Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
Florestan klatschte vergnügt in die Hände ... »Gerettet, gerettet!« rief er, »wenigstens aus dem ärgsten Pech, in das ich geraten bin! ... Vielleicht wärs das gescheiteste, ich gestünde ihm auch die andere Misere? Er ist nun einmal im Zuge, mir beizuspringen! Allem Anschein nach ist er so arm nicht, wie er sich immer stellt. Bei seiner bescheidenen Lebensweise muß er ja auch ganz hübsch noch gespart haben, der alte Herr Papa! Ich kann wirklich sagen, daß mir seine Ankunft gelegen kommt, als wenn er mir vom Himmel geschickt wäre!«
Er wollte gerade gehen, als an die Tür geklopft wurde ... Auf sein Herein erschien ein Kammerdiener, mit einem silbernen Tellerchen in der Hand, auf dem ein ziemlich dickes, schwarz gesiegeltes Päckchen lag ... Florestan erbrach das Siegel. In dem Päckchen lagen 25 000 Franks in Bankscheinen. Sonst weiter nichts ... »Hurra!« rief er, »das war einmal ein Tag! Jetzt bin ich aus allen Schwulitäten! bin vollständig gerettet! Hurtig nun zum Juwelier! Aber – vielleicht ist's doch besser noch zu warten ... Verdacht gegen mich kann man nicht haben ... Fürs erste will ich die 25000 Franks doch lieber noch behalten ... Aber woher kommt mir das Geld in die Bude geschneit? Ich kenne die Handschrift ja nicht ... aber das Siegel? N. und L. – Aha! Von Klotilden! Sie hat gewiß was läuten gehört ... Aber daß sie kein Wort dazu schreibt, ist doch seltsam... Ei! Jetzt fällt mir ein, daß ich ihr zu heut früh ein Stelldichein versprochen hatte. Das ist mir über den Drohungen dieses Badinot ganz aus dem Gedächtnis gekommen... Sie hat gewiß auf mich gewartet und ist wieder weggegangen!... Heda, Jean!« rief er dem Lakaien zu, »wer hat dies Paket da gebracht?« – »Kanns nicht sagen, Herr Vicomte,« antwortete der Diener.
Zweites Kapitel.
Die Zusammenkunft
Das Palais Lucenay war eine jener wahrhaft königlichen Wohnungen der Vorstadt Saint-Germain, die wegen des darin verschwendeten Raumes eigentümlich großartig wirken. Im Treppenraume solchen Palastes, fände recht wohl ein modernes Haus Unterkunft, und an der Stelle, wo sie stehen, könnte man eine ganze Straße anlegen... Vicomte von Saint-Remy hatte zunächst seinen Gläubiger von der Verpflichtung seines Vaters, mit dem Gelde um 10 Uhr bei ihm zu sein, unterrichtet, und dieser hatte sich einverstanden erklärt, bis zu dieser Zeit zu warten. Dann verfügte er sich zu der Herzogin von Lucenay, um ihr für den ihm abermals geleisteten Dienst seinen Dank abzustatten. Ein Lakai öffnete die beiden Flügeltüren und meldete ihn an. Die Herzogin, die der Meinung war, der Graf könne seinem Sohne nicht verschwiegen haben, daß sie mit ihm zusammen gelauscht, daß auch sie alles mitangehört habe, war nicht bloß erstaunt, den Vicomte bei sich zu sehen, sondern höchst unwillig darüber, daß er zu ihr kam... Mit den Worten: »Teure Klotilde! Wie gütig sind Sie!« trat er auf sie zu... Aber er konnte nicht weiter sprechen, denn die Herzogin maß ihn mit einem so kalten, verächtlichen Blicke, daß ihm aller Mut sank, daß er keinen Schritt weiter entgegenzugehen wagte. So hatte er sie noch nie gesehen und konnte kaum glauben, daß er derselben Frau gegenüberstände, die er so oft so zärtlich, so sanft, so liebevoll und unterwürfig gesehen hatte. Kaum war aber seine erste Ueberraschung verflogen, so schämte er sich seiner Schwäche, und seine gewöhnliche Keckheit gewann wieder die Oberhand ... Einen Schritt näher zu der Herzogin tretend, wollte er ihre Hand ergreifen und begann im einschmeichelndsten Tone: » Aber, Klotilde! Was ist dir denn? So schön habe ich dich ja noch nie gesehen und doch ...« – »Das geht doch zu weit!« rief die Herzogin empört und so weit zurückweichend, daß Florestan abermals wie niedergedonnert dastand ... Langsam sammelte er sich aber und fragte: »Aber, wollen Sie mir nicht wenigstens sagen, woher diese jähe Wandlung kommt? Habe ich Ihnen denn etwas zu leide getan? Was begehren Sie?«
Ohne ihn einer Antwort zu würdigen, maß ihn die Herzogin vom Kopf bis zu den Füßen mit einer so verletzenden Miene, daß Florestan die Zornesröte in die Wangen schoß und er ausrief: »Madame, daß Sie es zuweilen lieben, Verhältnisse jäh abzubrechen, weiß ich, aber ich hielt mich gefeit dagegen und frage Sie jetzt nur: Liegt Ihnen daran, unser Verhältnis abzubrechen?« – »Eine wunderliche Anmaßung!« erwiderte die Herzogin mit höhnischem Lachen, »bestiehlt mich ein Lakai, dann breche ich nicht ab mit ihm, sondern werfe ihn zum Hause hinaus!« – »Madame!« rief Vicomte. – »Machen wir ein Ende!« rief die Herzogin, noch immer in demselben beleidigenden Tone, »Ihre Gegenwart ist mir ein Greuel! Was wollen Sie noch hier? Haben Sie Ihr Geld nicht erhalten?« – »Also habe ich doch richtig geraten? Diese 25 000 Franks stammen von Ihnen?« – »Nun, Ihr letzter falscher Wechsel ist präsentiert worden, nicht wahr? Hoffentlich haben Sie ihn eingelöst und also die Ehre Ihres Namens, Ihrer Familie gerettet? ... Nun aber gehen Sie!«
