Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
Martial ging, die Kinder blieben allein und unterhielten sich noch eine Weile über den Verlust der Tücher, die ihnen beiden über die Maßen gefallen hatten und die sie beide recht gern behalten hätten ... Da hörten sie, daß draußen der Schlüssel in der Tür herumgedreht wurde ... »Schwester,« rief Franz, »wir werden eingesperrt... warum denn?« – »Ach, Bruder, vielleicht will man uns was zu leide tun?« – »Höre nur, Schwester,« sagte Franz, »klingts nicht, als wenn man mit Hämmern gegen Martials Tür schlüge? Höre doch nur! Das klingt ja gerade als würde etwas festgenagelt... Und Martials Hund winselt kläglich!« – »Franz, Franz, ich ängstige mich,« schrie Amandine, »was hat man wider unsern guten Martial vor? Sein Hund winselt ja schrecklich!« –
Franz schlich zur Tür hin. Es war aber schon still draußen geworden. Weder er, noch die Schwester getrauten sich, zu atmen; aber sie lauschten und lauschten, bis sie auf einmal sich bei Namen rufen hörten ... »Martial ruft uns!« flüsterte Amandine, »Gott! Was gibt es nur? – Die Küchentür ist aufgemacht worden, ich habs ganz deutlich gehört.« – »Höre nur, Schwesterchen, der Hund heult schon wieder.« – »Ach Gott! Daß wir nicht aus der Kammer heraus können! Wir können dem armen Bruder gar nicht helfen.« – »Könnte ich hinaus,« rief Franz, »dann versuchte ich mein Aeußerstes, dem Bruder zu helfen, und wenn man mich gleich in Stücke hiebe!« – »Ach, der arme Martial weiß gewiß nicht, daß man uns eingesperrt hat, und wird nun denken, wir wollen ihm nicht zu Hilfe kommen! Rufe ihm doch zu, daß man uns eingesperrt hat, Franz!«
Eben schickte sich Franz an, diesem Rate seiner kleinen Schwester zu folgen, als von außen gegen das Ladenfenster ein heftiger Schlag geführt wurde ... »Sie wollen zu uns herein, Franz,« rief Amandine und kroch in den äußersten Winkel der Kammer, »sie wollen sicher auch uns umbringen!« – Franz teilte zwar die Furcht seiner Schwester, blieb aber auf dem Flecke stehen, wo er stand, ohne ein Glied zu rühren. Trotz der kräftigen Schläge gab der Laden nicht nach, und jetzt herrschte in dem Hause die tiefste Stille. Martial rief nicht mehr. Franz aber, von unwiderstehlicher Neugierde getrieben, versuchte das Fenster ein wenig aufzumachen, um zwischen den Ritzen der Jalousien hindurch zu lugen ...
»Sieh dich vor, Franz,« warnte ihn Amandine, die sich, als sie das Fenster knarren hörte, noch tiefer in ihren Winkel verkroch ... »Sprich! Siehst du was?« – »Laternenschein,« versetzte Franz, »Kürbis steht auf der Leiter ... Sie ruft jemand zu, der unter ihr steht, er möge festhalten.« – »Sicher wollen sie zu Martial durchs Fenster steigen!« – »Kann sein.« – »Sieh doch zu, ob du durch die Jalousie etwas wahrnehmen kannst?« – »Nein, die Mutter könnte es merken. Aber die Leiter ist jetzt an Martials Fenster gelehnt, das kann ich sehen, und nicht Kürbis steigt hinauf, sondern Niklas, mit einem Beile in der Hand ...«
Da hörten die Kinder die kreischende Stimme der Mutter .,. »Was? Ihr Satansbrut seid noch nicht zu Bett? Laßts euch nicht einfallen, zu spionieren?« – Die armen Kinder hatten vergessen, ihr Licht auszublasen, und die schlimme Frau hatte, als sie nach der Küche ging, den Lichtschein bemerkt ... . »Wartet, ich will euch Maul und Augen stopfen! Ihr sollt mich kennen lernen!« Und rasend vor Wut stürmte, die Frau aus der Küche und die Treppe hinauf zu der Kammer, in welcher die Kinder hausten ... Solches trug sich auf der Seine-Insel, die den Süßwasserpiraten zum Schlupfwinkel diente, zu, am Abend vor dem Tage, an welchem die Seraphim die Schalldirne zu Martials bringen sollte ...
Siebentes Kapitel.
