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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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Ich wusste, dass Monster niemals wirklich starben. Irgendwann – in Wochen, Monaten oder auch Jahren – würde Kelli im widerlichen Urschlamm der Unterwelt wieder Gestalt annehmen. Aber dennoch ließen sie sich normalerweise nicht so leicht zerstören. Falls sie überhaupt wirklich zerstört war.

Das Taxi bog auf die 25 A ab. Wir fuhren durch die Wälder an der Nordküste, bis auf unserer Linken ein niedriger Hügelkamm auftauchte. Annabeth bat den Fahrer, an der Farm Road 3141 zu halten, gleich unterhalb des Half-Blood Hill.

Der Fahrer runzelte die Stirn. »Hier gibt’s aber weit und breit nichts, junge Frau. Sicher, dass ihr rauswollt?«

»Ja, bitte.« Annabeth reichte ihm ein Bündel Sterblichen-Geld und der Fahrer beschloss, keine weiteren Fragen zu stellen.

Annabeth und ich kletterten auf den Hügel. Der junge Wachdrache war eingenickt; er hatte sich um die Fichte gewickelt, aber er hob seinen kupferroten Kopf, als wir näher kamen, und ließ sich von Annabeth unter dem Kinn kraulen. Rauch quoll aus seinen Nüstern wie aus einem Teekessel, und er verdrehte vor Wohlbehagen die Augen.

»Hallo, Peleus«, sagte Annabeth. »Passt du gut auf alles auf?«

Als ich den Drachen zuletzt gesehen hatte, war er einen Meter achtzig lang gewesen. Jetzt war er mindestens doppelt so groß und so dick wie der Baum selbst. Über seinem Kopf schimmerte am untersten Ast der Fichte das Goldene Vlies, dessen Magie die Grenzen des Camps vor Eindringlingen beschützte. Der Drache wirkte entspannt, so, als sei alles in Ordnung. Das Camp unter uns sah friedlich aus – grüne Wiesen, Wald, leuchtend weiße griechische Gebäude. Das vierstöckige Bauernhaus, das wir als das Hauptgebäude bezeichneten, thronte zwischen den Erdbeerfeldern. Im Norden hinter dem Strand glitzerte der Long Island Sound im Sonnenlicht.

Aber irgendetwas stimmte nicht. In der Luft lag eine Spannung, als halte der ganze Hügel den Atem an und warte auf eine Katastrophe.

Wir gingen ins Tal hinab und stellten fest, dass die Sommersaison schon voll im Gang war. Die meisten Campbewohner waren am vergangenen Freitag eingetroffen, und ich fühlte mich sofort ausgeschlossen. Die Satyrn spielten in den Erdbeerfeldern auf ihren Flöten und ließen durch Waldmagie die Pflanzen wachsen. Campbewohner bekamen Unterricht im Pferdeflug und sausten auf ihren Pegasi über die Bäume hinweg. Aus den Schmieden stieg Rauch auf und Hämmer klirrten, weil in der Abteilung für Kunsthandwerk Waffen hergestellt wurden. Die Teams von Athene und Demeter veranstalteten ein Wagenrennen und auf dem Kanusee kämpften einige Leute in einem griechischen Dreiruderer gegen eine riesige orangefarbene Seeschlange. Es war ein typischer Tag im Camp.

»Ich muss mit Clarisse sprechen«, sagte Annabeth.

Ich starrte sie an, als ob sie soeben verkündet hätte, sie müsse einen riesigen stinkenden Stiefel aufessen.

»Wieso das denn?«

Clarisse aus der Ares-Hütte gehörte zu den Leuten, die ich am allerwenigsten mochte. Sie war eine gemeine, undankbare Tyrannin. Ihr Dad, der Kriegsgott, wollte mich umbringen. Sie versuchte in regelmäßigen Abständen, mich zu Brei zu schlagen. Abgesehen davon war sie super.

»Wir haben da so ein Projekt«, sagte Annabeth. »Bis nachher.«

»Was denn für ein Projekt?«

Annabeth schaute kurz zum Waldrand hinüber.

»Ich sage Chiron, dass du hier bist«, sagte sie. »Er wird vor der Versammlung noch mit dir reden wollen.«

»Was für eine Versammlung?«

Aber sie lief schon den Pfad zum Bogenschießgelände hinunter, ohne sich umzusehen.

»Ja«, murmelte ich. »War toll, mit dir zu reden.«

Auf dem Weg durch das Camp begrüßte ich einige von meinen Freunden. Auf der Auffahrt vor dem Hauptgebäude knackten Connor und Travis aus der Hermes-Hütte gerade den Geländewagen des Camps. Silena Beauregard, die Leiterin der Aphrodite-Hütte, winkte mir im Vorüberfliegen von ihrem Pegasus zu. Ich hielt Ausschau nach Grover, konnte ihn aber nicht entdecken. Schließlich ging ich in die Schwertkampfarena, denn das mache ich meistens, wenn ich schlechter Laune bin. Training beruhigt mich immer. Vielleicht, weil Schwertkampf das Einzige ist, womit ich mich wirklich auskenne.

