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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»So, wie du aussiehst, wohnen wohl doch noch andere Wesen unter dem Gebirge«, meinte Tungdil und betätigte die Vorrichtung, um den ersten Durchlass zu schließen.

»Nichts, wovor man Angst haben müsste«, winkte Boїndil ab. »Und wenn die Spinnen größer als ein Zwergenkopf sind, gehören sie mir.«

Sie stimmten in seine Heiterkeit mit ein. Dann löschten sie das Feuer unter dem Kessel, verriegelten das Tor mit dem Aufsagen der Verse und machten sich auf den Rückmarsch, der sie hunderte von Treppenstufen nach unten führte. Ohne die Sonne gelang es Tungdil nicht abzuschätzen, wie lange sie benötigten, um aus dem bewohnten in den verlassenen Teil des Zwergenreichs zu gelangen, aber seinem Hunger nach zu urteilen, mussten sie eine ganze Weile unterwegs gewesen sein.

Verschwitzt und müde gelangten sie in die große Halle, in denen die Gesandten ihre Mahlzeiten einnahmen, und setzten sich erschöpft an einen Tisch. Die neugierigen Blicke der anwesenden Zwerge ignorierten sie absichtlich.

»Wir zeigen ihnen erst morgen, wo sich die Röhren befinden«, erklärte Tungdil den Zwillingen. »Ich möchte nicht, dass Gandogar vor uns aufbricht und sich auf diese Weise einen Vorsprung schafft. Es wird ohnehin hart, gegen ihn und seine Gruppe als Sieger zu bestehen.«

»Die besten Kämpfer sind jedenfalls auf deiner Seite«, grinste Ingrimmsch, schnitt sich eine handtellergroße Scheibe eines Riesenpilzes ab und belegte sie mit würzig riechendem Käse. »Was soll dich da noch aufhalten?! Ich sage dir, die Tage Nôd’onns sind gezählt.«

»Ich teile die Meinung meines Bruders«, stimmte Boëndal ihm zu. »Aber mir ist noch eine Sache eingefallen. Mir geht nämlich die Beschreibung der Feuerklinge nicht aus dem Kopf.«

»Was meinst du?«

»Reinster, härtester Stahl, Stiel und Widerhaken aus Stein, die Intarsien und Runen aus allen edlen Metallen, und die Schneide soll dazu mit Diamanten besetzt sein«, zählte der Zwerg auf.

»Wir nehmen uns einen Vorrat davon mit«, erriet Tungdil seine Gedanken. »Ich habe Balendilín darum gebeten, uns von allen benötigten Materialien genügend zusammenzustellen. Er meinte, der Hort der Zweiten sei groß genug, um ein wenig Schwund für eine solch wichtige Angelegenheit zu verkraften.«

»Gold, Silber, Palandium, Vraccasium, Tionium und als Abschluss noch eine Hand voll Diamanten obendrauf?«, staunte Boëndal. »Beim göttlichen Schmied, damit sind wir die fetteste Beute, die einem Straßenräuber und Halsabschneider jemals über den Weg laufen kann!«

»Granit und Eisen sowie Proviant kommen noch dazu«, ergänzte Boїndil. »Wir haben zwar starke Beine, aber was du mitzunehmen planst, kann nicht mal ein Oger schleppen.«

»Wenn alles gut geht, nutzen wir die Röhren und brauchen uns ohnehin keine Sorgen zu machen. Andernfalls müssen wir uns ein Pony kaufen, das unsere wertvolle Fracht unterwegs trägt. So einfach ist das.«

Die Zwillinge schwiegen und widmeten sich ihrer Mahlzeit, aber die Stille zeigte Tungdil, dass sie mit seinem Plan nicht einverstanden waren.

»Wisst ihr etwas Besseres, oder wollt ihr im Grauen Gebirge die alten Minen der Fünften nach den Metallen und Erzen umgraben?«, seufzte er und schob sich einen Bissen Käse in den Mund.

»Wir könnten genügend Diamanten mitnehmen, um den Rest unterwegs zu kaufen«, schlug Boëndal vor. »Ehe wir die Grenzen zum Toten Land überschreiten. Oder noch besser, wir decken uns erst dort mit den Metallen ein.«

»Zu unsicher«, verwarf Tungdil das Vorhaben. »Am Ende gibt es kein Tionium, und uns fehlt ein entscheidender Bestandteil der Feuerklinge.«

Er setzte seinen vierten Humpen an die Lippen und leerte ihn in einem Zug.

»Es bleibt dabei, wir nehmen alles mit, was wir benötigen.« Er stand auf und spürte die Wirkung des Bieres, weil er zu hastig getrunken hatte. »Wir schaffen es«, munterte er sie auf, dann wandte er sich zum Ausgang und lief schwankend zurück in seine Kammer, wo er satt und ein wenig berauscht auf sein Lager fiel. Dabei wollte ihm die kleine Silhouette nicht mehr aus dem Kopf gehen, die sie in der Nähe des Portals aufgeschreckt hatten. Er kannte sie von irgendwoher.

