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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Es war unverkennbar, daß über den Mannschaften eine gewisse Spannung lag. Von Tag zu Tag verdichtete sich das Gerücht, daß die Abfahrt nach England und damit die Einschiffung nach den Vereinigten Staaten von Amerika bevorstehe.

Michel lebte äußerlich das Dasein eines Musketiers, der mit allem zufrieden war. Ein engeres Zusammenkommen mit dem Leutnant von Eberstein vermied er absichtlich; denn er wollte sich nicht abermals dem Befehl »Er kann jetzt gehen, Musketier Baum!« aussetzen, wenn der Leutnant bei einem Gespräch nicht mehr weiterwußte.

Dennoch aber begehrte das freie Blut in Michel Baum auf gegen die Fron, die er unfreiwillig leistete. Seine Vorfahren wurden in ihm lebendig. Er sah oft im Geiste seinen unbeugsamen Großvater, wie er mit schweren, besitzergreifenden Schritten über seine Äcker ging. Ein reichsfreier Bauer, der nur dem Kaiser seinen Tribut zollte.

In diese Gedankengänge hinein platzte eines Abends nach Dienstschluß der «Spieß« mit einem ungeheuerlichen Befehl.

»Musketier Baum, er ist für die nächsten zwei Tage abkommandiert, um beim Leutnant den Reitburschen zu machen. Hat er verstanden?«

Michel glaubte nicht recht gehört zu haben. Dieses junge Bürschchen wagte es, ihm durch den Kompaniefeldwebel einen derartig entwürdigenden Dienst antragen zu lassen! Nur mit Würgen brachte er das «Jawohl« über die

Lippen. In ihm begann es zu kochen. Er stapfte durch die Stube, ohne sich um seine Kameraden zu kümmern, und ballte die Fäuste. Was sollte er tun? —

Am nächsten Morgen war er frühzeitig zum Ausritt fertig.

Als der Leutnant kam, machte er gewohntermaßen seine Ehrenbezeigung.

»Baum«, sagte Eberstein, »ich habe Euch genommen, weil ich annehme, daß Ihr die nötige Erziehung habt, einer Dame den Steigbügel zu halten. Ihr werdet uns in gebührendem Abstand begleiten, um etwaige Hilfeleistungen zu geben.«

Michel Baum drückte die bequeme Reitmütze tief ins Gesicht, um zu verhindern, daß sein Vorgesetzter die Röte bemerkte, die ihm siedend ins Gesicht schoß. Die Fäuste, die den Zügel hielten, waren verkrampft. Die Knöchel schimmerten weiß. Ohnmächtiger Zorn schüttelte den Musketier, der kaum wußte, wie er seiner Wut Herr werden sollte. Es war ihm nicht klar, ob Eberstein ihn zu seinem persönlichen Dienst aus Bosheit oder Gedankenlosigkeit befohlen hatte. Sie ritten, ohne ein Wort zu sprechen, aus dem Tor und die Hauptstraße entlang. Michel sah nicht auf. Verbissen stierte er auf den Hals seines Pferdes, eines ausgezeichneten Pferdes übrigens.

Da drang die Stimme des Leutnants an sein Ohr: »Wartet hier. Wir sind an Ort und Stelle.«

Eberstein warf ihm die Zügel zu und betrat ein Haus. Michel glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als er das der Ecks erkannte. Dunkle Ringe tanzten vor seinen Augen. Nun fehlte nur noch, daß die Dame...

Er brauchte diesen Gedanken nicht erst zu Ende zu spinnen. In diesem Augenblick kam der Leutnant wieder heraus und führte seine Dame am Arm. Es war Charlotte Eck.

Michel dachte nicht daran, vom Pferd zu steigen, um der einstigen Jugendgespielin in den Sattel zu helfen. Sollte sich der aufgeblasene Eberstein gefälligst selbst bemühen.

