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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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Silenus zog sein gelbes Polohemd über seinem Schmerbauch hinunter und setzte sich auf seinem Rosenstrauchthron zurecht. »Mein lieber Herr Underwood, wir hören jetzt seit sechs Monaten – sechs Monaten! – diese skandalöse Behauptung, Sie hätten den wilden Gott Pan sprechen hören.«

»Aber ich habe ihn wirklich gehört!«

»Unverschämtheit«, sagte der Ratsherr zur Linken.

»Aber Maron«, sagte Chiron. »Geduld.«

»Was heißt hier Geduld!«, rief Maron. »Ich habe diesen Unsinn bis zu den Hörnern satt. Als ob der wilde Gott ausgerechnet mit … mit dem da reden würde.«

Wacholder sah aus, als ob sie den alten Satyr am liebsten zusammengeschlagen hätte, aber Annabeth und Clarisse hielten sie zurück. »Falscher Moment«, murmelte Clarisse. »Warte.«

Ich weiß nicht, was mich mehr überraschte: die Tatsache, dass Clarisse jemanden von einer Prügelei zurückhielt, oder die Tatsache, dass sie und Annabeth, die sich gegenseitig verachteten, fast aussahen, als ob sie hier unter einer Decke steckten.

»Sechs Monate lang«, sagte jetzt Silenus, »haben wir Sie gewähren lassen, Herr Underwood. Wir haben Ihnen die Reise erlaubt. Wir haben Ihnen die Sucherzulassung nicht entzogen. Wir haben darauf gewartet, dass Sie einen Beweis für Ihre skandalöse Behauptung erbringen. Und was haben Sie in den sechs Monaten auf Reisen herausgefunden?«

»Ich brauche nur einfach mehr Zeit«, sagte Grover flehend.

»Nichts!«, meldete der Ratsherr in der Mitte sich zu Wort. »Sie haben nichts herausgefunden.«

»Aber Leneus …«

Silenus hob die Hand. Chiron beugte sich vor und sagte etwas zu den Satyrn. Sie sahen nicht gerade glücklich aus und murmelten und diskutierten untereinander, aber Chiron sagte wieder etwas und Silenus seufzte. Widerstrebend nickte er.

»Mein lieber Herr Underwood«, verkündete Silenus. »Wir geben Ihnen noch eine Chance.«

Grovers Miene erhellte sich. »Danke!«

»Noch eine Woche!«

»Was? Aber, Sir! Das ist unmöglich.«

»Noch eine Woche, Herr Underwood. Und wenn Sie Ihre Behauptung dann noch immer nicht beweisen können, müssen Sie sich einen anderen Beruf aussuchen. Etwas, das zu Ihrer dramatischen Begabung passt. Puppentheater vielleicht. Oder Stepptanzen.«

»Aber Sir, ich – ich darf meine Sucherzulassung nicht verlieren. Mein ganzes Leben …«

»Die Versammlung des Rates ist beendet«, sagte Silenus. »Und jetzt wollen wir unser Mittagsmahl genießen.«

Der alte Satyr klatschte in die Hände und eine Gruppe von Nymphen löste sich aus den Bäumen und brachte Tabletts voller Gemüse, Obst, Blechdosen und anderer Ziegenköstlichkeiten. Der Kreis der Satyrn löste sich auf und sie machten sich über das Essen her. Grover kam mit hängendem Kopf auf uns zu. Sein verwaschenes blaues T-Shirt war mit dem Bild eines Satyrs bedruckt. Darunter stand NUR ECHT MIT HUFEN!

»Hallo, Percy«, sagte er. Er war so deprimiert, dass er nicht einmal meine Hand schütteln wollte. »Das lief ja super, was?«

»Diese alten Böcke«, sagte Wacholder. »Ach, Grover, die haben doch keine Ahnung, was du dir für eine Mühe gegeben hast!«

»Es gibt noch eine Möglichkeit«, sagte Clarisse düster.

»Nein. Nein.« Wacholder schüttelte den Kopf. »Grover, das lasse ich nicht zu.«

Sein Gesicht war aschgrau. »Ich – ich muss darüber nachdenken. Aber wir wissen doch nicht mal, wo wir suchen sollen.«

»Worüber redet ihr eigentlich?«, fragte ich.

In der Ferne erscholl ein Muschelhorn.

