Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Aha«, entgegnete ich und kaufte ein Lesezeichen, auf dem die Worte: »Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen. Matth. 6, Vers 19« eingestickt waren.
»Nein, nein, Mr. Henry!« Mrs. Mering schoß wie ein bunter Raubvogel auf mich und die im Kreuzstich gehäkelten Teedeckchen nieder. »Das ist nicht der richtige Platz für Sie. Ich brauche Sie dort drüben.«
Sie führte mich über den Rasen an den Ständen für die Strick- und Häkelwaren, der Angel- und der Wurfbude und dem Teezelt vorbei zu einer Stelle, wo Sand inmitten einer hölzernen Umrandung aufgehäuft war. Baine unterteilte ihn gerade mit einer kleinen Schaufel in Vierecke.
»Hier ist die Schatzsuche, Mr. Henry«, sagte Mrs. Mering und drückte mir eine Handvoll gefalteter Pappkarten in die Hand. »Damit werden die Felder numeriert. Haben Sie Schillinge dabei?«
Ich zog meinen Geldbeutel heraus und schüttete den Inhalt in meine Hand. »Drei Schilling für die kleinen Preise«, sagte Mrs. Mering, mit einem Griff alles Geld an sich reißend. Sie suchte drei Silbermünzen heraus und gab sie mir zurück. »Das übrige können wir als Wechselgeld für den Wollwarenstand verwenden.«
Unverkennbar, daß sie mit Lady Schrapnell verwandt war.
»Ich überlasse es Ihnen, in welchen Quadraten Sie die Schillinge und den Hauptpreis eingraben«, sagte sie. »Passen Sie auf, daß Sie niemand dabei beobachtet. Vermeiden Sie die Eckquadrate und die Glückszahlen — drei, sieben und dreizehn. Diese nehmen die Leute immer zuerst, und wenn der Hauptpreis zu früh gefunden wird, bekommen wir nicht genügend Geld für die Kirchenrestaurierung zusammen. Vermeiden Sie auch alle Zahlen unter zwölf. Die Kinder wählen immer eine Zahl, die ihrem Alter entspricht. Ebenso vierzehn. Heute ist der vierzehnte Juni, und die Leute wählen immer häufig das Datum. Und passen Sie auf, daß jeder immer nur in einem Quadrat gräbt. Baine, wo ist der Hauptpreis?«
»Hier, Madam«, sagte Baine und reichte ihr ein in braunes Papier eingewickeltes Päckchen.
»Einmal graben kostet zwei Penny, dreimal graben fünf.« Sie wickelte das Päckchen aus. »Hier ist unser Hauptgewinn.«
Sie reichte mir einen Teller, auf den die Mühle von Iffley gemalt war und auf dem stand: »Glückliche Zeiten auf der Themse«. Er sah haargenau so aus wie der, den mir die Morgenhaube in Abingdon hatte verkaufen wollen.
»Baine, wo ist die Schaufel?« fragte Mrs. Mering.
»Hier, Madam.« Er reichte sie mir mitsamt einem Rechen. »Damit können Sie den Sand nach dem Eingraben der Preise wieder glätten«, erklärte er.
»Wie spät ist es, Baine?« wollte Mrs. Mering wissen.
»Fünf vor zehn, Madam«, sagte er, und ich dachte, sie würde ohnmächtig.
»Und wir sind noch immer nicht fertig!« rief sie. »Baine, gehen Sie und erklären Sie Professor Peddick das Angelspiel und bringen Sie mir meine Kristallkugel! Mr. Henry, fangen Sie sofort an. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.«
Ich hob die Schaufel.
»Und auch nicht achtundzwanzig. Dort lag letztes Jahr der Hauptgewinn. Oder sechzehn. Das ist der Geburtstag der Königin.«
Sie rauschte davon, und ich begann, die Schätze zu vergraben. Baine hatte dreißig Quadrate vorbereitet. Wenn man sechzehn, achtundzwanzig, drei, sieben, dreizehn, vierzehn und alle Zahlen unter zwölf ausschloß und ebenso die Eckquadrate, blieb nicht mehr viel Auswahl.
Ich schaute mich scharf um, für den Fall, daß irgendwelche Diebe, die es auf »Glückliche Zeiten auf der Themse« abgesehen hatten, in den Hecken lauerten, und steckte dann die drei Schillinge in neunundzwanzig, dreiundzwanzig und sechsundzwanzig. Nein, das war ja eine Ecke. Einundzwanzig also. Dann stand ich da und versuchte, mir darüber klarzuwerden, welches Quadrat wohl am wenigstens nach Hauptgewinn aussehen würde und ob mir noch genügend Zeit blieb, zu Dunworthy zu springen, um ihm Bericht zu erstatten, bevor das Fest begann.
