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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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Prinzessin Arjumand miaute auf meiner Schulter, durch den Ruck verstört, und sprang neben mich auf die Bank.

Verity und Cyril schliefen weiter. Prinzessin Arjumand streckte sich, ging dann zum Bootsrand und schaute darüber, die Hinterpfoten auf dem Schandeckel. Vorsichtig tauchte sie eines ihrer weißen Pfötchen ins Wasser.

Das gebrochene Licht der Sonnenstrahlen fiel inzwischen in einem anderen Winkel durch die Weidenblätter, und es glänzte goldener. Ich zog meine Taschenuhr heraus und schnippte sie auf. Halb nach III. Wir mußten zurück, bevor uns irgend jemand vermißte. Wenn wir nicht bereits vermißt wurden.

Es brach mir fast das Herz, Verity wecken zu müssen. Sie sah so friedlich aus, wie sie hier lag und schlief, mit einem Anflug von Lächeln auf den Lippen, als träumte sie etwas Angenehmes. »Verity«, sagte ich sanft und beugte mich vor, um ihre Schulter zu berühren.

Hinter mir platschte es laut, und ich warf mich herum zum Bootsrand. »Prinzessin Arjumand!« rief ich, und Cyril setzte sich mit überraschter Miene auf.

Von der Katze war nichts zu sehen. Ich lehnte mich über den Schandeckel und krempelte den Ärmel hoch. »Prinzessin Arjumand!« Ich streckte den Arm tief ins Wasser und ließ ihn kreisen. Wo war sie? »Du wirst jetzt nicht ertrinken! Hörst du? Nicht, nachdem wir das ganze Universum aufs Spiel gesetzt haben, um dich zu retten!« rief ich. Die Katze tauchte auf und begann, auf das Boot zuzuschwimmen. Das nasse Fell klebte ihr am Kopf.

Ich packte sie im Genick und zog sie ins Boot. Sie sah aus wie eine ertrunkene Ratte. Cyril gesellte sich zu uns, und sein Gesichtsausdruck war interessiert und, wie ich festzustellen glaubte, erfreut.

Ich zog mein Taschentuch hervor und wollte Prinzessin Arjumand damit abtrocknen, aber es war zu klein. Also hielt ich unter der Sitzbank nach einer Decke oder einem Handtuch Ausschau, fand aber nichts. Alles lief darauf hinaus, daß ich mein Jackett benutzen mußte.

Ich zog es vorsichtig von Veritys Schultern, schlang es um Prinzessin Arjumand und machte mich daran, sie trockenzureiben. »Deine Vorliebe für Fisch wird dich noch umbringen, das ist dir doch klar, oder?« sagte ich und trocknete ihr den Rücken und Schwanz ab. »Katzen haben nämlich nur neun Leben, und du hast bereits sieben davon verbraucht, soweit ich weiß. Du solltest dir ein gefahrloseres Laster zulegen. Rauchen zum Beispiel.«

Prinzessin Arjumand wand sich in meinem Griff. »Du bist noch nicht trocken.« Ich fuhr fort, sie abzureiben. Sie kämpfte weiter dagegen an, und nach einer Minute gab ich sie frei. Würdevoll, wenn auch reichlich mitgenommen, stolzierte sie an Cyril vorbei, setzte sich mitten auf die Bank und begann, sich zu säubern.

Ich legte meine Jacke zum Trocknen über den Bug und sah erneut auf die Taschenuhr. Viertel nach IV. Jetzt mußte ich Verity wecken, obwohl sie anscheinend wie eine Tote schlief, so wenig, wie sie eben von dem Geschehen mitbekommen hatte. Ich ließ die Taschenuhr zuschnappen. Verity öffnete die Augen. »Ned«, sagte sie schläfrig. »Bin ich eingeschlafen?«

»Ja. Fühlen Sie sich jetzt besser?«

»Besser?« fragte sie überlegend. »Was war los?« Sie setzte sich auf. »Ich erinnere mich, daß ich gesprungen bin und…« Ihre Augen weiteten sich. »Zeitkrankheit, stimmt’s? Wegen dieser vielen Sprünge zum Mai und August.« Sie legte die Hand auf die Stirn. »War es schlimm?«

Ich grinste. »Schlimmster Fall, den ich je gesehen habe. Erinnern Sie sich nicht?«

»Nur verschwommen. Der Schleier vor meinen Augen und im Hintergrund so eine Art Sirene…«

»Die Entwarnung«, sagte ich.

»Ja. Und dann so ein pfeifendes Schnauben…«

»Cyril.«

Verity nickte. »Wo sind wir hier?« Sie schaute in die Weiden hoch und dann aufs Wasser.