»Klotilde! Klotilde!«
»Nennen Sie mich nicht noch ein einziges Mal so!« rief die Herzogin empört: »schade um das schöne Geld! Wieviel rechtlichen Menschen hätte damit geholfen werden können! Aber es war notwendig, den Schimpf von Ihrem Vater zu nehmen, den Schimpf von mir zu nehmen!« – »Sie wissen also alles? Klotilde, alles? dann bleibt mir freilich nichts anderes übrig als der Tod ...« – Die Herzogin ließ ein schrilles Lachen hören... »Ich hätte nicht geglaubt,« rief sie höhnisch, »daß Niederträchtigkeit sich so albern breitmachen könnte ...« – Aus Florestans Zügen flammte wilde Wut ... »Madame!« schrie er. – »Genug, genug!« rief die Herzogin, »auf der Stelle verlassen Sie meine Wohnung!«
Mit wutverzerrtem Gesicht drehte Saint-Remy sich auf dem Absatze herum und stürzte aus dem Zimmer ... Im Hofe angelangt, herrschte er seinem Kutscher zu: »Nach Hause!« und war mit einem Satze im Wagen ... Als er zu Hause ankam, meldete ihm der auf ihn wartende Lakai, daß sein Herr Vater bereits auf ihn warte ...
»Es ist auch ein anderer Mann noch da, ein Herr Petit-Jean, den der Herr Vicomte heute abend um zehn hierher bestellt haben.«
»Gut!« rief der Vicomte und trat in sein Zimmer ... »Ach, lieber Papa, ich bitte tausendmal um Entschuldigung, daß ich Sie habe warten lassen ...« – Der Graf fiel ihm mit strenger Stimme ins Wort: »Ist der Mann zur Stelle, der den gefälschten Wechsel in Händen hat?« – »Jawohl, Vater, er wartet unten.« – »So laß ihn heraufkommen!« – Florestan klingelte.
»O, Vater, Sie sind wirklich edel und voll Güte!« sagte er. – »Mein Name soll nicht entehrt werden und wird nicht entehrt werden, solange ich über ihn wachen kann,« versetzte der Graf und sah seinen Sohn mit seltsamem Blicke an ...
»Herr Petit-Jean,« meldete der Kammerdiener, einen Menschen mit bauernschlauem Gesicht, auf dem deutlich die Gemeinheit zu lesen stand, in das Zimmer führend. – »Wo ist der Wechsel?« fragte der Graf. – »Hier, Herr Graf,« erwiderte Petit-Jean, der nichts anders war als der vorgeschobene Agent Jakob Ferrands – und behändigte dem Grafen den Wechsel. – »Ist das der richtige Wechsel?« fragte er den Sohn. – »Ja, Vater,« antwortete dieser. – Der Graf nahm aus seinem Portefeuille 25 Tausendfranks-Scheine und gab sie dem Sohne mit den Worten: »Da, nimm und bezahle!« –
Mit einem tiefen Seufzer übergab Florestan dem Agenten das Geld und nahm den Wechsel dafür entgegen. Petit-Jean überzählte das Geld genau und steckte es dann in seine Brieftasche. Während der Graf den Mann zur Tür hinaus begleitete, zerriß Florestan den Wechsel, bei sich denkend: »Auf diese Weise bleiben mir doch wenigstens die 25 000 Franks von Klotilden, das ist immerhin ein Trost! Aber wie sie mich behandelt hat, war geradezu schändlich ... Was mag denn Papa draußen mit dem Wichte Petit-Jean reden?«
Da fuhr er unwillkürlich zusammen, denn er hörte, wie die Tür zweimal verschlossen wurde, und sah im andern Augenblicke den Vater vor sich stehen ... »Mir war es doch, als wenn die Tür geschlossen würde, Vater.« – »Ganz recht. Ich habe sie geschlossen.« – »Und warum?« fragte Florestan verwundert. – »Du sollst es gleich hören,« antwortete der alte Graf mit der strengen Stimme von vorhin. »Heute früh beherrschte dich kein anderer Gedanke als: der Vater läßt solchen Makel nicht auf seinen Namen kommen und wird schon Geld schaffen, wenn ich ihn durch ein paar reuige Redensarten mürbe mache« ... »Aber, Papa!« – »Still!« befahl der Graf, »unterbrich mich nicht! Aber ich habe mich durch dich nicht irre führen lassen! Du kennst weder Reue noch Scham, denn du bist bis ins Mark verdorben und hast nie einen rechtschaffenen Gedanken gehabt. Erst hast du mir, um deine Launen zu befriedigen, Geld aus dem Kasten gestohlen; dann kamen andere unsaubere Dinge, Gemeinheiten, erbärmliche Streiche, zuletzt wurdest du zum Verbrecher, zum Fälscher ... Aber das ist nur der erste Abschnitt deiner Laufbahn, hast du dir schon gesagt, wie der zweite verlaufen wird? Ich mag ihn dir nicht ausmalen; aber das Ende will ich dir sagen: es wird das Schafott sein, das dem Mörder winkt! – Noch komme ich zurecht, meinen Namen vor dem äußersten Schimpfe zu bewahren. Das Verhältnis zu dir muß ein Ende nehmen!«