Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Die Ärzte hatten Monsieur de Chateaubriand verboten, zum Gewehr zu greifen; stattdessen griff er zur Feder. Er schrieb seine Essais und verfasste den Entwurf für seinen Geist des Christentums. Und da diese zwei großen und einander so entgegengesetzten Werke ihren Autor nicht vor dem Hungertod gerettet hätten, fertigte er in seiner Freizeit Übersetzungen an, die mit einem Livre pro Seite bezahlt wurden.
Unter solchen Kämpfen verbrachte er die Jahre 1794 und 1795.
Ein anderer Mann kämpfte zu dieser Zeit gegen den Hunger: der junge Bataillonskommandeur, der Toulon eingenommen hatte. Der Vorsitzende des Kriegskomitees, Aubry, hatte ihn des Kommandos über die Artillerie enthoben; er war nach Paris gekommen, wo man ihm das Kommando über eine Brigade in der Vendée angeboten hatte, das er abgelehnt hatte; und während Chateaubriand Übersetzungen anfertigte, machte er sich Notizen über die Möglichkeiten, die Türkei gegen die europäischen Mächte zu unterstützen.
Gegen Anfang September hatte dieser Bataillonskommandant in seiner äußersten Verzweiflung beschlossen, in die Seine zu springen. Er war auf dem Weg zum Fluss, als er kurz vor der Brücke einem Freund begegnete. »Wohin gehst du?«, fragte ihn dieser. »Ich gehe ins Wasser.« – »Warum?« – »Weil ich nicht von der Luft leben kann.« – »Ich habe zwanzigtausend Francs, die kann ich mit dir teilen.« Und der Freund gibt dem jungen Offizier, der nicht ins Wasser geht, zehntausend Francs. Der Offizier begibt sich am 4. Oktober in das Théâtre-Feydeau, wo er erfährt, dass die Nationalgarde der Sektion Lepelletier die Truppen des Konvents unter dem Befehl von General Menou zum Rückzug gezwungen hat und dass ein General gesucht wird, der diese Blamage wettmacht.
Am nächsten Morgen erhielt General Alexandre Dumas um fünf Uhr morgens vom Konvent die Ordre, die Truppen zu befehligen. General Alexandre Dumas befand sich nicht in Paris, und Barras wurde an seiner Stelle zum General ernannt und ersuchte um die Erlaubnis, die er erhielt, den ehemaligen Bataillonskommandanten Bonaparte zu seinem Adjutanten zu machen.
Der 5. Oktober ist der 13. Vendémiaire.
Napoleon befreite sich durch einen Sieg aus der Anonymität, Chateaubriand würde sich durch ein Meisterwerk aus ihr befreien.
Die Geschehnisse des 13. Vendémiaire richteten zweifellos den Blick des Schriftstellers auf den General, und das Erscheinen von Der Geist des Christentums richtete seinerseits den Blick des Generals auf den Dichter.
Bonaparte hatte zuerst Vorbehalte gegen Monsieur de Chateaubriand. Eines Tages wunderte Bourrienne sich in seiner Gegenwart laut darüber, dass ein Mann seines Namens und seiner Verdienste auf keine der Listen gelangte, die Bonaparte sich vorlegen ließ, wenn er Stellungen zu vergeben hatte.
»Bourrienne, Sie sind nicht der Erste, der mir damit kommt«, erwiderte Bonaparte, »aber ich habe Ihren Vorgängern eine Antwort gegeben, die ihnen das Maul gestopft hat. Dieser Mann hat Vorstellungen von Freiheit und Unabhängigkeit, die sich nie und nimmer in mein System einfügen lassen würden. Lieber habe ich in ihm einen offenen Gegner als einen erzwungenen Freund. Außerdem werden wir später sehen. Ich werde ihn zuerst auf einem bescheidenen Posten erproben, und wenn er sich gut aufführt, werde ich ihn befördern.«
Diese Worte lassen keinen Zweifel daran, dass Bonaparte nichts von der wahren Bedeutung Chateaubriands ahnte. Doch bald darauf versah das Erscheinen von Atala den Namen Chateaubriand mit großem Glanz, was der Erste Konsul besorgt verfolgte, denn alles, was die Aufmerksamkeit von ihm ablenkte, weckte seine Eifersucht.
Auf Atala folgte Der Geist des Christentums. Bonaparte fand sich in seinen restaurativen Bestrebungen unversehens unterstützt durch ein Buch, das allerorten auf Begeisterung stieß, ein Buch, dessen unstreitiger Wert die Geister dazu anregte, sich wieder mit religiösen Gedanken zu beschäftigen.
