Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Wie wär’s mit einem kleinen Ponyritt?« schlug ich vor. »Drüben bei Mr. St. Trewes kann man auf Ponys reiten.«
»Das ist was für Kleinkinder«, sagte Eglantine abweisend.
»Hast du dir schon wahrsagen lassen?« Ich gab nicht auf.
»Ja. Die Wahrsagerin meinte, sie sähe in der Kristallkugel, daß ich eine lange Reise machen würde.«
Je eher, um so besser, dachte ich.
»Bei den Galanteriewaren gibt es ein paar hübsche Federhalterwischer«, schlug ich schamlos vor.
»Ich will keine Federhalterwischer«, sagte Eglantine. »Ich will den Hauptgewinn.«
Sie beobachtete mich noch eine weitere halbe Stunde mit Argusaugen, bis Professor Peddick auftauchte.
»Wie das Feld bei Runnymede«, sagte er mit einer Geste, die den ganzen Rasen mitsamt Ständen und Teezelt umfaßte. »Die Barone mit ihren großen Zelten und Bannern, über das große Feld verstreut, während sie darauf warten, daß König Johann und seine Gefolgschaft eintrifft.«
»Da wir grad von Runnymede sprechen«, sagte ich, »sollten wir nicht besser nach Oxford zurückkehren, um Ihre Schwester und Ihre Nichte zu treffen? Sie werden Sie ohne Zweifel vermissen.«
»Pah!« meinte er. »Dazu ist noch genug Zeit. Sie bleiben den ganzen Sommer über. Der Colonel hat einen rotgepunkteten Silbertancho bestellt, der morgen hier eintreffen soll.«
»Terence und ich könnten Sie mit der Bahn nach Oxford bringen, damit Sie zu Hause mal nach dem Rechten schauen können. Und dann könnten Sie wieder hierherkommen, um den rotgepunkteten Silbertancho zu sehen.«
»Völlig unnötig«, entgegnete Professor Peddick. »Maudie ist sehr tüchtig. Ich bin sicher, daß die Dinge bei ihr in besten Händen sind. Außerdem bezweifle ich, daß Terence überhaupt von hier fort möchte, nun, wo er sich mit Miss Mering verlobt hat.« Er schüttelte den Kopf. »Ich für meinen Teil halte nicht viel von solchen überhasteten Verlobungen. Was meinen Sie dazu, Henry?«
»Daß kleine Lauscher große Ohren haben.« Ich blickte zu Eglantine, die in der Nähe der Schatzsuche stand und die Hände hinterm Rücken verschränkt, nachdenklich die Quadrate betrachtete.
»Hübsches kleines Ding, aber null Ahnung von Geschichte«, meinte Professor Peddick, der den Hinweis nicht begriff. »Denkt, Nelson verlor seinen Arm, als er gegen die Spanische Armada kämpfte.«
»Wollen Sie auch graben?« fragte Eglantine und kam zu uns.
»Graben?«
»Nach dem Schatz«, sagte sie.
»Wie einst Professor Schliemann im alten Troja.« Der Professor hob die kleine Schaufel auf. »›Fuimus Troes; fuit Ilium.‹«
»Zuerst müssen Sie zwei Penny bezahlen«, sagte Eglantine. »Und eine Zahl wählen.«
»Eine Zahl?« Professor Peddick wühlte in seiner Tasche, bis er zwei Penny fand. »Gut, gut. Fünfzehn für den Tag und das Jahr, an dem dieMagna Charta unterzeichnet wurde.« Er ließ das Geld fallen. »Der fünfzehnte Juni 1215.«
»Das ist morgen«, sagte ich. »Es gäbe doch kaum ein passenderes Datum für uns, um nach Runnymede zu gehen, als dieser Jahrestag der Unterzeichnung. Wir könnten Ihrer Schwester telegrafieren, daß sie uns dort treffen möchten, und morgen früh mit dem Boot losrudern.«
»Zu viele Ausflügler«, erwiderte Professor Peddick. »Vertreiben die Fische.«
»Fünfzehn ist keine gute Zahl«, sagte Eglantine. »Ich hätte neun gewählt.«
»Nimm.« Professor Peddick reichte ihr die Schaufel. »Grab du für mich.«
»Darf ich behalten, was ich finde?«
»Wir teilen uns die Beute«, sagte er. »›Fortuna belli semper anticipiti in loco est.‹«
»Was kriege ich, wenn nichts im Feld fünfzehn liegt?«
»Limonade und Kuchen im Teezelt«, sagte Professor Peddick.
