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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Und nun der Kalif auf dem Boden des Andalús stand, gab er ein großes Schauspiel. Seit urdenklichen Zeiten ragte vor Cádiz, im Westen der Meerenge, ein riesiger Säulenbau aus dem Wasser. Gekrönt war er von einer gewaltigen goldenen Statue, die auf viele Meilen hinaus über die See glänzte; sie stellte einen Mann dar, der seinen rechten Arm gegen die Meerenge ausstreckte, in der Hand hielt er einen Schlüssel. Römer und Goten hatten den Bau »Die Säulen des Herkules«, genannt, die Moslems nannten die Statue »Das Götzenbild von Cádiz«; alle hatten sie, die Jahrtausende hindurch, das drohende, glitzernde Wesen gescheut und geschont. Jetzt gab der Kalif Befehl, es zu zerstören. Furchtsam, mit angehaltenem Atem schauten die Zehntausende, als die ersten Schläge geführt wurden. Der Goldene, Drohende wehrte sich nicht, er stürzte, und voll ungeheuern Triumphes schrien sie: Allah ist groß und Mohammed ist sein Prophet.

Der Kalif zog nach Sevilla. Um diese Stadt zu ehren, welche der ungläubige König trotz des Waffenstillstandes so ruchlos bedrohte, hatte Jakúb Almansúr für ihre Hauptmoschee einen Gebetturm gestiftet. Der hochberühmte Architekt Dschabir hatte die Pläne entworfen. Gleichnishaft sollte der Turm den Sieg des Islams über den Unglauben darstellen. Bestimmt hatte der Kalif, daß alles, was sich noch finden lasse an Statuen und Reliefs aus den römischen und gotischen Zeiten des Landes, in diesen Turm hineingebaut werde. Verwendet werden sollte ferner außer der Golddecke jenes Götzenbildes von Cádiz das Gold und Silber der Kirchengeräte, die der Kalif in diesem Krieg erbeuten werde.

Er selber, Jakúb Almansúr, legte den Grund für das Minarett. Und wie ungezählte Tausende gejubelt hatten beim Sturz des Goldenen Mannes, so jubelten jetzt ungezählte Tausende, da der Grund ausgehoben wurde für den Turm, der zum Himmel steigen sollte in bisher nie gesehener Höhe und Schönheit zum Preise Allahs.

Don Alfonso, in Calatrava, war glücklich. Hier war eitel Jubel darüber, daß er dem unverschämten Kalifen Bescheid gesagt hatte, und unbändige Freude auf den Krieg. Das geistliche Wesen des Ritterordens verschwand hinter seinem kriegerischen. Die Ritter feierten Bertran de Born als ihren großen Bruder und Kameraden; »A lor, a lor – Schlagt drauf, haut ein«, schmetterte es durch ihre Träume.

Zwischen Alfonso und dem Erzbischof war wieder die alte, fröhliche Kameradschaft. Es hatte den tapferen Priester schwer bekümmert, daß er Alfonso nicht seine rechte, christliche, ritterliche Meinung hatte sagen dürfen über seine Liebschaft mit der Jüdin. Jetzt, mit der alten Aufrichtigkeit, eröffnete er ihm: »Dein Schwiegervater von Engelland ist wahrlich gerade noch zur rechten Zeit gestorben. Denn daß ich’s dir nur sage, mein lieber Sohn und Freund: länger hätte ich dem Unwesen in der Galiana nicht mehr zugeschaut. Ich hätte, und wenn ich vor Kummer darüber gestorben wäre, vom Heiligen Vater verlangen müssen, daß er dich exkommuniziert. Ich war schon dabei, den Brief aufzusetzen. Jetzt liegt das alles so weit hinter uns wie die heidnische Vergangenheit unserer Väter. Man sieht’s ja geradezu mit Augen, wie dir jetzt der Krieg die letzten Vapores aus der Brust treibt.« Er lachte schallend; Alfonso lachte mit, laut, jung, gutartig.

Späher berichteten von der Größe des moslemischen Heeres. Fünfhundert mal tausend Mann sollten es sein. Auch war viel Gemunkel von schrecklichen neuen Waffen, die der Kalif mitführe, von riesigen Angriffs-Türmen, Geschützen, die gewaltige Felsen weithin schleudern könnten, von verderblichem Griechischem Feuer. Die Ritter blieben zuversichtlich. Sie glaubten an ihre uneinnehmbaren Festungen, ihren Santiago, ihren König.

Alfonso hatte eine kühne Eingebung. Alle hielten es für selbstverständlich, daß man sich angesichts der Übermacht der Moslems auf die Verteidigung beschränke. Mußte man das wirklich? Warum nicht dem Feind eine Schlacht auf offenem Felde bieten? Das Unterfangen schien wahnwitzig, doch gerade darum konnte es Erfolg haben. Und war da nicht im Süden von Alarcos jenes Gelände, dessen Vorteile und Tücken er besser kannte als jeder andere, »Das Gebreite der Arroyos«? Warum sollte er nicht eine zweite Schlacht von Alarcos gewinnen?