Der Leutnant fiel in seinen dienstlichen Ton zurück, als er fragte:

»Was hat er, Musketier? Will er nicht der Dame behilflich sein?«

Statt einer Antwort wandte sich Michel plötzlich an das schöne Mädchen.

»Du glaubst doch nicht im Ernst, Charlotte, daß ich dir auf den Gaul helfe?«

Charlotte Eck starrte ihn mit kreidebleichem Gesicht an.

»Du — du--bist es, Michel?«

»Erstaunlich, daß du dich meiner überhaupt noch erinnerst. Ist doch eigenartig, wie so eine schneidige Leutnantsmontur im Handumdrehen selbst den anständigsten Mädchen die Köpfe verdreht.«

»Laß dir erklären, Michel...«, sagte Charlotte und trat hastig auf den Freund zu und streckte ihm die Hand entgegen.

Michel machte eine wegwerfende Geste.

»Erkläre deinem buntberockten Leutnant, was du zu erklären hast. Michel Baum ist ein Musketier des Landgrafen und hat zu gehorchen.«

Der Leutnant, der bis jetzt sprachlos der Szene gefolgt war, half Charlotte selbst in den Sattel. Doch kaum saß sie oben, als Michel plötzlich die Reitpeitsche mit beiden Fäusten packte und den dicht vor ihm stehenden Pferden einige Hiebe versetzte, daß diese mitsamt ihren Reitern laut wiehernd durchgingen.

Michel gab seinem eigenen Tier die Sporen und raste , mit laut anfeuernden Rufen hinter ihnen her. Charlotte hielt sich vorbildlich im Sattel. Schlechter allerdings war es um den Leutnant bestellt. Er hatte die Bügel nicht mehr zur rechten Zeit erwischen können. Und so klebte er jetzt förmlich wie ein Affe auf dem wild dahin-galoppierenden Pferd.

Immer weiter ging die wilde Jagd. Bald war der Stadtrand erreicht. Draußen auf der freien Landstraße brach plötzlich Charlottes Pferd nach links aus. Das des Leutnants fegte geradeaus weiter. Michel folgte Charlotte. Kurz vor dem nahen Wäldchen brachte sie endlich ihr Pferd zum Stehen und sprang ab. Kurz darauf stand auch Michel neben ihr. Ohne ein Wort zu sagen, schaute er sie an. Dann murmelte er:

»Ich kann es nicht glauben! Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, so würde ich es auch nicht glauben.«

In Charlottes Augen schimmerten Tränen.

»Glaubst du denn im Ernst, daß dich dieser adlige Laffe heiraten wird, dich, eine Bürgerliche?

Nicht einmal das Geld deines Vaters könnte ihn dazu bringen!«

Endlich hatte sich Charlotte gefaßt. Rasch trat sie auf Michel zu.

»Du nimmst doch nicht etwa an, daß ich mit jenem Herrn von Eberstein etwas habe?«

Michel schüttelte den Kopf.

»Wie sollte ich nicht, da er doch bereits am frühen Morgen mit dir ausreitet?«Charlotte holte plötzlich aus und gab ihm eine schallende Ohrfeige.

»Damit du es genau weißt. Der Graf von Eberstein war gestern bei uns zu Gast, der alte Graf natürlich. Er hatte Geschäfte mit meinem Vater. Bei dieser Gelegenheit bat mich sein Sohn, ihm die Freude eines Spazierritts zu machen. Auf Wunsch meines Vaters sagte ich zu. Und ganz abgesehen davon hättest du dich ja schon lange einmal bei uns sehen lassen können. Wie kommst du überhaupt zu dieser Uniform?« »Setzen wir uns«, sagte Michel. »Ich habe dir vieles zu erzählen. Zum Beispiel, ein wie ehrenwerter Mann dieser junge Eberstein ist, so ehrenwert, daß ich es ihm allein verdanke, heute zur Sklavenarmee Seiner Hoheit des Landgrafen zu gehören, statt als wohlbestallter Medicus in Kassel Kranken zu helfen.«

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