Als ich ins Amphitheater kam, hätte fast mein Herz ausgesetzt. Denn in der Mitte der Arena stand, mit dem Rücken zu mir, der größte Höllenhund, den ich jemals gesehen hatte.

Dabei habe ich schon einige ganz schön große Höllenhunde gesehen. Einer von Nashorngröße hatte versucht, mich umzubringen, als ich zwölf war. Aber dieser hier war größer als ein Panzer. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie er die magischen Campgrenzen überwunden hatte. Er schien sich wie zu Hause zu fühlen, lag auf dem Bauch und grunzte zufrieden, während er einer Strohpuppe den Kopf abbiss. Er hatte mich noch nicht bemerkt, aber sobald ich ein Geräusch machte, war ich geliefert, das wusste ich. Mir blieb keine Zeit, um Hilfe zu holen. Ich zog Springflut aus der Tasche und drehte die Kappe ab.

»Jaaaa!« Ich griff an. Meine Klinge hätte um ein Haar das riesige Hinterteil des Monsters getroffen, als aus dem Nirgendwo ein anderes Schwert dazwischenfuhr.

KLONG!

Der Höllenhund spitzte die Ohren. »WUFF!«

Ich sprang zurück und schlug instinktiv nach dem Schwertkämpfer – einem grauhaarigen Mann in griechischer Rüstung. Er parierte meinen Angriff ohne Mühe.

»Heda!«, sagte er. »Waffenstillstand!«

»WUFF!« Das Gebell des Höllenhundes ließ die Arena zittern.

»Das ist ein Höllenhund!«, schrie ich.

»Die will nur spielen«, sagte der Mann. »Das ist Mrs O’Leary.«

Ich kniff die Augen zusammen. »Mrs O’Leary?«

Als sie ihren Namen hörte, bellte die Höllenhündin ein weiteres Mal. Mir ging auf, dass sie gar nicht wütend war – sie war aufgeregt. Sie stupste die halb aufgelöste, übel zerkaute Strohpuppe zu dem Schwertkämpfer hinüber.

»Braves Mädchen«, sagte der Mann. Mit seiner freien Hand packte er die Puppe in ihrer Rüstung am Hals und schleuderte sie in Richtung Tribünen. »Hol den Griechen! Hol den Griechen!«

Mrs O’Leary setzte ihrer Beute hinterher, sprang darauf und drückte die Rüstung platt. Sie fing an, auf dem Helm herumzukauen.

Der Schwertkämpfer grinste. Er war vielleicht Mitte fünfzig, hatte kurze graue Haare und einen kurzen grauen Bart. Für sein Alter war er gut in Form. Er trug schwarze Bergsteigerhosen und einen bronzenen Brustpanzer, den er über ein orangefarbenes Camp-T-Shirt geschnallt hatte. Unten an seinem Hals war ein seltsames Zeichen zu sehen, ein lila Fleck wie ein Muttermal oder ein Tattoo, aber ehe ich es mir genauer ansehen konnte, zog er die Träger des Brustpanzers hoch und der Fleck verschwand unter seinem Kragen.

»Mrs O’Leary ist mein Haustier«, erklärte er. »Da konnte ich doch nicht zulassen, dass du ihr ein Schwert in den Bauch bohrst, oder? Das hätte sie vielleicht erschreckt.«

»Wer sind Sie?«

»Versprichst du, mich nicht umzubringen, wenn ich mein Schwert weglege?«

»Von mir aus.«

Er ließ das Schwert in die Scheide gleiten und streckte die Hand aus. »Quintus.«

Ich schüttelte seine Hand. Sie war rau wie Sandpapier.

»Percy Jackson«, sagte ich. »Tut mir leid wegen … Wie haben Sie überhaupt …«

»Mir einen Höllenhund als Haustier zugelegt? Lange Geschichte, voller tödlicher Gefahren und etlicher riesiger Kauspielzeuge. Ich bin übrigens der neue Lehrer im Schwertkampf. Greife Chiron unter die Arme, während Mr D nicht da ist.«

»Ach.« Ich versuchte, nicht zu glotzen, als Mrs O’Leary der Strohpuppe den Schild samt Arm abriss und ihn schüttelte wie ein Frisbee. »Moment, Mr D ist nicht da?«

»Ja, na ja … viel zu tun. Da muss sogar Dionysos einspringen. Er besucht alte Freunde. Sorgt dafür, dass sie auf der richtigen Seite stehen. Und mehr sollte ich wohl besser nicht verraten.«

Wenn Dionysos wirklich weg war, dann war das die beste Nachricht des Tages. Er war nur deshalb unser Campleiter, weil Zeus ihn zur Strafe hergeschickt hatte, nachdem er verbotenerweise eine Waldnymphe belästigt hatte. Er hasste die Campbewohner und gab sich alle Mühe, uns das Leben schwer zu machen. Wenn er nicht da war, konnte dieser Sommer vielleicht doch noch nett werden. Andererseits, wenn sogar Dionysos den Hintern hochgekriegt hatte und jetzt den Göttern half, Truppen gegen die titanische Bedrohung zu sammeln, dann musste die Lage doch ganz schön mies sein.

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