Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie lockerte ihren Griff nicht, doch ihr Atem kam in einem erschauernden Seufzer, und ich glaubte, ihr Nicken zu spüren.
Die Pferde folgten einander im Gänsemarsch, Myers vornweg. Der grobe Pfad war nicht einmal eine Wagenstraße, nur eine Art flachgetrampelte Spur im Unterholz, doch wir kamen auf diese Weise mühelos durch den Wald.
Ich bezweifelte, dass Sergeant Murchisons Rachedurst uns so weit verfolgen würde – wenn er uns überhaupt verfolgte –, doch das Gefühl, auf der Flucht zu sein, war zu stark, um es zu ignorieren. Wir alle empfanden dasselbe unausgesprochene, aber allgegenwärtige Gefühl der Dringlichkeit, und ohne es zu besprechen, waren wir uns darüber einig, dass wir so weit wie möglich reiten wollten.
Entweder verlor meine Mitreisende ihre Furcht, oder sie wurde so müde, dass ihr alles egal war, denn nach einer mitternächtlichen Erfrischungspause ließ sie sich von Ian und Myers ohne Protest wieder auf das Pferd helfen, und obwohl sie meine Taille nie losließ, schien sie doch ab und zu einzunicken, wobei sie die Stirn an meine Schulter presste.
Auch mich ermüdete der lange Ritt allmählich, wozu auch das hypnotische, leise Hufgetrappel der Pferde und das endlose Säuseln der Kiefern über uns beitrugen. Wir befanden uns immer noch im Sumpfkiefernwald, und die hohen aufrechten Stämme um uns ragten wie die Masten längst versunkener Schiffe in die Höhe.
Die Zeilen eines uralten schottischen Liedes kamen mir in den Sinn – »Wie viele Erdbeeren wachsen im salzigen Meer; wie viele Schiffe segeln im Wald?« –, und ich fragte mich benommen, ob der Komponist wohl einmal in einem Wald wie diesem hier gewesen war, der sich unirdisch im Licht des Halbmondes und der Sterne ausbreitete, einem Traum so ähnlich, dass sich die Grenzen zwischen den Elementen auflösten – wir hätten genauso gut auf dem Wasser wie auf festem Boden sein können, das Auf und Ab unter mir die Bewegung der Planken und das Säuseln der Kiefern der Wind in unseren Segeln.
In der Morgendämmerung machten wir halt, sattelten die Pferde ab, fesselten ihre Beine und ließen sie im hohen Gras einer kleinen Wiese fressen. Ich fand Jamie und rollte mich sofort neben ihm in einem Nest aus Gras zusammen. Das friedliche Kauen der Pferde war das Letzte, was ich hörte.
Wir verschliefen die Tageshitze und erwachten kurz vor Sonnenuntergang, steif, durstig und mit Zecken übersät. Ich war zutiefst dankbar, dass die Zecken den Abscheu teilten, den die Moskitos vor mir empfanden, doch ich hatte mir auf unserer Reise nach Norden angewöhnt, Jamie und die anderen nach jeder Schlafpause zu kontrollieren; es gab immer Vorreiter.
»Igitt«, sagte ich, während ich ein besonders saftiges Exemplar von der Größe einer Traube betrachtete, das in dem weichen, zimtfarbenen Haar in Jamies Achselhöhle prangte. »Verdammt. Ich traue mich nicht, sie herauszuziehen, sie ist so vollgesogen, dass sie wahrscheinlich platzt.«
Er zuckte mit den Schultern, während er mit der anderen Hand seine Haare nach weiteren Eindringlingen durchforstete.
»Lass sie in Ruhe und kümmere dich um die anderen«, schlug er vor. »Vielleicht fällt sie von selbst ab.«
»Das sollte ich wohl«, stimmte ich zögernd zu. Von mir aus konnte die Zecke platzen, aber nicht, solange ihre Kiefer noch in Jamies Haut steckten. Ich wusste, wie eine Infektion aussah, die von einer gewaltsam entfernten Zecke herrührte, und damit wollte ich es mitten im Wald wirklich nicht zu tun bekommen. Ich hatte nur eine rudimentäre medizinische Ausrüstung bei mir – diese enthielt allerdings glücklicherweise eine sehr schöne Pinzette aus Dr. Rawlings’ Kiste.
Myers und Ian schienen gut zurechtzukommmen; beide hatten den Oberkörper entblößt, und Myers hockte über dem Jungen wie ein riesiger Pavian und machte sich mit den Fingern in Ians Haar zu schaffen.
»Hier ist ’ne kleine«, sagte Jamie, beugte sich zu mir herüber und schob das Haar zur Seite, so dass ich nach der kleinen, dunklen Erhebung hinter seinem Ohr greifen konnte. Ich war dabei, das Tierchen sanft herauszudrehen, als mir bewusst wurde, dass jemand neben mir stand.
