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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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»Ich – ich glaub schon. Ich habe im Frühling nach ihm gesucht. Annabeth auch. Aber wir hatten kein Glück. Das ist ein Geheimnis, Tyson. Okay? Wenn irgendwer erfährt, dass er ein Sohn des Hades ist, dann ist er in Gefahr. Du darfst es nicht einmal Chiron sagen.«

»Die böse Weissagung«, sagte Tyson. »Die Titanen könnten ihn benutzen, wenn sie es wüssten.«

Ich starrte ihn an. Manchmal vergaß ich, dass Tyson, so riesig und kindisch, wie er war, auch ganz schönen Durchblick hatte. Er wusste, dass das nächste Kind eines der drei höchsten Götter – Zeus, Poseidon oder Hades –, das sechzehn würde, einer Weissagung zufolge den Olymp entweder retten oder zerstören würde. Die meisten nahmen an, dass ich gemeint war, aber wenn ich starb, ehe ich sechzehn wurde, dann konnte die Weissagung auch auf Nico zutreffen.

»Genau«, sagte ich. »Also …«

»Mund versiegelt«, versprach Tyson. »Wie Riss im Boden.«

An diesem Abend konnte ich nur mit Mühe einschlafen. Ich lag im Bett und lauschte auf die Wellen am Strand und die Eulen und Ungeheuer in den Wäldern. Ich hatte Angst, Albträume zu bekommen, sobald ich einnickte.

Träume sind bei Halbbluten fast niemals einfach nur Träume. Wir erhalten Botschaften. Wir erhaschen einen Blick darauf, was unseren Freunden oder Feinden passieren wird. Manchmal sehen wir sogar ein Stück der Vergangenheit oder der Zukunft. Und im Camp sind meine Träume immer häufiger und lebhafter.

Ich war also gegen Mitternacht noch immer wach und starrte das Bett über mir an, als ich merkte, dass ein seltsames Licht das Zimmer füllte. Der Salzwasserbrunnen glühte.

Ich warf meine Decke zurück und ging vorsichtig hinüber. Dampf stieg aus dem heißen Salzwasser auf. Die Farben des Regenbogens schimmerten darin, obwohl es im Zimmer kein Licht gab, außer dem Mondlicht, das von draußen hereinfiel. Dann sagte eine angenehme Frauenstimme im Dampf: Bitte eine Drachme einwerfen.

Ich schaute zu Tyson hinüber, aber der schnarchte noch immer. Er schläft ungefähr so tief wie ein mit Beruhigungsmitteln abgefüllter Elefant.

Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. So hatte ich noch nie eine Iris-Botschaft eingeholt. Unten im Brunnen funkelte eine Golddrachme. Ich hob sie hoch und warf sie in den Nebel. Die Münze verschwand.

»O Iris, Göttin des Regenbogens«, flüsterte ich. »Zeig mir … äh, was immer du mir zeigen sollst.«

Der Nebel bewegte sich. Ich sah ein dunkles Flussufer. Nebelschwaden schwebten über dem Wasser. Der Strand war mit spitzem Lavagestein übersät. Ein Junge kauerte am Flussufer und hütete ein Lagerfeuer, das in einer unnatürlichen blauen Farbe brannte. Dann sah ich das Gesicht des Jungen. Es war Nico di Angelo. Er warf Papierstücke ins Feuer – mythomagische Tauschkarten aus dem Spiel, von dem er im vergangenen Winter besessen gewesen war.

Nico war erst zehn, oder jetzt vielleicht elf, aber er sah älter aus. Seine Haare waren länger geworden. Sie waren struppig und fielen fast auf seine Schultern. Seine Augen waren dunkel und seine olivbraune Haut war bleicher geworden. Er trug zerfetzte schwarze Jeans und eine offene verschlissene Fliegerjacke, die mehrere Nummern zu groß war, über einem schwarzen Hemd. Sein Gesicht war verschmutzt, seine Augen ein wenig wild. Er sah aus wie ein Junge, der auf der Straße lebt.

Ich wartete darauf, dass er mich ansah. Zweifellos würde er außer sich vor Wut sein und mir vorwerfen, ich hätte seine Schwester sterben lassen. Aber er schien mich nicht zu bemerken.

Ich hielt still, ich wagte nicht, mich zu bewegen. Wenn nicht er diese Iris-Botschaften geschickt hatte, wer dann?

Nico warf eine weitere Tauschkarte in die blauen Flammen. »Nutzlos«, murmelte er. »Ich kann nicht fassen, dass mir dieser Kram je gefallen hat.«

»Ein kindisches Spiel, junger Herr«, sagte eine andere Stimme zustimmend. Sie schien aus der Nähe des Feuers zu kommen, aber ich konnte nicht sehen, wem sie gehörte.

Nico starrte über den Fluss. Auf dem anderen Ufer lag ein in Nebel gehüllter schwarzer Strand: die Unterwelt. Nico kampierte am Ufer des Styx.

