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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Die moslemische Armee rückte mittlerweile in guter Ordnung näher, in regelmäßigen, kurzen Tagemärschen. Als sie noch zwei Tagemärsche entfernt war, konnte ein jeder ausrechnen, daß die Entscheidungsschlacht am 19. Juli stattfinden werde, am 9. Schawan moslemischer Rechnung.

Es war aber der 9. Schawan ein Sabbat.

Das schuf den jüdischen Soldaten Don Alfonsos große Not. Die dreitausend hatten sich dem König nicht ohne Gewissensqualen zur Verfügung gestellt. Sie wußten, der Kriegsdienst werde sie zwingen, verbotene Speisen zu essen und am Sabbat verbotene Arbeit zu verrichten; in der großen Vorzeit aber hatten sich jüdische Soldaten lieber von Griechen und Römern erschlagen lassen, als daß sie am Sabbat gekämpft hätten. Nun hatten zwar, gemäß einer Jahrhunderte alten Verfügung des Synhedrions, die Doktoren der Aljama die jüdischen Freiwilligen durch den Akt des »Mutar Lach – Es sei dir erlassen« feierlich der Verpflichtung entbunden, die Sabbat- und Speisegesetze zu halten; diese Dispensation galt aber nur für den Fall äußerster Not, und war dieser Fall wirklich gegeben? Mußte sich der König gerade am Sabbat schlagen?

Sie sandten eine Delegation an Don Alfonso, die geführt war von Don Simeon Bar Abba, einem Verwandten des Ephraim. Wenn seine jüdischen Soldaten, setzte dieser dem König auseinander, anders als in äußerster Not heilige Verbote überträten, dann forderten sie Gottes Zorn heraus und beschworen Gefahr und Niederlage herunter auf sich und ihre christlichen Kameraden. Sie fragten die Majestät mit gebührender Ehrfurcht, ob nicht ein anderer Tag für die Schlacht gewählt werden könnte.

Alfonso klopfte dem Don Simeon die Schulter und meinte joviaclass="underline" »Ich kenne euch als tapfere Soldaten und würde euch gern den Gefallen tun. Aber seht, länger als um einen Tag kann ich die Schlacht nicht verzögern. Ich müßte also am Sonntag kämpfen. Das wäre nun wieder euern christlichen Kameraden nicht recht, und die sind viel zahlreicher. Lassen wir’s also beim Sabbat, und wir alle wollen beten, daß euer Gott euch die Sünde verzeihe.«

Der König, nachdenklich geworden durch die Frömmigkeit der Juden, beriet mit Don Martín, was er selber tun könne, um sich und seinem Heer die Gnade des Allmächtigen zu sichern. Nun hatte auch der Erzbischof jenen »Baum der Schlachten« des Priors Bonet gelesen. Dort war empfohlen, am Tag der Schlacht zu fasten, unter Hinweis darauf, daß der große Ritter und König Saul, ehe er gegen die Feinde focht, einen jeden, der vor Einfall der Nacht esse oder trinke, mit der Strafe des Todes bedroht hatte. Der Erzbischof schlug also vor, es sollten die christlichen Soldaten am Tage der Schlacht fasten; der König Unser Herr könne ihnen ja, um sie nicht zu schwächen, am Abend vorher ein reichliches Mahl vorsetzen. So verfügte denn auch Don Alfonso.

Don Martín seinesteils schickte Kuriere durchs ganze Land bis nach Toledo mit der Weisung, es sollten am Morgen des Schlachttages in Toledo und in allen Ortschaften zwischen Alarcos und Toledo die Glocken geläutet werden.

Am Abend des 18. Juli beschaute der König von der Höhe, von der aus er am nächsten Tage die Schlacht leiten wollte, das eigene Lager und das des Feindes. Dort, wo die Ebene abfiel, lagerte das Heer des Kalifen. Zelt an Zelt reihte sich endlos, und Alfonso und seine Herren wußten: wo der Wald die weitere Sicht verwehrte, bog das feindliche Lager nach dem Westen und weit in den Westen hinein. Lange schaute der König, die Augen mit der Hand beschattend, schweigend, in den Abend über das feindliche Lager.

Die Herren ritten zurück, von den Soldaten überall mit fröhlichem, ehrerbietigem Zuruf begrüßt. Die Soldaten freuten sich des reichen Mahles.

Dann setzten sich die Herren selber zu Tisch in dem Kriegszelt des Königs. Es glänzte prächtig rot und golden, mit Wimpeln und Standarten; auch das Innere war kostbar geschmückt mit Teppichen und Wandbehängen, dem Krieg zu Ehren, dem edelsten Geschäft des Ritters und Königs. Man war gehobenen Mutes, man aß und trank mit Genuß, Bertran sang seine wildesten Lieder.

Doch trennte man sich bald, um sich durch frühen Schlaf für den kommenden Tag zu stärken.