Als wir unser Lager aufgeschlagen hatten, war ich zu müde gewesen, um besonders auf unsere Flüchtige zu achten, denn ich hatte zu Recht angenommen, dass sie sich nicht allein in die Wildnis davonmachen würde. Allerdings war sie bis zu einem Bach in der Nähe spaziert und mit einem Eimer Wasser zurückgekehrt.
Diesen stellte sie jetzt ab, schöpfte eine Handvoll Wasser und ließ es in ihren Mund laufen. Einen Moment lang kaute sie heftig mit aufgeblasenen Wangen. Dann winkte sie mich beiseite, hob zu Jamies Überraschung seinen Arm hoch und spuckte ihm kräftig in die Achselhöhle.
Sie griff in die tropfende Höhlung und schien den Parasiten vorsichtig mit den Fingern zu kitzeln. Mit Sicherheit kitzelte sie Jamie, der in dieser Gegend sehr empfindlich war. Er wurde rot im Gesicht und zuckte bei ihrer Berührung erschauernd zusammen.
Doch sie hielt ihn am Handgelenk fest, und innerhalb von Sekunden fiel ihr die pralle Zecke in die Handfläche. Sie schnippte sie verächtlich weg und wandte sich mit einem Hauch von Genugtuung zu mir.
Solange sie in ihren Umhang gewickelt war, hatte ich geglaubt, dass sie einer Kugel ähnelte. Doch ohne Umhang sah sie auch nicht anders aus. Sie war sehr klein, keine anderthalb Meter groß und fast genauso breit. Ihr kurzgeschorener Kopf erinnerte an eine Kanonenkugel, und ihre Wangen waren so rund, dass die Augen darüber zu Schlitzen verengt waren.
Sie hatte große Ähnlichkeit mit den geschnitzten afrikanischen Fruchtbarkeitsidolen, die ich auf den Westindischen Inseln gesehen hatte – mächtige Brüste, schwere Hüften und die tiefe Röstkaffeefarbe der Kongolesen. Ihre Haut war so makellos, dass sie unter dem dünnen Schweißfilm aussah wie polierter Stein. Sie hielt mir die Hand hin und zeigte mir ein paar kleine Gegenstände in ihrer Handfläche, die in etwa die Größe und Form getrockneter Limabohnen hatten.
»Pah-pah«, sagte sie mit einer so tiefen Stimme, dass selbst Myers ihr überrascht den Kopf zuwandte. Es war eine laute, volle Stimme, volltönend wie eine Trommel. Als sie meine Reaktion darauf sah, lächelte sie ein wenig schüchtern und sagte etwas, was ich nicht ganz verstand, obwohl ich wusste, dass es Gälisch sein musste.
»Sie sagt, du darfst die Samen nicht hinunterschlucken, weil sie giftig sind«, übersetzte Jamie und betrachtete sie ziemlich argwöhnisch, während er sich die Achselhöhle mit einem Zipfel seines Plaids abwischte.
»Hau«, stimmte Pollyanne zu und nickte heftig. »Gif-tick.« Sie bückte sich über ihren Eimer und schöpfte noch eine Handvoll Wasser, spülte sich damit den Mund und spuckte es gegen den Felsen. Es knallte wie ein Gewehrschuss.
»Damit könntest du anderen ganz schön gefährlich werden«, sagte ich zu ihr. Ich wusste nicht, ob sie mich verstand, doch aus meinem Lächeln schloss sie, dass meine Absichten freundschaftlich waren; sie lächelte zurück, steckte sich noch zwei der Paw-paw-Samen in den Mund und winkte Myers heran. Dabei kaute sie bereits, und die Samen zerplatzten mit einem leisen Knirschen, als sie sie zwischen ihren Zähnen zermahlte.
Als wir gegessen hatten und zum Aufbruch bereit waren, hatte sie sich, wenn auch reichlich nervös, bereit erklärt, es einmal allein auf einem Pferd zu versuchen. Jamie brachte sie dazu, sich dem Pferd zu nähern, und zeigte ihr, wie sie das Tier an ihr schnuppern lassen sollte. Sie zitterte, als die große Nase sie anstupste, doch dann schnaubte das Pferd. Sie fuhr auf, kicherte – was sich anhörte, wie wenn man Honig aus einem Krug schüttet – und ließ sich dann von Jamie und Ian hinaufhieven.
Pollyanne blieb den Männern gegenüber schüchtern, doch mir vertraute sie bald genug, um mit mir in einer polyglotten Mischung aus Gälisch, Englisch und ihrer Muttersprache zu reden. Ich hätte es nicht übersetzen können, doch ihr Gesicht und ihr Körper waren so ausdrucksvoll, dass ich oft erraten konnte, was sie sagte, obwohl ich nur jedes zehnte Wort verstand. Ich konnte nur bedauern, dass ich die Körpersprache nicht genauso beherrschte; sie verstand die meisten meiner Fragen und Bemerkungen nicht, so dass ich warten musste, bis wir unser Lager aufschlugen und ich Jamie oder Ian bitten konnte, mir mit ein paar Brocken Gälisch auszuhelfen.