»Ich habe versagt«, murmelte er. »Es gibt keine Möglichkeit, sie zurückzuholen.«

Die andere Stimme schwieg.

Nico drehte sich zweifelnd um. »Oder? Sprich!«

Etwas bewegte sich. Ich dachte, es sei einfach das Feuer gewesen, aber dann merkte ich, dass es die Umrisse eines Mannes hatte – ein Hauch von blauem Rauch, ein Schatten. Wenn man ihn direkt ansah, war er nicht da. Aber wenn man ihn aus dem Augenwinkel betrachtete, konnte man seine Umrisse erkennen. Ein Geist.

»Es ist noch nie gelungen«, sagte der Geist. »Aber vielleicht gibt es einen Weg.«

»Sag ihn mir«, befahl Nico. Seine Augen leuchteten entschlossen auf.

»Ein Tausch«, sagte der Geist. »Eine Seele für eine Seele.«

»Das habe ich angeboten!«

»Nicht Eure«, sagte der Geist. »Ihr könnt Eurem Vater keine Seele anbieten, die er sich irgendwann sowieso holt. Und er wartet auch nicht gerade ungeduldig auf den Tod seines Sohnes. Ich meine eine Seele, die schon tot ist. Jemand, der den Tod ausgetrickst hat.«

Nicos Gesicht verdüsterte sich. »Nicht schon wieder. Du redest von Mord.«

»Ich rede von Gerechtigkeit«, sagte der Geist. »Von Rache.«

»Das ist nicht dasselbe.«

Der Geist lachte trocken. »Ihr werdet eines Besseren belehrt werden, wenn Ihr älter seid.«

Nico starrte die Flammen an. »Warum kann ich sie nicht wenigstens heraufbeschwören? Ich will mit ihr reden. Sie würde … sie würde mir helfen.«

»Ich werde Euch helfen«, versprach der Geist. »Habe ich Euch nicht schon oft gerettet? Habe ich Euch nicht durch das Labyrinth geführt und Euch gelehrt, wie Ihr Eure Macht nutzen könnt? Wollt Ihr Eure Schwester rächen oder nicht?«

Der Tonfall des Geistes gefiel mir nicht. Er erinnerte mich an einen Jungen an meiner alten Schule, einen Tyrannen, der andere zu blöden Dingen überredete, wie Gegenstände aus dem Labor zu klauen und die Autos der Lehrer zu demolieren. Der Typ kriegte selber nie Ärger, sorgte aber dafür, dass die anderen Kinder tonnenweise von der Schule flogen.

Nico wandte sich vom Feuer ab, so dass der Geist ihn nicht sehen konnte, ich dagegen schon. Eine Träne zog eine Spur über seine Wange. »Na gut. Hast du einen Plan?«

»Aber sicher doch«, sagte der Geist und hörte sich überaus zufrieden an. »Wir haben viele düstere Wege zu gehen. Wir müssen aufbrechen …«

Das Bild flackerte. Nico verschwand. Die Frauenstimme sagte aus dem Nebeclass="underline" Bitte für weitere fünf Minuten eine Drachme einwerfen.

Im Brunnen lagen keine Münzen mehr. Ich wollte in meine Tasche greifen, aber ich trug einen Schlafanzug. Ich stürzte zum Nachttisch hinüber, um nach Kleingeld zu suchen, aber die Iris-Botschaft war schon erloschen und das Zimmer war wieder dunkel. Die Verbindung war unterbrochen.

Ich stand mitten in der Hütte und lauschte auf das Gurgeln des Salzwasserbrunnens und auf das Meer draußen.

Nico lebte noch. Er versuchte, seine Schwester von den Toten zurückzuholen. Und ich hatte so ein Gefühl, welche Seele er eintauschen wollte – die von jemandem, der den Tod ausgetrickst hatte. Rache.

Nico di Angelo würde sich auf die Suche nach mir machen.

Wir spielen Haschmich mit Skorpionen

Am nächsten Morgen ging es beim Frühstück hoch her.

Offenbar war gegen drei Uhr morgens an der Grenze des Camps ein äthiopischer Drache gesichtet worden. Ich war so erschöpft gewesen, dass ich den ganzen Lärm einfach verschlafen hatte. Die magischen Grenzen hatten das Monster zurückgehalten, aber es hatte die Hügel abgesucht, nach Schwachstellen in unserer Verteidigung Ausschau gehalten, und sich offenbar erst entfernt, als Lee Fletcher aus der Apollo-Hütte sich mit etlichen seiner Geschwister auf die Jagd nach ihm gemacht hatte. Nachdem einige Dutzend Pfeile in den Spalten der Rüstung des Drachens steckten, hatte das Vieh kapiert und sich davongemacht.

»Er ist noch immer da draußen«, sagte Lee warnend. »Zwanzig Pfeile in seinem Panzer, und wir haben ihn nur wütend gemacht. Das Ding ist zehn Meter lang und leuchtend grün. Seine Augen …«, er schüttelte sich.

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