Er sprach Bertran und dem Erzbischof von seinem Vorhaben. Don Martín, dem es sonst an raschen Worten nicht fehlte, starrte ihn an, offenen Mundes. Dann war er begeistert. »Das alte Israel«, sagte er, »war ein kleiner Haufen, gemessen an dem zahllosen Pack der Kanaaniter, Midianiter, Philister, und sie haben sie trotzdem geschlagen und ausgetilgt. Da wird ihnen wohl der Herr Schlachtfelder gezeigt haben, so günstig wie dein ›Gebreite der Arroyos‹.« Bertran seinesteils meinte fröhlich und sachverständig: »Diese Schlacht wird dich viele Tote kosten, Herr König – aber die Ungläubigen noch mehr.«

Die jüngeren Herren, wenn ihnen Alfonso von seinem Plan sprach, waren zuerst erstaunt, ja, betreten, dann entzückt. Den älteren Feldhauptleuten von seinem Vorhaben zu reden, unterließ der König. Doña Leonor war länger in Burgos geblieben, als sie beabsichtigt hatte. Von hier aus war es leichter, den Granden des nördlichen Kastiliens und den Räten von Aragon zuzusetzen, daß sie Alfonso bald die nötigen Hilfskräfte stellten. Sie brannte danach, daß er seinen Feldzug beginne. Seitdem sie erkannt hatte, wie tief sich jenes geile Fieber für die Jüdin in ihn eingefressen hatte, war ihr Argwohn niemals völlig eingeschlafen. Ganz genesen von seiner höllischen Krankheit wird Alfonso erst durch den Krieg.

Dann hatte sie Nachricht erhalten – er selber hatte ihr’s fröhlich mitgeteilt –, wie kühn er den frechen moslemischen Prinzen zu seinem Kalifen heimgeschickt hatte. Das erste, was sie spürte, war eine wilde Freude gewesen: nun war der Krieg da. Gleich darauf hatte sie die ganze Gefahr erkannt, die aus Alfonsos Kühnheit wachsen mußte. Niederlage, hatte sie gedacht, nun wird Niederlage sein. Vielleicht nicht die Niederlage, aber Niederlage. Das schuf ihr, neben Zorn und Sorge, finstere Genugtuung. In ihr festgehakt hatte sich, was die Mutter von den wohltätigen Folgen einer Niederlage gesagt hatte. Niederlage mehrte die Kraft, heizte die Energie, Niederlage öffnete zehn neue Möglichkeiten; es bereitete ihr einen wunderlichen Kitzel, an Niederlage zu denken.

Sie war sogleich nach Toledo aufgebrochen. »Geh nach Toledo«, hatte die Mutter befohlen. Die verbrecherische Unbesonnenheit, mit welcher Alfonso den moslemischen Gesandten herausgefordert hatte, mehrte nur ihre Liebe. Und immer mischte sich in ihre heiße Sehnsucht nach Alfonso jenes leise, dunkle Frohlocken: Jetzt kommt Niederlage. Jetzt ist es aus mit der andern. Actum est de ea – Es ist um sie geschehen.

Da sie den König in Toledo nicht mehr antraf, hatte sie einen Vorwand gefunden, ihm in den Süden nachzureisen. Don Pedro, der plangemäß ins Gebiet von Valencia eingefallen war und seinen Vormarsch gegen die Hauptstadt Valencia nicht aufgeben wollte, hatte gezögert, Alfonso vor der vertraglich festgesetzten Frist Hilfstruppen zu stellen. Sie aber hatte ihm nun ein bindendes Versprechen abgerungen: er wird binnen längstens sechs Wochen zehntausend Mann schicken, und achthundert Mann schon jetzt, um seinen guten Willen zu zeigen. Dem Alfonso diese glückliche Nachricht zu bringen, reiste sie selber nach Calatrava.

Er kam ihr entgegen, sie zu begrüßen. Sie verbarg nicht ihre helle Freude an seinem Anblick. Hier unter seinen Rittern in der strengen Luft der Festung Calatrava war er ganz der Alfonso, den sie sich wünschte.

Sie berichtete strahlend, wie sie den widerstrebenden Don Pedro dazu vermocht hatte, Verstärkungen schon in wenigen Wochen zu senden. Alfonso dankte ihr herzlich. Verschwieg ihr, daß ihm ihre Botschaft keineswegs willkommen war. Sein Vorhaben, sich dem Kalifen in offener Feldschlacht zu stellen, hatte sich gefestigt. Wenn nun bekannt wurde, daß aragonische Verstärkungen schon in naher Zukunft zu erwarten waren, werden seine Räte und Offiziere seinem Plan noch heftiger widerstreben.

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