Eine möblierte Mietswohnung.
In der Mitte der Passage Brasserie – eines dunklen, wenig begangenen Weges, der von der Rue Saint-Honoré bis zum Saint-Guillaume-Hofe führte – wohin kaum ein Sonnenstrahl fiel – stand ein kleines Haus, worin möblierte Stuben zu vermieten waren, wie ein ärmlich ausgestattetes Plakat mitteilte. In dem finstern Hausflur führte eine Tür zu einem ebenfalls finstern Raume, worin sich gemeinhin der Hausverwalter aufzuhalten pflegte: Micou mit Namen, seines Zeichens Altwarenhändler, der aber auch Hehlergeschäfte trieb und mit Vorliebe Metall, Eisen, Blei, Zinn und Kupfer einhandelte. Er stand – und das wird dem Leser für seine sittliche Bewertung genügen – mit Martials seit langen Jahren im Verkehr. Micou war ein dicker Mann im Alter von annähernd fünfzig Jahren, mit einem gemeinen, aber pfiffigen Gesicht, in welchem sich eine mit Finnen und Blüten reichbesetzte Nase zwischen von Schnaps und Wein geröteten Backen breit machte. Auf dem Kopfe hatte er eine Otterfell-Mütze; seinen Oberleib deckte ein alter grüner Carrick.
In dem Raume des Erdgeschosses, worin er hauste, war kaum ein Fleck zum Gehen frei; an den Wänden hingen allerhand Ketten, und auf dem Estrich lag allerhand Eisen- und anderes Gerät herum ... Es wurde dreimal an die Tür geklopft. Micou spitzte die Ohren. Es war das Zeichen, daß ein vertrauter Gast Einlaß begehrte... Auf sein Herein erschien Niklas, der Sohn der Witwe Martial, auf der Schwelle, dessen Gesicht noch finsterer als gewöhnlich aussah und eine unheimliche Blässe zeigte ...
»Na, da kommst du doch,« sagte Micou in freundlicher Weise zu ihm. »Was hat dich wieder mal hergeführt?« – »Geschäfte, Vater Micou, Geschäfte!« – »Bringst du Rost oder Bläres?« – »Bläres, Micou, vier stattliche Stücke! Mein Hund hats kaum ziehen können.« – »Na, so brings herein! Wir wollens wiegen.« – »Micou, Ihr müßt mir dabei helfen, denn mein Arm ist lädiert.« Und die Erinnerung an den mit dem Bruder geführten Kampf verzerrte ihm das Gesicht zu Haß und wilder Freude, als wenn er endlich seine Rachlust gestillt hätte.
Zweimal mußten sie gehen, um den Karren zu leeren, vor den ein kräftiger Hund gespannt war ...
»Wie gehts und stehts daheim, Niklas?« fragte der Hehler, das Kupfer abwiegend; »Mutter und Schwester wohlauf?« – »Ja, Micou.« – »Und die Kleinen auch?« – »Ja, Micou.« – »Der Martial macht noch immer Späne?« – »Kanns nicht sagen, Micou,« antwortete Niklas, »hab ihn ein paar Tage lang nicht gesehen. Vielleicht ist er auf Wilddieberei ausgewesen und verunglückt; vielleicht hat er auch im Boote Pech gehabt?« – »Oho!« rief Micou, »und dir lockts keine Träne in die Augen? Freilich, hast ja den Bruder nie leiden mögen! – Doch nun zum Geschäft! Wie schwer wiegen die Kupferzaine?« – »Hast doch ein gutes Augenmaß, Micou! Zusammen sinds 150 Bläres.« – »Und was willst du dafür?« – »Dreißig Franks.« – »Bist nicht gescheit, Niklas. Kein Mensch zahlt mir für ein Pfund Bläres mehr als 20 Sous.« – »Micou, nur nicht gar zu viel schinden! Ich will Ware dagegen nehmen; dann verlange ich aber, was ich sagte, auf Heller und Pfennig.« – »Was brauchst du? Ketten oder Klammern?« – »Eisenblech, 3-4 Stücke, um Fensterläden zu beschlagen.« – »Das kannst du haben.« – »Dann brauche ich drei Eisenstangen von zwei Zoll Stärke und etwa 3–4 Fuß Länge, mit zwei Scharnieren und einer Klinke, um eine Klappe von zwei Fuß im Quadrat bequem schließen und öffnen zu können.« –