Während ich noch mit mir selbst debattierte, begannen die Glocken der Kirche von Muchings End zu läuten, Mrs. Mering stieß ein Schreichen aus, und das Kirchfest war somit offiziell eröffnet. Schleunigst vergrub ich den Hauptgewinn in Nummer achtzehn und begann zu harken.
»Sieben«, sagte eine Kinderstimme hinter mir. Ich drehte mich um. Eglantine Chattisbourne stand in einem rosa Kleid, das eine Riesenschleife zierte, vor mir. In der Hand hielt sie die Suppenschüssel, die einem Salatkopf glich.
»Es ist noch nicht eröffnet«, sagte ich, harkte über mehrere andere Quadrate und beugte mich dann darüber, um die Nummernschilder darauf zu setzen.
»Ich will aber in Nummer sieben graben«, sagte Eglantine und streckte mir fünf Penny entgegen. »Drei Versuche. Mit sieben fange ich an. Das ist meine Glückszahl.«
Ich reichte ihr die Schaufel, und sie setzte den Salatkopf ab und grub einige Zeit.
»Willst du noch ein anderes Feld ausprobieren?« fragte ich sie.
»Ich bin noch nicht fertig.« Sie grub weiter, stand aber schließlich doch auf und warf einen Blick über die übrigen Felder. »In den Ecken stecken die Preise nie«, sagte sie überlegend. »Vierzehn kann es auch nicht sein, denn ist es ist nie das Datum. Ich nehm’ zwölf. So alt werde ich an meinem nächsten Geburtstag sein.«
Wieder fing sie zu graben an. »Sind Sie sicher, daß Sie die Preise überhaupt vergraben haben?« fragte sie mißtrauisch.
»Ja«, sagte ich. »Drei Schillinge und den Hauptgewinn.«
»Das könnte jeder behaupten und die Preise heimlich für sich behalten.«
»Sie sind im Sand vergraben«, sagte ich. »Auf welchem Feld willst du deinen dritten Versuch starten?«
»Im Moment auf keinem«, erwiderte sie und gab mir die Schaufel. »Ich muß erst überlegen.«
»Wie Sie wünschen, Miss«, erwiderte ich. Sie hielt mir die Hand hin. »Ich will meine zwei Penny zurück. Für den dritten Versuch.«
Ob sie irgendwie mit Lady Schrapnell verwandt war? Vielleicht war Ellis Chattisbourne, entgegen allem Augenschein, doch Mr. C.
»Ich habe kein Wechselgeld«, sagte ich.
Sie hopste fort, ich harkte den Sand glatt und lehnte mich dann in Erwartung weiterer Kundschaft an einen Baum.
Es kam keine. Offenbar hatten sich alle zuerst auf den Basar gestürzt. In der ersten Stunde ging das Geschäft so schleppend, daß ich mich leicht wegschleichen und nach Oxford hätte springen können, wäre da nicht Eglantine gewesen, die in der Nähe herumlungerte und überlegte, welches Quadrat sie als letztes ausprobieren sollte.
Und um, wie sich herausstellte, als sie schließlich zu einem Entschluß gekommen war und vergeblich in Feld siebzehn gegraben hatte, ein wachsames Auge auf mich zu haben. »Ich glaube, Sie verteilen die Preise immer wieder neu, wenn keiner guckt«, sagte sie und schwang die Kinderschaufel. »Deshalb beobachte ich Sie schon die ganze Zeit.«
»Aber wenn du mich beobachtet hast«, sagte ich vernünftig, »wie hätte ich dann die Preise woanders vergraben können?«
»Ich weiß nicht«, erwiderte sie düster. »Aber Sie haben es getan. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Der Hauptgewinn ist immer in siebzehn.«
Ich dachte, sie verschwände, weil sie nun kein Geld mehr hatte, aber sie trieb sich weiter in meiner Nähe herum und beobachtete, wie ein kleiner Junge das Feld sechs wählte (sein Alter) und seine Mutter Feld vierzehn (das Datum).
»Vielleicht haben Sie die Preise überhaupt nicht vergraben«, meinte Eglantine, nachdem die beiden gegangen waren, der kleine Junge schluchzend, weil er keinen Preis gefunden hatte. »Vielleicht behaupten Sie das nur.«