»Ungefähr eine halbe Meile von Muchings End entfernt«, erklärte ich. »In Ihrer Verfassung war es besser, daß niemand Sie zu Gesicht bekam, bevor Sie nicht etwas Schlaf bekommen hatten. Fühlen Sie sich jetzt besser?«

»Mmmh.« Sie streckte sich. »Warum ist Prinzessin Arjumand so naß?«

»Sie wollte fischen und fiel dabei ins Wasser«, sagte ich.

»Oh.« Verity gähnte.

»Sind Sie sicher, daß es Ihnen besser geht?«

»Ja. Viel besser.«

»Gut.« Ich löste die Leine. »Dann rudern wir besser zurück. Es ist beinahe Teezeit.« Ich nahm die Ruder und manövrierte uns unter den Weiden hervor in die Mitte des Flusses.

»Danke«, sagte Verity. »Ich muß ein übles Bild abgegeben haben. Ich habe doch nicht etwa etwas Peinliches gesagt, oder?«

»Nur, daß Napoleon die Schlacht bei Waterloo wegen seiner Hämorrhoiden verloren hat«, sagte ich und ruderte flußabwärts. »Eine Theorie, die ich an Ihrer Stelle weder Professor Overforce noch Professor Peddick erzählen würde.«

Verity lachte. »Kein Wunder, daß Sie mich entführen mußten. Habe ich Ihnen auch erzählt, was T. J. mit der Schlacht bei Waterloo tut?«

»Nicht genau.«

»Er läßt Simulationen mit Inkonsequenzen laufen«, sagte sie. »Die Schlacht bei Waterloo gehört zu den Schlachten, die bis ins kleinste analysiert worden sind. In den zwanziger Jahren entstand eine ausgefeilte Computersimulation davon.« Sie beugte sich vor. »T. J. benutzt sie und baut Inkonsequenzen ein, die den Lauf der Dinge verändern könnten. Sie wissen schon — was wäre, wenn Napoleon Ney eine leserliche Nachricht geschickt hatte? Was, wenn d’Erlon verwundet worden wäre?«

»Was, wenn Napoleon keine Hämorrhoiden gehabt hätte?«

Verity schüttelte den Kopf. »Nur Dinge, die ein Historiker bewirken kann«, sagte sie. »Nachrichten verändern oder Musketen abfeuern. Außerdem vergleicht T. J. die auftretenden Schlupfverluste mit unserer Inkonsequenz.«

»Und?«

»Er ist erst am Anfang«, sagte sie abwehrend. »Außerdem sind es reine Theorien.« Was hieß, sie wollte es mir nicht sagen.

»Hat Miss Warder Ihnen gesagt, wie hoch der Verlust bei unserem Sprung war?«

»Ja. Neun Minuten.«

Neun Minuten.

»Und was ist mit Ihren Sprüngen zum Mai und August?«

»Unterschiedlich. Im Durchschnitt sechzehn Minuten. Das deckt sich mit früheren Sprüngen in diese Zeit.«

Inzwischen hatten wir Muchings End fast erreicht. Ich zog die Taschenuhr heraus und schaute darauf. »Wir sind rechtzeitig zum Tee zurück«, sagte ich. »Also wird man uns keine Fragen stellen. Falls doch, behaupten wir, wir seien nach Streatley gerudert, um Ankündigungen für den Basar aufzuhängen.« Ich zog mein feuchtes Jackett an, und Verity ordnete ihr Haar und setzte den Hut auf.

Sechzehn Minuten, und neun bei Veritys Sprung. Selbst wenn ihr Sprung einen durchschnittlichen Schlupfverlust aufgewiesen hätte, wäre sie zu spät oder zu früh dran gewesen, um die Katze zu retten und die Inkonsequenz zu verursachen. Und bei neun Minuten hatte der Verlust nicht einmal das Limit erreicht. Warum hatte das Netz den Schlupfverlust nicht bis zum Durchschnitt erhöht? Oder sich geschlossen, bevor die Inkonsequenz eingetreten war? Und warum öffnete es sich jetzt bei Carruthers nicht mehr?

Die Anlegestelle war nur noch ein paar hundert Meter entfernt. »Wenn wir Glück haben, hat nicht einmal jemand gemerkt, daß wir auf dem Fluß unterwegs waren«, sagte ich und ruderte auf die Anlegestelle zu.

»Unser Glück hat Ausgang«, sagte Verity. Ich drehte mich auf der Bank um und sah Tossie und Terence zum Ufer hinunterlaufen. Sie winkten uns.

»Oh, Cousine!« rief Tossie. »Du wirst es nicht glauben, was passiert ist! Mr. St. Trewes und ich haben uns verlobt!«

16. Kapitel

»… und Regeln gibt es anscheinend überhaupt keine; oder falls es welche gibt, hält sich keiner daran — und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie durcheinander man wird, wenn das ganze Spielgerät lebendig ist.«

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