Annabeth spitzte die Lippen. »Ich erkläre es dir später, Percy. Jetzt sollten wir machen, dass wir in unsere Hütten kommen. Die Inspektion geht los.«

Ich fand es nicht fair, dass ich zur Inspektion musste, wo ich doch gerade erst im Camp angekommen war, aber so war es nun einmal. An jedem Nachmittag ging einer von den Hüttenältesten mit einer Papyrusrolle herum, auf der lauter wichtige Ordnungskriterien aufgeführt waren. Die beste Hütte bekam die erste Duschstunde, was bedeutete, dass sie garantiert heißes Wasser hatte. Die schlechteste musste nach dem Abendessen Küchendienst schieben.

Mein Problem war: Normalerweise war ich der einzige Bewohner der Poseidon-Hütte, und ich bin nicht gerade ein Ordnungsmensch. Die Putzharpyien kamen nur am letzten Tag des Sommers, weshalb meine Hütte vermutlich so aussah, wie ich sie nach den Winterferien verlassen hatte: Meine Bonbonpapiere und Pommestüten lagen noch auf dem Bett und meine Rüstung für das Erobern der Flagge lag in ihre Bestandteile zerlegt überall in der Hütte herum.

Ich stürzte zu den zwölf Hütten – für jede olympische Gottheit eine –, die um die Wiese in der Mitte des Camps ein U bildeten. Die Demeter-Kids fegten ihre gerade aus und ließen in ihren Fensterkästen frische Blumen wachsen. Einfach durch ein Fingerschnippen konnten sie über ihrer Tür Klee und auf ihrem Dach Gänseblümchen blühen lassen, was total unfair war. Ich glaube nicht, dass sie bei einer Inspektion je auf dem letzten Platz gelandet waren. Die Typen aus der Hermes-Hütte wuselten voller Panik durcheinander, stopften schmutzige Wäsche unter ihre Betten und beschuldigten sich gegenseitig, alles Mögliche geklaut zu haben. Sie waren schlampig, aber sie waren noch immer deutlich besser als ich.

Silena Beauregard verließ gerade die gegenüber gelegene Hütte und kreuzte Punkte auf ihrer Inspektionsrolle an. Ich fluchte leise. Silena war nett, aber sie war der totale Ordnungsfreak, die schlimmste Inspektorin. Sie mochte es, wenn alles hübsch aussah. »Hübsch« war nicht mein Ding. Ich merkte geradezu, wie meine Arme schwer wurden, weil ich abends unendlich viel Geschirr würde spülen müssen.

Die Poseidon-Hütte stand am Ende der Reihe von Hütten männlicher Gottheiten auf der rechten Seite der Wiese. Sie bestand aus grauem, mit Muscheln bewachsenem Seefels und war lang und niedrig wie ein Bunker, aber sie hatte Fenster mit Blick auf das Meer und immer wurde sie von einer frischen Brise durchweht.

Ich stürzte hinein mit dem Gedanken, dass ich vielleicht schnell alles unters Bett schieben könnte, wie die Hermes-Typen, und entdeckte, dass mein Halbbruder Tyson gerade den Boden kehrte.

»Percy!«, brüllte er. Er ließ den Besen fallen und kam auf mich zugestürzt. Falls euch noch nie ein enthusiastischer Zyklop in einer geblümten Schürze und Gummihandschuhen um den Hals gefallen ist, kann ich euch sagen, davon wird man ganz schnell wach.

»He, Großer«, sagte ich. »Au, Vorsicht mit meinen Rippen. Meine Rippen!«

Ich schaffte es, seine Bärenumarmung zu überleben. Er stellte mich wieder hin und grinste dabei wie verrückt, sein einziges kalbsbraunes Auge glühte vor Erregung. Seine Zähne waren gelb und krumm wie immer, und sein Haar sah aus wie ein Rattennest. Unter der geblümten Schürze trug er zerfetzte Jeans Größe XXXL und ein zerlumptes Flanellhemd, aber für mich war er trotzdem der pure Augenschmaus. Ich hatte ihn vor fast einem Jahr zuletzt gesehen, danach war er untergetaucht, um in den Schmieden der Zyklopen zu arbeiten.

»Alles in Ordnung bei dir?«, fragte er. »Nicht von Monstern gefressen?«

»Aber nicht im Geringsten.« Ich zeigte ihm, dass ich noch immer beide Arme und beide Beine hatte, und Tyson klatschte glücklich in die Hände.

»Klasse!«, sagte er. »Jetzt können wir Brote mit Erdnussbutter fressen und auf Fischponys reiten! Wir können gegen Monster kämpfen und Annabeth treffen und lauter Sachen BUMM machen lassen!«

Ich hoffte, dass er das nicht alles gleichzeitig machen wollte, aber ich sagte, klar doch, wir würden in diesem Sommer wahnsinnig viel Spaß haben. Ich musste einfach lächeln, weil er von allem so begeistert war.

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