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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Es schwemmte aber, während er über Alazar gebeugt war, zum erstenmal an diesem Tage und auch jetzt nur sehr trüb inmitten des Geschreies und Geklirres der Gedanke herauf an Raquel, und sogleich auch der Gedanke an Manrique und Nuño Perez, die ihm geraten hatten, innerhalb der Mauern der Festung zu bleiben, und der Gedanke an den zornigen Don Rodrigue. Aber er verweilte nicht bei diesen Gedanken, es war keine Zeit. Auch war keine Zeit, sich länger mit dem Knaben zu befassen; nur schnell noch das Zeichen des Kreuzes über ihn machen konnte er.

Denn nun wälzte es sich abermals herauf durch den Staub und Dunst, und wieder in ungeheuern Massen. Stumpf, in finsterer Wut, schaute Don Alfonso dem Gewimmel entgegen. Endete das niemals? Fünfhundert mal tausend Mann, hatten die Späher gesagt, sie hatten nicht gelogen. »Bisher haben wir es nur mit der Vorhut zu tun gehabt«, scherzte böse der Erzbischof, »jetzt erst kommt der rechte Feind.« Und: »Gut«, sagte Bertran, »so mehr Mütter und Weiber werden um sie klagen.« Und: »Zurück, langsam zurück!« drängten alle. Bertran aber stimmte eines seiner Lieder an:

»Keiner von uns ist Sohn eines Manns, Der feig im Bette starb. Und wir selber wünschen nicht andern Tod Als im Feld und durch kalten Stahl.«

So, langsam, die Gesichter dem Feinde zugekehrt, auf tänzelnden Pferden, wichen sie die Höhe hinauf.

Getümmel war, unübersichtlicher Kampf. Doch als sie am Fuß des letzten, steilsten Teils der Höhe angelangt waren, hatten sie sich von neuem Raum geschaffen, und hier konnte ihnen keiner in den Rücken kommen. Sie atmeten, schauten sich um, suchten, zählten. Es waren ihrer nun um die zweihundert. »Wo ist Don Martín?« fragte Alfonso. »Er ist getroffen«, sagte Garcerán. »Schwer, wie es scheint. Sie suchen ihn über die Höhe zu schaffen, ins Eichengehölz. Sie wollen ihn über den Arroyo bringen.« Und: »Du solltest zurück, Herr König«, bat er dringlich, »solang sie den Weg über den Arroyo noch nicht entdeckt haben.« Es führte nämlich unmittelbar jenseits der Höhe ein gedeckter Pfad ins Eichengehölz und zu einem Übergang über den nördlichen Teil des Arroyos. »Nach ihrem nächsten Sturm«, entschied Don Alfonso, da sich der Feind schon wieder, und dieses Mal sehr nahe, zum Angriff sammelte. Und: »Was ist mit dir, Herr Bertran?« fragte er. »Bist du verwundet?« – »Es sind nur ein paar Finger«, antwortete Bertran mit einer Stimme, die sich mühte, unbefangen zu klingen, und: »Wahrscheinlich werde ich dir nur ein Stück des Handschuhs zurückgeben können«, spaßte er. Dann war man wieder im Getümmel.

Hier, am Fuß der letzten Höhe, löste sich jetzt die Schlacht in verbissene Einzelkämpfe auf. Ein jeder schlug um sich, wild, sinnlos, keiner hielt Fühlung mit keinem. »Und Alfonso, der Verfluchte«, berichtet der Chronist Ibn Jachia, »hob seine Augen von dem Gemetzel und sah die weiße Fahne des Beherrschers der Gläubigen – Allah schütze ihn – schon in nächster Nähe, und er sah die goldenen Buchstaben darauf: ›Allah ist Allah, und Mohammed ist der Prophet Allahs.‹ Da erzitterte das Herz des Verfluchten in großer Angst, und er floh. Und alle die Seinen flohen, und die Moslems verfolgten sie. Der Verfluchte selber entkam über die Höhe, aber die Moslems töteten Unzählige aus seinem Volke und ließen nicht ihre Lanzen von den Hüften der Fliehenden und ihre Schwerter nicht von ihrem Nacken, ehe sie den Durst ihrer Waffen gestillt hatten im Blute der Ungläubigen und sie gezwungen, den bittern Becher des Todes bis zur Neige zu leeren.«

Auf der Höhe, für den Bruchteil eines Augenblicks, sah Alfonso zurück auf das »Gebreite der Arroyos«, sein Schlachtfeld. Staub lag darüber, in Staub war er selber und die Seinen, Staub war auf den Helmen, den Rüstungen. So dicht über dem ganzen Felde war der Staub, daß in ihm der wüste Lärm gedämpft klang, das Klirren und Schreien der Männer, das Stampfen, Trappeln und Wiehern der Pferde, das Schmettern der Trompeten. Auch der König von Kastilien mit seinen hellen Augen konnte in diesem grauen Gespinst von Hitze, Dunst und Staub nur mehr undeutlich unterscheiden, was vor sich ging. Aber er wußte, hier in diesem Staub und Geschrei verreckte sein Ruhm, verreckte Kastilien. Doch ehe er das in Worten ausdenken oder auch nur recht spüren konnte, rissen die Seinen ihn weiter.