»Es liegt nichts in fünfzehn.« Eglantine begann trotzdem zu graben.
»Ein schicksalhafter Tag, der fünfzehnte Juni«, meinte Professor Peddick und schaute ihr zu. »Am fünfzehnten Juni 1814 marschierte Napoleon mit seiner Armee in Belgien ein. Wäre er nach Ligny vorgedrungen, anstatt in Fleurus zu halten, hätte er eine Bresche zwischen die Armeen von Wellington und Blücher geschlagen und die Schlacht von Waterloo gewonnen. Ein Tag, der den Lauf der Weltgeschichte für immer veränderte, dieser fünfzehnte Juni.«
»Ich sagte Ihnen, es liegt nichts im Feld fünfzehn«, maulte Eglantine. »Ich glaube, in keinem Feld liegt irgendwas. Wann bekomme ich meine Limonade und den Kuchen?«
»Gleich, wenn du möchtest.« Professor Peddick nahm sie beim Arm und führte sie zum Teezelt. Endlich hatte ich Gelegenheit, nach Oxford zu springen.
Ich hatte aber noch keine drei Schritte in Richtung Gartenpavillon getan, als ich von Mrs. Chattisbourne aufgehalten wurde. »Mr. Henry«, sagte sie. »Haben Sie Eglantine gesehen?«
Ich sagte ihr, ihre Tochter sei im Teezelt.
»Ich nehme an, Sie haben bereits die erfreuliche Nachricht von Miss Merings und Mr. St. Trewes’ Verlobung gehört«, sagte sie.
Ich bejahte es.
»Juni ist der perfekte Monat, um sich zu verloben, meinen Sie nicht auch, Mr. Henry? Und so viele hübsche junge Mädchen hier in der Nähe. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie sich ebenfalls bald verloben würden.«
Ich sagte ihr noch einmal, daß Eglantine im Teezelt sei.
»Vielen Dank«, erwiderte sie. »Oh, falls Sie Finch sehen, sagen Sie ihm doch bitte, daß wir am Kuchenstand fast keinen Pastinakenwein mehr haben.«
»Wird gemacht, Mrs. Chattisbourne.«
»Finch ist ein so wunderbarer Butler«, fuhr sie fort. »So umsichtig. Wissen Sie eigentlich, daß er bis nach Sowester fuhr, nur um Gewürzkuchen für den Kuchenstand zu besorgen? Er verbringt jede freie Minute damit, landauf und landab zu reisen, um nach Delikatessen Ausschau zu halten. Gestern holte er bei Farmer Bilton Erdbeeren. Er ist einfach phantastisch. Der beste Butler, den wir je hatten. Ich halte Tag und Nacht Ängste aus, daß er uns bald abgeworben werden könnte.«
Ängste, die unter den gegebenen Umständen berechtigt sind, dachte ich und fragte mich, was Finch wirklich in Sowester und bei Farmer Bilton gesucht hatte. Und ob Mrs. Chattisbourne mich jemals wieder in Ruhe lassen würde.
Schließlich ging sie, aber nicht, bevor nicht Pansy und Iris aufgetaucht waren, die kichernd zwei Penny auf drei und dreizehn setzten (ihre Glückszahlen). Es dauerte nahezu eine halbe Stunde, bis ich die drei wieder los war, und inzwischen mußte Eglantine jeden Moment zurückkommen.
Ich rannte zur Auffahrt, wo das Ponyreiten stattfand und fragte Terence, ob er mich einige Minuten bei der Schatzsuche ablösen könne.
»Was muß ich da tun?« wollte er mißtrauisch wissen.
»Den Leuten eine Schaufel aushändigen und ihnen zwei Penny abknöpfen«, sagte ich. Die Sache mit Eglantine ließ ich unter den Tisch fallen.
»Mach’ ich«, sagte Terence und band das Pony an einen Baumstamm. »Im Vergleich zu dem hier scheint es wirklich ein Leichtes zu sein. Seit heute morgen werde ich unaufhörlich getreten.«
»Von dem Pony?« fragte ich und beäugte es argwöhnisch.
»Von den Kindern.«
Ich zeigte ihm, wo die Schatzsuche aufgebaut war und gab ihm die Schaufel. »In einer Viertelstunde bin ich wieder zurück«, versprach ich.
»Laß dir ruhig Zeit«, erwiderte er.
Ich dankte ihm und machte mich schleunigst zum Sommerhaus auf. Beinahe hätte ich es geschafft. Am Rand der Fliederbüsche jedoch fing mich der Kurator ab und sagte: »Gefällt Ihnen das Fest, Mr. Henry?«