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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Dann wollt Ihr Mistress Polly also zu den Tuscarora bringen?«, fragte Jamie, während er einen Maiskuchen in mundgerechte Stücke zerkrümelte.

Myers nickte und kaute vorsichtig; wenn man nur noch so wenige Zähne hatte wie er, stellten sogar frische Maiskuchen ein riskantes Unterfangen dar.

»Aye. Noch vier, fünf Tagesritte«, erklärte er. Er wandte sich an mich und lächelte mir beruhigend zu. »Ich passe auf, dass sie gut aufgenommen wird, Mrs. Claire, macht Euch keine Sorgen um sie.«

»Was wohl die Indianer von ihr denken werden, frage ich mich?«, sagte Ian. Er sah Pollyanne interessiert an. »Ob sie schon einmal eine Schwarze gesehen haben?«

Myers lachte.

»Junge, es gibt viele Tuscarora, die noch nie eine Weiße gesehen haben, Mrs. Polly wird sie nicht mehr erschrecken, als es deine Tante tun würde.« Myers trank einen großen Schluck Wasser und spülte sich damit den Mund. Er betrachtete Pollyanne nachdenklich. Sie spürte seinen Blick und erwiderte ihn unverwandt.

»Ich glaube aber, dass sie sie für eine Schönheit halten werden, sie mögen ihre Frauen gern schön rund.« Es war einigermaßen offensichtlich, dass Myers diese Bewunderung teilte. Sein Blick wanderte anerkennend und mit einem Hauch unschuldiger Lüsternheit über Pollyanne.

Sie sah das, und es kam eine außergewöhnliche Veränderung über sie. Obwohl sie sich kaum zu bewegen schien, konzentrierte sie sich auf einmal ganz auf Myers. Ihre Augen glänzten im Feuerschein schwarz und unergründlich. Sie war immer noch klein und schwer, doch durch eine ganz leichte Haltungsänderung waren plötzlich ihre ausladenden Brüste und breiten Hüften betont und rundeten sich zu einem Versprechen sinnlicher Fülle.

Myers schluckte hörbar.

Ich wandte den Blick von diesem kleinen Zwischenspiel ab und sah, dass Jamie es ebenfalls beobachtete. Er sah gleichermaßen amüsiert und besorgt aus. Ich stieß ihn unauffällig an und warf ihm einen Blick zu, der mit allem Nachdruck, den ich aufbrachte, »Tu etwas!« sagte.

Er blinzelte.

Ich riss die Augen auf und starrte ihn beschwörend an, was sich mit »Ich weiß nicht, was, aber tu etwas!« übersetzen ließ.

»Mmpf.«

Jamie räusperte sich, beugte sich vor, legte seine Hand auf Myers’ Arm und riss den Bergläufer aus seiner Trance.

»Ich würde mir nicht wünschen, dass die Frau auf irgendeine Weise missbraucht wird«, sagte er höflich, doch er legte einen Hauch von schottischer Anzüglichkeit in das Wort »missbraucht«, der grenzenlose Unanständigkeit andeutete. Er drückte leicht zu. »Werdet Ihr es auf Euch nehmen, für ihre Sicherheit zu garantieren, Mr. Myers?«

Myers warf ihm aus seinen blutunterlaufenen Augen einen verständnislosen Blick zu, doch dann dämmerte es ihm. Der Bergläufer befreite langsam seinen Arm, nahm dann seinen Becher, trank den letzten Schluck Whisky, hustete und wischte sich den Mund ab. Möglich, dass er errötete, doch durch seinen Bart war das nicht zu erkennen.

»O ja. Ich meine, o nein. Nein, wirklich nicht. Bei den Mohawk und den Tuscarora suchen sich die Frauen aus, mit wem sie ins Bett gehen, sogar, wen sie heiraten. Bei ihnen gibt es keine Vergewaltigung. O nein. Nein, Sir; sie wird nicht missbraucht, das kann ich versprechen.«

»Na, da bin ich ja froh, das zu hören.« Jamie lehnte sich beruhigt zurück und warf mir aus den Augenwinkeln einen erbosten »Ich-hoffe-du-bist-zufrieden«-Blick zu. Ich lächelte sittsam.

Ian war zwar noch keine sechzehn, doch er war viel zu aufgeweckt, als dass ihm dieser Wortwechsel entgangen wäre. Er gab ein bedeutsames schottisches Husten von sich.

»Onkel Jamie, Mr. Myers war so freundlich, mich einzuladen, ihn und Mrs. Polly zu begleiten und mir das Indianerdorf anzusehen. Ich sorge bestimmt dafür, dass sie dort gut behandelt wird.«

»Du –« Jamie brach ab. Über das Feuer hinweg warf er seinem Neffen einen langen Blick zu. Ich sah, wie es in seinem Kopf arbeitete.