Den König begleiteten freundliche Bilder und Gedanken in den Schlaf. Raquel war da, und er erläuterte ihr die Einzelheiten seines Schlachtplans. Bewies ihr, daß man ein auch an Zahl unterlegenes Heer so aufstellen könne, daß der Sieg gewiß sei. Setzte ihr auseinander, wie er sich den weitern Verlauf des Feldzugs dachte. Wenn er die Armee des Kalifen zerschlagen hat, wird er bis ans Meer vorstoßen. Dann wird er Frieden schließen. Die Küste und Granada wird er dem Kalifen lassen; aber Córdova und Sevilla muß der Beschnittene ihm herausgeben. Sevilla wird er zu einer Grafschaft machen, zur größten des Reiches, und zum Grafen von Sevilla ernennt er den lieben kleinen Bastard Sancho.

Er hörte die leisen Rufe der Wachen, die das nächtliche Lager abschritten. Seine innere Stimme sagte ihm: Das wird ein großer Tag werden, morgen, dieser 19. Juli – er suchte sich auf das Jahr zu besinnen, aber die hispanische Zeitrechnung und die der andern Christenheit gerieten ihm durcheinander, er fand das Jahr nicht und ärgerte sich, daß er dem Rodrigue recht gegeben hatte gegen seinen lieben Freund Don Martín. Aber in seinen Ärger hinein tönten Glocken und feierlicher Jubelgesang, sie sangen das Tedeum seines Sieges, und er schlief ein inmitten von Siegesgeläute. Er wachte auf inmitten von Glockengeläute. Denn noch vor der Sonne hatten, wie der Erzbischof es befahl, alle Glocken im Lande zu läuten begonnen von Alarcos bis Toledo.

Gleich nach Sonnenaufgang wurde den Soldaten Messe gelesen. Sehr viele empfingen die heilige Kommunion. Feierlich dann wurden die Reliquien gezeigt, welche die einzelnen Abteilungen in die Schlacht begleiten sollten. Die kostbarste, kräftigste Reliquie hatten die Calatrava-Ritter, die Cruz de los Angeles, ein Kreuz, das dem Dritten Alfonso zwei überirdische Pilger auf geheimnisvolle Weise zugestellt hatten. Eine jede Abteilung, Ritter und Knechte, kniete und küßte ihre Reliquie.

Auch vom Lager der Moslems her tönten Gebete. Dort riefen Priester und Offiziere die Krieger an mit den Versen des Korans: »O ihr Gläubigen, fasset Herz! Seid frohen Mutes! Fürchtet niemand außer Allah! Er hilft euch. Er stärkt euch den Fuß, daß er feststeht. Er gibt euch den Sieg.« Und die moslemischen Soldaten warfen sich zur Erde, die Hunderttausende, in der Richtung gegen Mekka, und beteten gellend die Erste Sure des Korans, das Siebengebet: »Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen. Preis sei Allah, dem Herrn der Welten, / Dem Wohltätigen, dem Allbarmherzigen, / Dem Richter am Tage des Gerichts. / Du allein bist Unser Gott, dich allein rufen wir um Hilfe an. / Zeig uns den rechten Weg, / Den Weg derer, denen du gnädig bist, / Und nicht den Weg derer, denen du zürnst und die in die Irre gehen.«

Die Schlacht begann.

Die Calatrava-Ritter hatten Befehl, als erste anzugreifen und das Zentrum des Feindes zu durchbrechen. In guter Ordnung hielten sie, ihrer achttausend, auf ihren erlesenen Pferden, weithin glänzend in ihren Rüstungen. Schallend sangen sie ihr Kriegsgebet, den sechzigsten Psalm Davids: »Wer führt mich in eine feste Stadt? Wer geleitet mich bis nach Edom? Mit Gott wollen wir Taten tun. Er wird unsere Feinde untertreten.«

Sie preschten los gegen das Zentrum des Feindes.

»Mit solcher Furie«, berichtet der Chronist Ibn Jachia, »stürmten die Verfluchten, daß ihre Pferde in die Spitzen der moslemischen Lanzen rannten. Zurückgeworfen, wichen sie nur eine kurze Strecke, dann stürmten sie von neuem. Wurden abermals zurückgeworfen. Ein drittes Mal ritten sie ihre schreckliche, wahnwitzige Attacke. ›Haltet aus, ihr Freunde!‹ rief Abu Hafas, der General, der das Zentrum kommandierte. ›Fasset Herz, ihr Gläubigen! Allah von seinem hohen Thron aus steht euch bei.‹ Allein die Verfluchten stürmten jetzt mit solcher Raserei, daß die Reihen der tapfern Moslems brachen. Abu Hafas selber, der General, hielt stand mit Löwenmut, starb kämpfend und erwarb die Märtyrerkrone. Die Verfluchten richteten ein fürchterliches Gemetzel an unter den Truppen des Zentrums; alle moslemischen Soldaten, die dort kämpften, waren von Allah erlesen für die Märtyrerkrone und gingen an diesem 9. Schawan ein in die zehntausend Freuden des Paradieses.«

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