala und Natchez aus Amerika mit.
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Chateaubriand
Frankreich hat sich gewaltig verändert, seit der Reisende es verlassen hatte; es gibt viele neue Dinge und vor allem viele neue Männer.
Diese neuen Männer heißen Barnave, Danton, Robespierre. Und es gibt Marat, gewiss, doch er ist kein Mann, kein Mensch, sondern ein wildes Tier. Mirabeau wiederum ist tot.
Unser Reisender lässt es sich nicht verdrießen und unterhält sich mit allen; er sucht all diese Männer auf, die unerschiedlichen Parteien verschrieben, aber ein und demselben Schafott geweiht sind.
Er besucht die Jakobiner, den Club der Aristokraten, der Literaten, der Künstler: Die ehrbaren Leute bilden die Mehrheit, und es gibt sogar vornehme Herren: La Fayette und die beiden Lameth sind Mitglieder des Clubs, Laharpe, Chamfort, Andrieux, Desaine und Chénier vertreten darin die Dichtung, wenn auch die Dichtung ihrer Zeit. Doch letzten Endes kann man von einer Zeit nicht mehr verlangen, als sie geben kann. David, der in der Malerei eine Revolution bewirkt hat, Talma, der auf der Bühne eine Revolution bewirkt hat, lassen fast keine Sitzung aus. An der Tür kontrollieren zwei Wächter die Karten: Der eine ist der Sänger Laïs, der andere ist der natürliche Sohn des Herzogs von Orléans.
Der Mann am Schreibtisch, der Mann in Schwarz, mit seinen eleganten Manieren und seinem düsteren Lächeln, ist der Verfasser der Gefährlichen Liebschaften, der Chevalier de Laclos.
Warum ist Crébillon der Jüngere nicht mehr am Leben? Er wäre dort Vorsitzender oder wenigstens zweiter Vorsitzender.
Ein Mann spricht an der Tribüne, mit schwacher, ein wenig kreischender Stimme, mit magerem, tristem Gesicht, einem etwas langweiligen, ein wenig abgenutzten olivfarbenen Rock, aber mit gepudertem Haar, mit weißer Weste und tadelloser Leibwäsche.
Es ist Robespierre, der Ausdruck der Gesellschaft, der sich mit ihr im Gleichklang bewegt und der an dem Tag, an dem er so unklug sein wird, ihr voranzugehen, in Dantons Blut ausrutschen wird.
Chateaubriand besucht die Cordeliers.
Sonderbares Schicksal dieser Kirche, die ein Club geworden ist!
Der heilige Ludwig, selbst ein Franziskaner, gründete sie nach einem revolutionären Staatsstreich. Ein hoher Baron, der Herr von Courcy, beging ein Verbrechen; der Gerichtsherr von Vincennes erlegte ihm eine Geldbuße auf, und mit diesem Geld wurden Schule und Kirche der Franziskaner errichtet.
An diesem Ort erklang im Jahr 1300 der Streit um das ewige Evangelium. Es wurde die Frage gestellt, die vierhundert Jahre später der Atheismus lösen sollte: »Weilt Jesus Christus nicht mehr unter uns?«
König Johann wird in Poitiers gefangen genommen. Der Adel, dezimiert und geschlagen, wird mit ihm gefangen genommen. Ein Mann bemächtigt sich im Namen des Volkes der königlichen Macht und errichtet im Kloster der Cordeliers oder Franziskaner sein Hauptquartier. Dieser Mann ist Étienne Marcel, der Vorsteher von Paris. »Wenn die Herren sich befehden, werden die braven Leute auf sie losgehen.«
Im Übrigen sind die Franziskanermönche selbst die würdigen Vorläufer jener, die später ihre Kirche einnehmen werden; als Sansculotten des Mittelalters sagten sie lange vor Babeuf: »Besitz ist ein Vergehen« und lange vor Proudhon: »Besitz ist Diebstahl.« Sie waren ihren Worten treu, denn sie ließen sich lieber verbrennen, als ihre Bettlerkleidung abzulegen.
Wenn die Jakobiner die Aristokratie sind, dann sind die Cordeliers das Volk – das umtriebige, tatkräftige, heftige Volk von Paris, das Volk, das aus seinen liebsten Schriftstellern sprach, aus Marat mit seiner Druckerei im Keller der Kapelle, aus Desmoulins, Fréron, Fabre d’Églantine, Anacharsis Cloots, aus den Rednern Danton und Legendre, den zwei Schlächtern, deren einer die Straßen von Paris zu Schlachthöfen machte.
Die Cordeliers sind der Bienenstock; die Bienen wohnen ringsum: Marat fast gegenüber, Desmoulins und Fréron in der Rue de la Vieille Comédie, Danton fünfzig Schritte entfernt, Passage du Commerce, Cloots in der Rue Jacob, Legendre in der Rue des Boucheries-Saint-Germain.
Chateaubriand sah und hörte sie alle: den schnarrenden Desmoulins, den stotternden Marat, den donnernden Danton, den fluchenden Legendre, den gotteslästerlichen Cloots, und sie machten ihm Angst.
Er beschloß, sich im Ausland den Vornehmen anzuschließen, die sich unter den Fahnen der Prinzen gesammelt hatten; zu seinem Unglück stand diesem Vorhaben im Weg, dass er kein Geld hatte.
Madame de Chateaubriand hatte als Mitgift nur Assignaten in die Ehe mitgebracht, und Assignaten besaßen mittlerweile weniger Wert als unbedrucktes Papier, das man wenigstens benutzen konnte, um eine Rechnung oder einen Wechsel auszustellen.
Schließlich fand sich ein Notar, der noch über etwas Geld verfügte und zwölftausend Francs herlieh. Monsieur de Chateaubriand steckte das Geld in eine Brieftasche und die Brieftasche in seine Tasche. Diese zwölftausend Francs waren seine Zukunft und die seines Bruders.
Aber der Mensch denkt, und Satan lenkt. Der künftige Emigrant begegnet einem Freund, erzählt ihm, dass er zwölftausend Francs mit sich führt. Der Freund ist Spieler, die Spielsucht ist ansteckend: Monsieur de Chateaubriand betritt eine Spelunke im Palais-Royal und verspielt zehntausendfünfhundert Francs des ihm anvertrauten Geldes.
Zum Glück gibt ihm das, was ihm den Verstand hätte rauben können, die Vernunft zurück. Der künftige Verfasser des Geistes des Christentums war kein Spieler von Natur aus. Die fünfzehnhundert Francs, die ihm geblieben sind, verwahrt er in seiner Brieftasche, er entflieht dem übel beleumdeten Ort, steigt in eine Droschke, kommt zu Hause an, sucht nach seiner Brieftasche, doch vergebens. Die Brieftasche liegt in der Droschke, Monsieur de Chateaubriand steigt zu eilig aus, die Droschke fährt weiter. Er läuft hinterher. Kinder haben die Droschke mit neuen Fahrgästen vorbeifahren sehen. Ein Dienstmann kennt den Kutscher, weiß, wo er wohnt, und nennt die Adresse.