Schaffen wir es wirklich? Auf was habe ich mich nur eingelassen?, dachte er, bis die Anstrengung des Marsches ihn übermannte und er so, wie er war, auf dem Bett einschlief.

*

Jemand rüttelte Tungdil unsanft aus seinen Träumen. Verschlafen richtete er sich auf und stöhnte, als er das Klopfen in seinem Schädel spürte. Ich dachte, das passiert bei Zwergenbier nicht.

»Sie sind fort!«, hörte er Balendilín rufen. »Hörst du, Tungdil?! Sie sind fort.«

Er öffnete die Augen. Der einarmige Berater stand vor seinem Bett, dahinter scharten sich die Zwillinge, Bavragor und Goїmgar, die ihre Kettenhemden trugen und abmarschbereit aussahen. »Unsinn, sie stehen doch hinter dir«, murmelte Tungdil mit schwerer Zunge.

»Nein, nicht die. Gandogar und seine Gruppe, sie sind fort«, sagte Balendilín, dieses Mal etwas schärfer und lauter. »Ihr müsst ihnen augenblicklich folgen, sonst wird der Vorsprung zu groß.«

Tungdil rutschte aus dem Bett. Sein Körper und sein Verstand fühlten sich keinesfalls ausgeruht genug, um sich auf eine Fahrt durch dunkle Röhren und Stollen einzulassen. »Sie werden lange brauchen, bis sie im Grauen Gebirge ankommen«, beruhigte er Balendilín. »Frag Schimmerbart, wie lange die Vierten bis hierher unterwegs waren.«

»Sie sind nicht zu Fuß unterwegs«, schaltete sich Boëndal ein. »Sie fehlen, bis auf Bislipur, und keiner weiß, wohin sie gegangen sind.«

»Jedenfalls nicht durchs Tor hinaus«, setzte Boїndil hinzu.

Die Erkenntnis traf Tungdil unvermittelt. Das war kein Tier, das wir da unten gesehen haben. Schlagartig war der Zwerg hellwach. »Swerd!« Es war Bislipurs Gnom gewesen, der ihnen gestern gefolgt war und sie bei den Loren belauscht hatte, ehe ihn Boїndil mit seinem Steinwurf verscheucht hatte. Damit weiß Gandogar genau, wo die Karren auf den Weg geschickt werden. Swerd war ihm allmählich ebenso unangenehm wie sein Herr.

Hastig zog Tungdil sein Lederwams an, warf sich das Ringgeflecht über, schlüpfte in die Lederhosen und Stiefel, um kurz darauf bereit zu sein, sich in das Abenteuer zu stürzen. In der Zwischenzeit ordnete er an, dass die Zwillinge Bavragor und Goїmgar zu dem vergessenen Teil des Zweiten Reichs führten und die Kessel anheizten.

»Die Loren müssen auf den Schienen sein, wenn ich zu euch stoße. Ich unterhalte mich inzwischen ein wenig mit Bislipur«, verkündete er und erbat sich Balendilín als Begleiter.

»Du hast Bavragor als Steinmetz ausgewählt, wie ich sehe«, sagte er unterwegs.

»Nein, das stimmt nicht ganz. Er hat sich ausgewählt, und ich habe ihm vorschnell mein Wort gegeben, ihn mitzunehmen«, seufzte Tungdil. »Ich kann mein Versprechen nicht brechen. Aber was hat es mit ihm auf sich, dass mir die anderen von ihm abraten? Ist sein Durst wirklich so gewaltig?«

Balendilín sog die Luft ein. »Er ist ein verbitterter Zwerg, wenn er nüchtern ist, und ein singender Spaßvogel, wenn er genug Bier bekommen hat. Seine großen Zeiten als Steinbildner sind vorüber.«

»Er ist nicht der Beste?«

»Doch, er ist der Beste. All die meisterlichen Arbeiten an den Festungsmauern, in den Hallen und Gängen preisen seine Kunst, doch er hat seit zehn Zyklen oder länger den Meißel nicht mehr angefasst, weil seine Hände wegen der ständigen Sauferei nicht immer das tun, was der Verstand von ihnen verlangt. Bis heute ist es keinem der Künstler gelungen, seine Werke zu übertrumpfen. So lange ist er der Beste, den die Clans der Zweiten haben.« Balendilín kniff die Lippen zusammen. »Ich wollte nicht, dass du ihn mitnimmst. Er ist wankelmütig, und keiner weiß, wie gut er wirklich noch ist. Aber das lässt sich wohl nicht mehr ändern.«

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