Eines Tages besuchte Madame Baciocchi ihren Bruder und reichte ihm ein schmales Bändchen. »Lesen Sie das, Napoleon«, sagte sie. »Ich bin mir sicher, dass es Ihren Beifall finden wird.« Bonaparte nahm das Buch in die Hand und warf zerstreut einen Blick darauf. Es war Atala. »Schon wieder ein Roman mit A«, sagte er. »Als hätte ich nichts anderes zu tun, als Ihre ganzen Eseleien zu lesen!«
Dennoch nahm er das Buch und legte es auf seinen Schreibtisch.
Als Nächstes bat ihn Madame Baciocchi, den Namen Monsieur de Chateaubriands von der Liste der Emigranten zu streichen. »Aha«, sagte er, »hat Monsieur de Chateaubriand Ihr Atala geschrieben?« – »Ja, Bruder. »- »Sehr gut, ich werde es lesen, wenn ich Zeit dazu finde«, und dann, an seinen Sekretär gewandt: »Bourrienne, schreiben Sie Fouché, er soll den Namen Monsieur de Chateaubriands von der Liste der Emigranten streichen.«
Ich sagte bereits, dass Bonaparte nicht allzu gebildet war und sich nicht sonderlich für die Literatur interessierte; dass er den Namen des Verfassers von Atala nicht kannte, bestätigt dies nur.
Der Erste Konsul las Atala, und das Buch fand sein Gefallen; als einige Zeit darauf Monsieur de Chateaubriand den Geist des Christentums veröffentlichte, war der erste unvorteilhafte Eindruck, den Bonaparte von ihm gehabt hatte, ganz und gar getilgt.
Am Abend der Unterzeichnung des Ehevertrags zwischen Mademoiselle de Sourdis und Hector de Sainte-Hermine waren Bonaparte und Monsieur de Chateaubriand einander zum ersten Mal begegnet. Bonaparte hatte im Verlauf des Abends das Wort an den Dichter zu richten beabsichtigt, doch der Abend fand ein so brüskes und absonderliches Ende, dass Bonaparte in den Tuilerienpalast zurückkehrte, ohne einen weiteren Gedanken an Chateaubriand verschwendet zu haben.
Die zweite Gelegenheit für ein Gespräch war der prunkvolle Empfang, den Monsieur de Talleyrand für die Infanten von Parma ausrichtete, die auf der Durchreise waren, um den Thron von Etrurien zu besteigen.
Lassen wir Monsieur de Chateaubriand selbst berichten, wie er den ersten elektrisierenden Kontakt mit dem Ersten Konsul empfunden hat:
»Ich stand in der Galerie, als Napoleon eintrat. Ich war angenehm überrascht, hatte ich ihn doch bisher immer nur von Weitem gesehen: Sein Lächeln war gewinnend und schön; sein Auge herrlich. Noch war sein Ausdruck frei von aller Scharlatanerie, noch lag nichts Theatralisches und Affektiertes in seinem Blick. Mein Geist des Christentums, das damals viel Aufsehen erregte, hatte auch Napoleon beeindruckt. Eine wunderbare Einbildungskraft belebte den so kalten Politiker. Er wäre ohne den Beistand der Muse nicht geworden, was er wurde; der Verstand führte die Ideen des Poeten aus. Alle großen Männer sind stets aus zwei Naturen gebildet, denn sie müssen sowohl Eingebung als auch Befähigung zum Handeln besitzen: Die Erstere entwickelt den Plan, die Zweite führt ihn durch.
Bonaparte wurde meiner ansichtig und erkannte mich; woran, weiß ich nicht. Als er sich auf mich zubewegte, wusste man nicht, wen er suchte; die Reihen öffneten sich nacheinander, und jeder hoffte, der Konsul würde vor ihm stehen bleiben. Es schien, als sei er etwas ungeduldig über dieses Missverständnis; ich versteckte mich hinter meinen Nachbarn; plötzlich erhob Bonaparte die Stimme und sagte zu mir: ›Monsieur de Chateaubriand. ‹ Ich stand allein vor ihm, denn die Menge trat ein wenig zurück und stellte sich alsbald im Kreis um die beiden Gesprächspartner. Bonaparte begrüßte mich ganz schlicht; ohne mir Komplimente zu machen, ohne müßige Fragen zu stellen, sprach er ganz unvermittelt über Ägypten und über die Araber, als hätte ich zu seinen Vertrauten gehört und als führte er eine bereits begonnene Unterhaltung weiter. ›Ich war immer betroffen‹, sagte er zu mir, ›wenn die Scheiks mitten in der Wüste auf die Knie fielen, sich nach Osten wendeten und mit ihrer Stirn den Sand berührten. Welches unbekannte Wesen beten sie so gen Osten gewendet an?‹