Ian hatte nicht um Erlaubnis gebeten mitzugehen, sondern hatte uns mitgeteilt, dass er gehen würde. Wenn Jamie es ihm verbot, musste er es begründen – und er konnte kaum sagen, dass es zu gefährlich war, denn damit hätte er nicht nur eingestanden, dass er bereit war, die Sklavin einer Gefahr auszusetzen, sondern auch, dass er Myers und seinen Beziehungen zu den hier ansässigen Indianern nicht traute. Jamie saß in der Falle, und zwar gründlich.

Er atmete kräftig durch die Nase ein. Ian grinste.

Ich blickte wieder über das Feuer. Pollyanne saß noch genauso da wie zuvor, ohne sich zu bewegen. Ihr Blick ruhte auf Myers, und um ihre Lippen spielte ein einladendes Lächeln. Ihre Hand hob sich langsam und umfasste fast abwesend eine der massiven Brüste.

Myers starrte zurück, betäubt wie ein Reh, dem ein Jäger ins Gesicht leuchtet.

Und würde ich es anders machen?, dachte ich später, während ich dem Rascheln und dem leisen Stöhnen aus der Gegend von Myers’ Decke lauschte. Wenn ich wüsste, dass mein Leben von einem Mann abhing? Würde ich im Angesicht unbekannter Gefahren nicht alles tun, um sicherzugehen, dass er mich beschützte?

Etwas knackte und knisterte im hohen Gebüsch. Es war laut, und ich erstarrte. Jamie auch. Er zog seine Hand aus meinem Hemd und griff nach seinem Dolch, entspannte sich dann aber, als der beruhigende Geruch eines Stinktieres unsere Nasen erreichte.

Er schob seine Hand wieder unter mein Hemd, drückte sanft meine Brust und schlief wieder ein, sein Atem warm in meinem Nacken.

Vielleicht doch kein so großer Unterschied. War meine Zukunft irgendwie gesicherter als ihre? Und hing nicht mein Leben von einem Mann ab, der – zumindest zum Teil – durch das Verlangen nach meinem Körper an mich gebunden war?

Ein sanfter Wind strich durch die Bäume, und ich zog mir die Decke über die Schultern. Das Feuer war bis auf die Glut heruntergebrannt, und so hoch in den Bergen war es nachts kühl. Der Mond war untergegangen, doch es war sehr klar. Die Sterne flammten in der Nähe auf, ein Netz aus Licht, das über den Berggipfeln ausgeworfen war.

Nein, es gab Unterschiede. Wie ungewiss meine Zukunft auch sein mochte, ich würde sie teilen, und die Bindung zwischen mir und meinem Mann ging über das Körperliche hinaus. Doch darüber hinaus gab es den einen großen Unterschied – ich war aus freien Stücken hier.

Kapitel 15

Edle Wilde

Am Morgen nahmen wir Abschied von den anderen, wobei Jamie und Myers unser Zusammentreffen in zehn Tagen aufs genaueste besprachen. Angesichts der verwirrend riesigen Ausmaße der Wälder und Berge um mich herum konnte ich mir nicht vorstellen, wie sich irgendjemand sicher sein konnte, dass er eine bestimmte Stelle wiederfinden würde. Ich konnte mich nur auf Jamies Orientierungssinn verlassen.

Sie wandten sich nach Norden, wir nach Südwesten, indem wir dem Bach folgten, an dem wir übernachtet hatten. Zunächst kam es mir sehr ruhig und merkwürdig einsam vor, nur zu zweit zu sein. Doch innerhalb kürzester Zeit hatte ich mich an die Einsamkeit gewöhnt und fing an, mich zu entspannen und die Umgebung mit Interesse zu betrachten. Schließlich konnte dies unsere Heimat werden.

Diese Vorstellung war ziemlich einschüchternd – die Gegend war von erstaunlicher Schönheit und großem Reichtum, doch so wild, dass es mir kaum möglich erschien, dass Menschen dort lebten. Diesen Gedanken sprach ich jedoch nicht aus, sondern folgte nur Jamies Pferd, während er uns tiefer und tiefer in die Berge führte und schließlich am späten Nachmittag haltmachte, um ein kleines Lager aufzuschlagen und Fische für das Abendessen zu fangen.

Das Licht verblasste langsam und zog sich zwischen den Bäumen zurück. Um die dicken, bemoosten Stämme sammelten sich die Schatten. Oben waren sie immer noch in flüchtiges Licht getaucht, das sich im Laub verbarg, und grüne Schatten schwankten in der abendlichen Brise.

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