Die Moslems mittlerweile plünderten das kastilische Lager. Sie erbeuteten Waffen, Schätze, Kriegswerkzeug, Vorräte jeder Art, auch mehrere hundert edle Jagdfalken, auch viel Kirchengerät, dazu die Galakleider, welche die Calatrava-Ritter bei der Siegesfeier hatten tragen wollen. »Die Zahl der Christen, welche von den Gläubigen erschlagen wurden«, berichtet der Chronist, »kann ich nicht nennen. Niemand konnte sie errechnen. Es waren der toten Christen so viele, daß nur Allah, der auch sie erschaffen hat, ihre Zahl weiß.«

Seit der Schlacht von Zallaka, seit einhundertundzwölf Jahren, hatten die Moslems keinen solchen Sieg auf der Halbinsel erfochten. So ungeheuer war der Schreck der Christen, daß er auch den Verteidigern von Alarcos das Herz lähmte. Schon nach wenigen Tagen übergaben sie diese stärkste Festung Kastiliens. Die Sieger aber, um den Schrecken weiterzuverbreiten, zerstörten mit ihren gewaltigen Kriegsmaschinen die Mauern und die Häuser der Stadt und Festung Alarcos bis in den Grund und bestreuten den Grund mit Salz.

Fünftes Kapitel

Wenige Tage vor der Schlacht von Alarcos waren in Toledo jene ersten achthundert Mann aragonischer Hilfstruppen angelangt, welche Don Pedro versprochen hatte. Ihr Befehlshaber meldete sich bei der Königin. Es war Gutierre de Castro.

Ja, der Castro hatte verlangt, als der erste nach Toledo geschickt zu werden. Die Castros, begründete er seine Forderung, hätten hervorragenden Anteil gehabt an der Eroberung Toledos, wovon heute noch ihr Castillo in dieser Stadt Zeugnis ablege, er wolle teilhaben auch an der Eroberung Córdovas und Sevillas. Der zögernde Don Pedro hatte dem mächtigen Vasallen die dringliche Bitte nicht abschlagen können. Da war er also in Toledo mit seinen ansehnlichen achthundert Mann und machte Doña Leonor seine Aufwartung.

Sie war tief und glücklich erstaunt. Mit fast abergläubischer Verehrung gedachte sie der weisen Mutter, die dem Castro seine Burg vorenthalten hatte, ihn zu reizen und zu locken. Sie begrüßte ihn strahlend liebenswürdig: »Ich freue mich, daß von unsern aragonischen Freunden du, Don Gutierre, der erste bist in Toledo.«

Don Gutierre stand vor ihr, gerüstet, in Haltung, wie alter Brauch es vorschrieb, mit gespreizten Beinen, beide Hände auf den Griff seines Schwertes gestützt. Der stämmige Herr rühmte sich, Abkömmling jener gotischen Fürsten zu sein, die, als die Moslems die ganze Halbinsel überschwemmten, in den Bergen Asturiens und Kantabriens ihre Unabhängigkeit bewahrt hatten. Es saß ihm denn auch auf überaus breiten Schultern der runde Schädel, wie ihn viele Bewohner jener Berge aufwiesen, die Sattelnase, die tiefliegenden Augen. So stand er und schaute nieder auf die sitzende Königin, schaute ihr unverlegen ins Gesicht, nachdenkend, was ihre Worte bedeuten mochten.

»Ich hoffe«, fuhr Doña Leonor fort, »die Entscheidung, welche die Könige in deiner Streitfrage mit Kastilien trafen, hat dich befriedigt.« Sie sah zu ihm auf, sie prüften einander mit den Augen, fast unziemlich lange. Schließlich, die Worte wägend, sagte mit seiner etwas quäkenden Stimme Don Gutierre: »Mein Bruder Fernán de Castro war ein großer Ritter und Held, meine Seele hing an ihm. Keine Buße ersetzt ihn mir, und schon gar nicht ersetzt ihn mir das Geld, das man mir zahlte. Als ich das Kreuz nahm, schwor ich, allen Haß aus meinem Herzen zu reißen, und so will ich’s halten und will dem König von Kastilien gehorchen, nach dem Auftrag meines Herrn von Aragon. Aber ich sag’s dir offen, Frau Königin, leicht fällt mir das nicht. Es kränkt mich, unter den ersten Dienern Don Alfonsos einen Mann zu wissen, der den Speichel nicht wert ist, den ich ihm ins Gesicht spucken möchte, und der sich spreizt in der Burg meiner Väter.«

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